Kalkfarbe im Wohnbereich




Hallo,
ich habe zwar kein Fachwerkhaus, aber folgende Frage.
Mein Haus ist ein "normales" Einfamilienhaus. Stein auf Stein/verklinkert.35 Jahre alt.
Ich möchte einen Raum nun renovieren. Wir haben Probleme mit feuchten/kalten Wänden/Kältebrücken - in der Außenecke Decke/Wand sammelt sich im Winter Kondenswasser und es tropft.Schimmelstippen an Wand und Decke.
Dieser Raum ist bisher mit Rauhfaser und Wandfarbe versehen. Und die Außenwand mit Isotapete (Ich weiß jetzt, das ist total verkehrt, weil keine Atmung).
Ich bin jetzt auf die Kalkfarbe im Net gestoßen. Verbrauchsfertig getönt. Die Eigenschaften der Farbe hören sich ja gut an. Ich bin jetzt nur verunsichert, wie die Kalkfarbe sich Verarbeiten läßt, wird es da Probleme geben? Soll ich sie auf dem Wandputz anbringen, oder kann ich gar Rauhfaser als Untergrund haben?
Wie wird das Streichergebnis aussehen?
Hat da jemand Erfahrung,oder kann mir Tipps geben?





die Eigenschaften der Kalkfarbe sind zwar im Prinzip wünschenswert, aber bewirken auch keine Wunder.

Solange der Untergrund nicht "atmungsaktiv" ist (z.B. Rauhfaser mit Dispersionsfarbe), wird die Kalkfarbe daran auch nichts ändern.

Das mit dem "atmen" ist natürlich auch Quatsch, entscheidend ist, ob Kondensat von Oberfläche und Untergrund aufgenommen und später wieder abgegeben werden kann oder eben nicht.
Solange auf der Wand eine Schicht ist, die hierfür undurchlässig ist, ist der ganze Effekt weg (z.B. eine Tapete, die mit Dispersionsfarbe gestrichen ist).

Von der Frage, ob der darunter liegende Putz diese Eigenschaften unterstützt oder nicht, ganz abgesehen. Die Fähigkeit Wasser aufzunehmen und rasch wieder abzugeben, ist bei den verschiedenen Putz-Arten recht unterschiedlich.
Die Frage lässt sich also nur beantworten, wenn man auch den Untergrund kennt.

Daneben gibt es auch ganz verschiedene Kalkfarben.
Es gibt solche ohne Bindemittel, die bisweilen zum kreiden neigen, solche mit Kasein (Eiweiß) als Bindemittel, solche mit Leim als Bindemittel (meist Zellulose) und solche, die eigentlich Dispersionsfarben sind. Die enthalten die selben Bindemitteln wie die üblichen Dispersionsfarben, allerdings oft in geringerer Menge.
Die reinen Kalkfarben binden ab durch Reaktion mit Co2 aus der Luft, in allen anderen Arten ist der Kalk eigentlich nur für das weisse zuständig.
Die schimmelhemmenden Eigenschaften von Kalkfarbe werden von der Alkalität des Ca-Hydroxides vermittelt, das in gebundenen Kalkfarben nur wenig bis gar nicht enthalten ist. Hauptbestandteil ist dort Marmormehl. Das ist aber nicht mehr alkalisch, und wenn das Ca-Hydroxid in der reinen Kalkfarbe ausreichend Co2 aus der Luft aufgenommen hat, ist es "durchcabonatisiert" und auch nicht mehr alkalisch.

Fazit: Wenn die Wand hierfür ungeeignet ist, wird Kalkfarbe keine Wunder bewirken und der schimmelhemmende Effekt (wenn es denn einen gibt) ist zeitlich begrenzt.

Das Problem sind die kalt-feuchten Wände, nicht der Anstrich.

Gruß

GE



Wurzel des Übels



Also, wenn in meinem Haus das Kondenswasser von den Wänden läuft würde ich mir erst einmal Gedanken machen, wie ich das abstellen kann. Kostet zwar mehr als zwei eimer Farbe, aber meine Gesundheit wäre mir das Wert. Solange das grundlegende Problem nicht behoben ist, bringt alles Streichen nix.

Ansonsten ist auch Kalkfarbe nur eine Farbe, wobei man beachten sollte, dass die nicht mit der Rolle sondern mit einem Quast aufgetragen wird.