wieviel Kalkanstriche bei vorheriger Grundierung mit Kreidezeit GekkoSol

08.08.2011



Hallo,


wir möchten auf bereits (terakotta)gestrichene Raufasertapete Kalkfarbe aufbringen. Damit diese hält und deckt, müssen wir wohl Grundieren. Entschieden haben wir uns für GekkoSol Feinkorn von Kreidezeit.

Müssen dann auf diese- an sich schon deckende- Grundierung trotzdem noch zwei Kalfarbenanstriche oder genügt einer?

Ist es ratsam bereits die Grundierung zu tönen, oder genügt das Abtönen der späteren Kalkfarbe?

Viele Grüße, Susi und Tino (die noch nie mit Kalkfarbe gearbeitet haben, das aber unbedingt haben wollen)



Kalkfarbe auf Rauhfaser



Hallo,

zuerst für alle.
Kalkfarbe kann man nur auf mineralischen Untergründen verarbeiten, d.h. Putze aus Kalk oder Zement.
Alles andere, auch wenn dieses der Hersteller anpreist, ist keine Kalkfarbe. Hierbei handelt es um Farbe mit organischen Zusätzen. Also um eine "Gelddruckprodukt", denn Kalkfarbe ist spottbillig.

Bleibt beim Rauhfaseranstrich bei der alten Vorgehensweise. Diffusionsoffener wird es eh nicht mehr.

MfG



Wie Thomas alles schon deutlichst beschrieb .



Das kann ich auch unterschreiben .
Ihr habt 0 Ahnung von Kalktechnik. Lasst die Finger davon, da haben viele Fachleute Probleme damit, vor allem die Jüngeren Jahrgänge die erst in den 70er und 80er Jahren den Beruf erlernten und kaum mit Kalk in Berührung kamen .



Doppelt gemoppelt



Wenn Ihr schon Gekkko-Sol verwenden wollt, braucht Ihr anschließend gar keinen weiteren Anstrich mehr. Ich würde allerdings erst einmal die Tapete runter reißen. Wenn der Untergrund für Kalkfarbe nicht geeignet ist und Ihr nicht neu Verputzen (lassen) wollt, mit Gekkko-Sol Streichen (mit Pigmenten, wenn's nicht weiß sein soll) und das war es dann. Sehr wahrscheinlich braucht Ihr unter dem Gekkko-Sol aber noch eine Grundierung (steht alles im Produktdatenblatt).

Gekkko-Sol oder Kalkfarbe auf Tapete mit Dispersionsfarbe macht wirklich keinen Sinn, und beides übereinander ist einfach überflüssig.

Grüße



Nur



weil wir davon keine Ahnung haben, können wir es ja wohl verwenden. Darum frage ich ja.

Im Naturprodukte-Baumarkt hat man uns soeben erklärt, dass das mit dem Kalk auf der Tapete nichts wird. Grundierung hin oder her.

Wir sollen die Tapeten runter machen. Drunter ist Putz mit neuen Gipsausbesserungen (Wände wurden begradigt). Man hat uns geraten, eine Kaseingrundierung aufzutragen und darüber dann den Sumpfkalk (weil der auf dem Gips, der heutzutage kein reiner Gips mehr ist, nicht hält).

Ist das soweit korrekt?



Warum soll es



denn Sumpfkalk sein? Kaseingrundierung ist in Ordnung.
Vorher aber auch den alten Tapetenkleister richtig abwaschen. Danach würde ich Kreidezeit Marmormehl-Kaseinfarbe streichen, die deckt garantiert beim zweiten Anstrich- und da habt ihr auch Kalkstein - Marmor gemahlen
als Füllstoff drin. Ich vermute, ihr wollt vor Allem die
matte Optik.



Sumpfkalk



soll es vor allem wegen der schimmelvorbeugenden Wirkung sein. Es ist ein über 100 Jahre altes Haus mit ungedämmten Außenwänden.
Im Treppenhaus riecht es schon so muffig und es gab vor Jahren wegen eines Dachrinennschadens einen Schimmelvorfall (kleine Stelle). Das Gemäuder scheint also grundsätzlich anfällig zu sein.

Eine Kaseinfarbe käme uns natürlich viel gelegener, v.a. da man die lt. Beratung auch auf die olle Raufaser auftragen könnte. Und abriebfester ist sie auch. Aber mit der Schimmelvorbeugung ist es da nicht weit her.

Da es nur eine Mietwohnung ist, soll es eigentlich finanziell als auch vom Aufwand her im Rahmen bleiben. Aber wenn die 500 qm Tapeten eben unbedingt ab müssen, dann soll es wohl so sein :)



Nochwas



ist ne Kalkfarbe erstmal schön durchcarbonisiert kann sich selbst auf einer kalkgestrichenen Wand Schimmel bilden!!

Was spricht gegen eine Silikatfarbe ist schließlich auch schön alkalisch.



Mit Erdpigmenten getönte Kalkkaseinfarbe, zweimaliger Bürstenanstrich



wurde in einem 110 jährigem Altbau (auch an den Außenwänden)
ausgeführt. Aber warum überhaupt die Angst vorm Schimmel? Wenn diese Außenwand bisher nicht befallen ist, wirds bei Berücksichtigung der Grundregeln,
auch in Zukunft keine Probleme geben. Das Muffige im Treppenhaus habt ihr danmit auch nicht beseitigt.
Tapete drauflassen und matte Innendispersion oder Kaseinfarbe. Oder runtermachen und Silikatdispersion, gefüllte Kalkfarbe oder Kaseinfarbe drauf.
Dann fühlt Ihr Euch sicher wohl. Vielleicht fällt Euch außer Weiss- auch noch ein anderer Ton ein. Der Farbton ist ein Teil der Raumstimmung - und fürs Wohlgefühl der Nutzer fast so wichtig wie die Zusammensetzung des Anstrichmaterials.

Grüße
Birger Jesch



Erst einmal vielen Dank



für die vielen Anregungen. Das es - ebenfalls alkalische-Silikatfarbe gibt, wussten wir zB nicht.

Wir haben uns gestern beim Maler einen Kostenvoranschlag machen lassen und der möchte gerne mit Caparol Sylitol Bio Innenfarbe direkt auf die Altanstriche streichen.

Ist das empfehlenswert oder können wir Silikatfarbe vergessen, wenn wir die Tapeten nicht runter machen wollen?

Angenommen wir entscheiden uns für die Kaseinfarbe. Sollten wir dann nochmal grundieren, bevor wir sie auf die Altfarbe aufbringen? Auch wegen der Deckkraft..teilweise gilt es mittelbraune Wände zu überdecken.

Viele Grüße



Kasein oder Silikat



Beides könnt ihr draufstreichen. Bei Kasein würde ich mit
verdünntem Kaseinleim und etwas von der fertigen Kaseinfarbe drin, das erste Mal vorstreichen.
Selbermischrezepte findet ihr in früheren Forumseinträgen.
Hier ein aktuelles Wand-Bild einer Kalk-Kaseinfarbe mit
Echtblau, Ölgrün und Rügener Kreide. Die Rezeptur wurde
zur späteren Erinnerung, gleich auf die Wand, hinter den großen Schrank geschrieben.





Hallo,

zunächst einmal widerspreche ich Herrn Menges. Natürlich kann man Kalkanstriche (selbstgemischt aus Sumpfkalk+Wasser+Zusätze) nur auf mineralische Untergründe streichen. Dazu sind besondere Handwerkskenntnisse erforderlich, der Schichtaufbau bis zur Deckung ist aufwendig und viellagig und es gehört nicht in Laienhände.
Dispergierter Kalk (wie Kreidezeit Sumpfkalkfarbe) hält jedoch auch problemlos auf matten und saugfähigen Kunstharzdispersionen sowie Papiertapeten.
Die Ansage es handele sich um "Gelddruckprodukte" begründet durch organische Zusätze ist schlichtweg Quatsch.
Dispergierter Kalk enthält 0,25 - 0,5 % Methylcellulose zur Wasserrückhaltung. Des weiteren Marmormehlen zur Füllung und Magerung so dass die Farbe dicker gestrichen werden kann und schon in 2 Anstrichen deckt. Die Bindung ist hervorragend, die Anwendungssicherheit ermöglicht es auch Laien, diese Farben zu verwenden.
Kalkanstrichen (aus Sumpfkalk) werden zur Verbesserung der Bindung Kasein (Quark) und ggf. etwas Leinöl zugefügt.
Beides organische Materialien und in höherem Prozentsatz eingesetzt.

Wichtig und richtig ist die Aussage von Herrn Jesch, dass nach Entfernen der Tapete unbedingt der Kleister weggewaschen werden muss (sonst Gefahr von Gilbdurchschlägen und Farbabplatzungen). Dies gilt für alle Farben, nicht nur für Kalk.

Wenn die Wand dann gereinigt ist, muss Kaseingrundierung vor der Kalkfabe oder einer Kaseinfarbe aufgetragen werden.

Was mir bei der ganzen Diskussion um mögliche Farbanstriche jedoch fehlt: ... das einfache Anstreichen von Wänden mit vielen Ausbesserungen führt im Regelfall zu keinen schönen Oberflächen, da die Ausbesserungen sich trotz farblicher Deckung plastisch abzeichnen.

Hier ist mindestens ein mehr oder weniger stark schlämmender Voranstrich oder aber ein vollflächiges Verspachteln der Wand zwecks Strukturausgleich erforderlich.
Alles andere kann meist nur mit großem Idealismus als schön befunden werden.

GekkkoSOL wird hier überhaupt nicht benötigt.

Wenn schon ein muffiger Geruch vorhanden ist, würde ich auch zu einem Entfernen der Tapeten und Reinigen der Wand raten.

Gruß
M.Meißner



Kalkfarbe



@Meißner, Kreidezeit und alle anderen Industrievertreter

Grundsätzlich, ich bin ein Vertreter meines Berufstandes und man hört nicht`s anderes mehr in dieser Welt das man sich bilden soll. Nur, wie den noch als Handwerker der Fertigprodukte geliefert kriegt.

Aus ihrer Sicht mag es toll sein ein modifiziertes Produkt herauszubringen das "jedermann" verarbeiten kann und (fast) überall anwendbar ist. Nur was hat das noch mit Bildung zu tun????

Eine Kalkfarbe ist ein reines Produkt und es besitzt besondere Eigenschaften die in Verbindung mit dem "reinen" Untergrund erst wirken. Nicht ohne Grund müssen/sollen 5 Anstriche ausgeführt werden.

Der "Fachmann" hat einmal gelernt wie sein Material zusammengesetzt wird und musste dafür viel lernen, was komischerweise damals auch Sonderschüler beherschten und schafften. Und heute.

Nehmen sie es mir nicht persönlich übel aber ich bin halt ein Gegner industrieller Fertigprodukte, egal ob Handwerk, Küche oder Landwirtschaft. Weil Wissen ist Macht, auch ohne Abitur und Studium.

MfG





Hallo Herr Menges,

ich gebe Ihnen vollkommen recht, dass durch die Lieferung von Fertigprodukten Bildung verhindert und Wissen verloren geht.
Das ist schade. In unserer Firma befassen wir uns deshalb mit beidem. Dass sie ein Gegner industrieller Fertigprodukte sind, ist doch völlig in Ordnung.

In diesem Thema jedoch haben wir es mit einer Bauherrschaft zu tun, die wenig oder gar keine Vorkenntnisse hat.
Für diese Anwender sind Fertigprodukte besser geeignet, oder eben das Hinzuziehen ausgebildeter Handwerker.
Auch wenn die Bauherrschaft sich nun für ein Silikatsystem entscheidet, wird sie sicher auf ein Fertigprodukt zurückgreifen müssen, da sie mit einem reinen Silikatsystem bestimmt überfordert wären.

Für die Restauration rate ich gern dazu, auf die klassischen Verfahren zurück zu greifen. Für private DIY Anwendung lieber zu Fertigprodukten.

Gruß
M.Meißner



Kalkmilch in Stadtwohnung?



Jetzt verwechselt Thomas Menges etwas. Es gab auch vor 100 Jahren kein Bedürfnis in einem Wohnzimmer die Wände in
Kalkmilch stehen zu lassen. Auch wenn wir hier im Fachwerk Forum sind, besagt das nicht das die Fragesteller eine
Bauernkate bewohnen, wo damals aus Geldmangel die Wände der
Wohnküche aller drei Jahre zur Desinfektion und Aufhellung
gekalkt wurden. Üblich war eher Leimfarbe.
Natürlich ist Herr Menges an der Bewahrung und Weitergabe
alter Malertechniken interessiert ( was löblich ist)-aber der "Öko"- Boom, an dem auch er verdient, wurde von den Pionieren der Branche wie Kreidezeit erstmal angeschoben.
Für den Laien sind diese erprobten Produkte jedenfalls gut anwendbar.



Kalkfarbe



@ Birger Jesch

Ich glaube jeder hat verstanden das ich im allgemeinen gesprochen habe und nicht nur auf allein auf Kalk sondern auch von fertigen Leim-, ect. farben.

Auch mir ist klar und das sollte ich wohl wissen, dass im bürgerlichen Wohnbau geleimt wurde. Aber nur zum besseren verstehen, auf einen Öko-Boom bin ich nicht aufgestiegen, sondern ich vermittel Wissen und Kenntnisse aus dem alten Malerhandwerk. Das Wort Öko hört du nur sehr selten von mir.

@ Meißner, Kreidezeit

Das es sich hier um Laien handelt ist OK. Darum geht es mir auch nicht. Lediglich geht es darum das es Produkte gibt die deklariert werden als das was gar nicht darin ist. Noch schlimmer ist und das ärgert mich, das es "Kollegen" gibt (einige, nicht alle) die meinen dann Kalk können überall hingesch.... werden.

Und nun für alle. 2K, also reine Silikatfarbe kaufe auch ich von der Industrie.

MfG

PS und nun Schluß mit dem Thema





Ja Herr Menges,

da haben sie wieder recht.
Und mich ärgert es auch, wenn (Voll-)Deklarationen eben doch nicht vollständig sind oder bestimmte unschöne Inhaltstoffe hinter irgendeinem "Schönschreib" versteckt werden.
Wir Naturfarbenhersteller tun dies jedoch nicht (Auro, Leinos, Livos, Kreidezeit, Aglaia).

Gruß
M.Meißner



Was empfehlen Sie



denn, um Silikatdispersion abzutönen?