Kalkfarbe bei hohen Temperaturen (Sommer) streichen?




Liebe Fachwerkgemeinde,

als Neuling im Bereich traditioneller Baustoffe kann ich zwar viel Neugier und Interesse, aber sonst leider gar nix beitragen - trotzdem bitte ich freiweg um Infos und bedanke mich schon mal für alle Antworten!

Das von uns erworbenene Haus (Bj.1897) zeigt nicht mehr viel vom Ursprungszustand. In mehreren Räumen ist aber der Kalkputz erhalten geblieben. Den würde ich gerne mit einer Kalkfarbe überstreichen.

Eckdaten:
- Lehmputz mit Stroh, darüber flächenddeckend Kalkputz. Je nach Raum teilweise bis vielfach mit anderen Putzen und Füllmassen (Gips, Spachtelmasse) ausgebessert. Teilweise aber auch großflächig erhaltener Kalkputz.
- Soweit für mich erkennbar keine Anstriche von Dispersionsfarben direkt auf dem Putz. Die Wände waren allesamt tapeziert, das Entfernen der Tapeten restlos möglich.
- Der Fragesteller hat mal so gar keine Erfahrung im Umgang mit Kalkfarbe.

Derzeit sind die Temperaturen ja recht hoch. Habe ich trotzdem eine Chance, eine Kalkfarbe zu streichen? Mineralisiert die ordentlich oder brennt der Kalk direkt auf? Kann ich mit dem Einnässen der Wand und evtl. weiterem Befeuchten während des Aushärtens (Carbonisierens?) tricksen?

Danke fürs Lesen!

Marcus



Wkalkfarbanstrich



Den Untergrund vorher gut anfeuchten, jedoch muß die Feuchtigkeit eingezogen und beim Streichen darf kein Wasserfilm auf der Wand sichtbar sein.
Nach dem Kalkanstrich Durchzug vermeiden und zB mit Folie vor schnellem Austrocknen schützen und ggf mit Pflanzensprüher befeuchten





Der große Trick bei Kalkanstrichen ist es sich nicht allzu verrückt zu machen. Die Materialauswahl und Arbeitsfolge sorgfältig auf den Untergrund und die Ansprüche abzustimmen und dann mit guten Werkzeug, Schwung und Ausdauer die Flächen fertigzustellen.

In Innenräumen ist die Wasserversorgung kein Problem. Solange da nicht der übelste Durchzug ist, durfte die Luftfeuchte ja eh im oberen Bereich liegen.

Für die Carbonatisierung (Reaktion mit Kohlendioxid aus der Luft) werden etwa acht Prozent Feuchtigkeit benötigt, also eher moderat.

Die oben gemachten Empfehlungen sind da schon sehr gut gemeint und sollten definitiv mit Augenmass zur Anwendung kommen, es muss auch eben noch Luft in den Anstrichfilm diffundieren können.

Hast du nur so einen dünnen Kalkfeinputz auf ansonsten mit Strohlehm Verputzen Wänden?

Ein Problem was bei solchen reichlich hundert Jahre alten Untergründen passieren kann, ist das du durch übermässige Feuchteversorgung färbende Salze in der Wand mobilisierst und an die Oberfläche holst.

Das sind dann die "berühmten" gelben (Wasser-) Flecken.

Man muss auch etwas auf den Untergrund achten insbesondere wenn er sehr saugfähig odergar unterschiedlich saugen (Ausbesserungen) ist. Da Grundiert man beispielsweise eine Kalkmilch der bis zu 20 Prozent fettarme Milch ins Anmachwasser gegeben wurde.