Kalkdickfärben - Wie?

04.10.2015



Hallo,

wir wollen in unserem Haus glatte Wände - aber mit Kalk.
Mit Gips habe ich zahlreiche Anleitungen im Netz gefunden, aber für Kalk hab ich bis dato nichts gefunden.

Zum Status: Es geht um ein Neubau. An den Wänden ist Kalkputz von Hessler mit 0,3mm Feinputz ebenfalls von Hessler.

Wir haben bereits die Wände grob mit einem Rundschleifer abgeschliffen - Aber man sieht dennoch Restspuren - Mal rillen von Ministeinchen, mal hielt ich den Schleifer nicht gerade, so das es leicht zu viel runtergenommen wurde.

Wir haben dann mit einem Airless Sprüsystem normale Kalkfarbe (Weikalkhydrat aus dem Baumarkt + Wasser) die Wände besprüht. Diese war zu dick angemischt, so dass die Sprühschicht dick wurde (deckte bereits beim ersten mal). Die Düse ist recht grob (521) - so das ein sehr schönes feines Wandbild entsteht. Damit sind die ganzen Rillen und unschönheiten verdeckt und sieht gleichzeitig einigermaßen glatt aus.

Ergebnis: Es ist nichts geplatzt o.ä. ABER: Es kreidet!

Für mich stellen sich nun folgende Fragen:

A) Führt das Vorgehen von mir überhaupt irgendwie zu Ziel - oder macht man das eher anders? Wie anders?

B) Wenn man das so wie ich machen kann - wie schaffe ich es, dass es nicht kreidet?

Für Hilfe wäre ich dankbar...



Kalkfarbe



Wenn der Untergrund trocken, die Farbe zu dick und dann noch zu schnell trocknet- dann kreidet die Farbe.
Evt könnte noch versucht werden, lose Farbe abzubürsten und dann die Wand mit Wasserglas/Silikatgrundierung zu behandeln.
Erst bei einer Probefläche versuchen-
wenn nicht erfolgreich: alles abbürsten.
Kalkfarbe immer zwei bis drei Mal auf feuchten Untergrund Streichen und anschließend mehrere Tage feucht halten.

Andreas Teich



Glatte Wand...



@Andreas: Wir haben das nur probeweise gemacht und dann auch in einem kleinen Raum. Farbe ist mit Spachtel innerhalb einer Stunde dann runtergenommen worden - das wäre also nicht das Problem (Habe die Wand dann noch nachgeschliffen zum Anrauen).

Frage wäre ob ich diese "dicke Farbschicht" überhaupt so hinbekommen kann, dass sie nicht kreidet. Und wenn nicht, was man mir empfehlen kann um Glatte Wände hinzubekommen...



Dicke Kalkfarbe



Das könnte wohl ein Problem geben- vielleicht wird ein dünner Putz bzw Spachtel geeigneter sein.
Besser einen Kalkhersteller fragen, ob die eine passende Sorte haben-
genau den Untergrundaufbau angeben und die notwendige Farb- bzw Spachtelstärke.Evt etwas Weißzement zugeben wenn das die Festigkeit nicht zu sehr erhöht.

Andreas Teich



den Weiszement würd ich weglassen



und auch das Kalkglätte selber mischen würde ich in dem fall lassen.
mit Maschine ausleihen und Kalk und Wasser reinfüllen wird da noch lange keine Spachtelmasse draus.
ich empfehle Otterbein Kalkglätte,oder eine andere Kalkglätte ohne weisszement 2 mal auf 0 Spachteln dann eventuell Schleifen wenn das ergebnis noch nicht Passt .
und dann anstreichen.

greets Flakes



Bei Kalkputzen



ist es wichtig um keinen kreideten Anstrich zu erhalten den Untergrund zu grundieren!

Grundierung kann die verdünnten Farbe sein.

Wenn nicht grundiert wird zieht sehr viel Bindemittel in den Untergrund und die Farbe kreidet.

Grüße



Kalkglätte



"Kalkdickfärben"...
Welch spröde Schönheit, dieses Wortschöpfung.

Wenn nach dem Schleifen noch Riefen und Fehlstellen zu sehen sind dann muß noch mal nachgespachtelt werden, mit handelsüblichem Kalkspachtel. Der sollte sich auf 0 ausziehen lassen. Nehmen Sie eine Stehlampe und stellen Sie die an die Wand, im Streiflicht können Sie Unebenheiten besser erkennen. Nach dem Trocknen nachschleifen- per Hand mit dem Schleifbrett. Wenn ein Spachtel/Schleifgang nicht reicht dann eben noch einen.
Als Anstrich verwenden Sie bitte handelsübliche Kalkfarben.
Nehmen Sie das an der Wand als Übungsrunde. Also die kreidende Farbe abwaschen, nachspachteln, nachschleifen, dann streichen/Spritzen mit geeigneter Farbe nach Gebrauchsanweisung. Vor dem Anstrich die Wand gründlich abbürsten und abwischen!



Kalkfarbe



Zement habe ich bis dato vermieden. Das möchte ich auch weiterhin. Und soweit ich sehe enthält auch Otterbein Kalkglätte ebenfalls Zement - Fällt für mich also flach.

Herr Böttcher - Sie verweisen auf Handelsübliche Kalkfarbe. In wiefern wäre diese für mich vom Vorteil? Meinem Verständnis nach haben die vielen Kalkrezepte den kommerziellen kaum ein Nachteil. Ist natürlich auch die Frage der Kosten...

Herr Meurer - Danke für den Tip. Werde das mal ausprobieren.



Streichfest



Noch eine Frage: Es heisst, dass es bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Kalkfarbe getrocknet ist. Wie schnell kann man den "Streichtest" machen um zu prüfen ob die Farbe kreidet oder nicht?



Anstrich



Was stört Sie an 2 oder 3 Gramm Weißzement pro m² Wand?
In der Wand selber, im Fundament, in Decken usw. ist ein Vielfaches davon.
Was ist daran schlecht?

Dann gebe ich Ihnen eines zu bedenken: Ihr Versuch ging in die Hose obwohl Sie nach Ihrem Verständnis keinen bösen Zement und kein Fertigprodukt genommen haben.
Fertige Wandfarben funktionieren, im Gegensatz zu Ihrer selbstgemischten.

Sie haben also zwei Möglichkeiten:
Weiter nach der Versuch-Irrtum- Methode zu arbeiten oder auf fertige Produkte zurückzugreifen.
Unabhängig davon kann man mit selbstgemischter Kalk- oder Kalkkaseinfarbe durchaus gute Ergebnisse erzielen wenn man weiß wie.
Ich sehe in Ihrem Fall nur keinen rechten Sinn darin.

Zum Schluß noch etwas zum bösen Zement und zum Kreiden:
Kalkhydrat braucht zum Carbonatisieren ein gewisses Feuchtefenster, das liegt etwa zwischen 0,8 bis 8% Eigenfeuchte. Das macht es so schwer bzw. aufwändig, auf einer staubtrockenen Wand aus hoch sorptionsfähigem Material einen dünnen Farbaufstrich zum Carbonatisieren zu bringen. Auf einem frisch aufgebrachten Putz ist das etwas anderes. Es geht sonst nur bei relativ hoher Raumluftfeuchte und mehreren hintereinanderfolgenden Anstrichen mit stark verdünnter Kalkfarbe. Viel Wasser, dünne Schichten.
Fertige Kalkfarben enthalten Zusätze die füllend und damit besser deckend, wasserrückhaltend und stabilisierend wirken, das Entmischen mindern...



Also



ich glaube nicht das der weggelassenen Zement hier der Verursacher von irgendetwas ist.

Wir setzten seit Jahre die Hessler Produkte ein, viel davon von wird mit nicht kreideten Kalkfarbe gestrichen.

Wir setzen da überwiegend fertige Sumpfkalkfarben von z. B. Kreidezeit ein.

Sonst wie beschrieben, mehrere dünne Anstriche oder in den feuchten Kalkputz frescal streichen.



Kasein-Effekt



Gebt anstatt 100 % Wasser etwas Milch in den Kreideanstrich und einen Tropfen Ammoniak hinzu. Somit entsteht ein Kaseineffekt, der die Farbe wischfester macht. Am Farbton wird sich dadurch nichts ändern.



Amoniak



Habe gerade geschaut: An Amoniak ist wohl nicht so leicht ranzukommen...

Habe auch mal die Zusammensetzung von Kreidezeit Kalkfarbe angeschaut. Ein wesentlicher anteil ist wohl Methylzellulose. Wie kommt es, dass es kaum Rezepte gibt, die auch Methylzellulose enthalten?





Ammoniak oder Salmiakgeist gibt es in jedem Baumarkt. Aber weil zum Aufschließen des Kaseins wirklich nur ein Tropfen nötig ist, muß Du keinen Liter kaufen. Frage erst einmal die Nachbarn.

Ja, Tapentenkleister geht auch, um Farbe wischfester zu erhalten.



neue Tests



wir haben für nun das Zimmer wo demnächst die Heizung reinkommt mit Kreidezeit Kalkfarbe gestrichen. Jetzt ist die Farbe schön wischfest. Ich weiss aber noch immer nicht ob das wirklich so ne tolle sache ist, wenn die da in die Farbe Leim hinzufügen.

Den Test mit Salmiakgeist haben wir noch nicht durchgeführt. Aber mein Verständnis ist, dass die Wand wohl sehr viel Wasser saugt und deswegen die ganzen Versuche zu kreidenden Wänden führt (Meine Vermutung: Haus wurde im Winter durch Frost stark durchgetrocknet). Deswegen sind wir gerade am Suchen einer Grundierung.

Einfaches Vornässen der Wand bringt nix. Schon probiert..
Dann haben wir was mit Borax gelesen. Da meint aber meine Frau, dass Borax die Wände verschließt. Das wäre ja auch nicht das ziel
Dann ein Rezept mit Salmiakgeist.

Was könnt ihr mir raten für das weitere Vorgehen?



Kalkfarbe



Ich versuche der Logik Ihres Vorgehens und Ihren Kommentaren zu folgen, habe damit aber so meine Probleme.
Sie haben werkgemischte Kalkfarbe genommen und es hat funktioniert. Qod erat demonstrandum.
Wieso Sie jetzt immer noch versuchen selber unter die Farbhersteller zu gehen verstehe ich nicht. Die Abwendung von Chemie kann es nicht sein wenn Sie mit Ammoniak und Borax herumexperimentieren wollen.





Hallo Herr Böttcher. Mir geht es nicht um abkehr oder zukehr zu bestimmten verfahren. Ich habe einfach keine Lust auf die Wand eine Farbe zu klatschen und die Vorteilen vom echten Kalkputz unbrauchbar zu machen. Hierzu möchte ich ein Weg wählen, der möglichst wenig Zusatzstoffe beinhaltet oder deren Zusatzstoffe wenig Effekt auf den Kalkeffekt haben, aber gleichzeitig nicht den Nachteil mit kreidigen Wänden nach sich zieht. Logik von mir:

1) Farbe von Kreidezeit kreidet nicht aber enthält Leim - schon mal nicht das beste
2) Borax soll die Vorteile der Kalkwände verdecken - schon mal nicht gut - aber stimmt das überhaupt? Und kreidet es danach nicht?
3) Amoniak - hier habe ich noch nichts schlechtes gelesen - aber stimmt das? Und kreidet es danach nicht?
4) Kasein - ggf. mache ich zu wenig Kasein in die Farbe - aber mit 30% Kasein in der Farbe kreidet die Wand trotzdem. Andererseits ist Kasein ein Prima zusatzstoff

Wie Sie sehen sind die mir vorliegenden Infos nicht allesamt von mir verstanden und daher bitte ich um Feedback.



Wandfarbe



"...Deswegen sind wir gerade am Suchen einer Grundierung."
Aha. Weil Sie nicht mit Zusätzen oder Chemie:
"...die Vorteilen vom echten Kalkputz unbrauchbar zu machen." wollen.
Also:
"... Hierzu möchte ich ein Weg wählen, der möglichst wenig Zusatzstoffe beinhaltet oder deren Zusatzstoffe wenig Effekt auf den Kalkeffekt haben..."

Deshalb also Grundierung, Borax oder Kasein oder Ammoniak.
Aha.
Das meinte ich mit Logik.

Haben Sie mal nachgerechnet welchen Einfluß eine Wandbeschichtung auf die Sorptionseigenschaften von Kalkputz hat?
Sollten Sie mal machen.



Kalkfarbe und Leim



Warum nur so mißtrauisch? Wenn der Anstrich wischfest wurde, ist doch alles gut.
Kalk ist Natur. Okay. - Der Leimzusatz ist auch Natur, zumindest bei Kreizeit. Davon wird etwas als Bindemittel hinzugefügt, damit der Hersteller auf der sicheren Seite bleibt. Die Farbe bleibt trotzdem atmungsaktiv. (Na gut, vielleicht 3 % weniger.)
Und mit einer Grundierung (meistens ist das Acrylat) verschließen sie immer den offenporigen Putz zum ganz erheblichen Teil. Was habt Ihr dann noch von dem Vorteil des Kalkanstrichs.? - Georg hat das alles schon alles richtig & exakt formuliert.





Danke für euer Feedback. Genau diese gegenüberstellung wollte ich haben. Es ist schon klar, das Zusätze ihre nachteile haben. Es ging mir nur um diejenigen die am wenigsten Nachteile haben.

Ich habe jetzt verstanden: Kleiner Anteil an Leim wie bei Kreidezeit ist weniger schlimm wie Voranstrich/Farbe mit Amoniak/Borax.