Kalkfarbe - Sumpfkalk oder Weiskalkhydrat

30.06.2011



Hallo an die Malermeister hier im Forum,

mich beschäftigt eine Frage auf die ich bisher keine Antwort gefunden habe. Es geht um die Basis zur Herstellung von Kalkfarben für den Innenanstrich.

In der Regel ist hier im Forum immer von Sumpfkalk die Rede und man findet derartige Produkte ja auch im Fachhandel wieder. Was aber ist letztendlich der Unterschied zwischen einer Farbe aus Sumpfkalk und einer selbst angerührten aus Weiskalkhydrat, welches wesentlich günstiger zu erstehen ist als mehrjäriger Sumpfkalk im Fass, oder aber fertige Sumpfkalkfarbprodukte?

Das Sumpfkalk das höherwertige Produkt ist habe ich so aufgenommen. Auch ist mir klar, daß selbst eingesumpftes Weißkalkhydrat praktisch Sumpfkalk nur halt nicht mit entsprechender Sumpfdauer ist. Wie aber äußert sich das im Ergebniss (z.B. Füll- & Deckkraft, Abbindverhalten ??, Langlebigkeit ... )? Gibt es obendrein noch Unterschiede zu beachten bei Sumpfkalk aus einer Holzkalkbrennerei, und Sumpfkalk aus "industrieller" Fertigung?


Vielleicht kann ich ja eine Antwort auf diese Fragen bei Euch hier im Forum finden.

Gruß,
Friedrich





;-)





Der Unterschied zwischen Sumpfkalk und Kalkhydrat ist, dass Kalkhydrat ein teilgelöschter Brandkalk ist während Sumpfkalk erst gelöscht und dann eingesumpft wird.
Durch die lange Einsumpfzeit ist ein vollständiges Löschen aller Calciumoxide sichergestellt ist.
Bei Anstrichen mit nur ungenügend gelöschtem Kalk kommt es dann an der Wand, je nach Wasserangebot aus Wand oder Luft, zum nachlöschen, das geht dann mit abplatzen der Farbe einher.
Zudem sind Anstriche aus nicht vollständig gelöschten Kalk nicht wischfest.

Grüße
Oliver Struve



Sumpfkalk



Sumpfkalk wird klassisch im Nasslöschverfahren hergestellt. Dazu wird Branntkalk mit Wasser übergossen, es entsteht eine Suspension. Die dabei entstehende Kalkmilch wird gelagert (gesumpft). Durch die lange Lagerung im Wasser finden Kristallisationsprozesse statt, außerdem löst sich ein Teil des Kalkhydrates in Wasser. Für Anstriche im Innenbereich ist Sumpf- bzw. Fettkalk auf Grund seiner Konsistenz besser geeignet. Ausgangsstoff und Brennmaterial wirken sich auf die Farbreinheit und den Weißgrad aus.
Ich persönlich glaube nicht, das holzgebrannter Kalk nur durch das Brennnmaterial besser ist.
Es gibt noch trockengelöschten Kalk. Dort wird der Branntkalk mit Wasser überbraust, bis er zu pulverförmigem Kalkhydrat zerfällt. Die kristalline Struktur ist anders, da die Lagerung als Suspension entfällt und keine Lösungsphase eintritt.
Ich streiche meine Keller mit selbstgemachter Kalkkaseinfarbe, das ist unschlagbar billig und einfach. Dazu nehme ich Weißkalkhydrat aus dem Sack und Magerquark.
Für höherwertige Wohnräume ist so eine Farbe, der die weiße Farbbrillianz fehlt, sicher nicht so gut geeignet. Für einen Keller reicht es aber völlig.

Viele Grüße





Hi Friedrich,
wie Herr Böttcher schon schreibt ist Kalkkaseinfarbe unschlagbar günstig, diffusionsoffen ökologisch und bewährt und leicht selbst gemacht. Einzig du brauchst mehr als einen Anstrich.
Anbei ein Rezept aus dem Holznagel der IGB.

http://www.igbauernhaus.de/index.php?id=884#c2222

Grüße
HD



...



Hallo,

und danke erstmal für die ausgiebigen Antworten. Ich denke angesichts des Weißgrades ist es mir die Sache mit dem Sumpfkalk doch irgendwie wert.

Das mit dem Weißkalkhydrat kannte ich noch von früher, wenn man die Werkstatt oder die Scheune wieder etwas auf Vordermann bringen wollte. Eigentlich keine große Sache! Und deswegen hatten mich die Preise für fertige Sumpfkalkfarben schon etwas vom Sockel gehaun.

Eine Frage möchte ich daher kurz noch hinterherschieben. Was wäre denn eine ausreichende Sumpfdauer für Sumpfkalk zum selber anmischen von Sumpfkalk- oder Kalkkasein-Farben. Ich denke mal nicht, daß ich wirklich auf den 30-jährigen gehen müsste um ein annehmbares Ergebniss zu erreichen. 6-monatigen kann ich von hier um die Ecke bekommen, längere Sumpfzeiten nur über Versandt.

Danke schon mal!

Gruß,
Friedrich