Sumpfkalk, Trasskalk oder natürlicher hydraulischer Kalk...?

25.03.2007 FH



....Zementzugaben, Lehmzuschlag....?

Kaum eine Frage wird in der Literatur und in diesem Forum so häufig und emotional diskutiert, wie die Eignung dieser Bindemittel für den Verputz von Sichtfachwerkgefachen. Leider werden auch in vielen Büchern häufig nur unbelegte Thesen und persönliche Meinungen angeführt. Hiermit bemühe ich mich mit eurer Hilfe, möglichst viele Verweise auf wissenschaftlich belegte Untersuchungsergebnisse zusammenzutragen.

Ich bitte euch, fachlich fundierte Quellen im Forum einzustellen, ich übernehme gerne die Auswertung (siehe folgender Beitrag).

Gruß Frank



Bewitterung von Kalk- und Zementmörteln



In diesem Sinne mache ich den Anfang :

Bewitterung von Kalk- und Zementmörteln mit CO2, SO2 und NOx, Dissertation von Karsten Exner, Uni Siegen, 2000
Link: http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=960940944&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=960940944.pdf

Untersuchung an verschiedenen Zement- und Kalkmörtelproben (Bindemittel: div. CEM I und II; Luftkalk CL 90; Natürlicher hydraulischer Kalk NHL 2 und Natürlicher hochhydraulischer Kalk NHL 5) über einen Zeitraum von zwei Jahren mit und ohne Schadgasbelastung (erhöht auf das 30 bzw. 100fache zwecks Zeitraffung), jeweils bewittert und unbewittert.

Ich beschränke mich hier auf die auszugsweise Wiedergabe der bewitterten Ergebnisse von CEM I 42,5 R als Vergleichswert sowie der Werte von CL 90 und NHL 2, jeweils nach 2 Jahren.

dynamischer E-Modul (Seite 45)
CEM I: 36.000 N/qmm
CL 90: 11.700 N/qmm (+)
NHL 2: 10.200 N/qmm (-)
>CL 90 und NHL 2 ähnlich, NHL deutlich höhere Anfangsfestigkeit, 1/3 von CEM I

Biegezugfestigkeit (S. 51)
CEM I: 11,5 N/qmm
CL 90: 2,9 N/qmm
NHL 2: 2,3 N/qmm (-)
>CL 90 und NHL 2 ähnlich, 1/5 von CEM I

Druckfestigkeit (S. 57)
CEM: 76,0 N/qmm
CL 90: 7,8 N/qmm (+)
NHL 2: 10,8 N/qmm (-)
>NHL 40% höher als CL 90 (Tendenz „annähernd“), gering im Vergleich mit CEM I

Wasseraufnahmekoeffizient (S. 63)
CEM I: 0,2 Kg/qm Öh
CL 90: 9,0 Kg/qm Öh
NHL 2: 11,0 Kg/qm Öh
>CL 90 und NHL 2 ähnlich, 50fach höher als CEM I

Frost-Tauwechselwiderstand (50 Zyklen) (S.75)
CL 90: grobe Abplatzungen, starker Ausbruch
NHL 2: keine Schäden, Absandungen

Wasserdampf-Diffusionswiderstand m (S. 81)
CEM I: 210
CL 90: 38
NHL 2: 38
gleich, 1/5 von CEM I

Schwinden, Messung zwischen 28. und 180 Tag (S. 84)
CEM I: 1,2 mm/m
CL 90: 0,3 mm/m
NHL 2: 0,9 mm/m

Neutralisierungstiefe (s. 91) CL 90 und NHL 2 annähernd gleich

Gruß Frank



Und



was schließt Du persönlich aus diesen Werten ?

Ich arbeite ausschließlich mit Sumpfkalk, nicht wegen wissenschaftlich belegten Vor- oder Nachteilen, sondern, weil er für mich im Fachwerkbereich die besten Erfahrungen gebracht hat.


Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik



Noch zu früh...



Für die Eigenschaften einer Putzfläche spielen eine vielzahl von Parametern eine wichtige Rolle (Verarbeitung, Zuschläge, Untergrund, Wetter...). Daher sollte man eine Beurteilung erst nach Vorlage möglichst vieler, unabhängiger Untersuchungen/Berichte vornehmen.

Nochmals mit der Bitte um eure Mitarbeit
Frank



Sumpfkalk, Traßkalk oder natürlicher hydraulischer Kalk



Interessante Ergebnisse.
Dies beweist genau das, was jeder Praktiker schon kennt.
Mit einem frühhochfesten Zement wie dem 42,5 R (R steht für rapid, also schnell abbindend)kann ich keinen Gefachputz herstellen, eigentlich nur einen Putz auf Beton oder hartem Naturstein. Er ist härter als die meisten Steinuntergründe und hat ein hohes Schwindmaß. Damit kann man feingliedrige Betonfertigteile oder Spannbeton herstellen, aber keinen Putz. Maximal zum Vorspritzen als Haftgrund ist er zu gebrauchen.
Bezeichnend ist, das solche Zemente in den Baumärkten angeboten werden; für den Selbstbauer sind sie völlig überflüssig, nicht aber für die Baumärkte, da solche Zemente nur sehr begrenzt lagerfähig sind. Aber so läuft das:
Der Sockelputz ist kaputt, kaufen wir uns Zement und putzen selber. Dann wird in eine handelsübliche Putzmischung noch Zement zugegeben.
Der Rest vom Sack ist in 6 Wochen hart, kauft man halt den nächsten, wenn der Putz nach einem Winter vom viel weicheren Untergrund abgefallen ist und die Ehefrau vermutet, das da wohl zuwenig Zement drin war...
Das ist auch der eigentliche Schlüssel zur Eignung von Gefachputzen: Die uralte Putzerregel, die Schichten ab dem Untergund nach oben immer weicher werden zu lassen. Der Putz sollte weicher sein als die Ausmauerung, besonders am Übergang zum Gefachholz, wo der härtere Mauermörtel am Holz liegt.Hier den härteren Mörtel 1-2 cm tief auskratzen.
Wenn der Untergrund zu weich sein sollte, Entkoppelungsschicht zwischen Oberputz und Untergrund setzen.
Das Schwindmaß durch Einsatz von gewaschenen, scharfen Sanden reduzieren, Tonminerale neigen zum Schwinden!
Die Auswahl des Bindemittels nach Typ, Hersteller usw. ist zweitrangig, solange diese Regeln eingehalten werden.

Viele Grüße
Georg Böttcher



Ist eine alte Putzerregel!



Jede neue Putzschicht soll weicher sein als die vorherige.
Bin mit Sumpfkalk und gewaschenen, scharfkantigen Flussand immer gut gefahren.
Never change a winning team!

Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik



Ein wenig Öl ins Feuer ! - oder besser - Zement in den Putz ?



Habe mir erlaubt folgende Zitate auszugsweise einzufügen:
Link: http://www.baufachinformation.de/denkmalpflege.jsp?md=2005057100198

aus: Zementzugabe zum Kalkputz - eine sinnvolle Maßnahme
Meier, H. G.;Quelle: Internationale Zeitschrift für Bauinstandsetzen, 2004

...An einem Versuchshaus auf dem Gelände des Instituts für Bauphysik Holzkirchen wurden an allen Seiten im September jeweils 5 verschiedene Kalkputze aufgebracht. An drei Seiten blieben alle Putze schadensfrei, während an der Westseite bereits nach einer Winterperionde mit einer Ausnahme alle Putze mehr oder minder starke Frostschäden aufwiesen. Bei dem einzigen schadensfrei gebliebenen Putz handelte es sich um einen Luftkalkmörtel mit geringer Zementzugabe sowie Zusatzmitteln zur Reduzierung der kapillaren Wasseraufnahme und zur Erhöhung des Luftporenanteils.
....
- Luftkalkmörtel erweisen sich im Frost-Tauwechsel-Versuch als nicht widerstandsfähig und sollten an feuchten, frostgefährdeten Bereichen von Bauwerken nicht zum Einsatz kommen. Ihre Anwendung sollte auch nicht zu spät im Jahr erfolgen, damit vor dem ersten Frosteintritt ausreichend Zeit zur Carbonatisierung bleibt.
- Es können erhebliche Anteile ausblühfähiger Salze in den Kalken vorhanden sein, ihr Gehalt ist bei den hydraulischen Kalken am höchsten.
....
Die Eigenschaften des als Vergleichsprobe dienenden KZM- Mörtels lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Durch die Dosierung des Zementanteils können Festigkeit und E- Modul auf den gewünschten Wert eingestellt werden. Durch die Wahl eines geeigneten HS-NA-Zements lassen sich Mörtel mit geringer Ausblühneigung und einem Sulfatwiderstand herstellen, der dem von hydraulischen Kalken zumindest vergleichbar ist.
- Die dosierte Verwendung von Zement in Restauriermörteln erlaubt eine technologische Anpassung an die Gegebenheiten vor Ort.

aus: Kalkputze
Meier, H. G.;Quelle: Internationale Zeitschrift für Bauinstandsetzen, 2004

Untersuchungen alter Putze haben gezeigt, dass der bei der Denkmalpflege sehr beliebte Sumpfkalk gar nicht so häufig verwendet wurde. Vielfach wurden trocken gelöschte Kalke eingesetzt. Durch unterschiedliche Löschverfahren gab es zum Teil sehr grobkörnige Kalke, die eine hohe Kalkzugabe zum Mörtel zuließen. Es hat sich überdies gezeigt, dass alte Putze, die über Jahrhunderte beständig waren, auch hydraulische Komponenten enthielten.

Gruß Frank



Erfahrungen mit Kalkputzen auf Lehmgefache



Mit sog. "Reinkalk-Innenputzen" habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Mehrere Hersteller bieten diese mittlerweile (wieder) an. Obwohl die Anwendung im Fassadenbereich herstellerseits generell nicht empfohlen wird, haben meine Kunden damit bei Außenputzen auf Lehmgefache gute Erfahrungen gemacht.



Herr Schillberg hat Recht



Hallo, wir haben die gleichen Erfahrungen gemacht wie Herr Schillberg.
Ich kann mich seiner Meinung nur anschließen…!!!


Viele Grüße vom Schwanenhof
me. Gerold Sparwasser