hat jemand erfahrungen mit Kalk Hanfmischung als Wärmedämmung

25.11.2005



hallo, wir sind seit 3 jahren am renovieren eines fachwerkhofes in hessen. vieles haben wir schon ausprobiert und haben nun eine frage zu einer neuen problemstellung.
an einer Wand im ersten geschoß einer Scheune die als büro genutzt werden soll befindet sich des öfteren aufsteigende Feuchtigkeit durch die sandsteine des untergeschoßes. da wir die Mauer (ziegelsteine) noch dämmen wollen haben wir das problem das wir nicht recht wissen mit welchem baustoff.
wir haben bei anderen wänden schon mit Leichtlehm (mit Hanfschäben)gearbeitet, haben aber hierbei die befürchtung der Schimmelbildung in der wand. uns kam jetzt der gedanke es mit einer kalk-hanf-mischung zu testen da wir mit reinem Sumpfkalk sehr gute Erfahrung gemacht haben. hat jemand entsprechende erfahrungen diesbezüglich?
gruß thomas



Hanfschäben mit Kalk gebunden,ja das klappt



Hallo Thomas,
probier mal folgende Rezeptur aus:
3,5 Raumteile (Eimer) Hanfschäben
1 Raumteil Kalkmörtel
1 Raumteil Sand.
Das müßte eigentlich gut funktionieren.Es muß nicht unbedingt Sumpfkalk sein, Traßkalk bindet um einiges besser und schneller.
viel Erfolg wünscht
Klaus Schillberg, www.texbis.de



Äppel + Birnen



Bevor ich Sumpfkalk mit Trasskalk vergleiche, sollte man erst einmal über normales Weißkalkhydrat sprechen.

Welcher "Trasskalk" ist hier überhaupt gemeint?
Wieviel % latenter Hydraulefaktoren sollten enthalten sein?
Was heißt schneller und besser abbinden? Im Vergleich wozu?

Etwas fragend

Bernd



@Bernd Fröhlich-Traßkalkinfo



ich empfehle Traßkalk mit mind. 48% Traßanteil (latente Hydraulefaktoren), z.B. TUBAG-Traßkalk.Bei Hanfschäben-Kalkmischungen führen Sumpfkalk-Zusätze zu langen Trocknungszeiten. Traßkalk bindet innerhalb einer Stunde ab,man braucht weniger Wasser als bei Sumpfkalk.
freundliche Grüße:
Klaus Schillberg



Kalk Hanfmischung



Hallo Thomas,schön dass man wieder einmal was von Dir hört.
Es freut mich,dass Du gute Erfahrung mit unserem reinen Sumpfkalkputz gemacht hast (ich nehme an Du meinst den unseren). Die Mischung wie Klaus Schillberg beschrieben hat kannst Du ausprobieren, würde aber keine Vulkanerde beigeben (erhöhte radioaktivität?= kann zur Zeit keine Daten liefern).
Mit freundlichen Grüssen
Mladen Klepac



Kalk Hanfmischung



Hallo Thomas,
etwas vergass ich zu fragen.
wird die fertige Dämmung verkleidet oder überputzt?
Falls verkleidet minimal Wasser beigeben.
Mit freundlichen Grüssen
Mladen



Kalkputz



Hallo MLaden,
wir haben natürlich auch euren Kalkputz verwendet (aber auch andere). Die Kalk Hanf Wand soll überputzt werden.
Gruß auch an Veronika



Trasskalk ?



Ich frage mich nun wirklich, warum zum Verputzen einer Wand Trasskalk verwendet werden soll.

Es dürfte bekannt sein, daß Trasskalk zementähnliche Phasen ausbildet und sehr hart wird - und auch bei feuchte-geschädigten Untergründen keine Vorteile bietet.

Bei der angegebenen Mischung aus 3,5 RT Schäben, 1 RT Kalkmörtel (wieviel Sand darf der denn schon haben) und 1 RT Sand bezweifele ich obendrein, daß man diese Mischung überhaupt auf die Wand bekommt.

Etwas grüblerisch

Bernd



Re Kalkputz



Hallo Thomas,
ja ich erinnere mich das Du verschiedenes ausprobierst,wollte also nicht eingebildet oder überheblich wirken,es freut mich halt ganz einfach,dass Du eben auch mit useren Materialien zufrieden bist.
Du kannst auch folgendes ausprobieren;
1 Teil Weisskalk
2 1/3 Teile Sand
3/4 Teile Hanf (oder mehr)
Für dises Vorhaben könntest Du auch den Weisskalk selber ablöschen,aber ein paar Tage abwarten bis zur Anwendung.
Oder Kalkhydrat einsumpfen.
Zum Sand;von den 2 1/3 Teilen könntest das eine drittel mit 8mm Kies tauschen.
Also dann...
liebe Grüsse
Mladen



@ Bernd Froehlich



Hallo Bernd,
Sie fragen sich warum Traß.
...ich manchmal auch...
Die Wasserfestigkeit wird zwar erhöht,aber wie schon gesagt, es kann zu erhöhter radioaktiver Belastung führen.
In Holland wurden früher viele Dämme mit Kalk und Traß gebaut.
Mit freundlichen Grüssen
Mladen



Trass ff



Moin Mladen,

schön mal wieder von Dir zu hören/ lesen. Du hast recht, daß Trasskalk "wasserfester" ist. Aber ist das unbedingt notwendig? Hier sind wir schließlich nicht beim Brückenbau, sondern in einem Büroraum?

Zur Verwendung von Weißkalk (Branntkalk): Wegen der möglichen Gefahren und Fehler beim Löschen würde ich diese Variante nicht empfehlen. Hier ist es einfacher und billiger, gleich Weißkalkhydrat (Calciumhydroxid) ein paar Tage einzusumpfen.

Zu Deiner Mischung: Die erscheint mir wesentlich geeigneter zu sein. Die Sieblinie des Sandes würde ich aber abhängig machen von der gesamten Putzstärke. 8mm Kies würde ich nur im Unterputz verwenden, wenn der mehrlagige Putz mehrere Zentimeter stark ist.

Liebe Grüße

Bernd



Kalkputz



Hallo Mladen,
der Kalkputz von euch ist gut. Wir haben Ihn nur bisher wenig verwendet weil wir bisher nur Innenflächen verputzt haben und dort noch selbst experimentiert haben. Nächstes Jahr kommt die Fasade dran und das sind ja einige m2. Da werden wir mit eurem Putz arbeiten.
Es ging mir auch bei der Mischung mehr um die "Stampfkalkwand :-)" da wir mit Sumpfkalkputz ganz normal verputzen wollen.
Gruß

Thomas



nochmals Trass



Moin Bernd,

Trass soll Ausblühungen verhindern,Salze aufnehmen können,aber das tut ein guter Kalkputz auch.
Das 8mm Kies (hat ja auch feinere Anteile drin, würde den siebten Teil Ausmachen)schlug ich vor,weil es sich um eine dickere Putzschicht handeln sollte (Dämmung).
Liebe Grüsse
Mladen



Kalkputz



Hallo Thomas,

so etwas dachte ich schon.
Willst Du dafür eine Schalung machen,oder wie hast Du gedacht?
Falls ich Heute keine Antwort lese,wünsche euch schönen 1.Advent
Mladen



Ammenmärchen



Moin Mladen,

bei einem Kalk-Putz, der einen sehr hohen Trassanteil hat (bis 55m%) hat man auch eine sehr lange "Abbindezeit" (Wochen bis Monate) und er muß in dieser Zeit feucht gehalten werden. In dieser Zeit können bei feuchtebelastetem Untergrund genügend Salze in den Putz wandern und ihn zerstören (vgl. Dettmering; Putze in Bausanierung und Denkmalpflege, S. 112 ff.).

Wenn sich bei dem vorhandenen Untergrund überhaupt ein Kalkputz einsetzen läßt, dann würde ich einen normalen Kalkputz wählen - insofern sind wir da einer Meinung.

Ein weiterer Nachteil besteht bei einem hohen Trassanteil darin, daß die Wasserzugabe deutlich erhöht sein muß. Dadurch steigt dann wieder die Gefahr von Schwindrissen.

M.E. gibt es keinen vernünftigen Grund, im Innenbereich mit Trasskalk zu arbeiten - es sei denn, ich möchte bewußt die größere Druckfestigkeit eines Trassputzes erreichen.

Liebe Grüße

Bernd



Nicht nur..



Moin Bernd,

Früher hat mann sich auch mehr Zeit genommen für die Mörtelbereitung;z.b. hat mann Trass mit Kalkteig während 2Tage bereitet, (glattstreichen und Ruhepausen) um ein optimales Gemenge zu erhalten,welches zu einem optimalen Ergebnis führen sollte.
Heute muss es einfach und schnell wie nur möglich passieren.
Und es gibt noch viel mehr Stoffe die mann im Innenbereich nicht anwenden sollte,nicht wahr...aber das ist wieder ein anderes Thema.

Liebe Grüsse
Mladen



@ Thomas



Bei dem eventuell feuchtebelasteten Untergrund würde ich es mir wirlich überlegen, mit Kalkputzen zu arbeiten. M.E. würde sich hier auch besser Lehm eignen. Die Gefahr der Schimmelbildung sehe ich nicht, bei Hanf noch weniger als bei anderem organischen Material (z.B. Stroh).

Eine Variante bestünde noch darin, die Dämmeigenschaften des Putzes mit Blähton zu verbessern, z.B. mit Leca.

Gruß

Bernd



Hanfschäben-Traßkalkmischun bindet schneller ab



Soweit ich die Frage richtig verstanden habe, soll vor die Wand statt Hanfleichtlehm eine Kalk-Hanflehmmischung gestampft werden,da ab der Wandoberfläche durch Feuchte evtl. Schimmelbildung entstehen könnte. Im Winter hatte ich bei einem Selbstbauprojekt vor ca 10 Jahren eine ähnliche Situation,die mit Kalk-Hanfschäbenmischung gut gelöst wurde. Die ersten drei Mischungen haben wir damals mit Sumpfkalk gemacht,der sehr lange zum trocknen und Abbinden brauchte. Da Frostnächte bevorstanden haben wir dann erfolgreich mit Traßkalk als einzigem Bindemittel(+Sand) weitergearbeitet.Wir konnten schon nach 2 Stunden die Schalung entfernen.
Wenn das mit der Radioaktivität im Traßkalk wirklich so schlimm wäre, müßten alle eifelanischen Bewohner die auch noch in Bimshäusern wohnen längst ausgestorben sein?



@Bernd



Hallo,
soeben wollte ich den Rechner wieder zusammenschrauben...
Sorry Bernd ;Blähton gehört auch zu jenen Produkten die nicht unbedingt hineingehören.
Die guten Eigenschaften :atmungsaktiv,wasserabweisend,nicht brennbar,gut als Schüttung in feuchten Bereichen,grössere Mengen verbessern die Dämmeigenschaften,kann wiederverwendet werden,kann gefahrlos deponiert werden.
Weniger gute Eigenschaften(finde ich):dem Ton werden Schweröl oder andere Raffinerieprodukte beigemengt,beim erhitzen 1200°C verbrennt das Öl und es bildet sich eine poröse Struktur,hoher Energieverbrauch,beträchtliche Emissionen durch das verbrannte Schweröl,im Verhältnis zur Dämmwirkung gesehen ist Blähton der energieintensivste Isolierstoff.

Liebe Grüsse
Mladen



@Klaus Schillberg



Hallo Klaus Schillberg,
es gibt sehr viele negative Einflüsse auf die Raumluft und die Wohnatmosphäre.Würde jedes Gewerk,das beteiligt ist am Bau bis zur Inneneinrichtung das minimalste an negativen Einflüssen einbringen,einbauen (sprich Gifte),hätte man die Zustände nicht wie sie heute da sind.
Mit freundlichen Grüssen
Mladen



forum43323 Wärmedämmung mit Hanf/kalkmischung



Die Wärmedämmung mit einer Mischung von Kalk und Hanfschäben wird in Frankreich schon seit einigen Jahren praktiziert.
Es gibt auch fertige "Hanfsteine" (Sarl Duport, La Mure bei Grenoble)zum vormauern als Außen oder Innendämmung (Teuer, vor allem wegen des Transports).
Die Franzosen nehmen meistens eine Kalkmischung (Fertigprodukt Tradical 70) bestehend aus 70% gelöschtem Kalk, 15% Trasskalk und 15% hydraulischem Kalk.
Grund: gelöschter Kalk alleine härtet viel zu langsam aus (durch Aufnahme von CO2 aus der Luft), das dauert bei mehreren Zentimetern Monate.Trasskalk besteht meist aus einem grösseren Anteil aus hydraulischem Kalk, welcher zum Teil mit Wasser reagiert und schnell aushärtet und zum anderen Teil wie gelöschter oder Sumpfkalk aushärtet.
Die Hanf/Kalkmischung wird von einer französischen Firma auch maschinell aufgepritzt.
Ich selbst verarbeite die Mischung bei der Renovierung einer Scheune, sie lässt sich im Betonmischer leicht anmachen und ist leicht zu verarbeiten.



@herrn Brenner: meinen Sie das Produkt Isochanvre?



Hallo Herr Brenner,
mit der französichen Hanf-Kalkmischung Isochanvre habe ich vor ca 17 Jahren erste Erfahrungen sammeln können. Damals haben wir ebenfalls Traßkalk als Bindemittel verwendet. Am nächsten Tag konnten wir die Wände bereits ausschalen.
Das Verfahren ist mir unter dem Begriff ISOCHANVRE bekannt.
Haben Sie auch dieses gemeint?
herzl. Grüße
Klaus Schillberg, www.texbis.de



Hanfschäbe - Isochanvre



Nochmals zu der Kalkhanfmischung.
Die Herstellerfirme des "Isochanvre" Habitat wurde wegen juristischer Probleme 2004 geschlossen.
Ich benutzte anfangs für die Mischung "Chanvribat" der Firma "chanvriere de l`aube". Beides sind simple Hanfschäbe.
Inzwischen nehme ich deutche Hanfschäbe, die werden als Tierstreu verkauft (z.B. Fa. MAFA in 76132 Malsch) und sind (deshalb)wesentlich billiger. Weitere Hersteller sind über fast ganz Deutschland verstreut.

ZurKalkmischung: Trasskalk und hydraulischer Kalk haben in ihrem hydraulischen Anteil zementähnliche Eigenschaften, d.h. sie binden mit Wasser ab. Leider hat dieser Anteil auch,was die Wasserdampfdiffusion angeht, schlechtere Eigenschaften als gelöschter Kalk. Daher der Kompromiss der Mischung, die relativ schnell abbindet und dann über Monate nachhärtet /Abbinden von C02 im nicht hydraulischen Anteil des Gemischs). D.H. je geringer der Anteil an hydraulische Anteil am Gemisch ist, desto besser ist die Wasserdampfdiffusion in der Wand.
Ein grosser Vorteil der Hanfschäbe selbst ist die hohe kapilläre Leitfähigkeit für Wasser, was der Austrocknung speziell der Fachwerkwand zugute kommt.