Sumpfkalk versus Löschkalk... ich weiß... die hundertste Anfrage...

02.08.2006



Hallo,

ich hab bestimmt fast alles der Beiträge darüber gelesen, bin aber doch verwundert über für mich zu gegensätzlichen Aussagen, dass ich halt doch nochmal nachfrage:

Momentan hab ich einige Testläufe mit Löschkalk im Keller gemacht. Als Kalkmilch z.T. auch mit Pigmenten aufgetragen, oder auch als Kalkmörtel mit Sand vermischt, auch zur Verfestigung einiger sandender Stellen.
Beides funktioniert gut...

... darf es aber gar nicht, laut einigen Aussagen wie z.B.

- Es würde nicht wischfest aber...ist es aber geworden.
- Es würde abblättern, da einige Kalkplättchen 'nachbrennen' (hoffe das so richtig wiederzugeben) aber... kein abblättern passiert.
- im Fachbuch von Kreidezeit 'Natürliche Farben' heißt es, dass sich Löschkalk als Anstreichmittel nicht eignet.
Keine Erklärung dabei. aber... es scheint doch zu funktionieren?!

Nun sind meine momentanen Erfahrungen das komplette Gegenteil, deshalb möchte ich ansich auch mit Löschkalk weitermachen.

Was ich natürlich nicht weiß, ist, ob auf lange Sicht Probleme auftauchen mit abblättern oder so.

Ich bitte um fundierte Aussagen und Erklärungen.

Herzlichen Dank

karin





Ich habe beobachtet, daß auf stark saugenden Untergründen der Kalk nach dem Abtrocknen weniger bis gar nicht im vergleich zu weniger gut saugenden Untergründen kreidet. Das würde ich damit erklären, daß der stark saugende Untergrund das Wasser sehr gut aufnimmt und dann über einen längeren Zeitraum wieder an den Kalk abgibt, der dann besser karbonatiseren kann. Weniger stark saugende Untergründe können genau das eben nicht, das Wasser verdunstet schnell und der Kalk kreidet. Am besten funktioniert Lehm als Untergrund.
Aber: Die Kalkschicht darf nicht zu dick sein, mindestens zweimal, besser dreimal dünn auftragen, zwischendurch trocknen lassen, etwa einen Tag. Deckt beim erstenmal nicht vollständig, während der Verarbeitung stark durchscheinend. Es dürfen keine Risse im Lehmputz mit dem Kalk überdeckt werden, weil der an diesen Stellen reißen wird. Der Untergrund muß trocken sein, sonst wirft sich der Kalk auf und löst sich ab (Untergrund schwindet beim abtrocknen).
Verwendet habe ich "Fels CL90", also weniger als 10% verunreinigt, 25 kg etwa 5,- Euro. Der riecht nach nichts und es fällt auch nach längerer Zeit unter Wasser nichts aus. Habe für das Streichen meines Hauses zwei Säcke gebraucht.
Sieht stilecht aus - stellenweise habe ich nicht mal den Untergrund in irgendeiner Weise besonders geglättet, Kanten verwischen und verrunden - finde das Klasse! Habe auch nichts abgebürstet oder nachbefeuchtet, kann nicht erkennen, daß dies ein Fehler war.



sumpfkalk vs Löschkalk



Längere zeit eingesumpfter Kalk geht am besten.
Der Kalk darf beim Löschen nicht verbrennen und auch nicht absaufen.
Wenn zu stark gelöscht wurde (Absaufen )sodaß das Wasser nicht richtig kocht, dann blättert der Anstrich damit nach einiger Zeit ca 1 Jahr ab.
Beim Löschen : Kalk muß nach Zugabe zum Wasser anfangen zu kochen und er darf nicht bräunlich werden, dann is er verbrannt und backt zusammen.
Reaktion soll in 5 Minuten beendet sein.
Anleitung auf Seite 2 des folgenden.
http://www.walhalla-kalk.de/qualitaetundservice/pdfsprodukte/WeissfeinkalkCL90.allgemein_aktuell.pdf
Schutzmaßnahmen beachten, Schutzbrille ganz wichtig.
Als zuschlag zur Farbe Marmormehl ( bei ebay ) ca 15 %
und Farbpigmente zugeben.
mit Quark dann Farbe .



Löschkalk vs Sumpfkalk



Verarbeitung von Sumpfkalk zu Farbe hier
http://www.holzkalkbrennerei-koerndl.de/ unter Verarbeitung



Trockenlöschen zu Haus



Zum Trockenlöschen von Branntkalk mit Sand hier schauen unter
http://www.wandwerk.de/aktuell.html
unter Trockengelöschter Sandkalk
Ebenfalls zu diesem Thema :
http://www.stuck-kalk.de/
Geht um den historischen Kalkspatzenmörtel.
Das Wasser muß langsam zugegeben werden.
Wie ich das verstanden habe ca 80 l pro Quadratmeter Fläche und zwei Schichten Kalk zugeben mit 6 cm Dicke 3 Schichten Sand mit 10, 10, 20 cm Dicke. Wenn der Sand aufreißt nachher wieder zurechen, damit keine Luft rankommt, paar Tage stehen lassen zum Reifen.
Vor Aufbringen gucken ob der Kalk nachlöscht kleine Probe nehmen ist aber nur zum Verputzen wichtig ( Kalktreiber, = ungelöschte Branntkalkreste ) )
Ziel ist generell den fertigen Mörtel nicht zu Naß zu bekommen va. bei Sumpfkalkmörtel, da sonst Schwundrisse auftreten wenn zuviel Wasser drin, das verdunstet ja mit der Zeit. (Verputzen )
Wenn der Sand naß ist braucht man wahrscheinlich weniger Wasser.
Branntkalkgranulat gibts auch preiswert bei Raiffeisen, Walhalla Kalk.
Soll bei diesem Verfahren nämlich Granulat oder Stückkalk sein, damit sich Kalkspatzen bilden.
Wenn ich mal wieder was verputzen muß probier ich die historische Rezeptur aus.
Was aber generell nicht schlecht sein dürfte etwas hydraulisches Kalkhydrat zugeben.