Kalk+Lehm

11.07.2008



Hallo...

Es ist wahrscheinlich eine so dumme Frage und ich sollte sie nicht unter meinem Nick stellen, aber mach es trotzdem mal.

Ich weiß, dass Kalk keine Verbindung mit Lehm eingeht. Aber warum verwendet mann nicht Kalk zu wenigstens geringen Anteilen als Bindemittel in Lehmgemischen? So ist eine "Messerspitze" Zement im Kalkputz ja auch von Vorteil?!

Also sicher wird es Unverständnis hageln, aber wer nicht mal fragt... Bin sehr gespannt auf die fachlichen Kommentare!


schönen Tag Euch allen ;-)



Kalk und Lehm



Kalk und Lehm werden durchaus in Mischungen eingesetzt.
Im Tiefbau ist es seit langem üblich, bindige, nasse Böden (nichts anderes wie Lehmmörtel) mit Kalkzugaben zu stabilisieren.
Hier geht es aber in der Hauptsache um die "innere" Trocknung und damit Verfestigung von Böden, die als Baugrund oder Material z.B. für Dammbauwerke verwendet werden. Der Kalk- besser noch der Branntkalk, entzieht dem Erdreich das Wasser und quillt dabei auf. Damit kann die Entstehung von Hohlräumen kompensiert werden.
Bei der Herstellung von Lehmsteinen kann die Zugabe von 5 - 7% Kalk oder Zement die Festigkeit der Steine erhöhen
(CSEB- Compressed Stabilised Earth Blocks).
Hier funktioniert das nur bei geringen Wassermengen, die gerade für das Abbinden des Kalkes ausreichen.
Wenn ich Kalk- Lehmmischungen als Mörtel einsetze, habe ich verarbeitungsbedingt viel mehr Wasser in der Mischung.
Beim Verdunsten des überschüssigen Anmachwassers schrumpft der Lehm, das sich bildende kristalline Calcitgefüge würde dabei brechen oder Spannungen im Putz verursachen. Deshalb kann Kalk nur in geringen Mengen zugesetzt werden, die sich auf die Festigkeit nicht auswirken.
Besser sind Zusätze wie Stroh, Häcksel, getrockneter Dung von Grasfressern usw. Die trockenen Pflanzenfasern nehmen überschüssiges Anmachwasser auf, die Zellen quellen durch Einlagerung von Wasser. So werden Risse kompensiert, Spannungen durch die Faserbewehrung verteilt.
Kalk und Kuhdung bilden aus der Eiweißmasse des Dungs (Darmbakterien) und dem Kalk Kasein, das als Bindemittel für Festigkeit sorgt. Die durch die Verdauungsenzyme aufgefaserten Oberflächen der nicht verdauten Fasern lagern sich sehr eng mit Tonminieralien an, es entstehen sehr feste Bindungen; eine Art Mikrobewehrung des Lehms.

Wenn ich Kalk als Bindemittel verwenden will, ist scharfer Sand immer die bessere Wahl, der schrumpft nicht wie Lehm.

Viele Grüße