Kalk-Kasein-Farbe deckt kaum

01.03.2019



Hallo,
unseren neuen Lehmputz Streichen wir mit selbst gemischter Farbe.
Wir haben den Lehm grundiert und das erste Zimmer mit zeitlichem Abstand 4 mal gestrichen. So wie es gerade ausschaut brauchst es mind. noch 2-3 mal, bis es deckend ist. Da wir noch da Ganze Haus vor uns haben, suchen wir noch einer Lösung, mit der wir nicht 7x jede Wand streichen müssen.

Ist es überhaupt normal, dass da so wenig deckt? An was könnte da liegen?

Grundierung war Sumpfkalk (3 Jahre alt) mit 4:1 Wasser gemischt.
Anstrich (Anteile):
1 Sumpfkalk
4 Wasser
1/2 Magerquark
1/2 Marmormehl

Wir freuen uns über jeden Tipp.

Viele Grüße
Natalie



Magerquark reduzieren



Dieses Rezept kenne ich nicht. Der Magerquark-Anteil erscheint mir sehr hoch. Das ist schon fast ein Kasein-Kleber, der dadurch nach dem Trocknen glasig, trübe-durchsichtig wirkt - und bleibt. Das schränkt auch die Atmungsfähigkeit der Wand ein. Diesen Quarkanteil von 1/2 würde ich um weit mehr als die Hälfte reduzieren - etwa auf 1/8. (Oder noch weniger.)
Wenn es guter Kalk ist, dann bleibt die Wischfestigkeit trotzdem auch erhalten.



Quark reduzieren, oft streichen



Hallo,
wie mein Vorredner schon sagte, den Quarkanteil deutlich reduzieren. Ich verzichte meist komplett auf Quark,- lediglich Sumpfkalk mit Wasser reicht auch.
Generell ist es aber natürlich normal, dass man beim Erstanstrich einen Kalkanstrich 3-7x wiederholen muss. Wenn die Wand erstmal weiß ist, dann reicht es später aus, alle paar Jahre nur 2x drüber (1x reicht oft auch dann nicht!). Da der Kalkanstrich aber anders als weiße Farbe sowieso erst einen Tag später offenbart, wo er nun deckt und wo nicht, kann das schon mal mühsam sein.
Also: ich kenne kaum jemanden, der beim ersten Arbeiten mit Kalk als Anstrich nicht völlig frustriert war! Einfach nicht entmutigen lassen. Ein weit besseres Raumklima und wirkliche Schimmelfreiheit sind dafür dann der Preis.



Vergleich: Quark bzw Milch als Zusatz



https://www.youtube.com/watch?v=hJsyD3DtTVo&list=PLT-G9Mm08BppHQnp8x9EpGnRPiNMTDoYC&index=11



Ich habe jahrelang hier mein Rezept angeboten.



Leider wurde ich immer wieder angegangen, daß ich nur Blödsinn schreibe und hab daher das Forum nach langjähriger Mitgliedschaft und vielen Posts gemieden, da Besserwisserei und "Fachwissen" Erfahrungen vertrieben haben.

Ich geb MEINE Erfahrung heute mal wieder in die Runde, da MEINE Kalkkaseinfarbe spätestens nach dem 3. Anstrich gedeckt hat:

Als Grundierung:
1 Teil Sumpfkalk
7 Teile Magerquark
verrühren, 5 Minuten reagieren lassen, dann wässrig verdünnen und dünn verstreichen, ohne daß glänzende Stellen entstehen, trocknen lassen.

Als Anstrich:
1 Teil Magerquark
7 Teile Sumpfkalk
verühren, 15 Minuten reagieren lassen und dann mit sauberem Wasser verdünnen, damit eine LEICHT dickflüssige Farbe entsteht.
Einen Anstrich durchführen, die Farbe antrocknen lassen, dann den zweiten Anstrich durchführen, bevor der erste Anstrich komplett trocken ist. Dann nochmals antrocknen lassen und den 3 Anstrich durchführen. Dieser sollte komplett durchtrocknen. Danach sollte der Anstrich deckend sein. Kalk-Kaseinfarbe ist nur im GETROCKNETEM Zustand deckend. Wird der Anstrich feucht, wird er wieder transparent.

Zur Wischfestigkeit und auch zur Witterungsbeständigkeit kann man etwas Leinöl hinzufügen. Man kann den Anstrich mit dem ersten Rezept (Grundierung) ebenfalls wischfest machen.

Dieses Rezept ist nicht lagerfähig, spätestens wenn die Farbe geliert ist (2 Tage etwa), ist sie nicht mehr zu gebrauchen (außer zum Obstbaumanstrich)


Andreas



Schon mal Danke und noch Fragen dazu



Schon mal vielen Dank für die Antworten. Beruhigend, dass es wohl jedem so geht...

Dann werde ich es jetzt mal mit viel weniger Quark probieren. Kann die Marmormehl Menge dann gleich bleiben?
Der Quark ist ja eh nur, damit die Farbe später nicht abkreidet. Heißt, das würde dann ja auch beim letzten Anstrich reichen, oder?

Gibt es irgendein Merkmal, an dem ich erkennen kann, ob der Sumpfkalk eine gute Qualität hat?

Könnte ich den Wasseranteil auf 1:3 reduzieren, ohne das mir die Farbe beim trocknen reißt? oder bräuchte ich dann ein Öl dazu?

@Andreas. Grundiert ist überall schon. Das macht wohl keinen Sinn, da jetzt mit nochmal mit was Neuem darüber zu gehen. Für den Anstrich: Wie viel Wasser gibst du denn dann dazu?



Stichwort: Neuer Lehmputz



Wenn der Lehmputz neu ist, kann die mangelnde Deckkraft schlicht an der Feuchtigkeit in der Wand liegen.

So lange noch hinreichend Feuchtigkeit in der Wand ist, wird das mit dem deckenden Anstrich schwer. Die Brillanz eines Kalkanstrichs stellt sich erst ein, wenn alles gut getrocknet ist.

Wenn das der Fall sein kann, gut einheizen.

Optional an einer unkritischen Stelle mit dem Fön draufhalten und beobachten ob die Deckkraft steigt (und ggf. durch nachrückende Feuchtigkeit wieder abnimmt.)



Der Quark



ist für den Aufschluss des Sumpfkalkes da und daher GRUNDSÄTZLICH bei jedem Kalk-KASEIN-Anstrich wichtig. Ohne Quark (Kasein) wird das alles NIX.
Verdünnt wird die fertig angemischte Farbe so, daß sie in etwa die Konsistenz von normaler Milch hat. Je dicker die Farbe angemischt wird, umso schneller reißt sie oder blättert ab. Lieber etwas dünner und dann einmal mehr streichen.
Abtönung erfolgt mit Erdfarben (Mineralocker, Mamormehl, Kreide usw.)
Im Übrigen reagiert Kalkkaseinfarbe ähnlich wie Kalkputz mit dem CO² der Raumluft.

Womit ist grundiert worden? Ich bekomme beim lesen der Posts des TE das Gefühl, daß wohl so gut wie alles falsch gemacht wurde....

-Der Lehmputz muß TROCKEN sein
-Sumpfkalk gibt es fertig im Fachhandel- beim Baumarkt würd ich mir eher die Finger abschneiden
- Kasein (Bestandteil des Quarks) ist Grundbestandteil der Kalk-Kasein-Farbe und kann nicht weggelassen werden.
- Kalk-Kasein-Farben sind IMMER in mehreren Arbeitsschritten Nass in Nass aufzutragen


Ich würde die bereits aufgetragene Farbe vorsichtig entfernen, neu Grundieren und einen neuen Aufbau mit frisch angerührter Farbe machen. Alles andere endet im Pfusch....



Ich gehe mal einen anderen Gedankengang



Wenn ihr schon Lehm neu verputzt habt, warum setzt ihr dann nicht auch auf Lehmfarbe?
Zwei Anstriche und fertig!!!
Wer sich mit Kalk-Kasein-Anstrichen auseinandersetzt und diese auch haben möchte, sollte wissen, dass es eh bei einer Wolkigkeit der Wandflächen bleibt!
Egal, wieviele Anstriche man ausführt!
Steril aussehende Gleichmäßigkeit alter Gewohnheiten, wird es da nicht geben.
Halt lebindig eben!

@ Andreas
...da kann ich dir nur mal beipflichten, was deine Wiederauferstehung betrifft.
Mir ging es ähnlich und mittlerweile suche ich mir die Fragestellungen genauer heraus, um die kostbare Zeit mit guter Fachlichkeit hiuer zu untermauern und ein guter Ansprechpartner zu bleiben.
Trotz dessen es stets mehrere Wege gen Rom geben wird.

Einen schönen Sonntag euch



Kalk-Kasein Farbe



Ich habe den Vorschlag vom IGB ausprobiert.
https://igbauernhaus.de/unsere-themen/bautechnik/farbe/kalk-kasein.html

Da wird auch gut erklärt wie das mit der Farbe funktioniert. Die Ergebnisse sind ordentlich und auch die Farbe deckt gut. Es ist nicht so einfach eine gleichmäßige Oberfläche zu erreichen, da immer wieder leicht einzelne Bereiche vergessen werden. Während der Arbeit lässt sich das nicht so gut sehen und erst nach einigen Stunden sieht man die Fehlstellen. Eine Grundierung habe ich nicht verwendet. In meinem Fall habe ich die Farbe nur direkt auf Sumpfkalkputz mit dem Quast gestrichen. Im Verlauf der Arbeiten habe ich manches freskal gestrichen, anderes auf trockenen Putz. Herausforderungen sind der gleichmäßig Auftrag der Farbe und das immer notwendige Aufrühren der Farbe während der Arbeit. Bei mir war dann auch doch ein beträchtlicher Teil der Farbe in allen möglichen Bereichen wo sie eigentlich nicht sein sollte ... Da ließe sich noch an der Technik arbeiten.

Im allgemeinen komme ich in der Praxis jedoch mit Lehmfarbe besser zurecht.





Technisch müssen wir unterscheiden ob wir eine Kalkfarbe mit Zusatz von Kasein (Milcheiweiß) haben oder eine Farbe haben wo der Kaseinleim als alleiniges Bindemittel fungiert und nunmehr Pigmente erforderlich sind um der Farbe die notwendige Deck und Füllwirkung zu geben.

Lehmputze kann man auch nur mit verdünnten Sumpfkalk streichen, ich mache das so und hatte dies hier kürzlich erst wieder beschrieben. Dem Sumpfkalkteig kann hier zusätzlich auch noch Kasein beispielsweise durch fettarme Milch zugesetzt werden (max 0,15 Liter, pro Liter unverdünntem Sumpfkalk. Den Zwischenanstrichen kann auch noch zur Verbesserung der Deckfähigkeit bis zu 10 Prozent wiederum bezogen auf den unverdünnten Kalk, Marmormehl beigefügt werden.

Ein Grundanstrich erfolgt hier in der Verdünnung 1:6. Weitere Anstrichfolgen 1:4. Hier benötigt man in der Tat sieben bis acht Anstriche um eine hinreichde Deckung zu erzielen, da die einzelnen Anstriche nur lasierend wirken.

Durch die wässrige Konsistenz können die Anstriche aber zumeist recht zügig ausgeführt werden.

Mit einer Verdünnung von 1:3 kommt man ggf. mit weniger Anstrichen schon aus, der Anstrich kann aber je nach Saugfähigkeit, dadurch auch dicker ausfallen und deutliche Pinselfurchen zeigen. Also um die mehrfach zu wiederholende Handarbeit kommt man hier zumeist nicht umhin. Anlass für Frustrationen sollte dies aber nicht bieten.

Wenn man eine Farbe haben möchte die zumeist nach zwei Farbaufträgen schon eine gute Deckung aufweist, so verwendet man lieber eine Kalkaseinfarbe in dem Sinne das mit einem vierprozentigen Leim aus Kalkkasein eine weiße Pigmentmischung aus Marmormehlen und (Champagner-) Kreide. 1 Liter Leim bindet dann etwa 1 Kilogramm Pigment binden, damit streicht man 10 Quadratmeter.

Ansonsten gibt es auch wie Udo schon angemerkt hat auch mannigfaltige käufliche Produkte die ebenso den natürlichen Charakter der Oberflächen erhalten und dem Anspruch an "konventionelle" Anstriche ebenbürtig erfüllen.

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Wir werden testen



Vielen Dank für die zahlreichen Tipps. Wir werden jetzt mal Testen :-).

Bleibt die wolkigkeit wirklich auch noch bei 7 - 8 Anstrichen?

Einige geben ja auch etwas Distelöl dazu. Wann macht das Sinn?

Ich habe jetzt auch noch ein Rezept mit Farbenleim bekommen. Bleibt die Wand damit diffuionsoffen? Bzw. hat das irgendwelche Nachteile?