Kalkfarbe überstreichen - womit und wie?

29.07.2011



Hallo,
ich habe angefangen mit Sumpfkalkfarbe (Kreidezeit) zu streichen. Jetzt stellt sich leider heraus, daß ich gegen Kalk allergisch bin!

Kann ich die kürzlich aufgebrachte Kalkfarbe problemlos mit was anderem (Silikatfarbe?) überstreichen?
Oder muss die Farbe wieder ab? Wenn ja, wie?

Danke!



diesen



Befund würde ich aber unbedingt nochmal überprüfen lassen !!



Hallo Alex,



dass man auf Kalk tatsächlich im engeren Sinne allergisch reagiert, kann man sich eigentlich nicht vorstellen.

Solange der Kalk an der Wand ist gelangt er ja nicht an oder gar in den Körper. Wenn Kalkpartikel aufgenommen werden, dann als Kalzium Oxid (Branntkalk, sollte in Farbe eigentlich nicht vorkommen), Kalzium Hydroxid (Löschkalk) oder Kalzium Carbonat. Alle Bruchstücke dieser Substanzen kommen natürlicherweise im Körper vor, so dass sie also toleriert werden, einem raschen Stoffwechsel unterliegen und sogar in den Körper eingebaut werden.
Wenn es tatsächlich eine Allergie gegen Kalk gäbe, würde man gleichermaßen auch gegen Marmor, Mörtel, Knochen, Zähne oder auch die gesamten Dolomiten allergisch sein. Das erscheint mir unwahrscheinlich.

Natürlich kann in der Kalkfarbe noch etwas anderes versteckt sein, dass eine Allergie auslöst (Die Kreidezeit Farben sollen aber volldeklariert sein, so dass man das feststellen könnte).

Viel wahrscheinlicher ist es, das die Reaktion (auf der Haut?) von der stark ätzenden Wirkung des Sumpfkalks herrührt. Sumpfkalk darf nur mit entsprechender Schutzkleidung verarbeitet werden.
Ist das Zeugs erstmal an der Wand und carbonsiert (mit Hilfe des CO2 der Luft in Ca-Carbonat umgewandelt) ist die Oberfläche ähnlich gefährlich wie eine Marmofliese im Bad: nämlich gar nicht.

Wenn meine Hypothese stimmt, bräuchtest Du deine Wand nun nicht menr überzustreichen, die Sache hätte sich schon von alleine erledigt.

Gruß Götz

p.s. Im allgemeinen ist Kalkfarbe nur sehr eingeschränkt mit anderen Farben überstreichbar.
Meist kommt einem dann alles entgegen.



Auch ich



habe es bisher nocht nicht erlebt das ein Kalkallergie vorliegt. Wie äußert sich das?

Grüße



Moin Alex,



falls du mit "allergisch" Hautrötungen nach Farbspritzern meinst: Da hilft geschlossene Kleidung und Handschuhe.

Det krieg ick ooch, wa!?

Gruss, Boris



Danke



Danke für Eure interessanten Antworten!
Daß Kalkfarbe ätzt weiß ich, ich hatte eine Brille auf und Handschuhe. Ok, nicht beim ersten Anstrich, da wurde die Finger schon etwas farbig, hat sich aber fast gut angefühlt, so schön sauber. Aber das meine ich auch nicht.

Die Reaktionen waren Schmerzen in den Augen (hab' aber nix reingekriegt!), Übelkeit, Durchfall, unwohlsein, Kopfweh.

Mein Farbenhändler meinte dazu gestern, daß bei wenigen Menschen der hohe PH-Wert gewisse Reaktionen auslösen kann. Nach 3 Wochen sollte der PH-Wert jedoch etwas zurückgehen und nach 6 Monaten dürfte man keine Reaktion mehr darauf habne.

Ist Euch sowas bekannt?
Jetzt habe ich extra lange im Internet recherchiert um mir ganz was gesundes reinzuholen - und dann das.

Natürlich könnte es auch noch ein anderer Stoff in der Farbe sein. Aber außer Sumpfkalk ist ja eh nur Mamorsand, Zellulose und Sinterwasser drin...

Danke für die Erklärung des Kalk-Kreislaufs, den habe ich mir nochmal bei Wikipedia angeschaut. Im Endefeekt habe ich (nach einigen Tagen) also gar keinen Kalk in dem Sinne an der Wand sondern Calciumcarbonicum. Richtig?

Ich werde dann wohl doch die zweite Wahl nehmen, Silikatfarbe...

Schönes Wochenende,

Alex



Calciumcarbonicum



sagen die einen, die anderen sagen Kalk, Muschelkalk, Marmor, Dolomit.... ist chemisch alles das gleiche.

Wenn man Kalk (= Calziumcarbonat, woher auch immer) zu Pulver mahlt und brennt wird CO2 (dieses fiese Treibhausgas) frei, übrig bleibt gebrannter Kalk: Calziumoxid (ganz böse weil stark ätzend).
Dazu gibt man Wasser und erhält Calziumhydroxid (=Löschkalk) und diese Verbindung ist alkalisch, ein anderes Wort für "hoher pH Wert". Dieser hohe pH Wert ist verantwortlich für die ätzende Wirkung, und zwar bei allen Menschen und nicht nur bei wenigen, wie Dein Händler Dir erzählt hat.
Das wäre so ziemlich das gleiche, als wenn jemand erzählen würde, dass Abflusseiniger oder Knollenblätterpilz nur für empfindliche Menschen schädlich wäre.
Nun bringt man eine Aufschlämmung von Löschkalk (Sumpfkalk) an die Wand und das fiese Treibhausgas CO2 aus der Luft verbindet sich wieder mit dem Calziumhydroxid zu Calziumcarbonat und man ist wieder da, wo man am Anfang war, die ganze Sache ist aber nun an Deiner Wand und haftet dort mehr oder auch weniger gut.

Du hast also Kalk (manche sagen auch Calziumcarbonicum) an der Wand und nichts anderes, und auch das Marmormehl ist das gleiche. Du hast also genau das, was Du wolltest.

Im ganzen Kreislauf war kein einziger Stoff, auf den man allergisch sein kann, aber durchaus Stoffe, die gesundheitsgefährdend sind.

Typische Zeichen der Allergie sind rasch auftretende juckende Hautrötungen (Minuten bis ganz wenige Stunden), Conjunctivitis (Augenbrennen) und v.a. auch Atemnot.
Übelkeit, Durchfall und Kopfschmerzen gehören eigentlich nicht dazu (Ausnahme Durchfall bei Lebensmittel Allergien).

Kalkspritzer im Auge machen natürlich auch eine Conjunktivitis, aber deswegen, weil der Kalk alkalisch ist. Da hat man dann ein paar Tage mit zu tun, mit den weißen Händen mal aben am Auge reiben reicht aus, oder beim duschen läuft einem die Sauce aus den Haaren ins Auge! Schlimmstenfalls können solche Kalkverätzungen wegen der Hornhautverätzung sogar zu Blindheit führen.

'Jetzt habe ich extra lange im Internet recherchiert um mir ganz was gesundes reinzuholen - und dann das'

Ja so ist das: Die Idee, dass es Sachen gibt, die immer gesund sind, egal was man damit anstellt, ist lediglich ein Verkaufsargument wie : 'hilft immer', 'wirkt garantiert' u.v.a.m.
Man kann sich im übrigen auch nicht 'gesund essen', oder sich durch die Auswahl super-hyper-öko-bio Materialien gesund bauen. Man kann immer nur vermeiden, das man kränker wird.


Entscheidend ist daher die Frage: wann macht mich ein Stoff, ein Lebensmittel oder ein Verhalten krank.
Wahrscheinlich kann man in Baumarktfarbe baden oder sie sogar trinken, in Kalkfarbe mit Sicherheit nicht.

Daher mein Rat: überlege noch einmal gut, ob nicht doch ein ganz klein wenig Kalkfarbe dorthin gekommen ist, wo sie nicht hin soll. Vielleicht gibt's ja auch noch andere Gründe für Deine Beschwerden (das hatte ich alles auch schon einmal, habe aber noch nie mit Kalkfarbe gestrichen).
Warte ein wenig ab, Allergien werden bei fortgesetzter Allergenexposition in beeindruckender Weise schlimmer, verschwinden unter diesen Bedingungen aber nie. Verätzungen aber schon.

Dass eine Silikatfarbe Dein Problem löst, halte ich für ausgeschossen, denn erstens wird sie auf der Kalkfarbe nur schlecht haften und zweitens (und viel wichtiger) sind echte allergische Reaktionen weitgehend unabhängig von der Menge des Allergens. D.h: jeder nicht vollkommen isolierte Farbrest würde die vermeintliche allergische Reaktion aufrecht erhalten.

Die Sache mit gesund und ungesund ist ebenso kompliziert wie 'schön' und 'hässlich'

sagt

Götz

(der außerhalb diese Forums ein Arzt ist und eigentlich gar keinen Klugscheißer Beitrag absondern wollte, nun ist's aber irgenwie doch einer geworden. Ich bitte das zu entschuldigen)


p.s.:

dass sich die Hände nach dem Anstreichen so schön sauber angefühlt haben, liegt daran, dass das typische 'seifige' Gefühl beim Händewaschen von der Alkalität der klassischen Seifen herrührt. Die ist aber deutlich geringer als die Alkalität von Calziumlhydroxid. Klassische Seifen (also nicht die heutigen Detergentien, die sind 'pH'neutral & alkalifrei') haben auch immer in Wunden oder im Auge gebrannt, weil sie alkalisch waren.



Das kann...



nichts in direktem Sinne mit der Farbe zu tun haben, und in Form einer Allergie schon gar nicht. Sie enthält keine Allergene, und der direkte Kontakt ist überdies vermeidbar.

Vielleicht aktiviert das Wasser Stoffe in der Wand, oder die erhöhte Luftfeuchte Stoffe im Fußboden?

Und dann gibt es ja auch noch Sachen, von denen es einem übel werden kann, ohne daß man zum Pinsel greifen muß...

Vielleicht einfach Streichen lassen?

Grüße

Thomas



Moin Alex,



ich habe gerade nochmal meine Liebste gefragt, die ist Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Allergietherapie:

Die sagt es ist durchaus möglich, dass allein der Aufenthalt in dem stark alkalisch Milieu eines frisch gestrichenen Zimmers bei dir derartige Reaktionen auslösen könnte.

Das sollte sich dann aber m.E. legen, sobald die Farbe getrocknet ist und es nicht mehr nach Kalk "riecht". Solange würde ich an deiner Stelle erstmal warten.

@Götz: Ich finde solche umfassendern Betrachtungen immer wieder lesenswert, wegen mir kannst du ruhig öfter "klugscheissern"....;-)

Gruss, Boris



@ Boris



Es gibt kein "alkalisches Milieu", das von einer Kalkfarbe ausgelöst wird, in der Luft. Alkalien und Erdalkalien sind wasserlösliche Feststoffe, keine Gase. Es wäre grundsätzlich denkbar, daß aus salzhaltigen Untergründen z.B. Ammoniak freigestzt wird. Das Problem kann sich aber bei einem Innensilikat auch ergeben, und ist bei den zu erwartenden Mengen eher hypothetischer Natur.

Hat's denn nach irgendwas speziellem gerochen, das frischgestrichene Zimmer?

Grüße

Thomas



@Thomas:



vielleicht sprechen wir einfach von einer "Überempfindlichkeit" statt "Allergie", für "Milieu" darfst du dir was ausdenken, mir ist grad nicht nach Wortklaubereien.

Genauso wie ich ungern Kalkstaub einatme beim Putz anmischen (das brennt bei mir auf den Bronchien), halte ich auch ungern meine Nase über den Kalkfarbkübel und sehe zu, dass ich aus dem frisch gestrichenen Raum rauskomm' sobald ich fertig bin. Ich empfinde die Feuchte Kalkluft als leicht ätzend. Hat sich nach der Trocknung erledigt.

Das kann anscheinend in Alex' Fall als Auslöser (nicht Ursache!) reichen.

Gruss, Boris



In der Luft...



...ist aber nach dem Streichen kein Kalk. Beim Stäuben eines trockenen Kalksackes sieht das ganz anders aus. Was auch immer die Gründe für die Probleme sind, an kalkgeschwängerter Luft kann's nicht liegen.

Ich würde glatt (vorsichtig) versuchen, ob dieselben Probleme wieder auftauchen, wenn eine weitere Wand in einem anderen Zimmer gestrichen wird. Denn gäbe es auch noch andere Kalkfarben...

Grüße

Thomas





Bisher las ich hier immer nur, daß Sumpfkalk ja das Gesündeste ist und sogar Allergien und Krankheiten vergessen lässt die durch den "Sondermüll" der Zivilisation hervorgerufen wurden . Was meinen den F.K. und K.F. dazu, die sitzen wohl Ihren Kommentar dazu aus, ich auch, bin einfach sprachlos ! Hier legt sich aber Jeder alles so zurecht wie Er es am besten braucht .
Wenn der Fragesteller schon ein Verträglichkeitsproblem (Allergie ist aus 1001 Nacht), dann soll Er doch einfac Dispersionsfarbe ELF DIN 13300 hernehmen, am nächsten Tag ist alles gut !
So, nun habt Ihr ein neues Opfer-Ziel,
Bitterscheeen , ich stäeh` bereit .



Hier geht's um ein Problem,



und nicht um das Ausdiskutieren jedweden nebensächlichen Blödsinnes, weshalb ich das Posting Marke Biertrinker glatt überspringe.

Andere Anregung zum Vorhergehenden: Eine echte Kalkfarbe ist das Produkt von Kreidezeit sowieso nicht, mit Methylzellulose, sprich Tapetenleim, ist das ganze sowieso stark verändert. Eine schlichte geleimte Wandfarbe tut es meist genauso. In meinem alten ungeheizten Häuschen auf dem Lande findet sich ein wilder Mix aus Leim- und Kalkfarbenschichten einträchtig über- und untereinander. Schimmeln tut es aber nur da, wo (in der Küche) 'mal eine scheinbar dispersionshaltige, schön dampfdichte Schicht drübergelegt wurde UND die Wand partiell feucht ist.

Grüße

Thomas



Kalkfarbe überstreichen - womit und wie?



Hallo Alex,

Ich würde echten, reinen Sumpfkalk empfehlen.

Grüße

Mladen Klepac





Der Bretter-Verleger weiß sowwieso in jedem Gewerk alles am Besten, also nehmt nicht alles für bare Münze .



Das ist mir doch glatt...



...noch ein besonders sonniges Lächeln wert :-)

Frohes Kalken wünscht

Thomas





Hat sich die Sache denn nun eigentlich schon von alleine gebessert, oder nicht?



Eigentlich...



.. wollte ich nur wissen womit ich Kalkfarbe überstreichen kann. :-)

Danke für Eure umfangreichen Antworten!
Es ist wohl besser bei mir nicht von einer Allergie zu reden sondern von einer Unverträglichkeit. Irgendwas ist in der Farbe, was mein Körper nicht haben will...

Ob das der hohe PH-Wert ist, wird sich erst mit der Zeit herausstellen, wenn der ph-Wert der Wand sinkt.

So lange kann ich aber nicht mehr warten - die Möbel werden ja auch mal geliefert...

Daher werde ich eine andere Farbe verwenden. Schließlich will ich nichts an der Wand, was ich nicht vertrage. Auch wenn sich das mit der Zeit gibt.

Ich werde es mal mit Hagatex-Silikat-Mineralfarbe probieren. Die vertrage ich angeblich :-)
Allerdings habe ich auch schon gelenrt, daß es keine reine Silikatfarbe ist und 0,6% Kunstharz enthält. Wer hätte gedacht dass das Thema Farben so eine Wissenschaft für sich ist.

Der Hinweis auf Leimfarbe ist übrigens auch sehr interessant, vielleicht sollte ich das noch weiter verfolgen.

Nachdem ich jetzt einige Tage nichts mit der Kalkfarbe gemacht habe, bessern sich die Symptome etwas...

Danke für Eure Hilfe,

Alex





"Ich werde es mal mit Hagatex-Silikat-Mineralfarbe probieren. Die vertrage ich angeblich :-)
Allerdings habe ich auch schon gelenrt, daß es keine reine Silikatfarbe ist und 0,6% Kunstharz enthält"

mein Rat: lass es so wie es ist.

Es steht im Datenblatt der neuen Farbe nicht was alles drin ist (außer Kaliwasserglas, und das ist ..... -ätzend-), dass weiße ist jedenfalls kein Kaliwasserglas, das wird wohl auch Kalk sein.

Dass Du diese Farbe angeblich verträgst sagt wer?
Wahrscheinlich ist's der Verkäufer.

Wenn Du Dich beim ersten Anstrich tatsächlich etwas besudelt hast, und es nun besser wird: bingo.

Ich bin überzeugt, mit etwas Geduld wird alles gut.





Seit wann ist in "Dispersions-Silikatfarbe" das "Weisse", (ist wohl das Pigment gemeint) KALK ???
Wenn man keine Ahnung von solchen Produkten hat, dann sollte man die Forumsregeln, siehe bei Dieter Nuhr ,
streng befolgen .





lieber zoigl,
das in der sog. Silikat-Mineralfarbe 0,6 % Kunsharz 'drin ist, macht sie wohl noch nicht zu einer Dispersionssilikatfarbe.
Mit dem weißen Pigment hat diese Spitzfindigkeit aber gar nichts zu tun.

Bleibt die Frage woher kommt das weiße denn nun?

Bleiweiß? wohl nicht!

Titandioxid? vielleicht,

Marmormehl? vielleicht auch.

Bei Kreidezeit ist in dieser Art Farbe jedenfalls beides 'drin.

Für jemand, der keinen Kalk an der Wand haben will, kein guter Tip.



Inhaltsstoffe HAGATEX



Lt. HAGA sind in HAGATEX Silikat-Mineralfarbe folgende Inhaltsstoffe:

Cellulosefasern/-pulver
Kali-Wasserglas
Leitungswasser
Organische Disp., lösemittelfrei
Quarzmehl
Talkum
Titandioxyd
Tonerdemehl

Also kein Kalk.
Ist Talkum eigentlich bedenklich?

Alex



Respekt,



das hatte ich nicht finden können, den TS wird's freuen.

zu Talkum würde ich mal googeln.

Ich finde immer noch, das der TS eigentlich schon jetzt am Ziel seiner Wünsche angekommen ist, besser wird's m.E. nicht.





Der "BLNDE" sollte wirklich nicht von Der und über Die Farbe reden ! Wer lesen kann ist auch im Vorteil !
Wenn die Silikatfarbe nicht rein-oder-Purkristallat-Farbe aus 2 Komponenten allein besteht und, wenn auch nur einen kleinen Anteil organisches Additiv beiinhaltet, dann ist das eine "DISPERSIONS-Silikatfarbe", sei zukünftig etwas vorsichtiger mit Deinen Beratungen .



Kalk oder nicht Kalk, das ist hier die Frage!



Der BIERTRINKER ist unbestreitbar ein intimer Kenner der vorschriftsmäßigen Nomenklatur der Wandanstriche,

der BLINDE sicher nicht, zudem hat er aber immer noch nicht verstanden, was das alles mit der eigentlichen Frage zu tun hat.

Darüber zerknirscht geht er jetzt einen Korn trinken

(hoffentlich finde ich einen).

Ende



Friede !!!



Jetzt kriegt Euch hier wegen meiner Frage nicht in die Haare!

Ich hätte noch eine kurze Nachfrage:

Nachdem ich mir nun die Hagatex Silikat-Mineralfarbe gekauft habe stelle ich fest, daß diese lösemittelfreie Farbe stinkt. Wie Farbe halt so stinkt *g*

Das wundert mich aber. Was kann denn da stinken? Lösemittel sind ja nicht drin lt. Volldeklaration. (Hoffe ich zumindest?!)

Nach 4-8 Stunden an der Wand läßt der Geruch stark nach. Trotzdem würde mich interessieren, was man da eigentlich riecht?





Hallo,

jetzt gebe ich auch noch meinen Senf aus dem Erfahrungsschatzkästchen dazu.
Eine Allergie gegen Kalk ist wie oben bereits geschrieben praktisch unmöglich.

ABER ...
... wir konnten ein paar Erfahrungen sammeln im Zusammenhang mit der Anwendung von Kalkfarben und bisher nur bei hoch chemikaliensensiblen Menschen (MCS Patienten).
Dabei zeigte sich, dass diese Personen weder auf die vormals noch unbehandelte Wand reagierten und auch nicht auf die Farbe (im Eimer und auf größeren neutralen Probeflächen).
Erst nach dem Auftragen auf die Wand kam es zu allergischen Reaktionen. Über das tatsächlich Geschehene kann man nur mutmaßen, schon mangels Analysemöglichkeiten.
Unsere Vermutung geht jedoch dahin, dass der stark alkalische Kalk mit bestimmten Inhaltstoffen im Untergrund reagiert haben könnte, oder bestimmte fest gebundene Stoffe gelöst und in irgendeine Art flüchtige Form gebracht hat.
Wie gesagt, es ist nur eine Vermutung, geboren aus Beobachtung.
Gleiches wurde übrigens auch schon einmal berichtet, bei Anwendung von (auch alkalischem) Kaliwasserglas als Grundierung auf einem älteren Putz. Es unterstreicht die Hypothese von reaktion per Alkalität.

Soweit zu den Hintergründen. Und nun die Antwort auf die eigentliche Frage:
Unsere Kalkfarbe kann mit Leimfarbe überstrichen werden und auch Lehmfarben überstrichen werden. Reinsilikat nicht, wenn dann eher Dispersionssilikat.

Grundsätzlich stellt sich aber die Frage, ob es das wirklich bringt. Wenn die Allergie durch wie oben beschriebene per Reaktion enstandene Stoffe ausgelöst wurde, werden die genannten Farben das sicher nicht aufhalten, da sie durchlässig sind.

Ich würde dazu raten, besser abzuwarten und auf ein restloses Ausdünsten zu hoffen.
Nicht wie Herr Klepac sagt, nocheinmal Kalk auftragen.
Und dann für weitere Räume ggf. auf nichtalkalische Farben auszuweichen.

Gruß
M. Meißner





@Alex:

Sie werden da vermutlich das Acryl riechen, hat ja einen charakteristischen Geruch. Vielleicht auch einen Lösevermittler.

Können Sie mir mal einen Hinweis geben, wo ich die Volldeklaration finde ?

Und noch eine Frage:
gehören Sie zur Gruppe der hoch chemikaliensensiblen Menschen (MCS) ?

Gruß
M.Meißner



Kreidezeit



Hallo H. Meissner,

vielen Dank für die wirklich interessante Antwort! Soweit ich weiß gehöre ich nicht zu MCS-Menschen, aber empfindlich auf dies und das bin ich schon.

Welche Sympthome zeigten hochsensible Menschen denn auf die Kalkfarbe?
Und hat sich das mit der Zeit wieder gegeben (nachdem alles ausgedünstet ist)?


Die Volldeklaration (?) von HAGA findet man in einem eigenen Menüpunkt auf deren Website für alle Produkte. Hier die PDF-Datei öffnen.

Direkter Link:
http://haganatur.de/kalkputz/wp-content/uploads/2011/05/HAGA-Uebersicht-Inhaltsstoffe1.pdf



Ich habe jetzt - wie gesagt - gestern die Silikat-Mineralfarbe von HAGA angewendet. 1 Std. nach dem Streichen bekam ich Halsweh und hab's immer noch. Allerdings geht zur Zeit auch ein Virus um, also läßt sich nicht sagen ob's denn wirklich die Farbe ist.

Länger abwarten geht leider nicht, da die Möbel in 2 Wochen geliefert werden. Blöd.
Nächstesmal nehme ich Kreidezeit Leimfarbe, die soll ja gar nicht riechen...
Oder ich nehme jetzt gleich für jede Wand eine andere Farbe! *g*

Danke für die Antwort,

Alex



@Alex



Erstmal Danke für den Link.
Der Stichpunkt "organische Dispersion" ist auch nur wieder eine Überschrift. Es beinhaltet mindestens das Kunstharz plus Wasser und einen Emulgator. Des weiteren mehr oder weniger geringe Mengen Lösemittel, die dann aber als Hilfsstoff (Lösungsvermittler) deklariert werden und selbstverständlich Konservierungsstoffe.
Sie sehen also, es gibt nicht nur "die Dispersion" sondern sie besteht wiederum aus mehreren weiteren Chemikalien.
Haga wird die Dispersion nicht selbst herstellen sondern zukaufen. Die Dispersions-Produzenten wiederum legen üblicherweise nicht offen, was sie eingesetzt haben. Nachfrage also zwecklos.

!!! --- Bitte jetzt nicht falsch verstehen, dass ist keine Wertung gegenüber Haga. Die Dispersion erfüllt in der Farbe immerhin eine Super Funktion, nämlich Untergründe zu erschließen, die sonst für reine Silikatfarben nicht geeignet sind. Und das ist m. E. absolut sinnvoll so, wenn es die Firmenphilosophie erlaubt. Ansonsten sind diese Farben deutlich "sauberer" als übliche Dispersionsfarben.

Zum Thema MCS und Reaktion auf Kalk:
nein, da gibt es keine typischen Reaktionen. MCS Patienten reagieren generell und individuell äußerst unterschiedlich, von "nur" roten Augen, Hautausschlägen, über Schwindel, Nervosität bis hin zu allergischen Schocks und Ohnmacht. Dabei spielt auch die psychische Komponente eine sehr große Rolle.

Falls Sie sich trauen und ausdrücklich nicht zur Hypochondrie neigen, googeln sie es mal nach. MCS ist erschreckend und man wünscht es seinem schlimmsten Feind nicht an den Hals.
Falls Sie von schlimmen Geschichten schlecht träumen, googeln Sie lieber nicht. Ehrlich !

Gruß
M.Meißner



MCS



Das mit dem Googeln werde ich mir überlegen *g*

Haben sich die Sympthome bei den betroffenen Menschen (Kalkfarbe etc.) mit der Zeit wieder gelegt?





Diese armen Menschen haben immer Symptome und es ist oft nicht mehr feststellbar gegen was alles sie allergisch sind.

Ich würde Ihnen raten, es jetzt mit Ruhe anzugehen.
Weiter oben schrieben Sie, dass sich Ihre Symptome "nach einigen Tagen" bereits bessern. Das lässt doch hoffen.

Sonst kann es aber auch sein, dass sie auf einen anderen Baustoff reagieren.





Nachdem ich kurz gegoogelt habe, habe beschlossen, nicht zu diesem MCS-Personenkreis zu gehören! :-)

Vermutlich (?) reagiere ich ganz einfach auf den hohen PH-Wert in der Luft bei der Verarbeitung. Wenn alles trocken ist, ist ja nichts alkalisches mehr in der Luft. Die Verkieselung sollte nach einigen Tagen ja abgeschlossen sein. Und die Wand werde ich nicht ablecken...

Nach einigen Tagen wurde damals meine Sympthome besser. Gestern habe ich mit Slikatfarbe gestrichen und schlimme Halsschmerzen bekommen. Grippe ist aber auch gerade hier unterwegs.
Vielleicht (?) hat mein gestriges Streichen ganz einfach meine Schleimhäute etwas gereizt (mit Brille und Handschuh, aber ohne Staubmaske), so daß der Virus jetzt leichteres Spiel hat :(

Obwohl - lt. Testung durch meine Heilpraktikerein ist in der Kalkfarbe etwas, das ich nicht vertrage, in der Silikatdispersionsfarbe jedoch nicht. Kompliziert...

Ich werde jetzt die letzte Wand mit der Silikat(dispersons)farbe weiter streichen. Die schon mit Kreidzeit Kalkfarbe gestrichene Wand lasse ich so (da kommt eh der Schrank hin).

Auch wenn die Silikat-Mineralfarbe vermutlich also doch Lösemittel und Konservierungsstoffe enthält, so sollte das doch deutlich weniger sein als z.B. bei "Alpinaweiss". Diese Farbe haben wir nämlich sonst überall an der Wand.
(Allerdings hat das der Maler gemacht, nicht ich selber)

Das hat man nun davon, wenn man alles mal selber ausprobieren und dann noch besonders gut machen will *tststs*

Mit meinem jetzigen Wissensstand würde ich jetzt wohl eher lieber eine Leimfarbe verwenden. Evtl. noch eine Lehmfarbe.

Alex