Neu hier und Fragen hab' ich auch ;)

14.12.2005



Tag allerseits,

nachdem ich hier schon länger mitlese und auch schon Einiges gelernt habe, hab' ich mich jetzt endlich auch angemeldet.

Wir haben uns ein (~100 Jahre?) altes Bauernhaus gekauft. Das ist zwar nur zum geringsten Teil aus Fachwerk (nur der Kniestock), aber da in diesem Forum das Verhältnis von Informationen zu Hintergrundrauschen sehr gut ist, habe ich mich eben doch hier angemeldet - und die spezifische Probleme mit den alten Schätzchen sind ja doch immer wieder ähnlich.

Nun sind wir dabei, zu renovieren, die Bausünden der Vorbesitzer zu beheben, das Haus an unsere Wünsche anzupassen.

Beim Mitlesen erfährt man ja so Einiges, andererseits sind für mich auch Fragen allgemeiner Art offen, die wahrscheinlich zu einfach sind:

1. Thema Kalk(-mörtel/-putz/-farbe):
Was für Kalk ist mit 'Luftkalk' gemeint? Dieser 'normale' Weißkalk, den es früher in braunen Papiersäcken für wenig Geld gab?

Was bedeutet 'Hydrauleanteil'?

Gibt es ein Grundrezept für Kalkmörtel? Es sollen einige Fugen zwischen den Handstrichziegeln neu ausgefüllt werden, das würde ich ungerne mit diesen harten Zementmischungen aus dem Baumarkt machen.

2. Ölfarbe:
Was ist 'Standöl'?
Kann ich für Holz auch Leinölfirnis aus dem Baumarkt nehmen?

Und jetzt wird's noch etwas konkreter:

3. Das Haus steht mit einer Giebelwand am Nachbarhaus an; es gibt eine recht gute Körperschallübertragung. Die Wand ist aus Ziegelsteinen mit Lehmputz. Darüber ist zur Zeit eine Rigipsschale, die wie ein Resonanzboden wirkt, und die wir wohl entfernen werden.
Ich habe auf einer Lehmbaumesse solche Stampflehmleichtsteine gesehen und habe mir überlegt, aus diesen Steinen eine Wand vor die alte setzen, um die Schälldämmung zu erhöhen. Wie entkoppelt man die Wände günstigerweise? Und ist es in diesem Falle schädlich, einen Luftraum zu belassen (es ist ja nicht an der Außenwand?) Oder gibt es andere Vorschläge?

4.Zuletzt sind wir noch auf der Suche nach einer Firma, die uns in heizungstechnischer Sicht beraten kann: uns schwebt ein System vor, das einer solare Brauchwassererwärmung und einen Grundofen mit Wärmetauscher für die Heizung in die bestehende Erdgasheizung integriert. Zur Planung und Ausführung suchen wir eine kompetente Fachfirma, die uns auch mitarbeiten läßt.

Soviel für den Anfang,
es grüßt
Hartmut



Altes Haus



Guten Tag Herr Kraft,

Luftkalkmörtel ist, wie der Name suggeriert, ein Kalkmörtel, der an der Luft aushärtet, dafür braucht er CO2. Das ist genau der, den es immer noch für wenig Geld gibt. Man kann aber gerne auch mehr dafür bezahlen, so über 8 Euro für den 30kg-Sack, wenn man spezielle Anforderungen daran hat. Der ist dann aufbereitet als Fertigmischung, mit Sand definierter Körnung, mit Kohlenstoff, mit Zucker etcc.. und diversen Wundermittelchen (helfen tatsächlich).
Im Gegensatz dazu härtet der Wasserkalk dadurch aus, daß er Wasser in die Kristallstruktur einbindet.
Wenn man von hydraulen Anteilen spricht, sind damit genau diese Komponenten gemeint. Sie machen den Kalk hart und frühfest.

Standardrezept für Kalkmörtel MG I :
3 Raumteile (z.B. Schüppen) Sand, 1 RT Luftkalk.

Damit kann man auch verputzen, allerdings nicht in der Maschine. Wenn Sie eine Putzmaschine verwenden, rate ich zur Sackware.
Weitere Informationen gibt es z.B. bei www.solubel.de.

Ölfarbe: fertige Rezepte gibt es im Bioladen oder bei den diversen Naturfarbenherstellern. Ich würde das billigste Leinöl nehmen, das es gibt und Pigmente zusetzen. Den fertigen sind oft eigenschaftsverbessernde Zusätze wie Dammar und Collophonium zugesetzt, die zwar gut sind, die Farbe aber sehr verteuern.
Leinölfirnis war früher sehr verbreitet, weil ein einmaliger brauner Anstrich für die nächsten 200 Jahre gut war - wers mag - .

Zum Schallschutz: Bei zweischaligen Wänden ist die Sache so kompliziert, daß Sie die 300 Euro für einen schalltechnischen Entwurf vom Sachverständigen ausgeben sollten. Das sparen Sie allemal beim Bauen. Die leichte Vorsatzschale im richtigen Abstand mit bedämpftem Hohlraum vor einer schweren Trennwand ist das Ideale. Muß man aber ausrechnen.

Bei Solaranlagen mit Holz-Grundlastofen empfehle ich Ihnen einen unserer Marktführer: Wagner & Co. oder Solvis. Dort bekommen Sie kompetente Fachberatung.

Gutes Gelingen



Farb-Korrektur



Das Ding mit dem billigsten Leinöl ist so eine Sache.
1. vergilbt es leichter
2. trocknet es sehr schlecht.

Mit Leinöl-Firnis erzielt man keinen braunen Farbton, sondern verbessert nur die Trockeneihgenschaften des Leinöls.

Standöl ist (ursprünglich) ein in der Sonne vorbehandeltes Öl (gibt es nicht nur als Leinöl). Dadurch ist es tw. vor-oxidiert und polymerisiert (lang-kettiger). Verarbeitung und Trockenzeiten sind deutlich besser.

Für einen Grundanstrich kann man Leinölfirnis verwenden. Bei Baumarkt-Produkten würde ich darauf achten, welche Sikkative drin sind. Auf jeden Fall auf Bleifreiheit achten. Die Baumarkt-Produkte sind m.E. aber nicht billiger als die aus den einschlägigen Fachgeschäften.

Dammar und Collophonium sind keine eigenschaftsverbessernden Zusätze für Ölfarben, sondern Naturharze zur Lackherstellung. Dann ist es halt keine Ölfarbe mehr, sondern ein Lack - also etwas ganz anderes. Collophonium neigt auch stark zum Vergilben. Wer also einen farbechten Lack haben möchte, sollte deshalb auch auf die Zutatenliste schauen.

Farbenfrohe Grüße

Bernd



Danke für die Informationen!



Vielen Dank an für die kompetenten Auskünfte!

Da kann ich schon Einiges mit anfangen. Zu dem Kalkgrundrezept kommt dann noch Wasser hinzu, bis die richtige Konsistenz erreicht ist, stimmt's? Und sollte man die Mischung über Nacht abstehen lassen, wie bei der Weißkalkbrühe zum Anstreichen?

Wenn Leinölprodukte im Fachgeschäft auch nicht teurer sind als im Baumarkt (da kennt man so was meist gar nicht, wenn man mit offenen Augen durch die Gänge läuft, ist es erschreckend, welche Massen zukünftigen Sondermülls dort verkauft werden 8-\), dann werde ich mich dort mal weiter erkundigen.

Gibt es eigentlich ein empfehlenswertes Buch, das die in der Altbausanierung anstehenden Problem praktisch und auch umfassend behandelt, nicht bloß auf Zeitschriftenniveau?

Ich kenne mich ja schon mit vielem aus, aber diese 'gröberen' Bautechniken sind für mich noch neu.

Zum Schallschutz: welche Fachrichtung muß denn der Experte haben? Macht es Sinn, irgendeinen z.B. bei der IHK herauszupicken? Ich bin da deswegen skeptisch, weil meiner Erfahrung nach viele Leute Null Ahnung von Lehmbaustoffen und deren Eigenschaften haben, und ich nun mal lieber solches oder ein ähnliches Material benutzen würde.

Die Heizungsfirmen sind schon mal ein guter Tip. Aber wenn hier jemand mitliest, der selber in den Bereich aktiv ist, ist er ausdrücklich eingeladen, sich bei uns zu melden, denn man braucht ja doch einen Partner in der Region.

Grüße
Hartmut