Kalk auf Gipsputz und -platten zum x-ten




Liebes Forum,

leider haben wir kein Fachwerkhaus sondern Mainstream aus den 90ern aber ich möchte gerne Kalk streichen. Der Ursprungszustand: Tapete auf Putz (anscheinend Kalk-Gips, braust mit HCl) und Gipsplatten. Wenn die Tapete heruntergekratzt ist, wird abgeschliffen, so dass wir von leidlich glatten Oberflächen ausgehen (wir sind in der Hinsicht auch nicht sehr anspruchsvoll). Kleberreste auf den Gipsplatten werden abgewaschen.

Der Plan nach langer Forumslektüre ist, überall (auf Putz und GP) mit Grundierung vorzustreichen und danach einen Test mit selbst gerührtem (nicht geschütteltem!) Kalk zu machen. Wenn der Test misslingt, würden wir bereits weiß pigmentierten Streichputz auftragen. Welcher Grund mit welchem Streichputz ist hier die Frage, ich würde mich über Vorschläge freuen. Möglichst wenig Cellulose und andere Schimmelzusätze und doch umstandslos haftend ... ok ok gibts nicht. Oder doch?

Viele Grüße,
Botsaris



Farbanstrich



Wozu die Grundierung?





Wie ist den euer selbstgerührter "Kalk" beschaffen?

Aus der Entfernung würde ich euch zu einem Kalk-Kaseinanstrich raten. Über das selber mischen können wir gerne beraten. Grundiert wird mit einem stärker verdünnten Kalkkaseinleim oder Farbansatz.



Grundierung, Rezeptur



@ Georg: 54 Seiten Forumslektüre etc. hinterließen bei aller Widersprüchlichkeit den Eindruck, dass auf gipshaltigen Putzen (und auf GP sowieso) eine Grundierung nötig ist?
@ Mario: Noch ist nichts gerührt. Ich dachte bisher an das gängige Rezept (Sumpfkalk, Wasser, Quark, Leinöl).



Grundierung



WAS soll die Grundierung bewirken?
WAS für eine Grundierung wollen Sie verwenden?

Um den 54 Seiten noch eine hinzuzufügen:
Im Bauwesen wird Grundierung für 4 Anwendungen eingesetzt:
1. Einen einheitlich saugfähigen Untergrund herstellen
Alle Baustoffe sind mehr oder weniger kapillar. Wenn auf einer Fläche unterschiedliches Saugverhalten besteht erschwert das den Putz,- Spachtel- oder Farbauftrag.
2. Als Verfestigung
Das trifft vor allem bei Malerarbeiten zu wenn die Untergründe/Oberflächen eine zu geringe Oberflächenfestigkeit haben (absanden, abmehlen)
3. Unverträglichkeiten zwischen Untergrund und Beschichtung beseitigen (Putz auf Bitumen)
4. Eine Trennschicht ausbilden (Tapete auf Gipskarton)

Es gibt fakultativ noch andere Gründe:
5. Weil alle es so machen
6. Das macht man man eben so
7. Weil das Zeug im Baumarkt neben der Farbe steht



Grund-Grund



@ Georg: Wenn ich das so lese, bleiben 5. und 6. Oder auch 3.? Denn was ist von den Aussagen auf Produktdatenblättern wie dem zum HP14 zu halten, wonach gipshaltige Untergründe mit Sperrgrund(!) vorgestrichen werden "müssen"?
Frage 2 war eigentlich meine:-)



Grundierung



Müssen muß man gar nichts.
Dieses "Müssen" bezieht sich auf portlandzementhaltige Beschichtungen. Hier kann es mit dem Calciumsulfathydrat zu einer Monosulfat/Ettringitreaktion kommen. Eines der Zementminerale bildet bei der Hydratisierung sehr große Kristalle durch eingelagertes Wasser. Im Laufe der nächsten etwa 3 Wochen bildet sich das Kristall um, es gibt Wasser ab und verliert an Volumen. Der Beton/Zementputz schwindet. Diese Reaktion ist nach etwa 28 Tagen abgeschlossen. Wenn in dieser Zeit Gips und Wasser an die erstarrte Zementmatrix kommt bildet sich wieder ein Zementmineral mit großem Volumenzuwachs. Das kann die bestehende Bindemittelmatrix sprengen. Die Beschichtung fliegt von der Wand. Deshalb laut Punkt 3 hier eine Grundierung als Trennschicht, z.B. bei Fliesen auf Gipsputz.





Also ich empfehle eine Grundierung mit verdünnten Bindemittel zur Herabsetzung der Saugfähigkeit des Untergrundes.

Ob eine Kalkfarbe mit Zusatz von Quark und Leinöl für die Untergründe so optimal sind könnt ihr ausprobieren.

Ich empfehle eine Kalk-Kaseinfarbe, da ist der Kaseinleim das Bindemittel und der Kalk fungiert als Aufschlussmittel.

Der Kaseinleim wird aus frischen Magerquark (0,xx Prozent Fett!) und einem Fünftel Sumpfkalk hergestellt und auf einen Kaseingehalt von vier Prozent verdünnt.

So würden 380 Gramm Magerquark (enthält ca.40g Eiweiss) und ca. 330 Gramm Sumpfkalk, gut verrührt und mit ca. 800 Gramm Wasser vermengt diesen vierprozentigen Leim ergeben.

Dieser Ansatz von einem Liter kann nun etwa (in Wasser, angeteigtes) 1 kg Pigment binden. Für einen weißen Anstrich würde man eine Mischung von je einem Teil Marmormehl und (Schlämm-) Kreide nehmen.

Damit kann man etwa 10 Quadratmeter streichen. Selbstverständlich kann auch buntes Pigment verwendet werden. Ggf. ist dann etwas mehr oder weniger Bindemittel notwendig. Das sollte man dann erproben.

Die Farbe sollte jeden Tag frisch zubereitet werden.

Die Verarbeitung erfordert etwas Erfahrung. In erster Linie sollte der Anstrichaufbau nicht zu dick werden da sonst der Anstrich abblättern kann.





@ Georg: ok, Zement ist nicht im Spiel.
@ Mario: Danke für das Rezept.

Wir machen mal eine Versuchsreihe. Dabei möchte ich auch Plan B testen (Streich- oder Feinputz). Fragt sich, wie man da auf den GP am besten vorgeht.

Vielen Dank schonmal





Schwebt dir den da ein Produkt vor oder wollt ihr alles selber mischen?

Die Fa. Kreidezeit bietet zum Beispiel alles an. Da ist auch in den Merkblättern erläutert , wie man auf Gipsputz bzw.- platten vorgeht.

Da könnte man auch einen Kalkanstrich mit körniger Füllung nehmen.