alter Käferbefall




Hallo Gemeinde,
bei der Sanierung unseres Fachwerks (Eiche) fiel mir ein massiver, aber alter, Käferbefall auf.
Die Schwellbalken waren durch Feuchtigkeit und Insektenfrass nur noch zu ca. 20 % erhalten.

In diesem Bereich waren fast alle Ständer und Streben, teilweise bis 50 cm Höhe vollkommen durch Käferfrass zerstört. Dort war eine Vielzahl von toten Käfern zu finden, die ich einmal fotografiert habe. In meinem Profil sind noch einige mehr Bilder davon.
Die Käfer sind etwa 8 mm lang und mattschwarz. Die Löcher, bzw. Gänge haben einen Durchmesser von 3 mm
Ich gehe davon aus, dass in Vergangenheit einmal gegen die Tierchen vorgegangen wurde. Was bringt einen Käfer sonst dazu sich als seine letzte Ruhestätte seine Gänge ausszusuchen?

Nun meine Frage(n):
-kann mir jemand sagen um was für einen Käfer es sich handelt?

- kann nun, nach Ersatz der schadhaften Bereiche, mit einem neuen Befall gerechnet werden?

Vielen Dank schon mal im Voraus!
Gruß
Martin Wittwar





Hallo Martin

Bei deinem Käfer handelt es sich soweit erkennbar um den Bunten oder gescheckten Nagekäfer Xestobium rufovillosum
Der Gescheckte Nagekäfer oder Bunte Pochkäfer (Xestobium rufovillosum) gehört zur Familie der Nagekäfer (Anobiidae). Er wird im Volksmund auch Totenuhr genannt, weil während der Paarungszeit das Männchen mit seinem Kopf auf das Holz schlägt, um Weibchen anzulocken. Nach altem Volksglauben verband man dieses Klopfen mit dem Sterben der Personen, die sich in einem Zimmer aufgehalten haben, die von diesen Käfern befallen waren. Man sprach also von der Totenuhr.

Die Käfer werden 5 bis 7 Millimeter lang und sind somit die größte bei uns heimische Anobienart. Ihr Körper ist dunkelbraun und hat gelbgraue Haarflecken am Körper verteilt. Diese haben ihm auch Namenszusätze wie „bunt“ oder „scheckig“ verliehen. In Mitteleuropa sind sie die zahlreichsten Vertreter der Nagekäfer. Die Käfer sitzen gerne auf Blüten.

Die Larven leben in Eichen- und Weidenholz aber auch in verbautem Holz. Der Gescheckte Nagekäfer gilt als Sekundärschädling, da nur Holz befallen wird, das bereits durch holzzerstörende Pilze vorgeschädigt ist. Bei einer Sanierung steht daher die Ursachenbeseitigung und Bekämpfung des Pilzbefalls im Vordergrund. Durch ihren intensiven Fraß können die Käferlarven die Zerstörung des Holzes erheblich beschleunigen und verstärken.



siehe auch:

http://www.parisek-saniert.de/holzschutz/holzschaedlinge/tierisch/bunter_nagekaefer.html
oder:
http://www.holzfragen.de/seiten/Xestobium_rufovillosum.html

Gruß

Lutz





Hallo Lutz,

danke für deine hilfreiche Antwort.

Ich gehe mal davon aus, dass nun, nach Einbau einer Horizontalsperre und somit Vermeidung von Feuchtigkeit (Pilze) solch eine Schädigung nicht mehr auftreten kann.

Ist es normal, dass so viele tote Käfer in den Gängen verblieben sind, oder wurde da mal begiftet o.ä.?

Gruß
Martin





Hallo Martin

Deiner ersten Annahme kann ich nur bedingt zustimmen. Die vorherige Entfernung der Hölzer und eine holzschutztechnische Behandlung wäre schon sinnvoll.

Zu deiner Frage:
Ja das kann schon sein, nach der Kopulation und der Eiablage sterben die Käfer und bleiben liegen. Es kann aber durchaus auch "Gift" im Spiel sein.

Lutz





Hallo Lutz,
da die befallenen Hölzer ja kaum noch zu verwenden waren (wie Papier), sah ich mich gezwungen diese auszutauschen. Wo es ging wurde gesundgeschnitten und angeschuht, das waren aber die wenigsten Fälle.
Ich denke mit Horizontalsperre sollte das doch eigentlich nun funktionieren, oder?
Welche holzschutztechnischen Maßnahmen kämen denn da noch in Frage?

Geplant ist eine offenporige Lasur nach vorheriger Leinölbehandlung.

Gruß
Martin



konstruktiver Holzschutz



Hallo, Lutz meine auch solche Dinge wie Schlagregenschutz, Tauwasserschutz, Spritzwasserschutz usw. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



alter Käferbefall



Hallo Martin,
nimm den Hinweis von Ulrich Arnold ernst;
nach Deinem Foto zu urteilen, liegt die Schwelle im Spritzwasserbereich!

Viele Grüße
Georg



Das werde ich tun!



zunächst einmal vielen Dank für eure Hilfe!

Zugegebenermaßen ist der gesamte Bereich etwas problematisch, da auch noch Wetterseite (Die Seite die auf dem Bild im Schatten liegt) und von unten extrem nass. Deshalb auch die Horizontalsperre, die nicht direkt unter den Balken genagelt ist, sondern im Fundament liegt.

Natürlich werde ich die Ratschläge Aller ernst nehmen.
Das Fundament wird, nach dem alles "sitzt" noch entsprechend abgeschrägt, damit kein Spritzwasser "stehen" bleibt. Unten überstehende Kanten am Holz habe ich vermieden.


Vielen Dank nochmal für eure Antworten.

Gruß aus Nordhessen
Martin





@Martin
Welche offenporige Lasur nach Leinölbehandlung ?



Blasenbildung



Hallo, Hr. Lingel scheint das gleiche zu fürchten wie ich. Wenn man Ölanstriche in Holz eingebracht hat, kann es z. B. bei Sonneneinstrahlung zu Blasenbildung in darüber angelegten Anstrichen auf anderer Basis führen.
mfG. Ulrich Arnold



Folgendes ist geplant:



Hallo Thomas, hallo Ulrich,

geplant ist die Eichenbalken zunächst ein bis zweimal mit Grundieröl von Kreidezeit zu behandeln.
Diese Öl ist auf Leinölbasis, leicht pigmentiert. Anschließend soll ein Anstrich mit "Bio Pin Wetter" erfolgen. Eine diffusionsfähige, offenporige Lasur, nach Wunsch pigmentiert, auf ökologischer Basis. Als Inhaltsstoffe seien genannt: Leinöl, Tungöl, Erd- und Mineralpigmente.
Ich habe dieses Verfahren im selben Hausbereich an einer weiterführenden Wand vor zwei Jahren schon einmal durchgeführt, mit besten Erfahrungen. Diese Hausseite liegt zur Zeit bis etwa Mittags in Sonneneinstrahlung. Keine Blasenbildung, kein Abblättern, dauerhafter Farbton. Bisher ein bestechendes Ergebnis ohne erkennbare Schädigungen.
Kann ich eigentlich nur empfehlen!

Gruß Martin