Einfachverglasung, keine Dämmung und Kachelofen?

08.02.2007



Hallo!
Wir haben vor 1 Woche den Kaufvertrag unterschrieben und sind dann wohl (fast) stolze Besitzer eines ca. 200 Jahre alten Fachwerkhofs und würden gern bald (15. April?)einziehen mit 6 Monate altem Kind... aber bis dahin muss eigentlich noch einiges gemacht werden??
Das Haus besteht aus 2 Teilen, einer Fachwerk ausgemauert und verputzt, der andere Ziegelbau (s. Fotos). Die Fenster sind Kreuz und quer erneuert worden, im Ziegelbau unten noch 2 alte einfachverglaste (sollen drin bleiben), oben z.T. Kunststofffenster, im Fachwerteil unten doppelverglaste Holzfenster und oben einfachverglaste (aber nicht mehr original, evtl. aus den 30er Jahren?). Wir überlegen, die vorhandene Einfachverglasung zu behalten, nicht zu dämmen und mit Kachelofen (+ Wasserwärmespeicher u. Wandheizungssystem)zu heizen... Ist eine Wandheizung an den Außenwänden da sinnvoll/ausreichend? Eine Hüllflächentemperierung geht wohl nicht mit Kachelofen? Kennt vielleicht jemand einen Fachmann/eine Fachfrau hier in der Nähe für solch abenteuerliche Ideen? Die örtliche Schreinerei guckt schon ganz komisch....
Danke!!



Heizsystem



Guten Tag,

alles hängt wesentlich davon ab, wie Sie ihr recht umfangreiches Anwesen nutzen / bewohnen wollen. So wie es da mehr oder weniger frei steht, müssen Sie mit einem Verbrauch von etwa 400 kWh/m²Jahr und entsprechendem Brennstoffverbrauch rechnen, wenn Sie nicht stets in Wollsocken und Pullovern herumlaufen wollen, aber auch das geht.
Bei ungedämmten Wänden sind die einfachverglasten Scheiben "Trockner", auf denen die Luftfeuchtigkeit kondensiert. Würden Sie diese Fenster jetzt ohne weiteres gegen solche mit leistungsfähiger Wärmeschutzverglasung austauschen, könnte der kälteste Punkt die Wand werden: dann hätten Sie ein Problem.
Wärmedämmung der Wände geht also vor, bei dem Fachwerkteil von innen. Beim Ziegelteil hätte ich gegen eine zeitgemäße Außendämmung nichts einzuwenden.
Hüllflächentemperierung ist aus raumklimatischen Gründen angesagt. Bei einer zentralen Wärmequelle und kalten Wänden hätten Sie stets Zugerscheinungen von den Wänden über den Boden zur Wärmequelle.
Mit einem Kachelofen geht das nicht, mir ist jedenfalls kein Anbieter mit funktionierenden Systemen bekannt, was nicht ausschließt, daß man mit Basteleifer einiges hinkriegt.
Sie könnten aber, da Sie ja einen großen Wirtschaftsteil haben, einen Scheitholzkessel aufstellen, der Scheitholz und Hackschnitzel verfeuert. Aus Kostengründen würde ich bei etwa 13 kW Leistung einen Schnitt machen, auch wenn ein größeres Teil angeboten würde. Dann hätten Sie wegen der minimalen Brennstoffkosten Amortisation in weniger als 10 Jahren. Die Preisunterschiede sind nicht gering, in Frage kämen Produkte z.B. von Wolff, Buderus, Klöckner etc.
Damit man nicht zuviel sägen und hacken muß, sollte der Kessel für 50cm-Scheite ausgelegt sein.
EIn ausreichender Platz für Holzvorräte ca. 15 m³, sollte vorhanden sein.
Für die sommerliche Warmwasserversorgung paßt dazu eine thermische Solaranlage mit etwa 6-9 m² Kollektorfläche und 1.000 l Speicher, z.B. von Solvis oder Wagner + Co (Cölbe, also ganz bei Ihnen in der Nähe).

Grüße



Die Alten erhalten!



Hallo Kathrin,

ich lade Sie ein, bei mir mal vorbeizuschauen, da ich auch ein altes Haus habe und schon verschiedene Sachen erneuert habe. Sie können sich da gerne ein Bild machen, was für Sie alles in Frage käme. Ich wohne bei Alsfeld. Mailen Sie oder rufen Sie mich einfach an.

Gruß J. Simon



Keine Dämmung



Hallo Kathrin,
Glückwunsch zu Ihrem schönen Haus!

Ihre Planungen finde ich gut, nicht zu dämmen und Strahlungsheizung zu verwenden ist optimal, um die Sonneneinstrahlung auf die Aussenwände zu nutzen.

Durch Strahlungsheizung haben Sie auch keinen Luftzug, da kaum Luft bewegt wird, auch keine Staubverwirbelung, gut für Kleinkinder.

Schauen Sie doch mal bei www.sancal.de vorbei und finden Sie dort verschiedene Möglichkeiten.

Alles Gute



Die Sonne



Hallo,
wie ist denn der jetzige Wandaufbau eigentlich? Ich möchte jedenfalls der beliebten Meinung „nicht dämmen ist immer gut“ mal ein zaghaftes „na ja“ entgegensetzen. Das mit dem Vorteil der Sonnenstrahlen auf den Wänden mag mir bei dem engen Hof auch nicht so richtig einleuchten. Eine Dämmung, sofern gut gemacht und auf die verwendeten Baustoffe abgestimmt, ist doch per se nichts Schlechtes?!
Es gibt da ja auch noch die Apekte Heizkosten und Klimaschutz (der warme Januar läßt grüßen).

Zumindest zu empfehlen wäre, die Decke, bzw. den Boden zum Dachgeschoss zu dämmen.

Auf jeden Fall ein schnuckeliges Häuschen, mit den passenden Fenster später wird das richtig hübsch.



Zeit...



Hallo !

Neue Heizanlage, Schornstein, evtl. Wandheizung und alles was da dran hängt einbauen und schon in zwei Monaten einziehen ? Na dann "Renn Forest, renn !" In Eigenleistung wohl nicht zu schaffen, mal nicht zu schnell die bisherige Behausung kündigen. Es werden noch hundert andere Dinge kommen, die man eigentlich noch gerne vor dem Einzug erledigen würde.

Ich bin auch mit der Wandheizung sehr glücklich, ebenfalls mit dem Holzvergaser. Aber das ganze Haus mit Holz heizen macht Arbeit, nicht nur das Holz zu beschaffen, zerkleinern und zu lagern, auch die tägliche Bedienung und Pflege des Kessels ist mit ca. 30 Minuten zu veranschlagen, muß man schon als Hobby und nicht als Arbeit ansehen. Auch macht die Sache richtig "Dreck", nur getrennt von den Wohnräumen aufstellen, und für ebenerdigen Zugang zwecks Brennstoffzufuhr achten. Wenn der Kachelofen in der Stube steht und ständig brennt, schleppe ich alles durch die Wohnung. Kachelofen ist was tolles, aber auf eine Zentralheizung würde ich nicht verzichten wollen. Vielleicht einen Kachelofen mit in die Zentralheizung einbinden und mit einer Gasttherme kombinieren. Solare Brauchwassererwärmung würde ich auf jeden Fall einplanen, auch wenn die erst später hinzukommt.

Viele Grüße,
Karsten



Planspiele



Hallo Kathrin,

wenn Sie unter Zeitdruck stehen, sollten Sie auf jeden Fall Prioritäten setzen.

Das Dach ist dicht, Fenster und Türen auch. Gut.

Mitte April werden Sie noch maximal sechs Wochen heizen.
Dafür sollte die bstehende Heizung reichen. Vielleicht wissen Sie ja danach auch genauer, wie Sie lieber heizen würden, zentral mit Heizleisten oder Holzöfen im Zimmern, was auch immer.

Inzwischen können Sie sich auf Renovierung und Säuberung stürzen, lieber Holzböden, lösungsmittelfreie Farben und Beläge verbauen usw.

Wenn man erst drin gewohnt hat, sind die Wünsche doch wieder anders, besser als jetzt Geld wegzuwerfen.

Alles Gute





Hallo,
herzlichen Glückwunsch zu diesem Haus.
Wir haben zwar kein Fachwerkhaus, aber sicher auch schon einige Bauerfahrungen sammeln können. Der wichtigste Punkt: Zeit lassen und genau überlegen ggf. beraten lassen.
Das Haus wurde renoviert? Plastefenster usw..... Ich würde genau (in Sachsen sagt man guggen), ob nicht irgenwelche Schäden vorliegen und dann mit Unterstützung durch Planer/Zimmermann o. ä. die Sache angehen.
Ach ja, ich würde mir genau überlegen, ob ich mit einem Säugling auf eine Baustelle ziehe. Manchmal zieht sich so eine "Renovierung".
Seht Euch hier die Bilder an. Da gibt es viel zu sehen. Es gibt elegante Sachen (Lehm, Wandflächenheizung, Grundöfen). Die Sachen, die wirklich gut werden, dauern. Aber es macht Spaß.
Viele Grüße
Uwe Gießling