Nachbar verlegt alte Stromkabel

14.12.2007



Hallo zusammen,

ich wohne in einem Fachwerkhaus aus dem Jahre 1780. Das Gebäude steht nicht frei, sondern teilt sich eine Wand mit dem Nachbargebäude. Unser Haus haben wir 2004 gekauft und sofort die gesamte Elektrik erneuert. Die bis dato eingesetzten bleiummantelten Leitungen waren an einigen Stellen mit Zeitungspapier umwickelt, das auf das Jahr 1924 datierte.

Das Nachbargebäude wird derzeit renoviert. Seine aktuellen Eigentümer sind dort vor einem guten Jahr eingezogen. Heute war ich drüben und entdeckte dabei, dass sie die alten Stromkabel (baugleich mit denen, wie ich sie hatte) neu verlegen. Natürlich sind auch "neuere" Kabel dabei. Aber deren Kunststoff-Außenhülle sieht ein Neuverlegen nach einigen Jahrzehnten auch nicht ein und splittert an etlichen Stellen einfach ab. Ich sprach meine Nachbarn darauf an und sie sagten mir, dass sie das tun, um zu sparen. Innen seien die Kabel ja schließlich noch gut.

Jetzt habe ich bedenken, dass sowohl das Gebäude meiner Nachbarn als auch meins in absehbarer Zeit in Flammen stehen wird. Sogar ihren Einbauherd wollen die Nachbarn an diese alten und dünnen Kabel anschließen.

Hat jemand schon mal vor einer ähnlichen Problematik gestanden oder einen Vorschlag, wie man sich in einer solchen Situation verhalten soll/kann?



gefährlich



Hallo,
die alten Leitungen insbesondere für den Elektroherd werden definitiv überlastet werden. Nachdem die Leitungen selbst verlegt werden, wird die Absicherung in der Verteilung wohl ebenfalls ohne Hirn gemacht werden.
Der Elektroherd wird in der Regel mit 3x16A abgesichert (Kochfeld + Backofen), heute sind hier 2,5mm² Kupfer standard. (1,5mm² ist auch schon zu knapp, auch wenn je nach Leitungslänge zulässig).
Die verwendeten Leitungen sind eventuell gar nicht aus Kupfer und dürfen daher noch geringer belastet werden bei gleichbleibendem Querschnitt.
Auch wenn der Kupferpreis hoch ist, ein paar hundert Meter Kabel kosten nicht die Welt. Bitte unbeldingt dem Nachbarn raten neue Kabel einzuziehen.
Die Kabel sind zwar wie du beschreibst nicht mehr mit Stoff ummantelt, aber poröser PVC kann zu Leckströmen führen und irgendwann zum Kabelbrand und die PVC-Gifte dringen aus den Schalterdosen aus und Vergiften die Bewohner. Hier sehe ich die Gefahr noch großer als einem Wohnungsbrand, wobei letzterer natürlich auch nicht ausgeschossen werden kann!

Rechtlich dürfen die Bewohner des anderen Hauses nicht eigenmächtig die ganze Installation ändern mit Verteilung usw!



Keine Handhabe, oder?



Hallo ElextroX,

danke für die schnelle Antwort. Habe ihnen zu neuen Kabeln geraten, gesagt, dass die nicht die Welt kosten und ihnen auch erklärt, wo es sie günstig gibt. Aber es schien mir nicht so, als wollten sie an ihrer Vorgehensweise etwas ändern. Problematisch ist, dass ich meinen Nachbarn ja nicht vorschreiben kann, welche Kabel sie verlegen.

Wahrscheinlich habe ich also keine Handhabe, oder?



es ist doch bald weihnachten



schenk doch dem nachbarn einfach die kabel. einbauen wird er sie schon und das geld wär mir mein seelenfrieden über jahre doch wert. für gute nachbarschft würd es wohl auch sorgen.



Na, da würde ich aber nach einem passenden Riegel suchen ---



---- den ich dem verantwortungslos handelnden Nachbarn zwischen die Finger schieben kann !! - Einfach mal bei der
Elektriker - Innung nachfragen ! - Soviel ich weiß, muß
eine Neuanlage von einem Fachbetrieb ausgeführt und von einem berechtigten Meister abgenommen werden. ---
Das ist ja fast schon grimminell, was da im Nachbarhaus passiert !! -- Mein lieber Alter !! --- zum Schluss noch ein
Foddo von meinem vorbildlich installierten Arbeitsplatz.
( ich hasse Schtändbei wie die Pest ) --- Gruß , A. Milling



mmmh



@ hutz: Der Hinweis ist gut und ich habe selber über diese Lösung nachgedacht. Aber sie haben schon zwei Zimmer fertig (Kinderzimmer) und sind jetzt an der darunter liegenden Küche. Die Frage ist, ob sie die aus ihrer Sicht fertig verlegten Kabel noch einmal rausreißen. Das kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen.

Ich werde aber versuchen, wenigstens bei der Küche größeren Schaden abzuwenden und morgen neues Kabel zu besorgen. Schenke ich ihnen, soll nicht das Problem sein. Sage einfach, dass ich die noch übrig hatte.

Dennoch stellt sich mir die Frage, ob man irgend einen mal dahin schicken kann, der sich das ansieht und sowas unterbindet. Und zwar so, dass das nachbarschaftliche Verhältnis nicht gestört wird.



Arbeiten an Elektroanlagen



dürfen meines Wissens nur von zugelassenen Fachleuten ausgeführt werden, und das sind in der Regel die ortsansässigen Meisterbetriebe. Ausnahmen gibts bei Küchenmonteuren, dort wird aber eine gesonderte Ausbildung verlangt und nur Monteure mit einer solchen Zulassung dürfen Küchengeräte elektrisch anschliessen. Dasselbe gilt für Heizungsanlagenbauer. Aber komplette Elektroanlagen dürfen die auch nicht bauen. Ein weiterer Punkt ist die Feuerversicherung, die dann nicht zahlt. Und die private Haftpflicht zahlt dann zwar für Schäden an fremdem Eigentum, wird den Nachbarn aber mit Sicherheit in Regress nehmen. Mit solchem Pfusch bewegt er sich auf extrem dünnem Eis. Aufgrund der Gefährdung für Euer Häuschen könnt Ihr mit Sicherheit rechtlich vorgehen. Mal mit ´nem Anwalt sprechen. Das kostet nicht die Welt.
MfG
dasMaurer



Noch



einen (hinterfotzigen) Tipp, hetzt dem Nachbarn einfach den zuständigen Energieversorger auf den Hals, der nimmt dann die Anlage vom Netz.
(Ich hab aber nix gesagt)
MfG
dasMaurer



@ , xescobar --- Zuviel Gutmütigkeit ist ---



--- DUMMHEIT ! - entschuldige bitte, aber ein angekohltes
Nachbarschaftsverhältnis ist immer noch besser als abgebrannte Häuserzeilen, für die keine Versicherung aufkommt, wenn keine ordnungsgemäße Installation und keine
aktenkundige Abnahme erfolgte.- HZs ( Hauptzuleitungssicherungen ) und Stromzähler sind immer verplomt. - Wer illegal an Diesen manipuliert, macht sich
strafbar. Übrigens auch jemand, der seinem Nachbarn um des lieben Friedens Willen ein Bund Kabel schenkt, obwohl er weiß,daß nebenan Straftaten begangen werden.
- mit warnenden Grüßen -- A. Milling



Was tun, wenn's brennt...



... und nicht alle raus kommen.

- vor allem mit dem eigenen Gewissen...

Nicht hinten rum jemanden vorbeischicken, fällt eh auf und dann ist die Gute-Nachberschaft erst recht zum Teufel - sondern Klartext mit den Nachbarn reden (wenn nötig mit Androhung der oben beschriebenen Schritten) und gleichzeitig Hilfe anbieten. Bei derartigem Leichtsinn wird das aber wohl kaum euer letzter Konflikt sein.

Gruß Frank



Gute Antworten



Die guten Antworten kommen stets von denen, die mit Geist und Sachverstand täglich beim Kunden stehen.

Hier scheint sich bei Ihnen (Hausteilhälfte) scheinbar die "Geiz ist geil-Mentalität" breitgemacht zu haben oder man hat sich vielleicht bei "My Hammer" den Rat eingeholt"!

Die "hinterfotzigen" Varianten sind zwar manchmal gut, doch die Zeit holt einen dazu stets wieder ein!
Trotzdem hat jeder Handwerker (ich denke auch jeder
Mithausbesitzer ähnlich!) eine unaufgeforderte Hinweispflicht und diese sollte hier schnellstmöglich Anwendung finden.
Örtliches Bauamt, Elektroinnung etc. sollte hier eingeschaltet werden.
Natürlich wird dies das Nachbarschaftsverhältnis eher verfrosten, als erwärmen, aber es wurde bereits angeschnitten: Was ist, wenn's dann zum Gesamtschaden kommt.

Nachdenkliche Grüße

Udo Mühle



Gute Nachbarschaft



ist erfahrungsgemäss mit solch verantwortungslosen Leuten eh nicht realisierbar. Da wird sich bald der nächste Stress anbahnen. Lieber gleich klare Fronten setzen.
MfG
dasMaurer



DANKE



Euch für die vielen Antworten. Habe meinem Nachbarn heute eine Rolle Kabel vor die Tür gestellt. Ich hoffe, er wird es verwenden. Schlimm ist es, was man so über Nachbarschaftskriege hört, das möchte ich echt nicht erleben. Der Grad zwischen Gutmütigkeit und Dummheit ist schmal, das warbden bisherigen Antworten zu entnehmen. Aber ich weiß echt nicht, was ich machen soll. Wenn ich den Nachbarn die Behörden auf den Hals hetze, werde ich hier wahrscheinlich nicht mehr glücklich. Wenn nicht, verbrenne ich vielleicht in nachbarschaftlicher Liebe. Jede Reaktion scheint falsch. Ein anderer meinte heute noch, dass es sicher gesetzlich geregelt würde, wäre es so gefährlich mit dem Verlegen von Kabeln. Nach seiner Meinung würde der Staat zur Erneuerung verpflichten, wären alte Kabel wirklich so bedenklich. Ich weiß es nicht. Aaaaaaahh!!!



Naja,



ein Gesetz über Elektroanlagen gibts nicht, aber es gibt ein BGB, in dem Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen der Bürger im grundsätzlichen geregelt sind, dann gibt es das Handwerksrecht, dass zum Beispiel für viele Arbeiten den Meistertitel verlangt, es gibt das jeweilige Baurecht, in dem zum Beispiel viele DIN-Normen als Grundlage dienen. Und letztendlich gibt es die Vorschriften der Energieversorger. Und dann sind da die Versicherungen, die bei solchen Aktionen jegliche Leistungen verweigern können.
MfG
dasMaurer



Und dann waren da noch...



... die anerkannten Regeln der Technik!!!

Diese finden nicht nur bei der Ausführung sondern auch in der Rechtssprechung Anwendung. Das Verwenden alter, beschädigter Stromleitungen widerspricht diesen mit Sicherheit! Wenn nicht ausdrücklich ein Prüfzeichen verlangt wird, steht da wahrscheinlich so etwas wie: ... müssen nach Art und Weise geeignet sein...

Ihr wolltet Rat und habt ihn in für dieses Forum selten einhelliger Form bekommen - es ist an euch ihn zu beherzigen!

Viel Glück, Frank



Stelle dir sicherheitshalber



ein paar Feuerlöcher hin und die Rauchmelder nicht vergessen!

Gruß Marko



zu guter Letzt!!



Wenn es zum Schaden (ob groß oder klein) gekommen ist, dann sollte man sich aber trotzdem in diesem Lande darüber gedanken machen, das Recht nicht gleich Gesetz ist und Recht bekommen, auch eine Sache zwischen den Anwälten ist!!


Nachdenkliche Grüße

Udo



VDE Beachten



Hallo,
es handelt sich hierbei eindeutig um das errichten einer Elektrischen Anlage (VDE0100 §3 10.).
Somit finden die Regeln nach VDE0100 ... Anwendung.
Somit ist das Verwenden der alten Leitungen nicht zulässig und die ganze Installation muss dieser Norm entsprechen.
Weiterhin dürfen diese Arbeiten nur von einer Elektrofachkraft durchgeführt werden und müssen nach Abschluss der Arbeiten von einem Meister überprüft und beim zuständigen EVU angezeigt werden.

Grüße
Axel Schmauder



Letzte Antwort!



Dies können wir ebenfalls bestätigen, da wir uns dazu nochmals genau informiert haben.
Auf einem eigenen BV konnte ich diese Möglichkeit nutzen, einen selbständigen Elektromeister dazu noch einmal zu befragen.
Es ist sogar nicht statthaft, das nur ein gelernter Elektriker dies ausführt, sondern eben wie bereits vorangegangen gesagt, es muß ein eingetragener Elektrofachbetrieb (Meister!) kontrollieren und abnehmen!

Strömende Grüße

Udo