Sanierung

14.07.2005


Hallo,

ich bin grade erst Besitzerin eines alten (Baujahr unbekannt, wird auf ca. 1890 geschätzt) Fachwerkhauses geworden. Natürlich stehen etliche Arbeiten an. Ich möchte das Haus gerne grundlegend sanieren und werde es daher Entkernen lassen (also alle Gewerke raus), es müssen komplett neue Elektro- und Wasserleitungen (sind noch aus Blei) rein. Heizung wurde zum Glück vor vier jahren mal neu gemacht und Fenster sind auch noch neu. Auch das Dach muss inkl. Dachstuhl (hängt durch) erneuert werden. Also allgemein eine sehr kostspielige Angelegenheit... Man hat mir geraten die Fachwerke nachher mit Yton auszumauern, da dies einen guten Wärmewert ergibt und viel billiger als der originale Lehm ist. Hat jemand hiermit Erfahrungen??

LG Julia





Hallo Julia,
zunächst darf man Dir gratulieren zu Deinem neuen alten Haus. Gleichzeitig wird mir bei Deinen wenigen Zeilen schon schlecht. Du bist zum Glück in einem der brauchbaren Althaus-Foren gelandet. Deshalb wünsche ich Dir, daß Du erst einmal von dem Althaus-Bewußtsein, das hier herrscht, ganz viel mitbekommst. Bitte schlaf erst einmal lange über die Sätze, die Du oben geschrieben hast, bevor Du Dein eigenes Haus endgültig kaputtsanierst.

An der Fachwerksubstanz würde ich erst einmal garnicht rühren, solange nicht erkennbare, akute Schäden zu beheben sind. Auch Dein Dach wird sicher nicht gleich einfallen.
Da muß ein Statiker oder Zimmermann Tipps geben.
Von Leuten, die Dir "Entkernen" und Gasbeton im Fachwerk einreden, solltest Du Dich noch heute verabschieden, wenn Du Dein Haus nicht ganz ruinieren willst, um später einmal einen Neubau hinsetzen zu müssen. Größere Fehler kann man einem alten Fachwerk nicht antun.

Dringende Empfehlung von sicher vielen Fachleuten hier: Erst einmal schlau machen. Kompetente, wirklich gute Althaussanierer fragen und sie ausquetschen. Aber nicht nur solche Leute, die Dein Geld wollen.

Wir meinen es hier alle gut mir Dir. Im Moment haben wir Herzdrücken, wie Du mit Deinem schönen alten Haus umgehen willst.

Wohlwollende Grüße
D.Fr.



Vorsicht



mit radikalen Brechstangen - Methoden!

Dem Beitrag von Dietmar Fröhlich kann ich mich nur voll anschliessen. Lass die Lehmgefache drin ind lies Dich erst mal schlau.

Das Honorar für eine gute Beratung ist sicherlich auch eine Investition, die sich am Ende des Tages auszahlt.

Frohes Schaffen wünscht





bloß nicht "entkernen", das wäre ein grooooooooooooßer Fehler. Bitte lesen Sie sich hier im Forum durch, da wurde alles schonmal grundlegend erörtert. Finger weg von Ytong!!! (zumindest beim Fachwerkhaus). Und auch von Silikonfugen. - schonmal vorab

Warum sollte man alles entkernen und mit "günstigem" Ytong ausmauern, wenn man vielleicht nur eine Handvoll Gefache ersetzten müsste? - DAS ist erheblich billiger (auch für die Zunkunft, weil das Haus einfach länger hält).

Kaufen Sie sich am besten Bücher, z. B. Fachwerksanierung v. Schillberg oder Fachwerksünden von Gerner



… der guten Frau …



… werden ja die Ohren klingen oder die Augen überlaufen, wenn Sie die ganzen Warnungen liest …

leider - liebe Julia - sind die Warnungen von ganzem Herzen, gut gemeint und richtig!

Auch wenn das Haus und der Dachstuhl etwas schief sein sollte und hier und da ein paar Ecken nicht mehr in Ordnung sind - da braucht man nicht gleich alles entkernen, den Dachstuhl erneuern etc.

Die Elektro- und Wasserwersorgung sind bei den meisten "alten Hütten" in den seltensten Fällen "up to date" und werden ersetzt.
Bei den Heizungen heißt es aber nicht unbedingt, dass das Neue auch das Gute ist - Und der Porenbeton sollte - in Ihrem Sinne und im Sinne des Hauses - draußen bleiben. Der macht mehr kaputt, als das er Ihnen hilft.

Laß einen altbauerfahrenen Berater eine Untersuchung machen und Ihnen raten was alles sinnvoll zu machen ist und in welchen Schritten das zu erfolgen hat (Sanierungskonzept) Dann kann man oder frau auch mit unbezwingbarem Einsatz an Eigenleistung auch kostengünstig zu Werke gehen!

Die Tips der Vorredner: hier im Forum stöbern, andere hier Fragende nach deren Erfahrungen fragen und ein bisschen Fachliteratur wälzen, schadet nicht in dem Fall!

Achten Sie auf Materialien, die über zig Jahre Bestand haben (das sind solche, die schon früher eingebaut waren: Kalk, Lehm, Holz, etc.

Kopf hoch - das wird schon!
Es schaut am Anfang immer komplizierter aus als es ist!

Grüsse aus Nürnberg

Florian Kurz



Arme Julia



sie wird ganz schön schauen ...

Wenn Du möchstest, schreib mir eine Mail, dann kann ich Dir von den ganzen Sünden erzählen, die man einem alten Haus nur antun kann und die Ergebnisse gleich dazu legen. Wir wohnen in solch einem kaputt sanierten Haus ...

Und der Besitzer ist jetzt, nachdem ihm die Probleme nur so um den Kopf wehen, ganz schön unglücklich. Ich fürchte, er muss hier nochmal so viel Geld reinstecken, um das alles wieder in Ordnung zu bringen.

Wir sind heilfroh, dass er uns damals das Haus nicht verkaufen wollte. Wenn ich das alles vorher gewusst hätte, hätte ich mich niemals in dieses Haus verliebt ...

Liebe Grüße
Ulrike



Ruhe bewahren



Guten Tag Julia,

erst einmal schließe ich mich den "Vorrednern" an.
Die erste Entscheidung ist: Hast du Zeit oder Geld ?
Wenn du geld hast, kein Problem, Architekt mit Erfahrung in Altbaurenovierung besorgen, machen lassen.
Wenn du Zeit hast, Elektrik neu, Wasserleitungen neu, dann einziehen.
Was ist wenn weder Zeit noch Geld vorhanden ?
Einziehen und im Provisorium leben? (Kommt halt drauf an wieviel "Anhang" du hast.)
Auf jeden Fall:
Das Haus steht und ist seit 200 jahren nicht umgefallen.
Lass dir Zeit.
Ich z.B. habe beim Ausbau des Daches meiner Schwiegerleute, wo ich jetzt mit Frau + 3 Kindern drin wohne, in 3 Bauabschnitten viel dazugelernt(und besser gemacht).
Das wichtigste: Alles was steht und funktioniert: stehen lassen.

Gruß

Ulrich

(Maurer, Bautechniker)

P.S.
Der Lehm hat schon bewiesen, daß er sich einige hundert jahre mit dem Holz verträgt, der Yton hat den Beweis noch nicht angetreten. (Meiner persönlichen Meinung nach ist es eher der Ytonkleber, der dem Holz schadet, und weniger der Stein selbst)



Danke!



Hallo zusammen,

erst einmal vielen Dank für die guten Tips, die ich bekommen habe. Am Wochenende war dann tatsächlich mal ein "Sachverständiger" da und hat das Haus begutachtet. Er war auch der Meinung, dass man fast 70% der Gefache einfach so lassen kann, einige kann man aber leider zur Zeit nicht begutachten, da das Haus an der Wetterseite verschiefert wurde. Aber selbst wenn die Seite dann raus muss, das wird dann ja wesentlich weniger aufwendig... Das Dach möchte ich aber doch so schnell wie möglich neu machen, daher kommt Ende der Woche der Zimmermann, der sich die Sache mal anschauen soll. Mal sehen, wie es weiter geht...

LG Julia



Sanierungsbegin …



… wird gerne am Dach angefangen
dabei ist es meist wichtiger die Fundamentsubstanz zu prüfen!
Der Zimmerer wird natürlich gerne beim Dach anfangen - beim Fundament verdient er nichts!
Also sollten die Ratschläge von einem "unabhängigen" Beratschlager kommen! Finde ich!
Das mit dem Universalargument: "billiger" wird sich immer erst in ein paar Jahren herausstellen! Wenn alles Schadensfrei bleibt ...!!
Die "traditionellen" Ausführungen haben sich eben über hunderte von Jahren bewährt ...!
und sanierungstechnische "Schnellschüsse" von gutmeinenden "Helfern in der Not" gehen gerne nach hinten los! Also vorsicht! Gerade im Zeitalter der verordneten Dämmungsparanoia und der Ära der Fensterdichter sollte man als Fachwerks- und Altbausaniererlaie (und auch Fachmann) sehr aufpassen, da auch die Verordnugs und Gesetzesmauern immer dünner und brüchiger werden!

Glück auf

Florian Kurz




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