Jahrelanger Wasserschaden

24.01.2019 1zelner



Moin, moin,

im alten Stadthaus einer befreundeten Familie hat, nachdem der Mieter ausgezogen ist, es sich gezeigt, dass offenbar über viele Jahre durch eine Leckage im Bad/Küche Wasser ausgetreten ist. Mittlerweile wurde die Gebäudeversicherung aktiviert und diese hat einen Gutachter geschickt. Es fällt auf, dass in den kühleren Zimmerecken (auch im Nachbarzimmer in 8 Metern Entfernung sich Schwarzschimmel gebildet hat. Im Bad selbst ist der Fußboden (Fiesen auf Spanplatte) völlig bröselig und kann mit bloßer Hand abgerissen werden. Es sieht ziemlich schlimm aus - für meinen Geschmack.
Der Gutachter meint, es wäre mit 2-3 Tausend Euro zu sanieren - wie kann er (man) sicher sein, dass die Balkenlage (auf der Kellerdecke) nicht auch durchmorscht ist und sich eventuell sogar Hausschwamm gebildet hat?
Welche Untersuchungen kann man denn als Versicherungsnehmer fordern, bzw. sind aussagekräftig? Gibt es so etwas wie Prüfstreifen, auf welchen man die Pilzbelastung in der Wohnung messen kann?
Oder muss der Boden komplett raus - so weit, bis keine sichtbaren Schäden mehr vorhanden sind?

lg

Thomas Karl



Er kann sich sicher sein...



...weil er der Gutachter der Versicherung und deshalb an Kostenminimierung interessiert ist.

Oft sind das eher gut gebriefte Sachbearbeiter, weitaus seltener vereidigte Sachverständige.

Bestehen Sie darauf, daß die Balkenköpfe inspiziert werden. Nach der unvermeidlichen Freilegung ist das unkompliziert.

Grüße

Thomas



Die gleiche Symptomatik (Schwellbalken durch schleichenden Heizungsrohrbruch gebadet) ...



... konnte ich auch vor wenigen Wochen feststellen. "Gutachter" ist das falsche Wort, "Sachbearbeiter" trifft es. (noch nichtmal gut gebrieft)

Vorher dachte ich "Gott sei Dank haben wir eine Gebäudeversicherung"
Danach denke ich "Warum zum Teufel hab ich die überhaupt?"

Die "Sanierung" hätte sich ohne meine Nachfrage, ob es denn nicht notwendig sei, einen Zimmermann oder Baubiologen hinzuzuziehen, auf das reine Trocknen des Baukörpers und die Wiederherstellung von Rigips, Tapete und Farbe beschränkt.

Nur zähneknirschend wurde folgend auch die Vor-Ort-Termin-Rechnung des Zimmermanns, der den Schaden in meinem Auftrag begutachtet hat, angenommen.

Den Tips unseres Forums und eines befreundeten Handwerkers folgend würde ich bei solchen Sachen in Zukunft immer auf eine ausführliche Sachverständigenprüfung drängen und selbstbewusst (aber freundlich) auftreten.

Schliesslich sind Gebäudeversicherungen gerade für Altbauten teuer und meiner Meinung nach genau dafür da, Schäden im Sinne des Hausbesitzers zu begleichen.



Weiterer Gutachter



habe nun gehört, dass ein weiterer Gutachter sich das Ganze ansehen soll, und eine mögliche Leckortung vornehmen soll. Ich muss mich wundern, wie zögerlich und zurückhaltend die Versicherungen bei Schadensfällen am Haus reagieren - ganz im Gegensatz zu Schäden im Bereich KFZ. Dort kostet jede kleine Beule gleich 1000,- € und mehr...

Wenn ich es recht verstehe, kann der Schaden in dieser Form gar nicht abschließend reguliert werden. D.h. es muss zunächst einen Abschlag über eine gewisse Summe geben, für welche der Boden herausgenommen wird und neuer eingesetzt werden kann. Wenn der Boden dann heraus genommen wurde, muss der Gutachter (eventuell mit einem weiteren Fachmann) das Ganze noch einmal besichtigen und eventuell weitere Schäden regulieren. Wären solche Vereinbarungen dann nicht am sinnvollsten?



Am besten...



...die Versicherung bitten, daß ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger hinzugezogen wird - oder noch besser gleich einen vorschlagen. Unter Umständen übernimmt die Versicherung auch die Kosten, wenn Sie selbst einen beauftragen.

Der wird nicht nur die Schadenssumme benennen, sondern kann auch Aussagen zum Ablauf der Sanierung machen. Ist er aus der Region, könnte man ihn auch nach spezialisierten Unternehmen fragen.

Letztlich ist auch der Zeitfaktor für den Bauherren wichtig, und die mängelfreie Ausführung...



Wasserschaden-Begutachtung



Ohne Öffnung des Boden wird der Schadensumfang kaum feststellbar sein.
Zudem muß eindeutig die Ursache bestimmt werden.

Bei etwas größeren Schäden ist es zuverlässiger, diese von einem evt ö.b.u.v. Gutachter für Gebäudeschäden beurteilen zu lassen.
Primär wird’s darum gehen, Schäden an den Deckenbalken festzustellen bzw ausschließen zu können.
Zumindest also auch die Holz- und Baufeuchte in betroffenen Bereichen feststellen und dann einen größeren Sicherheitsbereich außerhalb der direkt geschädigten Stellen sanieren.

Die Gebäudeversicherung ist natürlich daran interessiert (zur Verbesserung der Rendite wie auch im Interesse der anderen Versicherten) die Schadenskosten gering zu halten,



Gutachter



So, wie ich das verstanden habe, soll das ein Gutachter der Schweizergruppe oder so ähnlich sein. Das ist wohl nicht ein Gutachter der Versicherung und auch wohl nicht der "Regulierer".
Wenn das Profis sein sollen, wundert es mich allerdings, dass der Boden gar nicht geöffnet wurde.



Eigentlich ...



wäre die Bestellung eines neutralen Gutachters seitens des Bauherren wohl die fairere Geschichte.
Neutrale Gutachter der Versicherung sind möglicherweise nun ja - ... etwas weniger neutral?

Leider machte mir mein Sachbearbeiter aber auch verständlich, dass die Versicherung an solch ein Gutachten eben auch nicht wirklich gebunden ist, also die Sanierungsempfehlungen nicht vollumfänglich akzeptieren muss.