Instandsetzung alter Eichendielen

29.12.2013 Schüli



Hallo,

wir haben von unserem Scheunendachboden ca. 200 Jahre alte Eichendielen geborgen (bis zu 60cm breit, 4-5 m lang und 3-5 cm stark). Diese möchten wir nun in unserem Wohnzimmer neu Verlegen (bzw. wir haben schon angefangen, Siehe Foto). Da die Dielen vorher nur Scheunendachboden waren, sind selbstverständlich etliche größere Fehlstellen entweder von Anfang an (große Astlöcher) oder durch Wassereinwirkung entstanden. Die Farbe der Dielen ist teilweise bereits sehr dunkel. Ziel ist es einen richtig rustikalen Fußboden zu erhalten, der zu der Geschichte unseres Fachwerkhauses passt. Risse und Fehlstellen können also sichtbar bleiben,aber eine Gewisse Gebrauchstauglichkeit sollte sich schon einstellen.

1. Frage:
Für die größeren Löcher und Risse benötige ich einen Tipp welcher Kitt sich auch langfristig in größeren Flächen hält und ggf. nicht allzu doll auffällt. Vorallem soll auch verhindert werden, das das ganze Spielzeug und das Süßkram der Kinder in den Löchern und Rissen verschwindet. Die Dielen liegen sehr stabil und bewegen sich aufgrund der Dicke kaum.

2. Auch wenn man sich einen Wolf geschliffen hat, besteht an den Kannten der zahlreichen, kleineren Risse immer die Gefahr sich kleine Splitter in den Fuß zu laufen.Gibt es hier einen Trick bei der Behandlung der Holzoberfläche?

3. Frage:
Wir haben bereits einige Probestücke geschliffen und diese mit Öl bzw. Öl-Wachs behandelt. In beiden Fällen dunkelt das Holz dann nochmal sehr stark nach (Beim Öl ist es dann fast Schwarz). Spricht etwas dagegen, die Dielen zu lackieren? Gibt es eine Produktempfehlung? Hat noch jemand einen anderen Tip?

Danke und Gruß

Sebastian





Wie in unseren Breiten üblich, liegen auch bei uns Eichenbohlen ähnlicher Dimension auf dem Speicher.

Ich hätte diese gerne auch geborgen, allerdings war mir vom Zimmermann davon abgeraten worden wegen : "Statische Scheibe", (das Unwort des Forums im Dezember.)
Ich hätte auch einen großen Teil ohne Beschädigung gar nicht bergen können, diese alten Nägel sind noch robuster, als das Holz.

Aus den wenigen, die ich dennoch habe, habe ich einiges hergestellt bzw. herstellen lassen.
Geölt wird das Holz immer schwarz, bleicht später aber etwas aus,
Etwas heller hat's der Tischler hinbekommen, der hat aber alles maschinell gehobelt, und mir die Messer in Rechnung gestellt (das war richtig teuer!).
Die meisten Hölzer wären wegen der Risse und Löcher für einen fugenlosen Fußboden aber nicht geeignet gewesen, sie sind auch recht bald krumm geworden.

1. Ein Material, dass so große Löcher und Risse aufweist, wird auch keinen Kitt dauerhaft halten. Je größer die Fehlstellen um so geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendein Kitt hält.

2. die Risse bekommt man nicht weg. Das sind Schwundrisse, die in den vielen Jahren entstanden sind, die kann man jetzt nicht mehr wegspachteln.

3. das Material zu lackieren, ist nicht zielführend.
Entweder ist der Lack transparent, dann wird's ähnlich aussehen, wie das Öl, wenn er Deckend wird, bleibt von der Holzoberfläche nichts mehr übrig als Löcher und Risse auf farbigem Untergrund. Außerdem wird der Lack nur sehr eingeschränkt halten.

Entweder man lebt mit den alten Brettern, oder man sollte etwas neues auswählen. Natürlich kann man auch jemand fragen, ob er aus dem Material Dielen mit Nut und Feder herstellen kann, dann hätte man aber für diesen finanziellen Aufwand einen genau so schönen neuen Eichenboden bekommen, der auch kindertauglich ist.
Wahrscheinlich reicht die Qualität und Menge des Materials hierfür auch nicht aus

Ma muss sich immer bewusst sein, dass die alten Häuslebauer auch nicht doof und meistens arm waren.
Wer hätte eine Holzqualität, aus der man Schlossdielen hätte herstellen können auf den Speicher gelegt?
Die haben für normale Fußböden Nadelhölzer genommen und nur an Stellen mit Publikumsverkehr aufwändig Eichendielen verlegt.
Auf den Speicher kamen dicke Eichenbretter minderer Qualität aber großer Dicke wegen der Tragfähigkeit, da haben Risse und Astlöcher keine Rolle gespielt

Was würde ich mit dem angefangenen Gewerk machen?
Fertig machen und ölen. Und mit den Löchern leben.

Gruß von Götz aus dem Calenberger Land



Die Frage...



...vor der Antwort: Zu den verlegerischen Basics gehört immer die Holzfeuchte. Habt Ihr die gemessen, und wie hoch ist sie jetzt? Gerade bei breiten Dielen müsst Ihr schlimmstenfalls mit inakzeptablen Fugen rechnen.

Grüße

Thomas



Danke



schonmal für die lange Antworten. Bei den Schwundrisse geht es wie beschrieben nicht darum sie wegzubekommen, sondern darum die scharfen Kanten (ggf. mit kleinen splittern) irgendwie zu entschärfen.

Die Holzfeuchte liegt im Schnitt bei 12% (bis maximal 14 %).

Gruß Sebastian



Dann sollten Sie...



die Dielen erst einmal auf die Einbaufeuchte heruntertrocknen, diese liegt bei 9%.

Dazu würde ich, auch wenn Sie das jetzt nicht lesen wollen, auch die schon montierten Dielen wieder ausbauen. Die sich sonst einstellenden Fugen mindern die "Gebrauchstauglichkeit" garantiert sehr deutlich. ("Vorallem soll auch verhindert werden, das das ganze Spielzeug und das Süßkram der Kinder in den Löchern und Rissen verschwindet."). So wird das nischt.

Also: Im gut beheizten und mehrfach täglich stoßgelüfteten Raum die Dielen mit Stapellatten einstapeln. Ein Raumluftrockner hilft schneller - optimal wäre aber eine Trockenkammer bei einem Tischler, der tatsächlich noch mit Massivholz arbeitet.

Grüße

Thomas