Bedeutung Inschrift im Sandstein




Hallo liebe Fachwerkgemeinde!
Lange habe ich Eurer Forum als Gast benutzt, nun habe ich mich vor ein paar Tagen angemeldet. Mein Fachwerkhaus bleibt nun (doch) in meinen Händen, daher wollte ich Euch auch an meinen Erfahrungen (noch wenige) teilhaben lassen.

Nun aber zur eigentlichen Frage. Ich habe in einem Kellerraum, den ich ausgegraben hatte (er war mit 11 m³ Bauschutt voll) einen Sandstein gefunden, der folgende Inschrift trägt:

BJ 600 M

Leider ist mir das Baujahr meines Hauses nicht bekannt.
Auf einer (Flur)karte von 1770 ist auf jeden Fall die Stelle des Hauses bebaut (auch mit der richtigen Hausstellung).

Der Sandstein diente als Stütze für deinen Balken für die Decke des darüber liegenden Raumes. Die Balken waren nicht mehr zu retten :(

Wäre schön, wenn jemand eine Idee hätte. Ich habe schon gedacht, dass es eventuell auch ein alter Grenzstein sein könnte. Ein Bekannter meinte, dass sich hier der Bauherr verewigt hätte.

Ich bin auf Antworten gespannt.

Gruß André





Hallo André,

stell doch mal ein Foto ein!
Der "Wortlaut" erinnert mich eher an was "neumodisches". (Hört sich ja fast an wie eine Baustoffbezeichnung, war´n Scherz)
Wie aber sieht die Schrift aus?

Gruß
Martin



Foto vom Sandstein mit Inschrift



Martin, da bin ich gleich noch mal zum Haus gelaufen und habe ein Foto gemacht. Ich hoffe es hilft.

Gruß André



Super!!



So ganz "neumodisch" scheint das ja nicht zu sein.
Was es bedeutet, kann ich aber auch nicht sagen.
Vieleicht kann aber jemand anhand des Bildes etwas sinnvolles dazu sagen.

Interessant ist es alle Mal!

Gruß
Martin



inschrift



wie hießen denn die besitzer? läßt sich das anhand von chroniken (stadtarchiv/gemeindeamt, kirche o.ä.) noch nachvollziehen? das sieht eher nach B 1600 M aus.
viele grüße carmen



So etwas meinte ich...



..mit "sinnvoll".
Liegt ja fast schon nahe.
Allerdings finde ich den "Zwischenraum" von der "1" zur "600" etwas zu weit um zu vermuten, dass beides in einen "Kontext" gehört.

"Rätselnde" Grüße
Martin



Besitzer / Chroniken



Tja, mit den Besitzer ist so eine Sache. Ich kann sie "nur" bis vier Vorbesitzer zurück "rechnen". Aber leider sind diese alle aus der "Neuzeit". B 1600 M denke ich mal nicht, da Wolfhagen im 30 jährigem Krieg (1618 bis 1648) komplett zerstört wurde. Also muss das Haus später gebaut sein. Denkbar ist natürlich, dass hier ein Stein aus einem zerstörtem Haus verbaut wurde (aber eher unwahrscheinlich - oder).

Ich habe mir schon mal im Marbuger Archiv die passende Nummer geben lassen. Dort liegt das Stadt Archiv von Wolfhagen aus der Zeit des Deutschen Reiches. Mal schauen, ob ich dort Infos zu meinem Haus finde.

Aber sucht bitte weiter nach der Bedeutung der Inschrift - Danke

Gruß André



Ob es tatsächlich sein kann weiß wahrscheinlich der liebe Herrgott, aber



ich käme auch auf das Baujahr 1600.

BJ = Baujahr

600M = 600 (arabisch) M (römisch für arabisch 1000)

Die Kombination von römischen Zahlen mit arabischen ist im auslaufenden Mittelalter häufig anzutreffen.

Gruß
Achim

PS: Soweit das Haus einmal gebrandschatzt wurde, ist es dennoch gut möglich, daß es wieder errichtet wurde. Denn auch nach Brandschatzungen bleiben "unverwüstliche" Reste. Ebenso wäre die Wiederverwendung des Steines ebenfalls gut möglich. Steine waren ein teures Gut.





Schließ mich der Carmen an, es kann schon sein das es 1600 heißen soll!
Anbei noch ein Bildchen, und bei dem mal die oberste Platte betrachten. Irgendwie hatten es die Jungs damals nicht so mit genauen Zahlen- oder Buchstabenabständen.





Hallo Andre,
das erste Zeichen könnten das Zeichen des Steinmetzes sein. Steinmetze haben ihre Arbeit früher immer signiert und jeder Steinmetz hatte sein eigenes Zeichen was sogar geschützt war, Quasi(c) Copyright des Mittelalters.
Dann würde in der Tat 1600 stehen.

gruß jens



Bauinschrift



Hallo,

bei Ihrer Inschrift handelt es sich um eine Bauinschrift die das Jahr der Baumaßnahme, es muß sich nicht um die Erbauung eines ganzen Gebäudes gehandelt haben, denkbar
wäre auch eine Erweiterung oder ein Umbau und die Initialen
des Bauherrn angibt.
Bei dem J handelt es sich um eine 1. Die arabischen Zahlen ähnelten in der frühen Neuzeit, auch entsprechend dem Zeitgeschmack, noch ihren arabischen Vorbildern. B und M
bezeichnen wohl die Initialen des Bauherr. Es ist bei derartigen Inschriften nicht ungewöhnlich, daß Buchstaben oder auch ganze Namen die Jahreszahl "einrahmen".



inschrift



steine aus zerstörten häusern sind -wohl vor allem in dieser bitterarmen und entvölkerten zeit nach dem 30-jährigen krieg- ganz sicher wieder verwendet worden! man kennt diesen ausspruch ja: "steinreich", will sagen: sehr wertvoll. sie können sicher davon ausgehen, daß zumindest dieser Stein aus dem jahr 1600 stammt und in ihr haus "integriert" wurde.
gruß carmen
p.s. steinmetzzeichen sind mir nur bekannt von größeren bauwerken (kirchen, schlösser, burgen usw.), bei denen ein/mehrere steinmetzen eine vielzahl von steinen ablieferten. die initialen sind wahrscheinlich die des/der bauherrn/bauherrin.



Inschrift



Hallo Herr Dörr,
Vielleicht können Ihnen folgende Personen in Wolfhagen weiterhelfen:
Wolfgang Leffringhausen , Steinmetzmeister
Herr Halfar, ehem. Leiter des Regionalmuseums Wolfhagen
Dr. Siemers , jetziger Leiter des Regionalmuseums

Viele Grüße aus der Nachbarschaft



Ansprechpartner in WOH



Hallo Herr Göbel,

die Idee hatte ich auch schon. Ich werde wohl am Sonntag mit meiner Tochter mal in das Regionalmuseum in Wolfhagen gehen und mit Herr Dr. Siemers sprechen.
Herr Halfar kenne ich noch aus meiner Schulzeit :).
Herr Leffringhausen ist auch eine gute Idee.

Leider ist Herr Winter (Seilermeister) verstorben. Dies wäre
wohl der beste Ansprechpartner bezüglich meines Hauses gewesen.

Vielen Dank für die Infos.

Gruß André