Innenwandschwellen in Fliesenboden

05.12.2017 vdr



Liebes Forum,

wie bei unserer Frage im letzten Jahr, sind wir immer noch auf der Suche nach einem alten Haus im Raum Hannover/Hildesheim. Das aktuell favorisierte Fachwerkhaus haben wir schon mit einem erfahrenen Gutachter angeschaut, nun aber bei einem weiteren Vor-Ort-Termin eine weitere Problemstelle gefunden. Da unsere Gutachter im Moment im Urlaub ist, hoffe ich auf die Erfahrung des Forums.

Auf dem Foto sind im unteren Bereich der Innenwandschwelle helle Stellen zu erkennen, hier ist das Holz weich und man kann teilweise gut den Schraubendreher reinstecken. Wir wissen leider nicht wie der Fußboden in 90er Jahren aufgebaut wurde, dieser Bereich ist nicht unterkellert. Stimmt unsere Vermutung dass der Boden zu dicht ist und eventuell zu hoch liegt, so dass keine Rücktrocknung stattfinden kann?

Unsere größte Sorge gilt den Innenwänden, bei denen die Schwellen nicht sichtbar sind, da sie mit Rigips-Platten (wie die links sichtbare Außenwand auf dem Foto) verkleidet sind. Hinter den Rigips-Platten au Ständerwerk an den Außenwänden haben wir bei wenigen Bauteilöffnungen keine Schäden feststellen können, die Innenwände haben wir bei der Begutachtung leider nicht weiter betrachtet. Gibt es Einschätzungen dazu, ob wir auch bei den weiteren Innenwänden mit Feuchteschäden zu rechnen haben?

Viele Grüße
Daniel



Problemstelle



Sie setzen also voraus, dass es sich bei den helle Stellen an den Balkenseiten um Feuchteschäden handelt? Was ist mit dem hellen Rechteck auf der Oberseite? Mir sieht das vom Foto her eher wie gespachtelte Fehlstellen aus, wenn Sie den Schraubendreher reinstecken können, wäre die Frage, ob es überhaupt Holz ist. Wenn der Schwellbalken feucht sein sollte, könnte man ein Feuchteprofil des Balkens an verschiedenen Stellen mittels Holzfeuchtemessgerät (wenige Euro im Baumarkt) zumindest grob ermitteln. Über den Bodenaufbau unter den Fliesen sollte eigentlich der Vorbesitzer/Makler Auskunft geben können.



Aus der Ferne...



...kann man das nicht beurteilen. Wie alt ist denn das Haus? Schwellbalken sind grundsätzlich "Verschleissteile" im FWH, so daß man nach einem gewissen Alter einfach damit rechnen muss, dass diese zu ersetzen sind. Insofern, von der Annahme ausgehend dass in den letzten Jahren nicht(fachmännisch!)saniert wurde, wäre es nicht ungewöhnlich bzw zu erwarten, dass einige Schweller hin sind bzw zeitnah getauscht werden sollten. Dass sie mit Rigips verkleidet sind, ist schonmal nicht gut. Vielleicht erklärt sich der Besitzer ja mit weiteren Öffnungen einverstanden. Wie gesagt - wenn man was findet ist es, unter jeweiliger Berücksichtigung der Gesamtumstände - nichts zwingend Ungewöhnliches - aber ggf ein Grund, den Preis des Hauses zu drücken. Hierzu aber in jedem Fall einen Fachmann hinzuziehen, denn sonst kann die Kalkulation trotzdem ganz schnell in die Hose gehen. PS: Die Heizungs- und vor allem die Elektroinstallation auf dem Bild sieht abenteuerlich aus. Auch die offensichtlich am Schwellbalken angebrachte Silikonfuge...hmmm... Wenn ich sowas sehe, wäre ich bei allen anderen durchgeführten "Sanierungsarbeiten" im Haus doppelt aufmerksam. Viel Glück und viele Nerven bei der Häusersuche!



Antworten



Vielen Dank für die bisherigen Antworten.

Ich versuche mal ein paar angesprochene Punkte zu beantworten:
- Der Boden wurde wahrscheinlich 1998 eingebaut, es gibt aber keine Aufzeichnungen über den Aufbau. Der Erbe war damals zu jung, um sich an den Aufbau zu erinnern.
- Meine Beschreibung war zu ungenau. Die weichen Stellen hängen nicht unmittelbar mit den hellen Stellen zusammen, sondern es ist im gleichen Bereich. Ich meinte damit, dass die untere Hälfte der Schwellbalken weich ist. Das gleiche Phänomen kommt an zwei weiteren offenliegenden Schwellen ohne helle Stellen vor.
- Das Haus soll aus der ersten Hälfte des 18. Jhds stammen.
- Zum Glück ist nicht viel Silikon oder Bauschaum an den Balken, nur die Fenster wurden falsch eingebaut. Aus diesem Grund können wir schon den Preis des Hauses drücken.

Ich frage noch einmal anders: Kommt es häufiger vor, dass innenliegende Schwellbalken im Boden liegen? Wäre ein Dielenboden weniger schadensträchtig bei einem solchen Einbau?

Viele Grüße
Daniel



Der Boden...



ist mit Sicherheit über die Jahrzehnte aufgewachsen. Ursprünglich wird dort ein Lehmboden mit Dielen o.ä.gewesen sein - und die Schweller natürlich frei. Atmen tut da auf jeden Fall seit 1998 nichts im nicht sichtbaren Bereich der Schweller, dafür sorgen Fliesen & Silikon. Im Gegenteil - mit jedem Wischen des Bodens wird etwas Wasser durch die niemals 100% dichte Silikonfuge am Holz einsickern, kommt da aber nie wieder raus. Das ist Pfusch. Ich bin kein Fachmann, habe aber selbst leidvolle Erfahrungen. Was ich dort sehe, beschert mir ein Deja vu. Ich befürchte, dass da ganz viel kaputt(-saniert) ist, du siehst es bloß (noch)nicht. Wenn das ganze Haus so aussieht - dann gehe ich davon aus dass es in den 90´ern völlig unfachmännisch saniert wurde. Ich wette, dass die Schweller unterhalb der Fliesen völlig vergammelt sind. Und darüber hinaus noch einiges, was sich hinter Rigips & co verbirgt. Bitte Obacht! Ich mag mich irren, aber sei vorsichtig und hole dir einen Sachverständigen, der sich wirklich mit Fachwerkhäusern(!) auskennt. Und wenn es ein erfahrerner Zimmermann alter Schule ist - die Jungs kennen sich mit den alten Häusern bestens aus. Lass dich nicht von schön graden Rigips-Wänden und Fliesenböden blenden, entscheidend ist wie es dahinter aussieht, denn da steckt die Substanz des Fachwerkhauses. Viel Glück!! Bitte berichte doch mal, was du herausgefunden hast