Innenwanddämmung mit Hanf? Welcher Wandaufbau auf vorhandenem Eichefachwerk?

23.04.2019 corydora



Liebe Fachwerkfreunde,

unser Fachwerksanierer möchte folgenden Wandaufbau für die Innenwanddämmung realisieren:

1) ca. 17cm dickes Eichefachwerk mit unterschiedlichen Gefachfüllungen (Lehmstaken, Ziegel mit Lehmmörtel oder Lehmsteine) teilweise mit altem Putz und alter Farbe
2) 6 cm Hanfmatten in Rahmenkonstruktion 60mm x 40mm
3) Kiefer-/ Fichtebretter
4) Heizrohre der Wandheizung (als Putzträger ?)
5) Lehmputz.

Diesen Wandaufbau habe ich hier im Forum noch nicht gefunden. Ich hätte gern eine Einschätzung, ob dieser sehr einfache Aufbau sinnvoll ist? Was meint ihr?

Wie ist es mit den Hohlräumen, die entstehen werden, da das Eichfachwerk samt Füllungen uneben und deshalb nicht unbedingt bündig ist zu den Hanfmatten? Können hier Probleme entstehen? Sollten die Hohlräume mit Lehmstroh gefüllt werden?

Auf dem Foto sieht man die ursprüngliche, reparierte Wand teilweise bereits mit Dämmung und Holzbrettern.

Viele Grüße



naja,



nun habt ihr ja schon angefangen. Ich fände einen homogenen Materialaufbau sinnvoller, auch unter dem Aspekt der Winddichtigkeit und der Vermeidung von Wärmebrücken. Ich hätte eine 6cm Holzfaserplatte aufgeklebt und verdübelt, Heizungsrohre drauf und dann putzen ( Gewebe einbetten nicht zu vergessen). Erscheint mir noch einfacher.



Vergleichbares mit Unterschieden im Detail



Ich kenne vergleichbare Aufbauten, die sich allerdings in Details unterscheiden. Bsp. hier:
https://www.hanffaser.de/uckermark/index.php/konstruktionen/kon-innendaemm-hdw

1. Die Hanfmatten haben eine Stützstruktur aus Kunststoff (eine Marke verwendet meines Wissens auch Maisstärke), daher Verwendet ein mir bekannter Lehmbauer diese nicht (aufgrund Taupunktproblematik u. gemindertem Feuchtetransport).
Besser wäre Stopfhanf, das ist günstiger, schließt die Lücken besser. Vorallem bei den Putzresten die man auf dem Bild sieht.
2. Die Bretterschalung finde ich fragwürdig, besonders ohne Putzträger (die Wandheizungsrohre erfüllen das nicht). Besser wäre eine Lehmbauplatte, Schilfrohr oder eine Holzweichfaserplatte statt der Bretter.

Ich kann die Unsicherheit gut Verstehen. Der Fachwerksanierer schein es sich einfach zu machen, verputzt er auch die Wandheizung?
Hat der Fachwerksanierer Referenzen, die schon ein paar Jahre/Jahrzehnte stehen?

Gruß
Manu



Innendämmung



… ist schlichtweg ein bauphysikalischer Selbstmord … 

und es bleibt immer noch ein riskantes Unterfangen, wenn man mit in Lehmputz eingebetteten Holzfaserplatten mit Lehm oder Kalkputz arbeitet … da sollten ALLE Parameter genauestens berücksichtigt werden, denn eine Fachwerkwand ist anders zu beurteilen als eine gemauerte Wand … und eine Ostseite im Haus anders als eine Wetterseite im Westen … 

Da DARF man nicht alles über einen Kamm scheren … 

Meines Erachtens ist diese von Ihnen aufgezeigte Lösung eine der denkbar schlechtesten … auch wenn das Fachwerk aussen verputzt wäre … 

Den Kopf hinhalten muss der Unternehmer … aber auch nur maximal 5 Jahre … oder so lange seine GmbH lebt … 

Vorsicht ist die Mutter der Saniererei!

Florian Kurz



Guude, Innendämmung



per se ist ein kontrovers zu diskutierendes Thema, es gibt Stellen da macht es Sinn. Aber so wie der Wandaufbau geplant ist, kommt mir das extrem komisch vor. Lappige Hanfdämmung, Bretterschalung davor und dann Wandheizung draufgebastelt, am End noch ohne Putzträger wie der Vorposter auch zu Recht anmerkte ... das wär mir nix. Die Profis mögen mich korrigieren, aber WENN es schon einen Aufbau mit Innendämmmung geben soll, dann tatsächlich erstmal das FW gradputzen, Holzfaserdämmplatten drauf, Wandheizung und fertig verputzen, oder ?
Das Kantholzgedöns mit Hanf und noch Bretter davor ist doch fast aufwändiger, oder ?
Und was ist mit den Brettern bzgl. Feuchte und direkter Wärme durch die Wandheizung ? Das arbeitet doch ordentlich oder ? Ich würds lassen und mal weiterlesen, was hier noch dazu geschrieben wird. Gruß



FW Innendämmung



Das würde ich so nicht Konstruieren wollen...
alles wieder Runter und dann erstmal alle alten Putzflächen Runter bis auf´s Mauerwerk,dann Holz auf Tüchtigkeit Kontrollieren ,Danach Putzträger aufs Holz und Mit Lehmunterputz Grade und lotrecht Putzen,dann trocknen Lassen und dann Holzweichfaser in einer dünnen Kleberschicht Lehm,Vollflächig andübeln
,Darauf dann die WFH Dübeln und nein Eine Wandflächenheizung ist kein Putzträger:) und wie es weitergeht wurde hier schon ausführlich diskutiert..

sollte es sich um ein Erdgeschoß handeln dann vielleicht noch sicher stellen das die Wandfusspunkte trocken sind,waren und sein werden...


das was ich auf dem Foto da sehe ist auf jeden fall nicht der richtige weg.

greets Flakes



Innenwanddämmung



Hallo! :-)

... Wandheizung als Putzträger auf einer Bretterschalung?
Dein "Fachwerksanierer" hat's sicherlich gut gemeint... aber Ahnung hat er keine.

Insgesamt finde auch ich diesen Aufbau sehr befremdlich und kann dir davon nur abraten.

Eine Dämmung mit Holzfaserplatten wäre eine Option. Allerdings kann man auch da sehr viel falsch machen, wie bei allen Innendämmungen.
Oft ist ein schlecht ausgeführter guter Aufbau schlechter als ein gut ausgeführter schlechter Aufbau.

Der Form halber muss ich noch die einfachste, günstigste und sicherste Option mit einbringen:

- Putzträger auf's Holz
- mit Unterputz die ganze Wand in Form bringen
- Wandheizung
- Unterputz
- evtl. noch Feinputz und Anstrich

Ich nehme an Du hast auch keinen Planer an deiner Seite, der die Arbeiten betreut... und plant? Falls nicht, rate ich dir entweder zu meinem Aufbau oder wenn Du's komplizierter willst... such dir kompetente Leute :-)

Viele Grüße

Lehmbauer Marc



… Hierzu … 



… könnte man sich auch überlegen ob die x Meter einer "Wandheizung" nicht minimiert werden könnten, wenn man eine "Temperierung" einplant und realisiert … 

Florian Kurz



Innenwanddämmung mit Hanf?



Geht wenn es richtig ausgeführt wird. Wichtig ist das die Konstruktion winddicht ist.

Anbei dazu eine Foto einer hanfgedämmten Wand die wir mit Lehmbauplatten bzw. Wandheizungsplatten verkleidet haben.



Hmmm.....



Vielen Dank für die schnellen und zahlreichen Antworten, Anmerkungen und Vorschläge. Schade nur, dass wirklich niemand diesem Aufbau etwas Positives abgewinnen konnte.
Derzeit ruht die Baustelle, so habe ich etwas Zeit zum Nachdenken und eventuellem Gegenlenken…
Die Wand ist so ungleichmäßig, weil nur die unteren Gefache komplett (mit Ziegeln in Lehmmörtel) erneuert wurden. Von innen wurden sie dann mit Lehm-Stroh verputzt. (siehe Foto einer ähnlichen Wand) Die oberen Gefache konnten erhalten bleiben (Lehmstaken) und wurden von außen ausgebessert. Der Innenputz blieb hier als Gefallen und Kompromiss für den Restaurator dran und soll so, wenn auch verdeckt durch Dämmung und Putz, der Nachwelt erhalten bleiben. ??

Kennt noch jemand das Problem der Taupunktproblematik aufgrund der Stützstruktur aus Kunststoff (siehe @Manu)?

@Pope & Gerd Meurer
Liege ich richtig in der Annahme, dass nur durch das Verputzen der gesamten Fachwerkwand (inkl. Balken) die Winddichtigkeit hergestellt wird? Ich müsste zwar alles wieder runterholen und erstmal sauber verputzen, könnte aber den jetzigen Aufbau dann wiederherstellen (das Material ist ja schon da)?

@Manu
Der Sanierer hat Referenzen (die schon ein paar Jahre stehen) und wurde uns empfohlen. Als Laie kann ich die Eignung ja nicht beurteilen. Und auch der Denkmalschutz ist in die Sanierung integriert. Warum ist die Bretterschalung so fragwürdig? Nur wegen des fehlenden Putzträgers? Die Wandheizung wollte der Fachwerksanierer selbst verputzen.

@Florian Kurz
Verstehe ich sie richtig, dass ich auf jegliche Innendämmung verzichten soll? Eine Dämmung von außen wäre theoretisch nur auf der Südseite möglich, da diese Wand verbrettert ist. Ansonsten soll das Fachwerk auch aufgrund des Denkmalschutzes sichtbar bleiben. Warum meinen sie, dass eine Temperierung einer Wandheizung vorzuziehen wäre? Vor allem bei ungedämmten Wänden hätte ich Bedenken, ob die „Hütte“ überhaupt warm wird.

@Flakes & @CaptainBee
Ihre Lösung scheint die hier im Forum bevorzugte zu sein. Leider ist das Material nun schon da. Sehen Sie wirklich keine Möglichkeit die Hanfmatten zu verarbeiten, wenn z.B. die Fachwerkwand gut verputzt wird und die Hanfmatten sauber verlegt werden? Und auf die Bretter dann noch Schilfmatten als Putzträger?

@Lehmbauer Marc
Wenn sich keine Lösung findet, mach ich’s so. Habe dann nur Angst, dass die Räume nicht warm werden. Eine teure Variante mit Planer ist leider nicht drin. Das Haus wird auch nur am Wochenende bewohnt sein.

Viele Grüße und nochmals vielen Dank!



Innendämmung



Der von mir vorgeschlagene Aufbau ist keine Notlösung :-)
Den Unterschied zu anderen Aufbauten würdest Du hauptsächlich in deinem Geldbeutel spüren. Wenn die WHZ ordentlich ausgeführt wird würde deine Bude schon warm werden.
Frag doch mal den Hersteller deiner WHZ, wie der das so sieht.

Viele Grüße

Lehmbauer Marc



Laienmeinung



Zu den Hanfmatten:
Ich bin ja auch nur Laie/Bauherr in Sachen Bau, aber mit einem guten physikalischen Verständnis (berufsbedingt als Ingenieur) und ungeheurem Wissensdurst in Sachen ökologischem Bauen.
Deshalb kann ich die Erfahrungswerte meines Lehmbauers zu den Hanfmatten auch nicht belegen.
Eine geminderte kappilaraktivität durch erhöhten Kunststoffanteil kann ich mir aber gut vorstellen, ob es dadurch zu Bauschäden kommen kann weiß ich nicht zu beurteilen. Wäre auch gespannt ob hier jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat.
Wahrscheinlich ist es wie bei so vielen Baustoffen, man muss genau auf die individuelle Zusammensetzung des Herstellers achten, ob jetzt 10% oder 30% Kunststoffanteil.

Zu der Bretterschalung:
Fragwürdig hauptsächlich wegen dem fehlenden Putzträger.
Ich habe eber einen solchen Aufbau noch nie gesehen. Könnte mir vorstellen dass bei den Brettern die raumseitige Rücktrocknung der Dämmung langsamer abläuft als bei einer Holzweichfaser- oder Lehmbauplatte.

Grüße
Manu



Jetzt ich auch noch!



Viele Dinge wurden ja bereits angesprochen, diskutiert und beleuchtet.
Wichtig ist in erster Linie, eine planebene und wenn möglich winddichte Grundlage der anzubringenden Dämmebene.
Hier ist es notwenig, die bestehende Fachwerkinnenseite aufzuarbeiten und wenn möglich mit Lehmausgleichsputz zu überarbeiten.
Nach Durchtrocknung dieser, kann man dann eine Ständerkonstruktion erstellen und diese mit einer Hanfdämmung Aufdoppeln bzw. ausbilden.
darüber kommt dann eine bauteilandindende und gut allumfassend verklebte Winddichtungsebene aus Baupapier, danach Stützlatte, dann Sparschalung, darauf dann eine heraklithplattenbeplankung 15 mm mind. und darauf dann die mit Lehm zu verputzende Wandheizungsinstallation.
Alles andere wird Pfusch und selbstbauerisches Risiko mit späteren Bauschäden.
Naturdämmstoffe sind nicht befreit von bauschadensentstehungen!
Und mal eine Gegenfrage!
Warum blast ihr die Innenvorsatzschale nicht mit einer Holzfaser aus?
Oder auch Zellulose?

Eine Alternative wäre auch die druckfeste Hanfdämmmatte

Für Fragen stehe ich auch gern weiter mit bereit.

Was aus ihrem Foto abzuleiten ist, sträubt einem schon ein wenig das Nackenhaar.
Unprofessionell, fachlich Schnellschußmentalität und wenig Ahnung von Bauablaufvorbereitung der entsprechenden Ebenen.



Probleme … 



… machen bei vielen dieser hier vorgeschlagenen - für mich sehr fragwürdigen - Konstruktionen die Übergänge der verschieden Baustoffe … mit den unvermeidlichen "Luftkammern" darin, die eine "Kapillaraktivität" verhindern, wenn nicht sogar ausschliessen … 

Die Folge sind auf lange Sicht: Bauschäden, die weil sie im Inneren ablaufen nicht entdeckt werden und zur vollständigen Vernichtung der Bausubstanz führen werden.

Je mehr Materialien hintereinander kommen, desto riskanter ist die Konstruktion, vor allem wenn sie "Dämmstoffe" beinhalten (Taupunktausfall).

Eine homogene Wand von innen nach aussen ist das optimalste – im Fachwerkbau sind die Anschlussfugen von Holz und Gefach das riskanteste - was gerade noch beherrschbar ist, wenn man mit den richtigen Materialien arbeitet.

Dieser vorgeschlagene Wandaufbau ist m.E. "bauphysikalischer Selbstmord" … 

Viel Erfolg weiterhin

Florian Kurz



So könnte es auch...



...aussehen!



Winddichtungsebene aufgebracht



... nun eine Winddichtungsebene aufgebracht und allumfassend an allen Bauteilanschlüssen winddicht verklebt.
Darauf dann die Konstruktionslatten und diese dienen dann zur Aufnahme der Sparschalung.