Innenwanddämmung bei Fertigteilhaus aus den 70ern

14.01.2017



Werte community,

Fachwerk.de ist seit jeher eine wertvolle Informationsquelle rund um den Bau, insbesondere dem ökologischen und ich freue mich nun auch einmal konkreten Rat einzuholen.
Nachdem ich lange an einem alten Bauernhaus gearbeitet habe, hat sich durch veränderte private Umstände nun die Sanierung eines in Ständerbauweise errichteten Fertigteilhaus aus den 70ern (DDR) eingestellt.
Der Wandaufbau von Außen nach innen sieht wie folgt aus, Asbestplatte, 95 mm Mineralwolle, 0,2 mm Polyethylen Dampfsperre, 15 mm Gibskartonplatte (mit innenraumseitiger "Presspappenbeschichtung").

Aus taktischen Gründen ist die Entsorgung der Asbestplatten und die Erneuerung der Fassade erst in naher Zukunft geplant.
Um aber eine zusätzliche Dämmung und ein besseres Raumklima zu bekommen würde ich gerne eine Innenwanddämmung aus Holzfaserdämmplatten (60mm) und Lehmputz (10-20mm) aufbringen.
Meine Frage ist nun ob es hier an der Innenseite der Sperrschicht zu Kondensatbildung kommen kann und außerdem wie man die Platten an den übertapezierten "Presspappengipskartonplatten" befestigt bekommt? Oder aber ob man sie doch entfernt...
Es passt eig. nicht wirklich ins Fachwerkforum, hoffe aber trotzdem auf Hilfe.

beste Grüße und vielen Dank,

B. Bull



DDR Fertighaus von innen dämmen



Auch wenn's mehr Arbeit ist würde ich sicherheitshalber und auch um die Ständer kontrollieren zu können
alles bis auf die Asbestplatten entfernen.

Die Platten mit einer seitlich an die Pfosten getackerten diffusionsoffenen Unterspannbahn oder Winddichtung abdecken.

Dann entweder Holzfaser-,Hanfdämmplatten oder Zellulose verwenden.

Innenseitig zur Aussteifung und Dämmung zB 60 mm Steico Protect H oder Universal anschrauben (Platten sind für den Zweck zugelassen-Verarbeitungsrichtlinien beachten) oder vorher zB Windrispenband diagonal von Ecke zu Ecke befestigen.
Ggf vor Befestigung der Holzfaserplatten Dampfbremsfolie sauber verkleben.
Alternativ:
Von Pavatex gibt es Holzfaserplatten mit einer dampfbremsenden Funktionsschicht-dabei müssen nur die Ränder abgeklebt werden.

Von Kaiser gibt's luftdichte Elektro-Hohlwanddosen- sofern sich Steckdosen in den Außenwänden befinden.

Ich würde die Wand aber Aufdoppeln bzw dickere Holzfaserplatten verwenden, wenn es der Platz zuläßt.

Die Sd-Werte von Folie sind bekannt (falls überhaupt noch ok) -
die von der Spanplatte können sehr variabel sein, falls du keine genauen Aussagen haben solltest.
Insofern könnten diese Schichten ein Risiko darstellen.

Andreas Teich



alternativer Aufbau



Anstelle der Holzfaserdämmplatten innen auch möglich:

OSB als Versteifung und Dampfbremse

ausgedämmte Installationsebene

Raumseitige Verkleidung mit Gipskarton oder besser Gipsfaserplatte

Vorteil bei dieser Variante ist dass man das Material leicht bekommt, und sich keine Sorgen wegen Luftdichtung der Installationen machen kann.



Innendämmung



Was bitte ist eine "Presspappenbeschichtung"?
Wie sieht die aus?
Wie dick ist sie?



Innendämmung



Hallo,

vielen Dank für die Antworten, besonders an Herrn Teich.

Ja, kurz zu der Presspappe auf dem Gips: Als ich gestern vor Ort ein paar Stöße und Wände angeschaut habe bin ich beim Bohren in der Tapete zu erst auf eine dünne Holzfaserschicht (ca.3mm) gestoßen bevor der Gips kam. Vielleicht war das zu DDR-Zeiten Stand der Dinge.

OSB würde ich lieber vermeiden.

Zu dem vorgeschlagenen Maßnahmen von Herrn Teich:
Generell ist es ohne Frage der beste Weg die vorhandene Substanz zu Prüfen und dann einen vollkommen neuen Wandaufbau zu machen. Gerade weil das Risiko hoch ist das sich über die Jahre Setzungen ergeben haben (ich habe noch nicht durch eine Wärmebildkamera auf das Haus geschaut).
Ich halte nochmal von außen nach innen fest:
Asbest, Unterspannbahn (Dif.offen), Holzfaserdämmplatte 100mm, Dampfbremse, Holzfaserplatten ~100mm, Lehmputz

Durch die im Moment verbaute Dampfsperre ist die Gefahr hoch das es zu Wasserbildung kommt. Ich vermute das es bisher keine Probleme gab weil die Temp. im Haus immer relativ gering war und eine ziemlich hohe Luftzirkulation besteht(viele Ritzen, Durchreiche, offenes Treppenhaus ins Obergeschoss, teilweise alte Fenster). Würden wir jetzt mehr dämmen und eine höhere Gesamtemp. fahren sowie evtl. mehr Feuchtigkeit durch z.B. Kinder einbringen hätten wir ein erhöhtes Risiko, richtig?

Die Frage ist wie ich die Dampfsperre nachträglich so einwandfrei verbaue, gerade zur Decke, das nur minimale Wärmebrücken entstehen?
Die Holzfaserplatten können einfach auf die Dampfbremse geschraubt werden?

Wenn Später die Asbestplatten entfernt werden, könnte man auf die Lattung z.B. eine Holzverkleidung anbringen und die Unterspannbahnen könnten so bleiben wie man sie von innen angebracht hat?

Sollte jemand Kontakte in der Region Leipzig/Sachsen haben der über Kompetenzen in dieser Richtung verfügt wäre ich für eine Vermittlung dankbar. :)

besten Dank und einen schönen Sonntag!



Das Wort zum Montag



Wer hat Angst vor dem bösen OSB ? Warum ? Ich habe etliche m2 in unseren Blindböden verbaut, keine Probleme. OSB ist leicht erhältlich und robust.

Bitte die Aufbauvarianten mit u-wert.net durchspielen. Nicht nur auf den Dämmwert und das Tauwasser achten, sondern auch auf die Temperatur-Amplituden-Dämpfung (sommerlicher Hitzeschutz). Mit zu wenig thermische Masse gibt es das berüchtigte Barackenklima. Meine Eingabe:

12.5 mm Gipsfaserplatte (Gipskarton hat zu wenig thermische Masse)
40 mm Glaswolle WLG032 (Untersparrenfilz) zwischen waagrechten 40x60 Holzlatten.
15 mm OSB (Versteifung, Dampfbremse und thermische Masse)
95 mm Holzflex (z.B. Steicoflex) zwischen den Ständern
Unterspannbahn
Hinterlüftete ??? Vorhangfassade - wenn die Fassadenplatten ohne Luftspalt drauf sitzen, sollte sich ein Fachmann den Aufbau ansehen.

Dieser Aufbau gibt einen u-Wert von 0.28 .. 0.29. Nicht ganz EnEV, aber m.E. vertretbar.

Wenn man aussen noch 40 mm Holzfaserdämmplatte aufsetzt, kommt man unter den Zielwert der EnEV. Mit dem Ersatz der Asbestplatten hätte ich es aber nicht eilig.