Innenwände neu putzen

16.01.2018 Ralf



Guten Abend,
auf ein Neues.
ich bin seit Sommer diesen Jahres mit der Renovierung meines alten Einfamilienhauses (Baujahr 1934) beschäftigt. Nachdem ich von den Innenwänden die Tapeten entfernt habe, musste ich durch klopfen feststellen, dass sich einige hohle Stellen unter dem Putz befinden.Die entscheidende Frage lautet: Muß der ganze Putz runter oder nur teilweise?
Welchen Putz sollte man dann verwenden, und auf welche Feinheiten sollte man achten? Auf dem alten Putz befinden sich außerdem noch recht viele alte Farbreste, wahrscheinlich noch aus 50er Jahren. Würde mich über ein paar gute Tips sehr freuen.



Innenputz



Farbe und Kleister abwaschen.
Lose, größere Putzstellen entfernen. Dabei werden Sie merken ob es besser ist den ganzen Putz runterzuholen oder ihn zu reparieren, also die Fehlstellen zu ergänzen.
Zum Reparieren einfachen Kalkputz PI aus der Tüte verwenden.



Hohlstellen....



....muss man nicht unbedingt entfernen, hängt aber immer von der entsprechenden Gesamtsituation mit ab.
Alles zu pauschalisieren, wie es unser guter georg hier tut, finde ich nicht so prickelnd.
Wir mögen zwar auch die gute Nachhaltigkeit unserer Arbeit, doch die hängt von der genauen vor-Ortanalyse ab.
Ferndiagnosen sind da eh sehr schwer!
Bin gern bereit weiter mit ihnen da in Kontakt zu treten.



Hohlstellen unter dem Putz



Vielen Dank für die Antworten. Ich habe die Innenwände heute mal abgeklopft und bin zu der Erkenntnis gelangt, dass wohl mindestens 30% der Gesamtfläche der Innenwände hohle Stellen aufweist. Bin leider kein Fachmann (nur Maschinenbauer), habe gehört das Kalkputz beim Verarbeiten gesundheitsschädlich sein kann. Könnte man auch Sanierputz (aus dem Baumarkt)verwenden?
Eine zweite Frage wäre: Werden solche Putz-Arbeiten eher von Malern oder doch lieber von Maurern ausgeführt?



Innenputz



Kalkputz ist, wie auch Kalkzement- oder Zementputz, insofern gesundheitsschädlich da das als Bindemittel enthaltene Kalkhydrat stark basisch ist.
Sie sollten es nicht verschlucken und darauf achten das Sie nichts davon in die Augen bekommen.
Im erhärteten Zustand sind alle Putze unbedenklich.
Sanierputz - der Name klingt richtig gut, wird aber von den meisten Laien missverstanden.
Sanierputze sind nur für eng begrenzte Einsatzzwecke gedacht die bei Ihnen nicht vorliegen.
Wenn Sie einen feuchten Keller haben,
dessen Feuchtequellen abgestellt sind,
den Keller als hochwertigen Wohnraum nutzen wollen,
nicht warten können bis die noch vorhandene Restfeuchte aus dem Mauerwerk verdunstet ist-
dann ist der Einsatz eines Sanierputzsystems sinnvoll.

Der Putz ist diffusionsoffen, so kann die Restfeuchte ablüften.
Er hat große, definierte Porenräume in denen das auskristallisierende Salz schadlos eingelagert werden kann ohne das der Putz von der Wand fliegt.
Er ist hydrophob eingestellt um Wiederauffeuchtungen durch Kondensat zu verhindern.
Teuer ist er auch noch.



"hohle Stellen unter dem Putz"



Hallo!

... zwischen hohlen Stellen und losen Stellen gibt es einen großen Unterschied...
Lose Stellen sollten schon entfernt werden, hohle nicht unbedingt. Kommt ja auch auf die Menge drauf an... 30% sind viel :-)
Wenn Du die anderen 70%, die in Ordnung sind, behalten möchtest, könntest Du die anderen 30% ja einfach mit dem gleichen Material wieder beiputzen. Eventuell auch "mit dem, was gerade da ist und sowieso nur rumsteht"...

"Eine zweite Frage wäre: Werden solche Putz-Arbeiten eher von Malern oder doch lieber von Maurern ausgeführt?"

Von Verputzern! :-)
(oder "Stuckateuren", wie sich heute Verputzer am liebsten nennen, so heißt auch der Ausbildungsberuf)
Besser gesagt: von jemandem, der Ahnung vom Verputzen hat. Das kann manch ein Maler oder Maurer oder Zimmermann besser als ein Stuckateur...
Dann kommt es noch auf das zu verarbeitende Material drauf an: Stuckateure sind Fans von Gips und Kalkzement, Lehmbauer sind Fans von Kalk und Lehm ... mal ganz einfach ausgedrückt. Viele Lehmbauer sind gute Verputzer und kommen ursprünglich aus anderen Gewerken...

Viele Grüße

Lehmbauer Marc



@ Marc



Stuckateure sind Stuckateure und auch deren Ausbildungsberuf heißt in der Kammerregelung von Sachsen auch Stuckateur.
Maurer- und Betonbauer erlernen das Mauern und Putzen.
Unterscheidet sich schon immens.
Leider differenziert sich vieles in diesem deutschen Lande.
In süddeutschen Regionen heißt es auch bis heute noch Gipser, obwohl er kaum etwas mit Gips zu tun hat, sondern fast ausschließlich ein Verputzer ist.

@Ralf

Wenn Kalk gesundheitsschädlich sein sollte, dann müßten ja fast alle Bauhandwerker sterben oder gesundheitliche Probleme haben bzw. bekommen.
Bei reinen Kalkputzen ist dies leider nicht der Fall.
Alkalisch sind sie dennoch und man kann sehr rauhe Hände davon bekommen und diese können bei viel Wasserberührung dann auch kleinwenig einreißen.
Gut einfetten hilft da meistens (Melkfett oder Ringelblumensalbe).
Oder eben ein paar dünne Arbeitshandschuhe.
Ganz anders kann es da schon bei den hochindustriellen Fertigmischungen aussehen.
Da nehmen die Allergiebelastungen schon stetig zu.

Ihr angesprochener Sanierputz bitte nicht zum Einsatz bringen.
Zu hohe Spannungsfaktoren dieser neu verputzten Flächen und Stellen, gegenüber den zu erhaltenden Bestandsbereichen.

Man kann die losen Stellen sorgfältig entfernen, indem man von den vermeindlich festen Bereichen hin zu den Lockerstellen mit einer scharfen Spachtel arbeitet.
Solche Fehlstellen können auch problemlos mit groben Lehmputzmörteln nachher aufgefüllt und mit einer vollflächigen Gewebeeinbettung und Lehmfeinputzen überspachtelt werden.
Vorrausgesetzt, die stärkeren Bereiche trockneten vorher gut durch (Schwindung!).
...und wenn man für das Material Lehm auch offen und zugängig ist.

Wenn nicht, dann einen Kalkgrundputz HP 9 von Hessler für die entfernten Putzstellen auftragen.
Durchtrocknen lassen, mit einem Renovationsputz HP 11 und einer 4 x 4 mm Glasfasergewebeeinlage die komplette Fläche nunmehr überspachteln und abschließend mit einem Naturkalk-Feinputz HP 90 oder einem Marmorino 0,3 HP 903 endfertig stellen.
Die Ergebnisse sehen stets super aus.



Hohle Stellen



Ich möchte ja wirklich ungerne von allen Wänden den Putz abkloppen. Aber wie kann ich (als Nicht-Fachmann) die Stellen von einander unterscheiden, die zwingend runter müssen. Es gibt ja durchaus sehr feste Bereiche und dann plötzlich beim Klopftest kommt wieder ein Bereich der hohl klingt. Ich will ja nichts falsch machen, aber den ganzen Putz runter nehmen, dass bin ich ja wochenlang beschäftigt, oder? Vom Muskelkater ganz zu schweigen.



Hohle Stellen...



Hallo Ralf!

Mach doch einfach mal ein paar von den betroffenen Stellen auf und kuck, was sich dahinter verbirgt.
Über was für eine Fläche reden wir hier eigentlich, von der 30% hohl klingen. Eine Wand, ein ganzes Haus?
Vielleicht reicht's ja wirklich, die Wand / Wände mit Armierungsgewebe vollflächig zu verputzen, ohne größere Vorarbeiten.

@ Udo: zum Thema Verputzer, Stuckateure, Gipser....

"Maurer- und Betonbauer erlernen das Mauern und Putzen" - das stimmt auch, allerdings glaube ich, dass das Verputzen im Arbeitsalltag dann zu kurz kommt.
Ich selbst bin gelernter Stuckateur und habe in der Handwerkskammer auch Stuckarbeiten erlernt, danach allerdings nie wieder ausgeführt.
Die Stuckateure in meiner Region machen hauptsächlich Putz, WDVS und Trockenbau. Und wenn es doch mal Stuckaufträge gibt, dann wird Styropor montiert.
Viele kleine Maurer- und Malerbetriebe haben wahrscheinlich noch nicht einmal die Ausstattung, um effizient verputzen zu können.

Wenn mich einer fragen würde, welchen Ausbildungsberuf er lernen soll um Verputzer zu werden würde ich antworten: Stuckateur. Du würdest sagen: Maurer ... ?

"In süddeutschen Regionen heißt es auch bis heute noch Gipser, obwohl er kaum etwas mit Gips zu tun hat, sondern fast ausschließlich ein Verputzer ist."
Und womit verputzen die dann ihre Wände in Süddeutschland? :-)



Hohle Stellen



Hall Marc,
danke für die Antworten.
Es handelt sich um mein Einfamilienhaus (Bj 1934).
Die Außenwände sind 2 schalig-Ziegelsteine. Die Innenwände 1 schalig-Ziegelsteine. Das Haus hat im Erdgeschoss 3 Zimmer, Küche und Band und Flur. Betroffen sind Wohnzimmer, Küche und Flur. Die anderen Räume sind ok. Das Wohnzimmer (um das es hier geht) hat eine Fläche von 3,50m x 4,00 und ist 2,40m hoch. Ich habe schon an einigen größeren Stellen den Putz abgeklopft. Dahinter ist es trocken und die Ziegelwand macht einen stabilen Eindruck (die Fugen sind hart und fest).Ich bin echt unsicher.





Da reden wir über knapp 40 Quadratmeter Putz. Wie viel ist denn schon runter gekommen?

Wochenlang sollte dich das nicht beschäftigen müssen.

Das ist so der typische Verschleiß. Also wenn du das selbst kostengünstig erledigen möchtest rate ich zum erhalt der "gesunden" Partien und einer Reparatur mit besagten Kalkputz PI.

Wie sollen den die Oberflächen später fertig hergerichtet werden?

Das Thema ist hier öfters virulent.


http://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/putz-komplett-entfernen-sinnvoll-268397.html



Hohle Stellen



Klingt für mich so, als hätte der Putz keine ausreichende Haftung.
Wenn die betroffenen Stellen nicht allzu groß sind (paar cm) könnte ein vollflächiges Armierungsgewebe reichen, wenn sie etwas größer sind wäre eher ein Putzträger (Schilf, Streckmetall etc.) angebracht.
Einen Putzträger zu montieren ist wesentlich aufwendiger als ein Armierungsgewebe einzulegen, dazu kommt, das auf den Putzträger erstmal ein Unterputz drauf muss.
Dann wäre aber wieder abzuwägen, ob es nicht einfacher wäre, die größeren hohlen Stellen zu auszubessern... :-)



Hohle Stellen



Danke für das Feedback. Ich habe bis jetzt schätzungsweise
2 bis 3 qm Putz herunter geholt. Wie später die Wände aussehen sollen, habe ich noch keine Vorstellungen. Entweder Rauhfaser-Tapete oder Strukturputz. Was gibt´s denn sonst noch für Möglichkeiten?



Oberflächengestaltung



Finde erstmal heraus, welche Oberflächen dir gefallen. Du hast ja bis dahin noch Zeit... schau dir Häuser von innen und außen an, schau dir die Natur an... und wenn Du weißt, wie deine Wände aussehen sollen kannst Du dich für das geeignete Material entscheiden.
Ich als Lehmbauer empfehle dir natürlich Lehm :-) damit kannst Du alle denkbaren Oberflächen hinkriegen... beim Lehm kann man teilweise auch während der Verarbeitung schon mit verschiedenen Strukturen experimentieren. Das geht mit anderen Putzen nicht so einfach.

Wenn Du "raue" Oberflächen magst macht es auf jeden Fall keinen Sinn, einen vollflächigen Putz zu glätten um ihn dann mit Raufasertapete zu bekleben. Da kannst Du dir ein paar Arbeitsschritte sparen :-)



Weder noch..



...wenn es um die fertigen Oberflächen geht!
Du aquirierst bereits jetzt sehr detailträchtig deine bestehende Altputzsituationen in deinem Häuschen und trägst dich vage mit dem Gedanken schwanger, die Endsituation mit Raufaser oder Rauhputz zu verunstalten.
Wenn du schon einen derartigen Gedankenaufwand betreibst, kann ich aus eigenen beruflichen Erfahrungen dir jetzt mit auf den Weg geben, die Wände nachher nur zu Streichen und nicht zuzukleistern und Nährboden für Schimmel zu schaffen (Zellulosen und große organische Beimengungen in den Chemieputzen!).
Bei Kalkendbeschichtungen mit Kalkfarben die Endgestaltung erarbeiten und bei Lehmbeschichtungen mit Lehmfarben.

http://www.conluto.de/Lehmfarben.400.0.html

http://www.hessler-kalkwerk.de/bildergalerien.html