Innenraum fehlende Horizontalsperre, Wandverblendung mit Hinterlüftung

17.12.2020 Harald


Hallo zusammen,
ein Nebengebäude wurde vom Vorbesitzer bereits soweit als möglichen Wohnraum vorbereitet (Betonbodenplatte, Heizung, Strom etc.). Im laufe der Zeit ist uns aufgefallen, dass die Wände von unten feucht werden, sodass die Farbe vom Putz bröckelt. Bisher wurde der Raum nur spärlich beheizt (diente bis jetzt als Hasenstall) und hat eine Luftfeuchtigkeit von 75% (deutlich zu viel, ich weiß).

Da wir jetzt gerne ein Gästezimmer aus dem Raum machen wollen, sind wir an der Planung bzgl. Wandverkleidung ja oder nein (wir möchten die eigentlich gerne verkleiden, um da die Installationen "verschwinden" zu lassen). Wir haben uns unterschiedliche Meinungen eingeholt.
Vom Fachmann für Bautenschutz wurde uns erklärt, dass bei solch alten Gebäuden (das Wohnhaus wurde um 1750 gebaut, daher wird das Nebengebäude ähnlich alt sein) die Horizontalsperre fehlt. Seine Empfehlung wäre, eine Horizontalsperre mittels Injektion. Dann spricht nichts gegen eine Wandverkleidung. Am besten wäre aber die Wand "frei" zu lassen, damit sie "atmen" kann.
Der Heizung & Sanitär Fachmann hält davon nichts von diesen Injektionen, da in Wohnräumen dies wohl zu Gesundheitsschäden führen kann und empfiehlt uns eine hinterlüftete Wandverkleidung (unten und oben offen damit die Luft zirkulieren kann). Eine andere Alternative könnten auch Klimaplatten sein. Oder tatsächlich alter Putz runter und Kalkputz drauf und "Schlitze kloppen" :)

Ich weiß, die Entscheidung was wir nun machen sollen, kann mir keiner Abnehmen, Wie seht ihr die hinterlüftete Wandverkleidung hinsichtlich Schimmelbrutstätte?
Was haltet ihr von Klimaplatten? Gerade in Verbindung mit einer Badinstallation?

Alles schwierig :)
Viele Grüße Harald



ursachenforschung



bevor nicht klar ist, warum die Farbe blättert, sind weitere Maßnahmen rausgeschmissenes Geld bzw. führen, wie im Fall der raumseits hinterlüfteten Vorsatzschale, zu weiteren Bauschäden wie z.B. Schimmel.
Ob es sich tatsächlich um aufsteigende Feuchte handelt ? Was ist es denn für Mauerwerk ( wie dick und Baustoff), was für ein Putz und welcher Anstrich ist drauf ? Welcher Außenputz ist drauf ? Bei Ziegel: Mal einen Steinbohrer nehmen ( 12-14 mm), und langsam durch die Wand bohren und aller 2cm das Bohrgut begutachten. Wird es im Verlauf trockener, deutet das eher auf Kondensat bzw. hygr. Feuchte wegen Salzbelastung ( was ich vermute, da eine Nutzung als Stallung mit entsprechender Salzbelasung durch Gülle), wird es je tiefer umso feuchter, könnte es Feuchte aus dem Untergrund sein. Wahrscheinlich ist beides.



Injektion und Gelddeuckmaschine



Eine Horizontalsperre per Injektion, ist höchst umstritten. Es könnte maximal eine Wirkung einer solchen Injektion erzielt werden, wenn das Gebäude es einem absolut homogenen Mauerwerk bestehen würde. Bei solch alten Gebäuden ist diese völlig wirkungslos für den Bauherren und ein sehr erträgliches Geschäft für die ausführende Firma.

Wie schon oben beschrieben, und wenn es sich tatsächlich um einen Stall handelt, ist die Ursachenforschung tatsächlich besonders wichtig. Höchstwahrscheinlich handelt es sich wirklich um eine erhöhte Salzbelastung.

Das sinnvollste bei alten Gebäuden ist, so wenig wie möglich in die Materie einzugreifen und lieber kontrolliert mit der Feuchtigkeit zu leben.



Installationen



welche Installationen habt Ihr denn. Die alte Variante, die unter Putz zu legen oder die noch ältere Variante der Aufputzkabelkanäle kommt für Euer Gästezimmer nicht in Frage?
Welche Heizung ist geplant ?



Feuchte Wände bei Nutzung als Wohnraum



Horizontalsperren dürften kaum funktionieren bei inhomogenem Mauerwerk.
Vorsatzschalen innen sollten ohnehin vermieden werden, um Kondensatmöglichkeiten zu reduzieren.
Bei möglicher Salzbelastung könnten zB unten an der Wand 2 Steine übereinander mit Multiporplatten gegen Versalzung angesetzt werden:
https://www.multipor.de/exsaltherm-platte.php
Darüber dann die normalen Multiporplatten mit besserem Dämmwert.
Installationen lassen sich sehr leicht darin verlegen.
Zur Kosteneinsparung kann innen ggf normaler Kalkputz verwendet werden.

Unten entlang der Außenwand könnten die Heizungsleitungen verlegt werden, um die Maueraustrocknung zu fördern- möglichst weit innenseitig, um Wärmeverluste nach außen zu reduzieren.

Zur Reduzierung der Feuchtebelastung:
Schlagregenschutz verbessern und Oberflächenwasser von den Wänden abhalten,
Fallleitungen vom Dach daraufhin kontrollieren, ob diese nicht in ein Kiesbett sondern in die Kanalisation entwässert werden.