Innenputz wöbt sich auf

13.08.2017



Hallo,

seit etwas über einem Jahr wohne ich in einer kerngarnierten Wohnung (1. OG) eines ca. 100 Jahre alten Wohnhauses in Wassernähe.
Bei uns im Norden hatte es wochenlang heftig geregnet und die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung lag währenddessen zwischen 70 und 75. Lüftverhalten: Stoßlüften möglichst in regenfreien Phasen. Bei meinen "Wandkontrollen" waren die Ecken zur Decke etwas feucht, was ich zunächst (in der Hoffnung auf trockenes Wetter) beobachten wollte. Im Sommer davor waren es 70 mit unproblematischem Verlauf. Als es vor ca. einer Woche trockener wurde, fühlten sich die Wände plötzlich feucht an und seitdem bildet der Putz unter der Tapete an fast allen! Stellen Aufwölbungen und Vertiefungen. Das setzt sich noch immer fort. Ergänzend möchte ich noch erwähnen, dass eine Wand in der unter meiner Wohnung liegenden Waschküche jetzt völig nass ist und sich auch im unteren Bereich des Treppenhauses Wasserflecken an den Wänden zeigen. Den Hausbesitzer hatte ich informiert und er wollte es sich nach seinem Urlaub in dieser Woche ansehen.

Ich würde gerne wissen, wie es nun zu diesen generalisierten Aufwölbungen des Putzes (auch Innenwände) kommt. Kann es sein, dass ein unpassendes Baumaterial verwendet wurde. Obgleich ich so gut es möglich war beim Lüften vorgegangen bin, habe ich die Befürchtung, dass der Hausbesitzer mich hier in eine Haftungssituation drängen könnte. Ich bitte hier um klare Hinweise. Ansonsten habe ich natürlich Sorge, dass Feuchte in den Mauern emporgestiegen ist und fürchte mich vor Schimmel.

Ich bin dankbar für kompetente und hilfreiche Infos und Tipps!

Viele Grüße
Ulrike



Putzaufwölbungen



Hallo Ulrike, ich fürchte, Ihnen kann hier aus der Ferne niemand konkrete Antworten geben. Feuchteschäden sind zu vielgestaltig, um (zumal ohne Kenntnis des Maueraufbaus, des verwendeten Baumaterials usw. und ohne Foto) die von Ihnen erwünschten klaren Hinweise geben zu können. Aufgrund der hohen Feuchte und des schwülen Wetters in diesem Jahr, tritt vermehrt Sommerkondensation auf (besonders bei dicken Außenwänden)



zu Antwort von Pope/ Putzaufwölbungen



@Pope: Vielen Dank für die Antwort :-)
Ich versuche meine Angaben nochmals zu konkretisieren. Das Haus hat verputzte Backsteinmauern und ist nicht unterkellert. Die Wände sind zum Innenhof 40 cm und zur Straße hin 60 cm dick.
Der Bauleiter einer anderen Wohnung, die im Haus saniert werden soll, hat sich meine Wohnung kurz angesehen und einen "trockenen Tastbefund" der Wände. Er meinte zu den Putzaufwölbungen, dass er so etwas noch nie gesehen habe. Seitdem hat mein Vermieter keine Eile mehr und wird sich meine Wohnung Ende der Woche ohne den zuständigen Handwerker ansehen.
Für Sommerkondensation könnte sprechen, dass sich die Wände mal trocken und dann wieder leicht feucht anfühlen. Die Rückwände meiner Schränke und Bilder waren feucht und sind zwischenzeitlich getrocknet, nachdem ich sie abgerückt bzw. abgehängt habe. Bei der Einbauküche riechen die Rückwände unangenehm.
Darüber hinaus bleibt die Frage offen, ob das generalisierte Aufquellen des Putzes mit einer falschen Wahl des Baumaterials verbunden sein könnte. Es ist gerade kein zufriedenstellender Zustand so in einer frisch sanierten Wohnung zu leben.



Putzaufwölbungen



Liebe Ulrike, auch wenn das heute keiner mehr hören will, weil ja sonst alles in einer Wohnung perfekt und nach dem Willen der Bewohner funktionieren muss: ein paar Regeln sind wichtig, um in Altbauten schimmel- und schadensfrei wohnen zu können. Unsere Altvorderen wußten das bzw. durch den anderen Lebensstil ( viel weniger Feuchteeintrag durch z.B. fehlendes tägliches Duschen) entstand auch weniger Raumfeuchte. Schränke sollten, wenn sie an Außenwänden stehen, stets mit einem deutlichen Hinterlüftungsspalt aufgestellt werden. Hängeschränke in der Küche besser an den Innenwände aufhängen.
Falls die betroffenen Wände tapeziert sind, könnte auch ein anderer Effekt entstehen. Wenn salzbelastete Wände von der Oberfläche her austrocknen, geht das gelöste Salz in das Kristallstadium über, was mit einer Volumenvergrößerung verbunden ist. Nun sprengt es den Putz ab, der kann aber nicht runterfallen, weil durch die Tapete gehalten. Also bilden sich Aufwölbungen. Ob das alles bei Ihnen zutrifft ist aus der Ferne nicht einschätzbar. Salzbelastungen von Wänden lassen sich sicher nur im Labor ermitteln.
Wichtig bei alldem ist, dass Sie alle Ihre Bemühungen, Schadensanzeigen, Gesprächsnotizen genau dokumentieren, damit Sie im Ernstfall ( den ich Ihnen nicht wünsche) die Schadensentwicklung nachweisen können. Vielleicht ist es auch sinnvoll, da Sie ja scheinbar doch hin und wieder "kontrollieren", sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit ( geht mit manuellem Ablesen, aber auch mit datenspeicherndem Logger) in einer Meßkurve zu dokumentieren. Könnte helfen, wenn der Anwurf der mangelnden Lüftung bzw. Heizung an Sie gemacht wird.





Ja gut für die feuchten Wände im angrenzenden Treppenhaus, kannst du ja mit deinem Lüftungsverhalten nicht verantwortlich sein. Fürs Wetter auch nicht.

Die Ursache wird im mangelhaften Bauwerk liegen, in Verbindung mit Baustoffen die wohl nicht so lange mit hoher Feuchte zurecht kommen.

Hinter den Küchenschränken sollte es keinen Schimmel geben, dass wäre dann ein Mangel an der Mietsache.

Bei Feuchteschäden ist es natürlich ratsam sich bei der Klärung der Ursache nicht all zuviel Zeit zu nehmen, da eine gesteigerte Schadensdynamik zu besorgen ist, dass weis eigentlich jeder Mensch.

Das hat aber dein Vermieter zu vertreten, du hast ja den Schaden gemeldet, da bist du jetzt aus der Pflicht raus. Lüftungsmängel im Sommer sind doch fernliegend, mache dir da keine Sorgen.



Putzaufwölbungen



Herzlichen Dank für alle Antworten!
Es hilft mir auch, dass verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden.
In der Tat bin ich aufmerksam, kontrolliere Wände und Hygrometer und kann bei 6 Wochen Regen auch beim Stoßlüften keine trockene Luft in die Wohnung bringen.

LG
Ulrike