Innendämmung von Fachwerk

22.04.2018



Hallo liebe Fachwerkgemeinde,

ich möchte 3 kleinere Fachwerkwände von innen dämmen und da jeder auf mich einredet bin ich mir inzwischen unsicher und dachte ich probiere es hier einmal, hier hat es sicher Menschen, die gewisse berufliche oder private Erfahrung gemacht haben in ihren Häuser.

Meine Riegelwände sind ca. 15 cm stark, aussen dämmen ist keine Variante.
Das Fachwerk ist aus Tannenholz und das Mauerwerk aus Naturstein.

Meine Idee:
Windpapier, Vorsatzschale ca. 13cm, anschliessend 20mm Schilfrohrplatten montieren und anschliessend
mit Lehm verputzen.
Von aussen ist das Gebäude mit einem Kalk-Zementputz verputzt.

Was meint ihr würde das funktionieren hinsichtlich des Taupunktes?

Liebe Grüsse und danke für eure Antworten!

Jasmin



Alternative



Hallo, 20 mm dämmen ist nicht sehr viel. Es gibt da aber ein altes schweizer Patent, Holzweichfaserplatte 60 mm. Ich nehme die Weiterentwicklung Unger Diffthern. Die hat umlaufend Feder und Nut und ist eine Sandwitchplatte mit zwei verschiedenen Dichten. Die verkleben Sie ganzflächig mit Lehmmörtel und dübeln sie vorschriftmäßig. Als Putz ist Lehm bzw. Kalkmörtel günstig.
Sie können auch Schilfmatten zwei- oder dreilagig verwenden. Ich habe es zwar jetzt nicht gerechnet, wäre aber möglich aber unter 40 mm würde ich nicht dämmen, weil der Taupunkt ungünstig liegen könnte. Hängt ja von verschiedenen Faktoren des Standortes zusätzlich ab, die ich jetzt nicht beurteilen kann.
Mit freundlichem Gruß
Michael Schmidt



Die bessere Alternative: Platten aus Rohrkolben



Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts ist der Plattenwerkstoff nicht nur gut dämmend und statisch belastbar, sondern auch schimmelresistent und energiearm in der Herstellung. Das Produkt sei zudem nachhaltig, da es nur aus den Blättern des schnell nachwachsenden Rohstoffs Rohrkolben (lat. Typha) und dem mineralischen Kleber Magnesit hergestellt wird. Haben die Platten irgendwann mal ausgedient, können sie problemlos kompostiert werden, fließen also wieder in den Stoffkreislauf der Natur zurück. Insofern ist das Material ein gutes Beispiel für eine sinnvolle Produktentwicklung.
Überzeugende Eigenschaften.
Die Typha-Platte biete zudem einen „guten Brand-, Schall- und sommerlichen Wärmeschutz“ und sei „relativ diffusionsoffen und kapillaraktiv“ – so das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP.
Hervorgehoben wird zudem insbesondere die erstaunliche Kombination aus guter Dämm- und Tragwirkung. Das erklären die Forscher mit der speziellen Struktur der unempfindlichen Sumpfpflanze Rohrkolben. Typha-Blätter bestehen einerseits aus einem stabilen, faserverstärkten Stützgewebe, dessen Zwischenräume aber andererseits mit einem weichen, offenzelligen Schwammgewebe ausgefüllt sind. Diese Eigenschaften sind es, die auch Statik und Dämmvermögen der Platten aus Typha positiv beeinflussen.
Weitere Info dazu :
https://www.ibp.fraunhofer.de/de/Kompetenzen/hygrothermik/projekte/baustoff-aus-typha.html



Vorschlag für Ihre Innenwanddämmung



Hallo Jasim,
ein 15 cm Fachwerk spricht für ein älteres Bauwerk und sollte erhalten werden. Sie benötigen ein Leistungsfähiges Dämmsystem, welches Bauphysikalisch auch entstehende Feuchtigkeit, speichern und transportieren kann. Da fallen schon mal eine Menge System weg. Wir entwickeln und dämmen seit 30 Jahren mit Holzweichfaserplatten von innen. Das deutsche Patent, von UNGER-DIFFUTHERM ist von uns entwickelt die UNGER-DIFFUTHERM Platte in 60 mm. ( Danke an Michael Schmidt für die Erwähnung) ?Sie wird in Lehm eingeschwemmt und mit Dübeln befestigt. Es gibt aber seit 9 Jahren eine Weiterentwicklung die Udi RECO. Diese schmiegt sich an dem Untergrund an und gleicht Unebenheiten aus durch eine flexible Platte. Dies muss nicht geklebt werden. Sie bringt den vollflächigen Kontakt zum Fachwerk der notwendig ist um einen guten Dampfdruckverlauf in der Wand zu erhalten. Wir empfehlen die 80 mm Udi RECO (kleinste Dämmstärke) zur Innenwanddämmung. Mehr geht immer, weniger bei 15 cm würden wir nicht empfehlen. Die Befestigung erfolgt dann teils im Holzbalken und teils im Gefache selbst. Den Taupunkt so ansich gibt es nichtwirklich, wir sprechen von einem Feuchtefeld welches in der Holzfaserdämmung gespeichert wird wenn notwendig und abgegeben wird wenn möglich. Holz auf Holz atmet und schafft ein wunderbares Wohnraumklima und Werterhaltung Ihrer Immobilie. Ach und wir geben 15 Jahre Schimmelfreiheitsgarantie auf das System. Warum ? Weil wir über 29 Jahre Erfahrung haben ohne Rückbauten oder Schadensfälle. Ich hoffe Ihnen geholfen zu haben zwischen den vielen Angeboten da draußen ;-). Viele Grüße Anka Unger



Wieviel atmet denn diese Konstruktion..



..und auch warum?
Mir wäre es lieber gewesen statt Ihren Werbeblock hier einzustellen, wenn Sie geschrieben hätten warum dieser Aufbau besser sein soll.
Wo sind Vorteile für den Einsatzbereich gegenüber anderen Konstruktionen?



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Herr Bromm, auch Sie verweisen gern auf Ihr System, dies finde ich auch legitim. Die Vorteile hat Frau Unger in ihrem "Werbeblock" doch beschrieben; durch den Sandwichaufbau mit einer flexiblen Schicht ist auch bei unebenen Untergründen eine hohlraumfreie Verlegung gut möglich. Dies wäre z.B. ein Vorteil gegenüber anderen Systemen.
Und was Frau Unger mit "Atmen" meint sollte doch klar sein, auch wenn es fachlich nicht ganz korrekt ist, weil ja bekanntermaßen die Atmung ein Merkmal von belebter Materie ist.
Über preisliche Unterschiede kann ich jetzt keine Aussage treffen, müßte ich recherchieren, kann mir aber vorstellen, dass es da welche gibt, wie das häufig bei neueren Baustoffen der Fall ist.



Was vergessen...



Ich hab in meiner Frage vergessen, dass ich den Hohlraum von 13cm mit Hanfmatten dämmen will und darauf die Schilfmatten ;) es sind dann also 15cm Dämmung.



15 cm Innendämmung



wird landläufig kritisch gesehen, weil dann der Taupunkt weiter nach Innen ins Fachwerk gezogen wird. Als optimal wird eine Innendämmung von 6 cm angesehen, bei Wandheizung auch mehr. Zudem spielt eine Rolle, ob das Fachwerk sichtig ist oder verschalt und vor Schlagregen geschützt ist. Am besten ist, sich diesbezüglich mit einem bauphysikalisch versierten Planer mit Erfahrung in Innendämmungen in Verbindung zu setzen, auch weil die Details wie Anschlüsse an einbindende Innenwände , Fenster, Etagenübergreifungen genau geplant und ausgeführt werden müssen. Rohrmatten würde ich persönlich nicht verwenden, weil die nicht sehr kapillaraktiv sind und im Vergleich zu ihrer Dimension einen schlechteren Dämmwert haben.