Innendämmung/Verputzen einer Sandsteinwand

31.10.2018 Bredemeier



Hallo, welche Art von Putz eignet sich am besten für die abgebildete Wand? Am liebsten würde ich mit Lehmputz arbeiten, habe viel positives darüber in diesem Forum gelesen. Es handelt sich um eine ca. 30cm starke Außenwand.
Eigentlich würde ich auch gerne noch von innen dämmen, um die Heizkosten im Rahmen zu halten. Über Innendämmung habe ich allerdings - vor allem bei Altbauten - viel negatives gelesen.
Meine Idee war es nun mit Calcium-Silikat-Platten zu arbeiten, vorher natürlich die Wand mit ein oder zwei Schichten Lehm einigermaßen zu glätten, um nicht zu viel Kleber zu verbrauchen. Kann man das so machen oder bin ich hier komplett auf dem falschen Dampfer ?
Vielen Dank für ihre Meinungen.



"Falscher Dampfer"



nicht ganz, aber bei der Verwendung von Lehmputz als Ausgleichsschicht und darauf CaSi-Platten hast Du wirklich ein Problem mit dem "Dampf". Den Sandstein und auch den KS - Stein im oberen Wandbereich kannst Du mit ca 3 cm CaSi nicht wirklich sinnvoll dämmen, ohne dass Du Unmengen an Kondensat in den Wandaufbau bekommst. Lass Dir die Möglichkeiten am besten von einem Profi (Architekt ?) vorrechnen und entscheide dann, was Du machen willst. Das kostet nicht die Welt und verschafft Klarheit. Auch die spätere Nutzung und das zur Verfügung stehende Budget sollten irgendwie klar sein, denn eine gut funktionierende Innendämmung bekommt man nicht zum Nulltarif. Für Fragen zum Thema stehe ich gern per Mail oder ggf. telefonisch zur Verfügung, siehe mein Profil.

MfG Andreas Wugk



Alternativen



Das Objekt soll als Wohnung genutzt werden, auch wenn es auf dem Bild noch nicht danach aussieht. Zu was würdest du mir denn raten bezüglich Dämmung/Putz?
Wie gesagt ich stehe der Innendämmung nach allem was ich gelesen habe eher kritisch gegenüber, d.h. im Zweifelsfall würde ich sogar lieber darauf verzichten, auch wegen des verfügbaren Budgets. Dazu hatte mir auch ein befreundeter Architekt geraten.
Würde es in dem Fall „reichen“ die Sandsteine mit Lehm zu verputzen?



Lehmputz oder Kalkputz



Beides geht, beides sind natürliche Baustoffe, falls es Dir darum geht.

Auf das genannte bißchen Innendämmung würde ich auch verzichten. Der Effekt ist gering, die Kosten sind groß und Risiken birgt es außerdem.



Innendämmung



Die 300 mm Sandsteinwand hat ungedämmt einen U-Wert von rd. 3,33 W/m²K und mit z.B. 80 mm Schaumglas, welches innenseitig auch gern mit Lehmputz beschichtet werden kann, einen U-Wert von 0,403 W/m²K, wem diese Zahlen nichts sagen, für den noch der Vergleich der Wandoberflächentemperaturen dieser Beispiele: ungedämmt 5,8°C, gedämmt 17,8°C (bei innen 20° und außen -5° C) So eine Wand nicht zu dämmen kommt schon allein aus diesem Grund nicht wirklich in Frage.



Lehmputz



Kannst du mir einen speziellen Lehmputz empfehlen? (Strohanteil?) Wie genau sieht der Aufbau aus, ich habe etwas von einer Lehmschlämme gelesen die man als aller erstes Auftragen sollte? Als Oberputz dann einen feineren Lehm verwenden?



Schaumglas



Schaumglas ist dampfdicht. Wie sieht dann mit einer Verschiebung des Taupunktes (schon ungefähr 20x in diesem Forum von gelesen) aus? Gerade bei Sandsteinen sollte man doch etwas diffusionsoffenes nehmen oder nicht? Deswegen hatte ich die Ca-Si-Platten vorgeschlagen.
Und dämmt Lehm nicht auch gewissermaßen ?



Innendämmung



Noch ein paar Anmerkungen dazu:

Lehmputz hat üblicherweise, wenn er nicht als Dämmputz ausgelegt ist, eine Trockenrohdichte von ca 1800 kg/m³, was is etwa der Rohdichte eines Ziegelsteines entspricht. Da die Wärmeleitfähigkeit abhängig von der Rohdichte ist, ist die Dämmeigenschaft von Lehmputz eher zu vernachlässigen. Dafür ist die Speichermasse für Wärme + Luftfeuchtigkeit recht positiv.

Lehmputz auf einer kalten Wand wie dem Sandstein als direkte raumseitige Oberfläche auszubilden macht wenig Sinn, wenn der Raum dauerhaft bewohnt werden soll. Der Taupunktbereich liegt ziemlich genau auf der Oberfläche des Sandsteines und feuchtet den Lehmputz massiv auf, so dass dieser umgehend zum fruchtbaren Ackerboden für alle möglichen Schimmelsorten und Pilze würde. Die Oberflächentemperatur der Wandinnenseite sollte möglichst über ca 11 °C liegen, besser noch höher, damit die Wandoberfläche "trocken" bleibt und sich nicht schon dort Kondensat bilden kann. Das erreicht man aber nicht nur mit einfachem Verputz, auch nicht mit Dämmputz.

Diffusionsoffene Dämmungen machen nur dann Sinn, wenn sie mineralisch gebunden sind (CaSi / CaSiOH) und die darauf raumseitig angelegte Putzschicht (gern aus Lehm) beheizt wird, um das immer noch anfallende Tauwasser durch Strahlungswärme schneller zu verdunsten. Ohne Beheizung oder Temperierung der Flächen kommt es auch hier ansonsten zu Feuchteschäden. Die Beschichtung der Dämmung mit den Dampfdurchgang bremsendem Putz kann leidlich funktionieren, ist aber wenig fehlertolerant und wenn es zu Leckagen komm, ist der Schaden gleich richtig groß.

Schaumglas ist diffusionsdicht und nicht kapillar leitfähig, richtig. Dadurch kann aber auch keine raumseitige Luftfeuchtigkeit an den Taupunktbereich gelangen und dort kondensieren. Der Bereich bleibt rechnerisch trocken. Es muss natürlich wie in jedem anderen Fall auch dafür Sorge getragen werden, dass keine aufsteigende und durch äußere Bewitterung eindringende Feuchte in die Wand gelangt. Damit ist nicht gemeint, die Fassade "dicht" zu machen. Es geht um eindringendes Grund- und Regenwasser.



Unwirtschaftlich.



Bevor die Kosten für 80 mm Schaumglasdämmung auf der Wand über die Heizkosteneinsparung wieder rein sind, ist Herr Bredemeier aber alt und grau.



Behaglichkeit



Es geht hierbei nicht in erster Linie um die Reduzierung der Heizkosten sondern um eine gewisse Behaglichkeit in der Wohnung durch die Erhöhung der Oberflächentemperatur an den Innenseiten der Außenwände. Die Vorrechnung von Heizkosten ist ein mögliches Argument dafür oder dagegen, aber es steht in keinem Verhältnis zur Wohnqualität. Kalte Wände sind nun einmal extrem unbehaglich und bringen auch sonst nur Nachteile. Siehe oben angeführte Kommentare von mir.



Verfugen



Zunächst einmal vielen Dank für Ihre Ausführungen Herr Wugk. Ich werde die Wand mit Lehm verputzen und mit Multiporplatten dämmen. Zusätzlich werde ich eine Wandheizung installieren. Bevor es aber so weit ist, müssen zunächst die Sandsteine neu verfugt werden. Gibt es speziell für Sandsteine einen Mörtel, der sich auch gut mit dem Lehmputz „verträgt“ ?



Fugen schließen



Die Fugen im Sandstein können raumseitig mit Lehmmörtel, aber auch mit Kalkmörtel ausgefüllt werden. Von außen am besten mit sogenanntem Naturstein-Fugenmörtel, meist ein Trasskalk-Mörtel. Je nach Konsistenz kann der Mörtel mit einer Mörtel-Kartusche in die oft sehr schmalen Fugen eingebracht werden. Wenn das gar nicht geht., hilft immernoch das Ausstopfen mit Flachs-/ oder Hanf-Stopfwolle. Die letzten 1-1,5 cm Fuge dann mit dem genannten Mörtel schließen. ein gutes Produkt (auch für außen, nur nicht im Sockelbereich geeignet) ist der Lehm-Fugenfüller von Claytec. der wird angemischt und mit der mitlieferbaren Kartusche verarbeitet.



Reine Kalkmörtel



Ohne Zementzusätze? Was spricht gegen Zement ?



Diffusion



Auch die Fugen sollten diffusionsfähig sein.



Habe mich nun dafür entschieden



innen sowie außen mit Trasskalk zu arbeiten. Wie sieht es mit dem Mischungsverhältnis aus? 1:4 mit 0-2 oder 0-4 Sand? Möchte keinen Fertigmörtel verwenden. Reicht eine Mischung aus Trasskalk und Sand oder sollte dem noch etwas hinzugefügt werden? (Evtl. auch für die Optik, möchte die Fugen eher weiß als grau haben)



Probe-Mischung



Das kommt immer ein bisschen auf den Sand und den Kalk an, wie der Mörtel am Ende aussieht. Das ermittelt man am besten anhand einer Probemischung. GGf. noch etwas Weißkalk zugeben.