Innendämmung unter Lehmputz - Holzfaserplatten, Leichtlehmsteine oder Hanf?

14.09.2018 bea

Innendämmung unter Lehmputz - Holzfaserplatten, Leichtlehmsteine oder Hanf?

Hallo in die Runde,

seit längerem melde ich mich mal wieder mit einer Frage. Inzwischen habe ich viel über mein Häuschen im Goldenen Grund gelernt - ursrprünglich wohl ein 2-Zonen-Haus, zweistöckig. Grundfläche einstmals wohl gut 35 m^2.

Meine Frage bezieht sich auf den Ausbau des 1. OG. Dort habe ich in einem kleineren Raum den Putz komplett abgeschlagen, nachdem ich gesehen habe, dass der Putz im Bereich der Gefache nicht vollflächig mit dem Lehm der Ausfachungen Kontakt hatte. (DIY...)

Den Neuaufbau möchte ich vergeben. Heizung: Wandheizung auf den Außenwänden, auf Innendämmung. In der Diskussion sind momentan - für das komplette Geschoß

a) Leichtlehmsteine (Conluto), ggf halbiert, damit sie nicht so dick auftragen. Niveauausgleich mit dem gleichen Material.

b) Holzweichfaserplatten. 4-6 cm Pavadentro auf einer Wand mit Wandheizung, 4 cm Steico auf den unbeheizten Wandflächen. Niveauausgleich mit Dämmlehm. Der Mix ergibt sich aus den Eigenschaften und dem Preis - Steico Internal ist viel billiger, trägt aber weder Wandheizungsregister noch die erforderliche dicke Putzschicht.

c) Niveauausgleich mit Latten und Sparschalung, Dämmung mit Uckermark-Hanfwolle auf ca 4-8 cm, Putzträger Schilfrohr (oder gehen da auch Draht- oder Glasfasergeflecht?), darüber Lehmputz. Den Unterputz als Dämmputz ausführen. Die Hanffaser direkt an die Gefache und den Putz als Luftdichtigkeitsschicht nutzen.
Derartige Konstruktionen werden bekanntlich vom Hanflieferanten propagiert. Die Lattung soll natürlich auch als Träger für die Heizungsregister dienen.

d) Wie c), nur dass ich die Lattung selbst anfertige und auf Begradigung der krummen Wände mehr oder weniger verzichte... Dämmstärke erneut im Mittel 6 cm.


zu a)
Der Betrieb, mit dem ich das diskutiere, hat eine ganz klare Präferenz für diesen Ansatz.
Ich habe genauso klare Bedenken wegen des geringen Dämmwerts. Im EG habe ich mich nur darauf eingelassen, weil nicht ganz sicher war, dass die Wände wirklich trocken sind. Und Wandheizung auf Leichtlehmsteinen?

b) erscheint mir sehr aufwendig, und bei den doch recht schrägen Wänden nur bedingt durchführbar. Ich habe das gerade an einem kleinen Teilstück durchgeführt, das ich vorzeitig fertigstellen muss, um einen Platz für den Zählerkasten zu haben. (Diese platzfressenden DIN-Monster sind in kleinen Häusern der Horror)

c) hier steht natürlich doch die Frage im Raum, ob das bauphysikalisch möglich ist, so ganz ohne Dampfbremse.
Natürlich wurde mir das von einem der Händler vorgeschlagen, der den Hanf führt. Aber wenn bauphysikalisch in Ordnung, fände ich das ausgesprochen attraktiv und würde das präferieren.

Hier also die Frage: wie sind die Vorschläge zu beurteilen, besonders c)? Gibt es ggf Alternativen?



Innendämmung



Moin Bea,Woher ist denn die Information das Steico Internal kein Putzträger für eine WFH ist?
Ich kann dazu bei Steico keine angaben finden.
weitere Anbieter von Holzweichfaserprodukten sind Unger Diffutherm,-Homatherm,-Hobatex...um nur einige zu nennen.

die Gängigste Variante ist b)

a) würde ich komplett ausschliessen

und zu c) habe ich keine Erfahrungswerte.scheint mir auch nicht ganz unkompliziert,,


mit der Variante b ,das Vollflächige verkleben und Verdübeln von Holzweichfaserplatten,als Vorbereitung einer WFH,habe ich allerdings Erfahrungswerte und die sind durchweg Positiv.

greets Flakes..



Hallo Flakes



in dem Haus habe ich bereits Erfahrungen mit Pavadentro-Platten und mit Steico Internal sammeln können. Letztere sind so weich, dass es einfach nicht funktionieren kann, die Schienen für eine Wandheizung in den Platten zu befestigen - wie es z.B. von WEM vorgeschlagen wird. Die Pavadentro-Platten sind wesentlich steifer. Da sollte das klappen. Zumindest kann man da eine Spax hineindrehen, ohne dass man sie einfach so wieder herausziehen kann.

Der andere Aspekt ist die maximale Dicke der Putzschicht. Da gibt Steico selbst ca. 10 mm Unterputz, Armierung und dann eine dünne Lage Oberputz an. Für eine Wandheizung ist das zu wenig; sogar ein System mit 8-mm-Rohren trüge dicker auf.

Das soll jetzt ausdrücklich keine Bewertung der Qualität der Produkte sein; sie haben halt unterschiedliche Eigenschaften und sind damit nicht für alles gleichermaßen geeignet. Allein wegen der enormen Kosten von Pavadentro werde ich weiterhin mit Steico oder vielleicht auch Gutex arbeiten, wo es irgend möglich ist. Das wird vor allem größere Flächen im Nebengebäude betreffen, wo eine Einliegerwohnung zu sanieren ist (kein Fachwerk...). Da finde ich die Holzweichfaser praktisch und will sie auch nicht in Frage stellen.

Aber in dem gezeigten Raum bzw im gesamten Stockwerk fände ich den Ansatz mit dem Stopfhanf interessant - wenn er denn bauphysikalisch wirklich in Ordnung ist.



Materialmischmasch



Aus den Erläuterungen der Fragestellung herauslesend, sollen unterschiedliche Wandaufbaustoffe gemischt werden.
Zwar alles Naturbautoffe, aberv trotzdem ein Materialmix.
Eine Innenvorsatzschale aus Leichtlehmsteinen homogen vermörtelt mit Lehmmörtel ist da noch die sinnvollste Lösung.
Auch was die nachherige Befestigung der WH betrifft.
In sämtlichen HWF-System lassen sich die Befestigungsschienen nur sehr mühevoll (bis in den Untergrund!!) zugfest ausführen.
Desweiteren müssen umlaufend die Decken und Fußböden geöffnet werden, um diese Innenvorsatzschalen homogen da hindurchzuführen.

Schon mal an eine ausgeblasene Innenvorsatzschale mit Holzweichfasern gedacht und darauf dann die WH montiert und verputzt?



Pavadentro



Ich habe bei mir mit Pavadentro gearbeitet. Aber eine feste Aufhängung wird in den Platten nicht funktionieren. Die Platten werden in den Untergrund verdübelt. Da bei mir das Gemisch aus Kalkputz und Sandsteinen der Gefache auch nicht unbedingt allzu stabil ist müssen genügend lange Dübel verwendet werden. An diesen Dübeln lassen sich auch größere Lasten befestigen. Ein Zugtest nach aus der Wand würde ich nicht machen, aber die Lastabtragung überwiegend nach unten ist gut.



Udi RECO Innendämmung mit integriertem Untergrundausgleich.


Udi RECO  Innendämmung mit integriertem Untergrundausgleich.

Hallo, vielleicht auch eine Idee um den Aufwand zu reduzieren.
Die Platten werden trocken montiert wodurch ein zusätzlicher Feuchteeintrag vermieden wird. Die zum System gehörenden Stelldübel UdiMONTAGE SD RECO ermöglichen einen Ausgleich von Unebenheiten im Untergrund von bis zu +/- 2 Zentimeter. Hier ein Bild Beispiel. Die Befestigung ist auch im Holzbalken möglich. Wandheizung aufzubringen und mit Lehm Verputzen wird häufig erfolgreich gemacht. Viele Grüße



Erst schon mal danke



Damit sind die Holzweichfaserplatte an dieser Stelle für mich komplett raus - viel Aufwand mit dem Niveauausgleich und dann noch Stress mit der Befestigung der Heizung. Bleibt der Leichtlehm oder die Hanf-Lösung. Die hätte den Vorteil, dass die Heizung auf den Hölzern befestigt werden könnte.

Hier geht es jetzt um die Abwägung - bei Leichtlehm käme ich nach meinen momentanen Wissenstand auf etwa die 4-5-fache Wanddicke wie bei den pflanzlichen Dämmstoffen. Gerade bei diesem Raum wird das danach arg eng. Im Nachbarzimmer wäre ich diesbezüglich flexibler.

Den Boden werde ich auf jeden Fall öffnen, und wohl auch erneuern, ggf auch die Decke, zumindest am Rand (alte Heraklitplatten). Die Balken laufen übrigens parallel zur gezeigten Wand.

Uckermark-Hanf habe ich übrigens genügend da für den Raum. Der soll zwar eigentlich ins Dach... aber auch da brauch ich noch viel mehr.

UdiReco wäre ggf etwas für den anderen Gebäudeteil (krumm gemauerte, wirklich sehr weiche Bimssteinwände wohl aus den frühen 50ern mit vermutlich Gipsputz). Da wüsste ich gerne etwas über Bezugsquellen, Preise und natürlich Datenblätter.



Wärmedämmlehm mit Vorsatzschale



Hi,
noch eine Möglichkeit die wir gemacht haben:
Wärmedämmlehm von Hacke-Cellco.
Bisher sehr zufrieden und man kann gut auf den Brettern die Schienen der Wandheizung montieren.

Nachteil (Meine Meinung): Etwas teuer und dauert lange bis man das hinter die Vorsatzschale gefüllt und gestampft hat.

Grüße
Philipp



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Kontakt zu Udi RECO



Ja gern, am besten direkt Kontakt aufnehmen a.unger@udidaemmsystem.de
Viele Grüße



Danke schon mal.



Meine Frage bezieht sich eigentlich eher darauf, wie der Aufbau korrekt abzuschließen ist.
Wenn ich in in eine derartige Lattenkonstruktion ein Dämmaterial einbringe, die dem Dämmwert von sagen wir mal 60mm Holzweichfaser entspricht, und darauf einen Putzträger, sollte es doch zunächst mal abgesehen von der dann notwendigen unterschiedlichen Dicke des Aufbaus keine allzu große Rolle spielen, wie ich die innere Luftichtigkeitsschicht ausführe? (Die Holzweichfaserplatte wäre in diesem Sinn ihr eigener Putzträger) Mit anderen Worten: wenn bei Holzfaserplatten eine hinreichend dicke Lehmschicht ausreicht, sollte das bei den anderen bisher diskutierten Dämmstoffen aus Pflanzenfasern doch auch der Fall sein? Oder übersehe ich gerade irgendetwas?



kapillarität



Wichtig ist der Feuchtetransport in beide Richtungen, so dass an den Balken nie eine kritische Feuchte entsteht. Deshalb wird in derartigen Konstruktionen darauf geachtet, dass keine Trennschichten vorhanden sind. Dazu gehören auch Luftschichten, die den Feuchtetranport behindern. Sowohl bei Udireco als auch bei in Lehm geklebten Platten ist dies gegeben. Jetzt auf so eine Lattenkonstruktion noch HW Platten ist glaube ich nicht ganz passend. Oder habe ich ihre Frage nicht richtig verstanden.

In dieser Konstruktion gibt es keine Dampfsperre und die Luftdichtigkeit wird durch den Putz und die Isolierschichten hergestellt.



Luftschichten



wenn Du meine Frage bzgl c) und d) meinst: da gibt es keine Luftschichten, jedenfalls wenn es korrekt ausgeführt ist: der Hanf hat vollflächig Kontakt mit der Fachwerkwand, und er wird im sich Kontaktbereich mit dem Lehmputz sogar mit diesem verbinden. Zwangsläufig - das Zeug neigt dazu, überall herauszuquellen. Drahtgeflecht als Putzträger könnte dazu sogar günstiger sein als Schilfrohr?

Ein bisserl kritisch ist die Frage des Tauwasserausfalls in der Dämmung. Nach meinem physikalischen Grundverständnis sollte das grundsätzlich wie bei anderen pflanzlichen Dämmungen auch sein.
Ein aus meiner Sicht weiter wichtiger Aspekt wäre, ob und wenn wie man Vorsorge dagegen treffen müsste, wie sich das Material langfristig doch setzt.

Und eben eine Abwägung der Vor- und Nachteile gegenüber den anderen Dämmsystemen: Raumverlust, Zusatzmasse, Kosten, Zeitaufwand, gewinnt man eine Installationsebene, was macht man kaputt, wenn man versehentlich an der falschen Stelle einen Nagel in die Wand schlägt...

Gestern habe ich mal versucht, den Aufbau der Zwischdecke zu verstehen. Zumindest im Bereich des Lochs sieht es so aus, als ob der sichtbare Teil des Fußbodens auf einen alten Fußboden aufgedoppelt sei, weil dieser zu schwach war. Also dünne flache Balken, Rauspund, dünne flache Balken, Rauhspund, PVC geklebt. Und gerade im Fußbereich der oben gezeigten Wand ein teilweise seltsam gemachter Übergang zu einer Betondecke (Erweiterung Erdgeschoß mit Balkon drauf). Vermutlich ist da eine nicht allzu schwere Konstruktion sinnvoller.