Innendämmung und Balkenköpfe der Decke

19.04.2016 aplatac



Hallo,

ich bin neu hier und etwas "artfremd", weil es nicht um ein Fachwerkhaus geht, sondern um einen Massivbau (30cm Ziegel) aus den 50er geht. Ich hoffe, dass man mir trotzdem hilft. :-)

Wir haben eines unserer Nachbarhäuser gekauft, dieses war etwas schwer zu verkaufen, weil es groß und eine Energieschleuder ist. Aber es ist in gutem Zustand, sehr schön und gehört einfach zum "Dorfbild" dazu.

Die Fenster sind o.k. und die alte Ölheizung wird der Schorni in 2-3 Jahren vermutlich stilllegen. Als Sofortmaßnahme würde ich jetzt gerne eine moderate Innendämmung machen, 60mm Multipoor stelle ich mir da vor. Das habe ich schon mal eingesetzt und gute Erfahrungen gemacht. Nur ist es jetzt so, dass Holzbalkendecken vorhanden sind und ich mir Sorgen um die Balkenköpfe mache. Die Dämmplatten sollten zw. den Balken an der Wand hochführen und am Besten noch zum Balken mit Hanf abgedichtet werden. Die Unterdecke ist aber eine Spalierdecke und in sehr gutem Zustand. Ich würde sie gerne behalten und habe Sorgen, was mich bei dem Eingriff erwartet. Von Oben komme ich leider auch nicht überall dran, weil das DG zurückversetzt ist. Die Decke wird eine Schüttung haben, ich würde also an der Wand entlang einen Spalt sägen. Zum Beispiel 80 o. 100mm für eine 60er Platte, das könnte ich recht sauber mit einer Tauchsäge machen und evtl. vorher 2-3 Löcher pro Feld mit einer Lochsäge, um einen Teil der Schüttung raus rieseln zu lassen.
Wenn ich dann fertig bin, könnte ich den verbleibenden Spalt mit einer Dekorleiste oder GKP-Streifen als Fries verdecken.

Hat jemand hier Erfahrung mit dem "verlustarmen" Öffne von Spalierdecken?

Danke :-)



Balkenköpfe mit Innendämmung



Hat dein Haus eine Ziegel-Sichtfassade ?
Also Außendämmung nicht möglich? Sonst wäre Außendämmung natürlich technisch viel einfacher.
Das Dachgeschoß müßte doch eher dünnere Wände und Holzböden haben- warum sind diese nicht gut zugänglich?
Von oben ließe sich auf jeden Fall viel besser arbeiten als von unten.

Es sollte bei Ziegelwänden im Normalfall genügen, die Balkenköpfe und die Decke zur Wand hin luftdicht abzukleben,
um den Aufwand zu reduzieren.
Die Wand sollte schlagregengeschützt sein und von der Sonne zeitweise erwärmt werden können,
um Austrocknung nach außen zu ermöglichen.
Bei späterer Installation einer Wandheizung wäre es ohnehin unproblematischer.
Andreas Teich



RE: Innendämmung



Hallo,

vielen Dank für die Antwort.
Außendämmung wäre in diesem Fall unwirtschaftlich.
Vom DG aus sind durch eine große, innenversetzte Abmauerung die Außenwände nicht zu erreichen.
Das ginge nur von Außen per Leiter und aufschieben der ersten Pfannenreihen. Was mir zu gefährlich ist, ohne Gerüst.

>... zur Wand hin luftdicht abzukleben,
> um den Aufwand zu reduzieren.
verstehe ich nicht, dafür muss auch die Spalierdecke aufgemacht werden und außerdem ist Multipor ein diffusionsoffens System. Die Austrocknung von Tauwasser findet nach Innen statt. Der Dachüberstand ist ca. 50cm und das Gebäude steht frei und sehr windig, aber mit dem Besonnen der Nordseite könnte es etwas knapp werden ;-)

Eine Wandheizung ist eine nette Sache, aber nicht geplant. Wenn der Kessel totgeschrieben ist wird er durch einen normalen Brennwertkessel ersetzt. Der Aufwand für eine Flächenheizung ist zu groß.



Innendämmung



Beim Abkleben dann nur sichtbare, zugängliche Teile abkleben
Wenn die Balken komplett in der Decke liegen allenfalls die Wandfuge abkleben oder Durchdringungen in der Decke und diese nicht öffnen-
außer der Aufwand macht einem nichts aus.
Der Deckenzwischenraum sollte nur gegen das Eindringen warmer Raumluft abgedichtet werden.

Brennwertkessel bei Ölheizung machen nur Sinn bei niedrigen Vorlauftemperaturen, sonst kommt die nie in den Brennwertbereich und es kann genauso gut ein normaler Niedertemperaturkessel verwendet werden.

Eine Skizze oder Bild würde helfen

Andreas Teich



Decke nur abkleben



Meinst du nicht, dass es etwas heikel ist, die Decke nur abzukleben? Von Unten Spalierputz und von Oben Dielenboden und Verlegeplatte + Belag, dazwischen Schüttung. Das ist für den Wasserdampf kein Hindernis und am Kopfende der Felder ist die ungedämmte kalte Wandfläche. Der Anwendungstechniker meine man sollte auf jeden Fall die Decke aufmachen und z.B. auch den Spalt zw. letztem Balken und Wand (Längsseite) mit Hanf ausstopfen. Ich habe da eher überlegt, die Dämmkeile an eingebundenen Innenwänden fehlen zu lassen. Wenn es da schimmelt sieht man das sofort und könnte recht einfach nacharbeiten.

Das Brennwert nix bring mit Radiatoren ist mir schon klar, aber wir sind hier in Deutschland. Da ist es wichtiger den richtigen Stempel zu haben. Der Preisunterschied zw. Brennwert und Niedertemperatur ist heute schon nicht mehr so groß. Wenn die Heizung in 2-3 Jahren fällig ist wird es vermutlich nur noch das Kunststoffrohr im Kamin sein, was mehr kostet. Wenn es nicht sogar Brennwert sein muss. An der EnEv wird ja laufend geschraubt und es wäre dumm wenn es dann heißt "in 5 Jahren alles raus ohne Brennwert". Ich glaube die KfW will heute schon nur noch Brennwert fördern.



Konvektion- Diffusion



" Das ist für den Wasserdampf kein Hindernis"
Sie meinen also das Diffusion durch eine Luftdichtigkeitsschicht erfolgt da diese einen niedrigen sd- Wert hat.
Mag sein.
Dann schreiben Sie: " und am Kopfende der Felder ist die ungedämmte kalte Wandfläche. Der Anwendungstechniker meine man sollte auf jeden Fall die Decke aufmachen und z.B. auch den Spalt zw. letztem Balken und Wand (Längsseite) mit Hanf ausstopfen."
Dagegen ist erst mal nichts zu sagen (wobei ich mir diesen Eingriff sparen würde); Hanf hat aber auch einen sd- Wert nahe 0. Der ist ebenfalls " für den Wasserdampf kein Hindernis"
Da fehlt mir die Logik.
Eine Luftdichtigkeitsebene herzustellen erscheint mir da auf jeden Fall logischer.
Das "Wie" ist eine andere Sache, das kann man nur vor Ort beim Bau entscheiden. Bei einem ca. 60 Jahre altem massiven Haus würde ich mir da keine großen Gedanken machen; Luftdichtigkeit im Deckenbereich ist dort schon vorhanden.
Die Transportleistung von Raumluftfeuchte über Konvektion ist flächenbezogen sicher mehr als das hundertfache gegenüber der Diffusionsleistung.
Zu Ihrer Idee die einbindende Decke als Sollkondensationspunkt zu nutzen:
Wenn dann an dieser Stelle Schimmel auftritt haben Sie kein Problem mit der Wärmedämmung sondern mit Heizung und Lüftung.
Wände "atmen" nun mal nicht, der Luft- und Schadstoffaustausch erfolgt nicht über die Wände sondern über Lüftung.
Übrigens werden die Sollkondensationspunkte dann eher im Bereich Fensterlaibungen und Fenster selber zu finden sein.



Aussendämmung günstiger



Wenn der Zugang von der Leiter nicht gut ist, stellt man eben ein Gerüst auf. Kostet nicht die Welt und bringt auch Sicherheit bei der Arbeit.

Dafür behält man innen mehr Wohnfläche, und muss nicht alles umpflügen.

Das Dach dämmen wird ja wohl auch fällig werden... Wenn möglich bevor die neue Heizung kommt, dann kann man kleiner dimensionieren.



zurück zum Spalier



@yogumon: Außendämmung ist in diesem Fall nicht günstiger, wie ich bereits geschrieben habe. Das Dach ist gedämmt und würde erst bei einem Neueindecken besser gedämmt werden. Das ist aber lange nicht fällig. Ein Gerüst ist unverhältnismäßig, da 1.500-2.000€ fällig würden. Der Verlust von ca. 70mm an 1-2i Wandseiten ist nicht besonders tragisch, das Haus ist sehr groß und Wohnraum hier billig.

@Georg Böttcher: der sd-Wert der Spalierdecke wird vergleichbar mit einer GKP sein, also sehr gering. Mit der Zeit wird sich im Hohlraum der Decke qasi ein Durchschnittsraumklima einstellen und an der Außenwand wird die Luftfeuchte kondensieren, da diese deutlich unterm Taupunkt liegen wird. Viel besser als der Transport durch die Wand nach außen, wird die Wasseraufnahme der anliegenden Holzbalken sein.
Der Hanf ist natürlich nicht zum luftdichten Abschluss gedacht, sondern er soll Feuchte von der Wand zum Multipor transportierten. Beim Verzicht auf die Dämmkeile an den einbindenden Innenwände (nicht Decke), dachte ich nicht an einen Sollkondensatpunkt, sondern an den optischen Vorteil. Bzw. die Tatsache, dass man es einfach nachrüsten könnte, wenn es doch zu Schimmel kommt. Das hängt wie Sie schon schrieben sehr vom Lüftungsverhalten ab. Leider klappt es mit dem zuverlässigen Lüften bei vielen Mietern nicht. Die Fensterleibungen würde ich mit schlanken Calciumsilikat-Platten verkleiden.

Wir sind sehr weit vom Thema abgekommen, im Grunde wollte hauptsächlich wissen ob jemand Erfahrung mit dem Schlitzen von Spalierdecken hat.



Spalierdecke schlitzen



Ich habe meine Spalierdecke geschlitzt, um bündig Rohre Verlegen zu können.
Grundsätzlich funktioniert das wie beschrieben und wenn der Übergang mit Armierungsgewebe versehen wird
sieht man den bei sorgfältigem Verspachteln nicht mehr.

Da alle Baustoffe hier sehr kapillaraktiv sind hätte ich in diesem Fall bei einer luftdichten Decke nicht die Befürchtung von Kondensatausfall, sofern die Luftfeuchtigkeit im Rahmen bleibt.
Da der Lambawert von Holz besser als der von Ziegel ist wird am Holz kein Kondensat ausfallen.
Wenn die Däcke geöffnet wird können die Balkenköpfe gut abgedichtet werden- zu oberhalb liegenden Bereichen würde ich keine großen Bedenken haben.

Andreas Teich



Brennwert und Radiatoren



Wenn wir schon etwas vom Thema abkommen...

Natürlich bringt Brennwert etwas, besonders wenn gleichzeitig gedämmt wird.

Wenn der Wärmebedarf tiefer ist, können die bestehenden Heizkörper auch mit einer tieferen Vorlauftemperatur genug Wärme abgeben. Entscheidend ist die Rücklauftemperatur - wenn sie tief genug ist, gibt es Kondensation. Wenn nicht im Kessel, dann im LAS (Luft-Abgas-System). Wenn es klappt, sieht man fast keinen Wasserdampf aus dem Schornstein austreten.

Wichtig ist dass der Kessel gut eingestellt ist, und einen weiten Modulationsbereich hat. Auch die Umwälzpumpe muss richtig eingestellt sein. Ziel ist dass die Heizung möglichst ohne Takten im Winter kontinuierlich durchläuft.

Wenn einige Heizkörper zum Engpass werden, könnte man sie selektiv durch leistungsfähigere ersetzen.

Beispiel aus der Praxis (nur Ersatz des Kessels, ohne Dämmung, nachher eher besserer Komfort):

- alter Oelkessel ca. 8000 Liter pro Jahr
- neuer Gaskessel ca. 5500 m3 pro Jahr, 1 m3 Gas entspricht ca. 1 Liter Oel.



Innendämmung



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