Innendämmung und Abdichtung der Balkenköpfe

30.11.2020 Schmidt


Hallo Zusammen!
Ich bin bei dem angesprochenenen Thema halb vom Fach, habe Bauingenieurwesen studiert und bin in der Tragwerksplanung tätig.
Bauphysik ist nicht mein täglich Brot, daher benötige ich Hilfe bei folgendem:

Wir kaufen ein denkmalgeschütztes Wohnhaus in Massivbauweise. Die Wände bestehen (wahrscheinlich) aus Sandstein. Die Stärken variieren je nach Geschoss zwischen 40cm und 30 cm.
Nun möchte ich die Außenwände gerne dämmen.
Eine Dampfsperre sehe ich als kritisch, da diese nie zu 100% dicht herstellbar ist. Eine Dampfbremse ist bei dem geplanten Aufbau (wohl) nicht nötig:
Ich möchte Holzfaserplatten (entweder 4cm oder 6cm) und Lehmputz ausführen. Beide Baustoffe nehmen Feuchtigkeit auf, Tauwasserprobleme sollte ich (nach bisherigem Recherchestand) nicht erwarten. Allerdings mache ich mir Gedanken wegen dem Anschluss der Dämmung an die Holzbalkendecken über EG und 1.OG. Das Dachgeschoss ist ungedämmt und soll eine Aufdämmung erhalten.

Ich sehe mich mit dem Problem der Kondensatbildung an den Deckenbalkenköpfen konfrontiert. Muss ich die Balkenköpfe Freilegen und Abdichten oder reicht die vorhandene Gefachfüllung aus, um die anfallende Kondensfeuchte aufzunehmen? Ist es eventuell ausreichend, die Decke nur von unten zu öffnen und die Innendämmung zwischen den Balken auszuführen?

Außerdem möchte ich tiefe Unterputzdosen in die Außenwände verlegen. Diese wirken dann ja wie eine Wärmebrücke, da sie die Dämmschicht durchstoßen würden. Gibt es da Abhilfe?



Hallo



Wir haben unsere Balkenköpfe und Unterzüge mit Produkten der Fa. proClima luftdicht mit einem Putzanschlussband (analog zu einem Fenstereinbau mit Contega PV) angeschlossen.
Die Webseite gibt noch eine menge Infos zu bauphysykalischen Themen.

bin recht zufireden und hatte keine schadensfälle damit - ist aber auch eher im höheren Preissegment zu finden.

lg
o

ps : ungesponsort



Danke für die Anregung



Danke für die Antwort. Haben Sie die Deckenbalken einmal umlaufend eingepackt oder nur Unterseiten an den drei Seiten die von unten zugänglich sind?



Wenn



Spalten vorhanden sind mit Hanf ausstopfen und mit Lehm abdichten ist die andere Variante.
Hab komplett durch die decken durchgedämmt.

Ich habe teilweise hohlraumdosen in die dämmung eingelassen(nicht hindurch), aber nur das nötigste in die aussenwände gelegt. (kam aber noch 3cm lehm mit WH drauf und die Dosen gingen nicht weit herein)
Bei kritischen Stellen habe ich Kaiser innendämmdosen genutzt. Kostet aber eine 25€.



Eine Innendämmung



sollte wenn irgend möglich komplett durch die Decke durchgezogen werden, so wie Micha schrieb. Dabei ist auch besonderes Augenmerk auf den Anschluß an die Dachschalung zu richten. Ist eine weitere Dachdämmung ( Zwischensparren) zusätzlich zur Aufdachdämmung vorgesehen. Womit soll Aufsparren gedämmt werden ?
Zur Innendämmung, auch mit der weiteren Beschichtung, empfehle ich die Lektüre diesbezüglich auf den Seiten von Unger Diffutherm.
Eine Abdichtung, wie von Ole vorgeschlagen würde ich nicht durchführen, weil durch die Abdichtung nicht nur der Feuchteeintrag, sondern falls doch geschehen, vor allem die Rücktrocknung behindert werden könnte.



Ähnliche Situation


Ähnliche Situation

Wir hatten eine ähnliche Situation, Bruchsandsteinwände mit geplanter Aufsparrendämmung.

Die Spalte um die Balkenköpfe habe ich mit Hanf ausgestopft und wie Ole mit Putzanschlussbändern "abgedichtet". Ebenfalls pro clima, deren Produkte wirken nur als Dampfbremse, erlauben daher eine Rücktrocknung.
Darauf dann durchgängig die HWF-Platten in Lehm und die Spalten nochmals mit Hanf und Lehm abgedichtet.

Den Kniestock (Übergang zwischen Aufsparrendämmung und Innendämmung) habe ich mit Hanf ausgestopft und mit einer Dampfbremse versehen.

Das Bild zeigt die Anschlüsse der Balken, obere Anschlüsse fehlen noch. Bei den älteren, gehauenen Balken war die Arbeit etwas fummeliger.

Gruß
Manu



Die



Verwendung der Putzanschlussbänder dient lediglich dazu die Fuge zum Putz Luftdicht zu halten.Das jahreszeitliche Schwinden und Quellen am Anschluss ist deutlich.....
Flächig ist keine DB oder DS da Lehmputz aufgebracht wurde

Meines Wissens gab es mal einen Artikel zum Thema in der Zeitschrift Quadriga Holzbau

edit : (https://www.yumpu.com/de/document/read/22959649/leser-fragen-autoren-antworten-holzbalkendecken-bei-quadriga)

lg
o



Vielen Dank



für das Bild der Sanierung und für den sehr aufschlussreichen Artikel.
Da wir die letzte Geschossdecke von oben dämmen wollen, werde ich die Innendämmung durch die Gefache bis zur Dämmebene durchführen. Auch in den Beispielen des Artikels werden die Deckenbalkenköpfe umschließend abgeklebt. Ich werde also nicht drum rum kommen, die Decken im Wandbereich zu öffnen.

Wie ist an den Außenwänden zu verfahren, an denen die Deckenbalken parallel laufen? Wenn der letzte Deckenbalken etwas Abstand zur Wand hat, kann ich den Hohlraum mit Hanf o.ä. verfüllen. Wenn der Deckenbalken aber halb oder ganz in der Wand liegt, kann ich hier die Dämmung einfach durchziehen? In dem Fall muss ich dann einen neuen Balken vor die Dämmung setzen, der das Gefach hält, oder?
Wie gehe ich mit dem Deckenbalken im Mauerwerk um? Dieser liegt in der Theorie ja am Taupunkt...



Streichbalken



der Balken, der ( meist an den Giebeln) direkt am Mauerwerk liegt heißt Streichbalken, weil er am Mauerwerk streicht. Da muss zuerst eine Begutachtung durchgeführt werden, wenn der in Ordnung ist und keine Schäden aufweist, bleibt er drin und die Dämmung wird oben und unten an ihn angeschlossen. Da alles kapillar wirksam ist ( das Holz, die Dämmung und auch das Mauerwerk) sollte evtl auftretendes Kondensat ohne Probleme wieder abtrocknen können.



Kapillaroffen



Vielen Dank für Ihre Antwort.
Ich habe mich zwischenzeitlich mit einem Experten für Bauphysik hier im Büro unterhalten. Dieser meinte, dass der Aufbau mit Holzfaserplatten und Lehm bei einer Sandsteinwand nicht die richtige Wahl wäre, da der Sandstein nicht ausreichend diffusionsoffen wäre. Bei der Verwendung von diffusionsoffener Innendämmung verstärke ich das Tauwasserproblem dadurch (So seine Aussage). Ein Grund wäre die hohe Wasseraufnahmefähigkeit der Baustoffe Lehm und Holzweichfaser, welche vom Sandstein nicht aufgenommen werden kann und dann an dessen Innenseite kondensiert. Er riet mir, einen Aufbau zu wählen, welcher den Feuchteeintrag ins Mauerwerk möglichst verringert, damit die Tauwassermenge hinter der Dämmung geringer wird. Das widerspricht nun vielen Meinungen und Aussagen hier im Forum. Ein Aufbau mit Lehm und Holzfaserplatten wären nur bei Fachwerk sinnvoll...Hat jemand eventuell Langzeiterfahrungen mit einem ähnlichen Wandaufbau?



Da hat der Kollege Recht



in der Tat wird dieser Aufbau bei Bruchstein u.ä. Wandbaustoffen auch hier im Forum hin und wieder kontrovers diskutiert. Allerdings meint er wahrscheinlich kapillaraktiv und diffusionsoffen. Das sind verschiedene Dinge. Sandstein ist eingeschränkt kapillaraktiv, aber eben sehr träge.
Ich hatte auf die Seiten von Unger Diffutherm hingewiesen, die empfehlen bei einer Innendämmung mit Holzfaser eine Deckspachtel, die als Dampfbremse wirken soll. Allerdings ist bei 6 cm Dämmstärke durchaus eine Rücktrocknung über die kondensatfreie Zeit wahrscheinlich.
Die bessere Wahl wäre hier bei Dir der Einbau einer Wandheizung.
Ich empfehle Dir, mal nach Udo Mühle, Firma "Lehmhandwerk" in der Oberlausitz zu googeln und mit ihm zu telefonieren, der hat da längere Erfahrungen damit.



Noch eine Rückfrage



mich interessiert am Rande noch, bei welchen Recherchen Dir kein Tauwasserproblem gemeldet wurde. Was für Quellen hast Du da herangezogen ? Das würde ja auch der Meinung Deines Kollegen widersprechen.



kein Tauwasser



ist vielleicht etwas hart ausgedrückt. Ich habe das aus verschiedenen Aussagen hier im Forum, aber vor allem auch von dieser Seite:

https://www.ubakus.de/innendammung-mit-holzfaserdammplatten-und-lehm-tauwasser/

Nun ist das natürlich alles nicht genau auf meinen Fall abgestimmt, allerdings leuchten mir beide Argumentationen ein, ohne dass ich sagen kann, welche der beiden, doch sehr gegensätzlichen Aussagen richtig ist... Ich stehe eigentlich wieder am Anfang meiner Überlegung zur Innendämmung...



Tauwasseranfall



ubakus ist für Innendämmungen nicht sehr aussagekräftig, weil das Programm die kapillaren Eigenschaften und Vorgänge in Baustoffen nicht berücksichtigt. Besser wäre da z.B. WUFI, vielleicht über Euer Ingenieurbüro erreichbar. Tauwasser wird bei Innendämmungen immer anfallen, es sei denn, es wird theoretisch eine Dampfsperre eingebaut. Wichtig ist doch nur, dass
a.) die dämmung nicht dauerhaft auffeuchtet, was gerade bei Holzfaserwerkstoffen suboptimal ist und
b.) die zwischen Dämmung und Mauerwerk auftretende Feuchte wieder abtrocknen kann, entweder nach innen oder nach außen.
Für Innendämmungen in Deiner Einbausituation wäre sicherlich Calziumsilikatplatte oder Multipor die bessere Wahl.
Wichtig ist das System als Ganzes zu betrachten. Welche Heizung ist vorgesehen ? Bei Innendämmungen bieten sich immer Wandheizungssysteme an und die kann ich aus eigener Erfahrung nur empfehlen, bei höheren Räumen gehen auch Deckenheizungen, da kann ich leider nicht mit Erfahrungen dienen, aber hier im Forum gab es schon positive Rückmeldungen.
Nochmal mein Hinweis auf Udo Mühle, der ist gut vernetzt und hat als Lehmbaubetrieb mit Deiner Situation Erfahrungen, gerade weil er ganz in der Nähe des Elbsandsteingebirges wohnt und arbeitet, wo Sandstein der Mauerbaustoff der Wahl ist/ war.



Tauwasser



Dass uberkus für die Tauwasserberechnung nicht wirklich geeignet ist, schreiben sie ja selbst auf der verlinkten Seite. Deswegen spuckt mir der Rechner bei dem gewählten Wandaufbau auch einen Tauwasserausfall aus.
Zu den angesprochenen Punkten:
a) dauerhaftes Auffeuchten der Dämmung kann ich nur darüber verhindern, dass ich einen Lehmputz nutze, der die Feuchtigkeit aufnimmt und an die Raumluft abgibt (so die Theorie)
b) Die Feuchtigkeit zwischen Dämmung und Mauerwerk kann (in der Theorie) von der Holzfaserdämmung (und von dem Unebenheiten ausgleichenden Lehmunterputz) oder vom Sandstein (bei entsprechender Kapillarität, die ich nicht kenne) aufgenommen werden. Damit funktioniert das System mit Holzfaserplatten nur, wenn der Sandstein einen Teil der Feuchtigkeit aufnehmen kann. Die Kapilarität müsste ich dann irgendwie testen/überprüfen, wie auch immer....
Würde eine Dampfbremse auf der Dämmung, unter dem Putz mein Problem lösen? Diese soll ja dafür sorgen, die Feuchtigkeit gleichmäßiger und kontrollierter in die Wand einzubringen. Ich habe da natürlich den Nachteil, dass die Feuchtigkeit dann auch nicht mehr so einfach entweichen kann...

Momentan sind normale Heizkörper mit Aufputzrohren im Sockelbereich verbaut, diese würde ich auch erstmal belassen wollen. Die Aufputzrohre im Fußbereich bewirken ja auch eine Aufwärmung und dadurch Abtrocknung der Wand. Dies ist wahrscheinlich der Grund, warum es bisher kein Tauwasserproblem an den ungedämmten Wänden gibt.



Dampfbremse unter Putz



kann ich mir nicht vorstellen. Daher bietet UngerDiffutherm ja auf ihrem Innendämmsystem eine sperrende Spachtelmasse an.
Sicher puffert der Lehm erstmal Feuchte und trägt zu einem ausgleichenden Raumklima bei. Was die Kapillarfähigkeit von Sandstein betrifft, da wird es Unterschiede geben, je nach Herkunft und Dichte.



Pavatex



Die pavatex inndämmplatte hat doch eine dampfbremsende Schicht eingebaut, wenn es unbedingt holzfaser sein soll, die mal anschauen. (wird auch von claytec angeboten)
Oder mal über die gespritzten hanfschäben in Kalkputz informieren. Ob das bei Sandstein die perfekte Wahl ist weiß ich aber auch nicht. Höre damit aber oft in Zusammenhang mit bruchstein.
Bewußt heizleitungen offen an den Außenwänden entlang führen hilft sicher auch. Aber nur bei hohen systemtemperaturen.



Kapillarität von Sandstein



dazu hier eine interessante Seite. demnach gibt es bezüglich der Kapillarität kaum große Unterschiede zu anderen Baustoffen. Im Gegenteil, Sandstein hat einen relativ hohen Volumenanteil an Poren.
https://wufi.de/literatur/Holm,%20Krus%20et%20al%201996%20-%20Feuchtetransport%20%C3%BCber%20Materialgrenzen%20im%20Mauerwerk.PDF
Der Kalk-Hanf-Putz ist natürlich auch eine Variante. Dazu kann Dir Forumsmitglied Mario Linke mehr sagen, zu finden über die Lupe oben rechts.



@mike



Moin soweit ich weiß wurde die Produktion der von Dir Beschriebenen Platte mit Funktionsschicht letztes Jahr eingestellt, damals hieß diese Platte Pavadentro.
Heute gibt es die Pavadentro light und diese hat keine Funktionsschicht mehr..
greets Flakes..



Sorry



Das wusste ich nicht. War ja auch nur eine Idee. Danke Flakes für die Info.
Micha