Innendaemmung einer alten Kalksteinmauerwerk mit Schilfdaemmplatten

18.01.2012



Eine alte Scheune, mit 90cm-starken Kalksteinmauern, wollen wir in einem Mehrzwecksaal umbauen. Es handelt sich um ca. 180m2 und eine Hoahe von 3.80-8.20m. Weil der Raum im Winter nur gelegentlich benuetzt wird, wollen wir ihn Innendaemmen. Weil wir da am Neusiedlersee sind, haben wir uns gedacht, dass wir Schilfdaemmplatten verwenden koannten und dann einen Lehmputz anbringen koennen. Ich habe aber keine Erfahrung damit. Das Mauerwerk ist jetzt sowohl innen als auch aussen verputzt. Die meisten Sorgen habe ich wegen des Taupunktes. Ich weiss auch nicht wirklich wie man diese Schilfdaemmplatten anzubringen sind. Braucht man eine Holzkonstruktion? Kann man sie auf eine Lehmschicht einfach nur kleben? Wie schaut es aus mit verschiedenen Elektroinstallationen? Ist es ueberhaupt vernuenftig Schilffmatten zu verwenden? Was soll man fuer die Daemmung des Dachstuhls verwenden? Ich bedanke mich fuer die hilfreichen und kompetenten Antworten im voraus.



Ist das eine Fangfrage?



Sie als renommiertes Arch-Büro in Österreich sollten mit Ihrer Vita und Ihrem Auftragsbestand so etwas mit links machen und beherrschen.

Innendämmung würde ich gar nicht machen.
Schon gar nicht bei dieser Aussenwandstärke.

Gerade bei einem so gearteten Bau würde ich mit einer sinnvollen Heizungsart arbeiten - Temperierung.

Lesen Sie dazu auf meiner Website unter dem Punkt: I 3 den Heizungslink (PDF)

FK



Innendämmung ?



Wenn der Raum nur gelegentlich genutzt wird, ist eine Innendämmung überhaupt nicht nötig. Bei einer Raumhöhe von 3,80m-8,20m und einer Grundfläche von 180 m2 braucht es doch bestimmt Tage, bis Ihre Scheune -vorwiegend ganz oben- ausreichend temperiert ist.

Das Dach zu dämmen wäre vernünftiger: Warmluft steigt bekanntlich nach oben.

Schilfdämmplatten sind ein unbehandeltes Naturprodukt, also vom Energieaufwand für die Herstellung als sehr vorteilhaft anzusehen. Sie sind allerdings um einiges teurer als andere, baubiologisch ebenfalls empfehlenswerte Dämmmaterialien.

Als Innendämmung werden sie auch empfohlen. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die Konstruktion wirklich baphysikalisch einwandfrei funktioniert, da m. E. dem Material die Fähigkeit zum kapillaren Feuchtetransport fehlt. Bisher habe ich noch kein Prüfzeugnis oder einen Prüfbericht dazu gesehen.

In Lehm gesetzt, mechanisch gesichert (Tellerdübel) und mit Lehm verputzt können sie werden. Bei Einer geschätzten Wandfläche von ca. 280m2 wird Sie der Spass ca. € 45.000,-
kosten, wenn Sie´s nicht selbst ausführen. Da müssen sie lange heizen ...



Mich



wundert immer weider die Sorge um den Taupunkt. Die durch Schlagregenbelastung eindringende Feuchtigkeit kann um den Faktor 100 größer sein als durch Tauwasserausfall.

Die Innendämmung führt zu einem schnellen Aufheizverhalten was gerade in diesem Fall passt.

Eine inneseitg angebrachte Wandheizung würde die Aufheizeiten weiter beschleunigen, anfallendes Tauwasser wird schneller abtransportiert.

Schilfrohr ist eine Möglichkeit, gerade weil das Material auch regional verfügbar ist. Weichholzfaswer ist meiner Meinung nach die sichere Alternative.

Grüße aus Koblenz Gerd Meurer



Hohe steinerne Halle



Hallo Frau Ionescu,

Ich mache hier jetzt mal "heiztechnisch" gesehen , einen ungewöhnlichen Vorschlag:
Kombinieren Sie doch einfach eine Wandheizung mit einer Fußbodenheizung.
Abschnittsweise könnten Sie Bereiche der Wandheizung mit einer Vorlauftemperatur von 60-70 grad C fahren.
Das wäre dann der "Kachelofeneffekt".

Als Innendämmung würde ich eine Mineralschaum-Platte empfehlen, die hoch-kapillaraktiv ist.

Schilfmatten gehen aber auch. (d= 5cm).

Die Wandheizung würde ich nur bis zu einer Höhe von 2,25m
einbauen lassen.

Die Fußbodenheizung würde ich "dünnhäutig" auslegen.

Mit seperater E- Post schicke ich Ihnen mal eine Adresse, die die "Kachelofen-Wandheizung"--übrigens in Östereich--
schonmal gebaut haben.

viele Grüße



Innendaemmung einer alten Kalksteinmauerwerk mit Schilfdaemmplatten



Ich bedanke mich recht herzlich fuer die Antworten die ich bis jetzt bekommen habe. Erhoffe mir sogar mehrere. Es ist keine Fangfrage, die die ich gestellt habe. Man lernt durch Fragen und Hinterfragen, durch die Erfahrungen anderer und durch das Engenkommen derer.
Weil ich diese Erfahrung noch nicht habe, moechte ich mehrere Meinungen hoeren, als nur die eines Bauphysikers, eines Daemmplattenproduzenten und eines Ausfuehrenden.
Ich glaube eben, dass die bauphysikalischen Berechnungen norwendig sind, nur denke ich dass tatsaechliches Verhalten solcher Bauten nicht allein dadurch in Griff zu bekommen sind.
Zurueck zur Tatsache: ich glaube dass baubioligische Daemmmaterialien besser zu einer Steinmauer passen. Natuerlich daemmen wir auch das Dach. Das konnte man auch mit Hanfdaemmplatten erfolgen, die wir auch fuer die Wand verwenden koennten. Die Schilfmatten waeren ein Produkt des Neusiedlersees, also bodenstaendig.
Fuer eine Nutzung im Winter (Silvesterparty z.B.) soll der Raum in wenigen Stunden warm zu bekommen sein. Ich weiss nicht ob eine Wandheizung sinnvoll waere.
S-W und N-W sind angebaut. Die Stirnseite nach N-O koennte man gegen Schlagregen verkleiden. Es bleibt fuer mich immer noch das Problem des Taupunktes. Mit Schilf und Lehm brauchen wir keine Dampfsperre od. -bremse. Wie kann man aber sicherstellen, dass der Taupuknt im Lehmgefach liegt?
Lehm waere auch ein lokales Baumaterial, ausserdem auch sehr geeignet um Holzteile herum, die dadurch sehr gut bewahrt sind.

Dank an alle!
Mihaela Ionescu



Bild



Hier mal ein Bild der "Kachelofen-Wandheizung"
Es werden hier Vorlauftemperaturen bis 80 grad C gefahren.

viele Grüße



Hier ...



... ein Link zu einer Diplomarbeit der TU Wien zum Thema "Beurteilung von Innendämmsysthemen mit Schilfdämmplatten" :

http://www.ub.tuwien.ac.at/dipl/2010/AC07807976.pdf

Allgemein schränken auch BAustoffhändler die Verwendung der Dämmplatten für die Innendämmung auf max. 5cm Stärke ein und weisen auch darauf hin, das der kapillare Rücktrocknungseffekt nur durch den Lehmkleber und den Lehmputz erreicht wird.

Wenn dieser allerdings dann durch die Dämmplatten durchgedrückt wird, um kapillar wirksam werden zu können , ist er gleichzeitig auch eine Wärmebrücke und vermindert die Wärmedämmfähigkeit der Schilfplatte.

Allgemein sind für diesen Zweck also eher die Holzfaserdämmplatten zu empfehlen.



Hallo Frau Ionescu,



wo der Taupunkt genau liegt weiß keiner genau die Stellt ist nicht fixiert.

Ich war letzte Woche auf einem Symposium zum Thema Innendämmung. Eine der Hasuprefernetn sagte mit dem Taupunkt ist es wie mit dem G-Punkt, alle reden davon aber keiner weiß wo er ist.

Und im Abtransoport der Feuchtigkeit schneidet Schilf deutlich schlechter ab als z.B. Weicholzfaser Perlite oder Calcium Silikat.

Übrigens kommte der meiste Lehm der in Österreioch verarbeitet wird aus Deutschland.

Grüße



Innendaemmung einer alten Kalksteinmauerwerk mit Schilfdaemmplatten



Ich möchte mich bei Herrn Pickartz extra bedanken. Ich habe mir die Diplomarbeit über Innendämmung mit Schilfmatten und Lehm angeschaut. Sehr interessant und hilfreich.

Danke,
Mihaela Ionescu



@ Herr Pickartz



Der Link der TU Wien ist hervoragend!Dementsprechend auch ihr Beitrag.

Grüße





Maximal eine Strahlungsheizung! Ein Dunkelstrahler oder mobile Geräte. Die heizen schnell und wunderbar bei hohen Räumen.

Einzelgeräte kann man auch an die Wand schrauben.

Ist die Wand von innen ohnehin schon verunstaltet, könnte ein reflektierender Anstrich z. B. Thermoshield noch ein wenig verbessern. Ich denke aber kaum , das das wirschaftlich ist.



Innendaemmung einer alten Kalksteinmauerwerk mit Schilfdaemmplatten



Die Wand ist nicht verunstaltet. Sie ist momentan verputzt und weiss gestrichen. Ich weiss nicht was Dunkelstrahler sind. Können Sie mir mehr Information dazu geben?

Danke,
Mihaela Ionescu





Ich dachte ja hier geht es um ne Wohnung und nicht um irgend welche Hallenheizungen.





ThermoShield - ein Beitrag zur Wärmedämmung?
Fouad, Nabil A.; Dorow, Catrin; Richter, Torsten;

Seit einiger Zeit sind so genannte Thermobeschichtungen auf dem Markt, bei denen beworben wird, daß sie den Heizenergiebedarf bei Gebäuden erheblich reduzieren. Dabei handelt es sich um Fassadenfarben, z.B. das Produkt "ThermoShield", denen mikroskopisch kleine, silanisierte, keramische Hohlkügelchen (Ceramic Bubbles) zugesetzt sind. In den Produktunterlagen zur genannten Beschichtung wird angegeben, daß die Energieeinsparungen bzw. die an einigen Stellen auch als Heizkostenersparnis bezeichneten Vorteile bis zu 30 % betragen und herstellerseitig den verschiedenen Wirkanteilen von "ThermoShield" zugeschrieben werden können. Zur Überprüfung der vielversprechenden Produkteigenschaften wurden die thermischen Eigenschaften von Probekörpern, die mit "ThermoShield - Exterieur" beschichtet worden sind, im Rahmen einer an der Universität Hannover angefertigten Arbeit untersucht. Die Auswertung der Meßergebnisse zeigte, daß die mit "ThermoShield" beschichteten Probenkörper nicht die Eigenschaften aufwiesen, die bei einer wärmedämmenden Wirkung der Beschichtung zu erwarten wären.


Artikel aus der Zeitschrift: Bauphysik
ISSN: 0171-5445
Jg.: 28, Nr.2, 2006
Sei



Dunkelstrahler



Die Wand ist nicht verunstaltet. Sie ist momentan verputzt und weiss gestrichen. Ich weiss nicht was Dunkelstrahler sind. Können Sie mir mehr Information dazu geben?

Danke,
Mihaela Ionescu

Hallo Frau Ionescu,

bei einem Obkjekt in Kempten habe ich die Wirkung von Dunkelstrahlern erlebt. Am besten Sie googeln einmal einfach unter Dunkelstrahler. Die Wirkung ist vergleichbar mit den Heizpilzen vor den Nichtraucherlokalen. Nur sieht man keine Verbrennung oder kein Glühen.

zu Thermoshield
>>>ThermoShield - ein Beitrag zur Wärmedämmung?
Fouad, Nabil A.; Dorow, Catrin; Richter, Torsten;

Seit einiger Zeit sind so genannte Thermobeschichtungen auf dem Markt, bei denen bew....<<<<<

Ich denke da sollten Sie auch einmal googeln. es gibt verschiedene Stellungnahmen und es sollten eigentlich Erfahrungen zählen...die ich auch nicht habe.

Mit leuchtet jedoch die Funktionsweise ein und die wirkt eben bei der Strahlung durch die Reflexion. Als optimale Dämmung bie Konvektionsheizung kann ich sie mir auch nicht, aber esie finden einige positive Beträgen u. a. von einer Siedlungsgesellschaft.

>>>>Zur Überprüfung der vielversprechenden Produkteigenschaften wurden die thermischen Eigenschaften von Probekörpern, die mit "ThermoShield - Exterieur<<<<

Mit einem Probekörper kann ich beim Test der Dämmwirkung keine Ergebnisse nachweisen und erst recht nicht bei der Temperierung
, die ja überhaupt erst in einem geschlossenen Raum die Wirkung erzeugt.