Innen"Dämmung" mit Schilfplatten

08.07.2014



Ich plane eine Verstärkung einiger Innenwände mit Schilfplatten. (Den Begriff "Dämmung" vermeide ich an dieser Stelle bewusst. Bin mir im Klaren über die Problematik der Innendämmung)

Nun zur Frage: Ist es möglich, die Platten mithilfe von geeignetem Lehmkleber und Dämmstofftellern an der Wand zu befestigen und anschliessend mit einem Kalkputz zu verputzen?
Oder doch besser alles mit Lehm, um dann abschliessend einen Kalkstreichputz oder Kalkfarbe aufzubringen (Was laut Claytec möglich sein soll)?
Es handelt sich bei den Wänden hauptsächlich um Dachschrägen mit Gipsputz auf einer Querlattung. Da wage ich mich mit Kalk nicht ran.

Ich hänge mal ein Bild an, was den Aufbau der Schräge etwas verdeutlicht. Das Haus ist BJ 1928.

Vielen Dank, und seid nicht zu streng;-)



Dämmung



Egal ob Sie das Wort vermeiden oder nicht- es wird eine Dämmung, denn das auf dem Foto ist keine Innenwand sondern eine Dachschräge. Und um eine Dämmung kommen Sie da rechtlich und bauphysikalisch nicht herum. Machen Sie es also gleich ordentlich.
Auf einer richtigen Innenwand kommt es drauf an warum eine Verstärkung dran soll. Wenn man weiß was für Eigenschaften das Bauteil später haben soll kann man danach das geeignete Material und das Montageverfahren suchen. Ob sich dabei Schilfplatten? als geeignetes Material ergeben werden ist eine andere Sache.



Dämmung



Also sei es eine Dämmung. Bauphysikalisch in Ordnung, gerne. Rechtlich? Mache ich heute die geforderten 20-30 cm, oder was weiss ich, und meine Kinder bekommen dann doch wieder die Enev2039, odersoähnlich, um die Ohren geschlagen unter dem Motto: "30cm? geht gar nicht..." (Genauso wie dir jetztige EnEv ja plötzlich bei Altbauten die oberste Geschossdecke "verdickt" haben will....)

Die Dachschräge (die für meine Familie eine Innenwand ist, weil wir drin wohnen) ist halt Enev1928, a bissl Holz und einen Klecks Putz. Fertig. Erfroren ist in den letzten 90 Jahren wohl noch niemand, und wir haben einen Jahresölverbrauch von 1700Litern, Kaltdach, oberes Stockwerk 10cm Hohlblock.
Aus dem Grund will ich ein wenig Masse drauf haben, aber nicht zu schwer, wegen der Schräge. Also: 1 cm Putz, 6cm Schilfplatten bspw. HissReet, 1-2 cm Putz, Farbe/Streichputz.

Wenn ich nun anfange, nach Enev zu sanieren, kann ichs gleich lassen. Dann komme ich nämlich mit 8 cm nicht hin ( Ist eh an manchen Stellen schon grenzwertig, platzmässig)

Das war aber auch nicht meine Frage, sondern ob ich auf die im Thread angesprochene Weise Lehm mit Kalk verwenden kann.
Wenn dann zufälligerweise beim werkeln die Agenten vom "Bundesverband luftdichtes Bauen" eine Hausdurchsuchung machen, habe ich halt Pech gehabt. Guantanamo hat angeblich ja gar keine Dämmung.......



ja



wenn mann es richtig macht geht es!

Bist jetzt mit der Antwort glücklicher?



Also



Lehm oder Kalk kann wie schon gesagt als Putz verwendet werden. Dann aber zwei-lagig mit Armierung. Problematisch ist der Gips hinter den Platten, der muss runter
.
Auch kann der Lehmkleber gegen eine Lehm oder Kalk ersetzt werden.

Grüße aus Koblenz



Danke



geht doch. Aber was ist das Problem mit dem Gips?

Das habe ich befürchtet, dass der Gips runtermuss. Da gibt es dann auch keine Möglichkeit, eine Art "Zwischenschicht" (sorry für die unsachgemässe Bezeichung) aufzubringen? Ich habe es immerhin geschafft, an anderen Gipswänden der Wohnung einen Kalkanstrich hinzubekommen. (Mit einer Grundierung von Haga) Zugegebenermassen eine Jugendsünde, aber es funktioniert und ich will einfach nicht neu bauen im Altbau (Faule Sau....)

Falls der Gips wirklich runter muss: Putzträger auf die Holzlattung (Schilf), Putz 2-3 cm (Dann lieber gleich Kalk, hinter der Lattung beginnt die Wildnis, das kann auch mal etwas feucht werden), Schilfplatten 6cm, Oberputz, Kalk/Silikatfarbe.
Wäre Lehmfrei, mir sehr recht....


Zum Thema Wand: Ob jetzt Wand, oder Schräge: Das ist zu dünn und muss dicker! Schilf ist relativ leicht und dürfte besser an einer Schräge zu montieren sein, als Holzfaserplatten etc.
Eine Aussendämmung ist leider nur möglich, wenn das komplette Dach neu gemacht wird. Im Moment ist dort zwischen den Sparren eine 5cm dicke Holzverschalung, die nicht luftdicht ist, aber im Sommer einen deutlichen Hitzeschutz bietet. (Keine Ahnung, wie die dahingekommen ist;-);-))
Da das Dach aber noch tiptop ist, werde ich wegen ein paar Hundert Litern Ersparnis(??) nicht eine Neueindeckung für 10-20 TTeuro machen lassen. Wenns soweit ist, kommt dann aber was amtliches rein, ich versprechs in der Hoffnung, das in 20 Jahren nicht mehr so viel saugfähiges Material in Dächern verbaut wird.



Natürlich



kann Gips mit Kalk gestrichen werden, auch das Verputzen mittels eine Haftbrücke mit Lehm oder Kalk ist möglich.

Alle Systemanbieter für Innendämmsysteme schreiben das Entfernen von gipshaltigen Untergründen vor.

Mögliche Gründe liegen im Tauwasserausfall direkt hinter den Dämmplatten, damit kann Gips einfach nicht gut umgehen.

Grüße



hic sunt leones...



"hinter der Lattung beginnt die Wildnis, das kann auch mal etwas feucht werden"

Bei uns gab es ähnlich minimalistische Aufbauten, die zu diversen Biotopen bei Sparren und Pfetten führten. Sparen Sie sich die Bastelei. Lieber bei Gelegenheit ein ordentliches Unterdach mit Holzfaserplatte und Unterspannbahn machen, auch wenn die Ziegel noch gut sind. Kann man ja wiederverwenden.

Für den Wärmeschutz im Sommer braucht es zwei Dinge:

1. Dämmung, um den Wärmefluss zu verlangsamen

2. Masse, z.B. in der Form von Gipsfaserplatten (doppelte thermische Masse von Gipskarton). Schilf mangelt es an Masse.

Im Zweifelsfall in u-wert.net nachrechnen. Da kann man sehr schön mit den Materialkombinationen spielen und sehen was passiert.



Lattung



Es kann feucht werden, im Extremfall. Trocknet dann aber wieder ab, Zum Glück existiert noch eine Art Folie gegen Schlagregen etc. Das ist ein schwarzes, recht schweres Material, eventuell Bitumen?
Ich hatte an vielen Stellen der Dachkonstruktion Einblick, zum Beispiel beim Einbau der Dachfenster und beim Öffnen des Dachüberstandes. Nirgendwo war ein Feuchteschaden zu erkennen. Unserer Alten hatten es zwar ein bissl zugig, dafür ist alles heile.
Bestes Beispiel im (ehemailgen, jetzt wieder restauriertem) Badezimmer erster Stock: In der kältesten unteren Zimmerecke war hinter der Tapete der Putz etwas seifig und bröckelig, habe alles abgeschlagen in finsterer Vorahnung . Dahinter dann besagte Querlattung.....knochentrocken! Das Holz 90 Jahre alt, nix dran.

Trotzdem gebe ich den Foristen recht und werde den Aufbau auch nochmal begutachten lassen. Tauwasser hinter der Dämmung ist nicht so schön. Kann denn Kalkputz damit besser umgehen?
Und: Ist eine Schilfplatte vergleichbar mit, sagen wir, XPS. Da wäre die Verschiebung des Taupunktes ja nachvollziehbar.
Ich hatte halt die Vorstellung, dass KalkSchilfKalk die "Wand" eben nur aufdoppelt und es keine nennenswerten Feuchteprobleme gibt.
Diffundiert die Feuchtigkeit schlimmstenfalls von der Raumseite durch die Putzschichten und den Schilf in den Gipsputz?

Trotzdem schonmal Danke für die Anregungen!



Diffusionsoffenheit



Siehe auch http://xn--ingenieurbro-bttcher-asl-yoc5m.de/mediapool/88/885822/data/Muessen_Waende_atmen.pdf .

Schilfplatten sind sehr diffusionsoffen (u = 2, also der doppelte Diffusionswiderstand einer Luftschicht dieser Dicke). Luftdicht sind sie auch nicht. Wenn der Putz Risse bekommt, dann gibt es nicht nur Diffusion, sondern auch Konvektion.

Wie gesagt, ich würde mir diesen ganzen Aufwand sparen, und bei einem konventionellen, gut gedämmten Aufbau bleiben. Auch wenn keine Agenten der "Gedäpo" um die Ecke kucken...



Aufbau



Was wäre denn ein konventioneller Aufbau unter diesen Voraussetzungen (Dachschräge, Querlattung, Putz) ??
Könnte man so etwas wir Pavadentro in Betracht ziehen?



alles runter bis auf die Sparren, dann...



Aufbau bei uns von aussen nach innen...

Ziegel 1904 / 2014
Dachlatten 30x50mm
Konterlatten 45x50mm
Unterspannbahn
Pavatex Isolair 35 mm
bestehende Sparren, dazwischen Isofloc
Dampfbremse Intello Plus
40x60mm Traglattung im 50 cm Raster, dazwischen Glaswolle WLG 032 Untersparrenfilz (noch etwas Extradämmung für die GeDäPo)
Fermacell Gipsfaserplatte 12.5 mm
kompatible Spachtelung / Putz nach belieben

Statt Isofloc + Untersparrenfilz könnte man auch flexible Holzfaserdämmung verwenden. Glaswolle zwischen den Sparren würde ich nicht empfehlen, schlechtere Werte beim sommerlichen Hitzeschutz.

Pavadentro ist eher teuer.





"Lehm oder Kalk kann wie schon gesagt als Putz verwendet werden. Dann aber zwei-lagig mit Armierung."

dem würd ich mich anschliessen.