Innendämmung mit Isofloc

19.01.2017 Tobias88



Hallo Leute

Ich weiss das Thema Innendämmung wurde hier im Forum viel behandelt, jedoch wurde ich nicht fündig, was meine Frage betrifft.
Wir sind beim Umbau unseres EFH. Das Haus ist auf der Ostseite an ein kleineres gemauertes Haus angebaut.
Der Aufbau der Gefache der Aussenwände sieht in den meisten Gefachen wie folgt aus: (ein paar sind mit Ziegel ausgemauert)

-Aussen-
Kalk-Zement Putz ca. 10mm
Kalkputz ca. 25mm
Holzstaken mit Lehm 100mm
Kalkputz 25mm
-innen-

In der Schweiz müssen wir beim Umbau einen Dämmwert von u=0.25 einhalten.

Ich möchte die Innenwand mit 140mm Isofloc dämmen. Und dann mit 18mm Fermacell, sowie mit den Wandheizungsmodulen von Variotherm beplanken und mit einem Kalkputz verputzen.

Nun habe ich dies mit 3 Zimmermännern angeschaut wovon jeder bezüglich Dampfbremse etwas anderes behauptet.

Gemäss U-wert Rechner wäre es wohl am besten eine variable Dampfbremse einzubauen, jedoch ist diese Aufgabe nicht ganz ohne und wird wohl nie 100% dicht sein, bleiben.(Durchlaufende Deckenbalken / und Anschluss an Dachstock) Zudem müsste ich eine Installationsebene machen und würde noch mehr Platz verlieren.

Der eine Isolateur, welcher seit 30Jahren mit Isofloc arbeitet, meinte mit Isofloc sei es sei kein Problem die Dampfbremse wegzulassen. (Foto des Wandaufbaus Ohne Dampfbremse).

In diversen Berichten habe ich gelesen, dass der sd-wert der Konstruktion min 0.5 sein soll. Was bei meiner Konstruktion erreicht werden würde.

Wie sieht Ihr das? Der U-wert Rechner prophezeit einen Tauwasserausfall von 1.7kg/m^2 was ja ordentlich viel wäre. Jedoch wird meines Erachtens die Kapillaren Eigenschaften des Isofloc's im U-Wert rechner nicht berücksichtigt.

Hat schon jemand eine solche Innendämmung montiert

Wäre um Hilfe und Beratung dankbar.

Verschneite Grüsse aus der Schweiz
Tobias



U-Wert



Herr Plag erklärt das in seinem Forum ziemlich gut denke ich. Gerade auch in Bezug zu Zelluloseflocken.

https://www.u-wert.net/innendaemmung-von-fachwerk/

In Deutschland gibt es auch den Wert von < 0,8 für Sichtfachwerk im Denkmal. Das wäre zumindest eine Grundlage für Verhandlungen falls gewünscht.



Fachwerk-Innendämmung



Auch wenn eine Dampfbremse als Folie verwendet wird alle Sd-Werte der gesamten Verkleidungen, Putzschichten etc addieren-
dieser sollte bei festen Sd-Werten nicht über ca 2 m liegen, um bei über der Innentemperatur liegenden Außentemperaturen Rückdiffusion zu ermöglichen und in der Dämmebene Auffeuchtung zu vermeiden.

Wandheizungen reduzieren die Feuchtigkeit, sodass dabei auch größere Dämmstärken möglich sind.

Die feuchtevariable Dampfbremse kann direkt unter der Fermacellplatten verlegt werden und auch im Bereich der angrenzenden Wände-
sie darf nur nicht scharf geknickt verlegt werden sondern mit Schlaufe, um Bauwerksbewegungen schadlos zu überstehen.

Löcher die zB durch Fermacell-Befestigungsschrauben entstehen sind unproblematisch und verursachen keine Schäden.

Schlagregenbelastung der Wände überprüfen und reduzieren.

Instationäre Berechnungen geben genauere Werte als der U-Wert Rechner, nur müssen dafür alle Kennwerte und Bedingungen ermittelt werden.

Andreas Teich



Fachwerkinnendämmung



Hier meine Empfehlung:

http://unger-diffutherm.de/udiin_reco/

Schlanker, einfacher, billiger, schneller.
Voraussetzung: Das Fachwerk sollte witterungsgeschützt sein.
Vorher mit einem Simulationsprogramm Fassadendetails rechnen lassen.



Oder



http://wandheizung.de/Wandheizung-auf-Innendaemmung.275.0.html

Gipsplatten würde ich nicht verwenden.

Grüße Gerd



Innendämmung



Für Sichtfachwerk ist Wandheizung die sicherste Methode zum Schutz des Fachwerks.
Udireco kann man mit Wandheizung kombinieren.
Ob die schweizerische Vorgabe beim U-Wert auch für Sichtfachwerk gilt sollten Sie prüfen.
18 mm Fermacell als Aussteifung für die Isoflocdämmung zu halte ich ebenfalls für fehlerhaft.



Kein Sichtfachwerk



Danke für die Zahlreichen Infos

Die Aussenfassade ist mit einem Kalk-Zementputz verputzt.
Wieso würdet ihr kein Fermacell als Wandbeplankung nehmen?

Der eine Zimmermann hat mir nun seinen geplanten Wandaufbau geschickt. Jedoch plant er eine Dampfbremse mit sd=24m ich halte dies für bedenklich, da die Wand nicht mehr nach innen trocknen kann? Sehe ich das richtig, dass wenn eine Dampfbremse angewendet werden soll, nur eine variable? Alles andere schadet doch mehr als das es hilft?



Dampfbremse bei Innendämmung



Die vorgesehene Dampfbremse hat eienn Sd-Wert von 20 m.
Das scheint mir viel zu hoch.
Entweder einen um 2m m oder besser wie schon geschrieben feuchtevariable, die im Sommer gute Rückdiffusion ermöglicht.

Du kannst dich natürlich noch bei Ampack erkundigen was die in deinem Fall empfehlen.

Andreas Teich



Fachwerkhaus dämmen



Wenn's kein Sichtfachwerk ist dann wäre doch Außendämmung wesentlich besser- dabei kann jeder Dämmstandard- auch Passivhaus erreicht werden. Ich hatte mehrere Planungen/Ausführungen mit Stegträgern, Zellulosedämmung und Holzfaserplatten-teils verputzt, teils mit Holzverkleidung.
Oder ist keine Außenvergrößerung möglich?

Andreas Teich



Regeln in der Schweiz



Die Wärmedämmvorschriften im Kanton Zürich sagen:

Die örtliche Baubehörde kann bei besonderen Verhältnissen die Anforderungen an Umbauten und Umnutzungen angemessen reduzieren, namentlich wenn bei schützenswerten Bauten oder aus bauphysikalischen Gründen die volle Einhaltung der System- oder Einzelanforderungen nur mit unverhältnismässigem Aufwand oder überhaupt nicht erreicht werden könnte. Der Antrag an die örtliche Baubehörde betreffend Milderung der Anforderungen hat einen bauteilbezogenen Nachweis der Probleme bei der Einhaltung der Anforderungen und einen objektbezogenen Vorschlag über angemessene Sanierungsmassnahmen zu enthalten.

Bei euch im Thurgau scheint die Formulierung etwas weniger freundlich, aber in der Energieverordnung steht dann doch wieder (Absatz 28):

Erleichterungen für den geforderten winterlichen Wärmeschutz können unter anderem zugelassen werden bei:
...
4. denkmalpflegerisch schützenswerten Gebäuden, falls das Erscheinungsbild beeinträchtigt würde.

In anderen Worten, "me muess halt rede mitenand". Mit einem fundierten Antrag (am besten von einem Bauphysiker) ist der Zielwert von 0.25 W/m2K nicht in Stein gemeisselt. Eure Baubehörde wird wahrscheinlich einen Systemnachweis verlangen, und das schafft man nicht ohne geeignete Software. Ich habe ausser dieser Rechnung alles selber vorbereitet, in eurem Fall lasst ihr besser einen örtlichen Fachmann dran.

Bei unserem Haus - nicht Fachwerk - haben wir im Dachgeschoss eine Innendämmung mit Kreuzrost, Isofloc (nass aufgeblasen), Intello Plus Dampfbremse und Fermacell Innenverkleidung gemacht.

Euer Aufbau in u-wert.net sieht mir nicht ganz korrekt aus, z.B. werden die Zimmerleute wohl kaum eine 3x8 Traglattung für das Fermacell machen. Der effektive Holzanteil wird garantiert höher sein. Anbei mein Vorschlag - die Stärke der Dämmung kann durch die Anordnung der Latten angepasst werden, bei uns alles 4x6, einmal stehend, einmal liegend. Ein Kreuzrost kann wenn nötig mit etwas Abstand montiert werden, und kommt gut mit einer unregelmässigen Bestandswand zurecht.

Für Bilder bitte nach meinen alten Einträgen zu diesem Thema suchen.

Die Dämmstärke muss nicht überall die gleiche sein, z.B. geht im Dachgeschoss (Fassade durch Dachüberstand geschützt) wahrscheinlich mehr als in den unteren Stockwerken. Auf der Wetterseite (bei uns Westen) oder Norden ist es kritischer als im Süden.

Was macht ihr mit den Fussböden ? Bei einer Holzbalkendecke sollte man auch etwas machen, damit es keine Probleme bei den Balkenköpfen gibt.

Wandheizung scheint mir ein grosser Aufwand. Bei uns wurden es ganz normale Heizkörper und ein Gaskessel (bestehender Anschluss). Was ist als Heizsystem geplant ?



Fermacellplatte 18 mm



1. Das ist eine Brandschutzplatte , eine Eigenschaft die hier nicht gefragt ist aber teuer bezahlt werden muß.
2. Die Platte soll aussteifen, d.h. dem Druck der Zellulose standhalten. Dafür halte ich sie für zu schwach.
3. Die Platte soll als Putzträger dienen. Auch dafür ist sie nicht gedacht. So einfach 10 mm Kalkputz drauf geht nicht so leicht.
4. Sie hat keine dampfbremsende Wirkung. Wenn Sie schon eine abdichtende Ebene zum einblasen brauchen dann eine die gleichzeitig auch die Funktion der Dampfbremse übernimmt.

Falls Sie nach Alternativen fragen:
eine aussteifende, überputzbare Holzfaserdämmplatte.

Falls Sie mich fragen:
Der Aufbau ist zu verwurschtelt; zu viele verschiedene Materialien, zu viele Montageschritte, zu wenig fehlertolerant, zu teuer und zu kompliziert in den Anschlußdetails (Fensterlaibungen, Innenwände, Decken.
Deshalb würde ich so eine Materialanhäufung die nur den Zimmerer glücklich macht der sie einbaut NICHT empfehlen.
Falls Sie doch drauf eingehen sollten:
Verlangen Sie vorher von dem Planenden (hier wohl der Zimmerer) einen feuchtetechnischen Nachweis über eine Feuchtesimulation mittels Rechenprogramm- nix Glaser!



hier Fermacell 12.5 oder 15 mm



Da baucht sich nichts aus - weil wir die Zellulose feucht aufgeblasen haben. Die Dampfbremse kommt erst drauf wenn sie trocken ist. Mit einem Kreuzrost ohne getrennte Gefache geht trocken einblasen ohnehin nicht. Ein weiterer Vorteil bei diesem Aufbau ist dass man die elektrischen Installationen gut unterbringen kann.

18 mm Platten sind enorm schwer, arme Sherpas die das durch das Haus schleppen müssen.

Einen richtigen Kalkputz würde ich auf Fermacell nicht draufmachen, wir haben aber an einigen Stellen einen feinen Kalkspachtel der sich darauf (mit Haftgrund) problemlos hält.

Bei den Schweizer Behörden bekommt man leider nicht so leicht Ausnahmen wie bei der deutschen EnEV, d.h. man muss teilweise an die Grenze des vertretbaren gehen, oder auch manchmal jenseits...



Zellulose hinter Fermacell einblasen



Es läßt sich auch hinter 10 mm Fermacell einblasen-
es gibt belüftete Düsen oder zusätzliche Entlüftungslöcher bohren-
dies reduziert den Druck in der Wand.
Da der Druck nur während des Einblasens besteht können auch provisorisch Latten vor die Wände geschraubt werden.

Die Platten müssen natürlich korrekt befestigt worden sein, richtigen Randabstand, Schraubenlänge und Unterkonstruktionsabstand einhalten.

Wer die entsprechenden Schulungen absolviert hat kennt die Regeln.

Andreas Teich



Danke für die vielen Inputs!



@yogumon Die Decken/Böden sind offen bis auf den Unterboden (Dielen) Wir wollen in allen Räumen die Balken frei legen und die Zwischenräume mit Fermacell Verkleiden und verputzen, somit können wir die Dämmung über die ganze Höhe der Wand durchziehen.
Ps. Das Haus steht nicht unter Deckmal.

@Georg Böttcher Fermacell 18mm verwende ich weil die Wandheizung Variotherm ebenfalls 18mm Fermacell hat. Wie wäre Ihre Empfehlung des Wandaufbaus? Um den U-wert von 0.25 zu erreichen? Lehmbauplatte oder Holzfaserplatte mit Isolfoc ausblasen?

@Andreas Teich
Aussendämmung wäre möglich, aber viel zu teuer, im Innenbereich müssen wir die Wände sowieso neu verkleiden, deshalb würde es im selben gehen.

Was halten Sie von einem Aufbau ohne Dampfbremse? Ist dies möglich? hat der Putz, Fermacell Platte, isofloc nicht eine genügende Dampfhemmende wirkung (sd>0.5)



Innen vs. Aussendämmung



Wir haben innen oder gar nicht gedämmt weil unser Haus im Inventar der Denkmalpflege ist (Vorhof zur Hölle).

Wenn das Haus nicht unter Denkmalschutz steht, und es sich mit der Aesthetik irgendwie vereinen lässt, ist eine Aussendämmung mit Sicherheit günstiger.

1. Standardisierte WDVS-Systeme (z.B. Greutol PIR mit WLG 023 trägt nicht so dick auf)

2. Weniger Risiken, weniger Wärmebrücken usw.

3. Kann die Zielwerte der Vorschriften problemlos einhalten, da muss der Bauphysiker keinen Doktor machen. Also günstigere Planung.

4. Viel weniger Innenarbeiten - unser Haus aussen neu verputzen war viel günstiger als die Gipserarbeiten innen.

5. Kein Platzverlust im Innenraum. Bei euch vielleicht nicht so kritisch wie im teuren Zürich, aber für den Wert des Hauses interessiert am Schluss die verfügbare Wohnfläche.

Wenn es doch die Innendämmung sein muss, würde ich nicht auf eine gute variable Dampfbremse verzichten. Unser Isoleur (Curau) meinte zwar dass es ohne geht, aber warum Risiken eingehen ?



Fachwerkinnendämmung



Meine Empfehlung haben Sie schon:

http://unger-diffutherm.de/udiin_reco/

Wenn Sie bei Ihrer Variante bleiben wollen:
Suchen Sie eine hydrophile bzw. kapillaraktive, genügend steife, putzfähige Dämmplatte die den kapillaren Rückstrom nicht bremst und gleichzeitig dämmt.
Wenn Sie unbedingt eine Dampfsperre/Bremse haben wollen:
Nehmen Sie OSB. Überputzbar mit einigen Verrenkungen.