Innendämmung


Innendämmung

Hallo Fachwerker und Fachwerkerinnen,

folgendes Problem habe ich in einer ehemaligen Mieterwohnung meines 1911 erbauten Fachwerkhauses. Da gerade die Modernisierung ansteht, haben wir uns nun an den Abbau der Innenwände mit Gipskartonstyroporplatten gemacht und entfernen diese . Mittlerweile sind wir nun am Mauerwerk angekommen und haben mit Schrecken festgestellt, dass die Wandstärke nur 140mm beträgt. Unser Energieberater hat uns eine Holzdämmfaserplatte mit einer Stärke von 80mm empfohlen. Wobei uns diese ein bisschen abschreckt ,da diese Wohnung auch als Mieterwohnung wieder genutzt werden sollte. Und wie soll man einen Mieter erklären das er an den Außenwänden nichts befestigen kann.

Gibt es vielleicht auch andere Möglichkeiten für eine zuverlässige , fachgerechte Innendämmung? Liebe Grüße



Befestigungspunkte einbauen



"Und wie soll man einen Mieter erklären das er an den Außenwänden nichts befestigen kann."
Wer behaupten denn sowas?
An eine mit Holzweichfaserplatten gedämmte Wand kann man durchaus Bilder und ähnlich "leichte" Gegenstände aufhängen. Sogar ohne Dübellöcher bohren zu müssen. Nägel halten zwar nicht, aber gewöhnliche Spanplattenschrauben kann man, sogar ohne Dübel, einfach reinschrauben.
Für schwere Gegenstände, wie z. B. Bücherregale, Vorhangstangen, Heizkörper, usw., kann man in die Dämmplatten Holzleisten oder schmale Bretter einlassen, die durch die Dämmung in der Wand verschraubt werden. Diese "Montagehilfen" werden dann mit eingeputzt. Daran kann man dann die schweren Dinge aufhängen.

Den Mieter übergibt man als verbindlichen Teil des Mietvertrags Pläne mit den eingezeichneten und bemaßten Befestigungspunkten, damit sie sich einerseits orientieren, andererseits im Nachhinein nicht reklamieren können.

Eine 80mm-Innendämmung auf einer Fachwerkwand sollte individuell berechnet sein! Ab 60 mm Dicke kann es zu Tauwasserproblemen kommen!

Gruß,
KH



Vielleicht so.



Eine Holzkonstruktion aufbauen dazwischen mit Steinwolle Verlegen anschließend mit OSP - Platten befestigen danach Rehgipsplatten zum Schluss SM 700.



Vielleicht aber auch so gerade nicht



Die OSB, als unbestimmte Dampfbremse, die noch dazu in der Regel schlecht anzuschließen ist, sollte nur der Praxiserfahrene Innenausbauer verwendet werden. Mineralwolle ist nicht kapillaraktiv udn es muss sichergestellt sein,d as in diese Konstruktion vond er Außenseite auch keine Feuchtigkeit eindringt sonst säuft sie ab und es entsteht ein Schwammbefall, der das Fachwerk zerstört.

Kleiner Hinweis noch ....
Das häßlichste Reh auf einer Fachwerkbaustelle ist das Reh-Gips. :-)
Eine bekannte GKB der Fa. Saint-Gobain hat den Markennamen Rigips.

Um dem Ersteller seine Frage zu beantworten - wenn eine Innendämmung aus Holzfaserplatten nicht gewünscht oder angeraten ist, haben wir beste Erfahrungen mit einer Konbination aus HWL (Sauerkrautplatte) und einem Dämmputz auf Kalkbasis gemacht.

Alles Gute für das Haus - M.Mattonet



Re: Konbination aus HWL und Kalkdämmputz



@ Markus Jetzt möchte ich auch mal wieder etwas Neues dazu lernen. ;-)
Diese Kombination kenne ich (auch) noch nicht.
Wie ist denn da der Wand- bzw. Schichtenaufbau beginnend auf der "nackten" Fw-Wand? Bzw., wozu dient die HWL-Platte? Als "belastbare Oberfläche" auf dem Dämmputz?

Gruß,
KH



Reh



Aktuell ist das ganze Baumaterial so teuer, ich überlege schon eine Stampflehmwand zu stellen aber da brauch ich ja imense Wandstärken. Eine Lehmgrube ist zwei Dörfer weiter und Hanfschäben habe ich auch noch hier rumliegen.

Alleine 60m2 Holzfaserdämmplatten benötige ich für den Spaß.



Stampflehmwand



Stampflehm ist kein Dämmstoff! Stampflehm ist ein hochverdichteter sehr grobkörniger Lehm, Rohdichte bis ca. 2400kg/m³, ähnlich Beton, der auch zu tragenden Wänden verwendet wird. Hanfschäben sind da nicht drin.

Gruß,
KH




Hanfkalk

Gemeint ist hier ein (leichter) Hanf-Stampflehm.

Das kann man machen. Ich würde besser zu Hanfkalk raten.

Auch dieser lässt sich bauseitig herstellen und kann so individuell auf das Projekt konfektioniert werden. Wenn man bereit ist etwas Eigenarbeit zu leisten und etwas Zeit für den Baufortschritt hat, könnte das eine preiswerte Lösung sein.

Man muss ein paar Sachen beachten. Das ist aber nicht das Problem. Wen ernstes Interesse besteht, Thüringen ist nicht so weit weg. Ergibt sich die Möglichkeit vor Ort mal Rat und Tat zu leisten oder eine Hanfkalkbaustelle zu besuchen. Dann kann man das mit den Händen schnell begreifen.

Bild: zwei Ausführungsvarianten "in-situ" gemischt und in eine Gleitschalung eingefüllt und verdichtet. Oder vorgefertigte Blöcke "trocken" vermauert.



Wäre auch eine Lösung



Hallo Mario, ich bin da für alles offen und die Wohnung steht leer. Bin froh das ich die Mieterin los bin.

Du kannst dich gerne per E-Mail bei mir melden unter christian.mickel@web.de

Liebe Grüße



Begriffsklärung zur Innendämmung



Da schon Verwirrung wegen falsch verwendeter Begriffe entstanden ist eine kurze Begriffserklärung, auch für zukünftige Leser:
Stampflehm ist per Definition ein besonders schwerer, hoch verdichteter, rein mineralischer Lehm, in der Regel mit einer sehr breiten Sieblinie. Darin kann bis zu sehr grobem Schotter enthalten sein.
Mit Stampflehm können tragende Wände gebaut werden.

Zur Innendämmung verwendet man eine möglichst leichte Lehmmischung. Dazu können als Leichtzuschläge Stroh, Hanfschäben, Holzhackschnitzel, Hobelspäne, Sägemehl, Perlite, Blähton, Blähglas, und ähnlich leichte Materialien verwendet werden. Eine solche Leichtlehmmischung wird als Vorsatzschale vor eine zu dämmende Wand gebaut. Dabei wird die Mischung entweder in eine Schalung gefüllt und nur so leicht verdichtet dass die Mischung in sich verklebt und nach Abbau der Schalung nicht zerfällt.
Bei einer solchen Leichtlehm-Vorsatzschale ist die maximale Dicke von ca. 15 cm einzuhalten, damit die Trocknung nicht zu lange dauert. Vor allem bei der Verwendung von organischen Leichtzuschlägen kommt es sonst, vor allem im Inneren der Schale, zu Schimmelbildung und/oder die Zuschläge beginnen zu verrotten.
Das Risiko von Schimmelbildung/Verrottung ist bei Verwendung von Kalk statt Lehm als Bindemittel wegen dessen hoher Alkalität geringer.
Der Dämmwert einer solchen Vorsatzschale ist einerseits abhängig vom Raumgewicht der Mischung, andererseits von der Verdichtung beim Einbau. Wobei niemals der Dämmwert "moderner" Dämmstoffe erreicht werden kann. D. h., um den gleichen U-Wert zu erreichen muss eine Vorsatzschale viel dicker werden.

Vorsatzschalen machen m. E. nur da Sinn wo eine extrem krumme, schiefe, unebene Wand auch gleichzeitig begradigt und/oder deren Oberfläche in die Senkrechte gebracht werden soll.

@Christian, konkret zu deinem Eingangsbeitrag:
Zum Einen, wenn du eine solche Vorsatzschale möglichst kostengünstig einbauen und dazu den Lehm aus der Grube zwei Dörfer weiter verwenden willst, achte darauf dass er sehr fett ist. Je fetter der Lehm umso leichter kann die Mischung werden. Im Idealfall, wenn der Lehm so fett ist, dass du ihn fast nicht mehr von den Finger gewaschen bekommst, kannst du ihn zu einer recht dünnflüssigen "Plörre" anrühren, die du mit der Gießkanne über die Schäben gießt und anschließend das Ganze vermischst. Mache sicherheitshalber zuerst einen Probewürfel, lasse diesen komplett durch trocknen (evtl. im Backofen beschleunigen) und teste dann die Festigkeit der Mischung. Je magerer der Lehm ist umso mehr musst du rein mischen und umso schlechter wird der Dämmwert.
Da eine Dämm-Vorsatzschale extrem porös ist, kann man an ihr auch nur sehr schlecht Gegenstände befestigen.

Gruß,
KH