Innendämmung im Altbau/Bauernhaus (Bj. 1922) sinnvoll und womit ??

22.02.2014 fheidi



Hallo und danke an alle, die hilfreich zur Seite stehen.
Wir haben ein Bauernhaus, Baujahr 1922, erworben, außen Sandstein, unverputzt (Lothringer Bauernhaus). Soll auch so bleiben. Also keinesfalls Außendämmung.
Nun beschäftigt uns die Frage, ob eine Innendämmung sein muss/soll und was sie bringt. Das Haus soll weiter (oder wieder) atmen können (haben unzählige Lagen Tapete, Farbe, Putzschichten, z.T. Styropor entfernt).
Wenn Dämmung, womit? Kalziumsilikatplatte, Holzfaserplatte, Schilf, Hanf, ...? Sind ja alles feuchtigkeitsaufnehmende Materialien - was ja sehr gut ist, aber damit nicht wirklich Dämmstoffe. Wenn sie feucht werden, ist doch die Dämmung minimiert? Sind diese Stoffe nicht eher zur Feuchteregulierung / Schimmelbekämpfung gedacht?
Ich denke, dass in so einem Haus die Schimmelbekämpfung nicht im Vordergrund steht. Es wird eh nicht alles voll abgedichtet, auch die Fenster nicht (wurden vor 20 Jahren 2-fach verglaste eingebaut, denke, die tun da ihr´s).
Also, wenn Dämmung sinnvoll wäre, was harmoniert? Geht auch Kalziumsilikatplatte mit Lehmputz?? Die Holzfaserplatte ist mir nicht ganz sympathisch, der Gedanke, wenn die feucht werden würde und gammelt... Vielleicht tue ich der aber unrecht?
Zu Lehm sagt mein Bauchgefühl 100 % ja. Kalkputz ist auch o.k.
Aber wie geht was sinnvoll zusammen?
Nicht zuletzt ist so ´ne Isolierung der Innenwände (nur die nach außen liegen) auch ein erheblicher Kostenfaktor. Reicht auch ein dicker Putz, der ja auch die feuchtigkeitsregulierende Wirkung hat?

Ich danke für hilfreiche Anntworten und Erfahrungen !!!



Innendämmung im Altbau/Bauernhaus (Bj. 1922) sinnvoll und womit ??



noch ein Foto dazu:



Wanddämmug



Um Sie zu beruhigen: Wände atmen nicht, können also auch nicht ersticken. Atmende Wände würden Ihr Problem vergrößern, weil dadurch eine unkontrollierte Konvektion von warmfeuchter Innenluft in die Wandkonstruktion stattfinden würde. Die versucht man auf jeden Fall zu vermeiden, weil an den kalten STellen der Konstruktion die Luftfeuchtigkeit kondensiert (... kalte Wasserflasche im Sommer draußen ...)

Der Putz auf einem Mauerwerk ist keine ästhetische Maßnahme der BAuwerksverschönerung, sondern ist der Wind- und Schlagregenschutz, ohne den auch eine Natursteinwand bei ungünstiger Witterung durchfeuchten kann.

Das Problem Ihrer ungedämmten Sandsteinwand ist, das diese Wand einen äußerst geringen Wärmedämmwert hat. Bei einem richtigen Winter (-10°C Außentemperatur) hat eine 50cm dicke Sandsteinwand gerade einmal knappe 11°C auf der Innenseite. Die 20°C warme Raumluft von 55% Luftfeuchte (Normalbedingungen) erreicht bei ziemlich genau diesem Wert ihren sog. Taupunkt, bei dem die Feuchte kondensiert (... kalte Wasserflasche im Sommer...)

Wenn diese Feuchte sich über einen längeren Zeitraum ansammelt, ohne ausreichend abtrocknen zu können, wird Schimmelwachstum begünstigt.

Es geht bei einer Bauteildämmung darum, solche Punkte (Wärmebrücken) zu entschärfen, die Taupunktunterschreitung zu vermeiden und den "Behaglichkeitsfaktor" für den Nutzer zu erhöhen. Die Temperatur auf der Innenseite der Außenwand sollte max. 2-3°C unter der der Raumluft liegen, da man sich sonst unbehaglich fühlt und von der Wand abrückt.

Die Bauteildämmung, über die Sie gerade nachdenken, soll also nicht in erster Linie ein Maximum an Heizenergie sparen, sondern den Gebrauchswert des Hauses für Sie erhöhen und Bauschäden durch Feuchteakkumulation vermeiden.

Es ist richtig, das auffeuchte Bauteile einen zunehmend schlechteren Wärmedämmwert haben. Deshalb steht der Feuchteschutz des Bauwerks an erster Stelle bei den Maßnahmen zur Bauwerkssanierung. Dazu zählt ggf. auch ein Außenputz oder eine andere Form der Wandbekleidung. Feuchte Bauteile können nicht gedämmt werden.

Deshalb muß in Ihrem Zusammenhang auch die Abdichtung des Mauerwerks gegen aufsteigende Feuchte im Sockel- oder im erdberührten Bereich überprüft werden.

Die von Ihnen genannten Dämmstoffe unterscheiden sich nicht nur in ihrem Wärmeleitwert, sondern auch in der Diffusionsoffenheit bzw. dem kapillaren Leitvermögen für Feuchtigkeit. Dämmstoffe, die nur diffusionsoffen sind, wie z.B. Mineralwolle, aber nicht kapillar leitfähig, können auskondensierte Feuchitgkeit nicht wieder kapillar an den Raum zurücktransportieren. Sie feuchten bei ungünstiger BAuteilkonstruktion auf, bilden einen Nährboden für Schimmel und verlieren ihren Dämmwert.

Holzfaser- und CalSi-Platten sind diff.offen und kapillar leitfähig und für eine Innendämmung geeignet. Sie können in Lehm oder Kalkputz nach Herstellerangabe verlegt werden. Auch ein sog. Wärmedämmputz ist generell möglich, hat allerdings ein deutlich schlechteren Wärmedämmwert (50%) als die vorgenannten Dämmstoffe.

Lehm in jeglicheer Form scheidet allerdings aus, wenn die Wand auch nur ansatzweise eine erhöhte Dauerfeuchte aufweist. Lehm bindet nicht chemisch ab und verbindet sich auch nicht mit dem Untergrund. Feuchter Lehm fällt ihnen von der Wand.

Bei all diesen recht komplizierten Zusammenhängen sollten Sie sich keinesfalls auf ein "Bauchgefühl" verlassen, sondern auf eine fachkundige Beratung zur MAterialwahl und zu dem , für die jeweilige Bauteilsituation, richtigen Bauteilaufbau.

Eine Innendämmung ist recht kostspielig, sollte also gut überlegt sein und dann auch richtig konzipiert und fachkundig ausgeführt werden. Sie kann dann den Wohnwert deutlich erhöhen.



Da gibt es kaum



noch etwas hinzuzufügen...
...außer der Tatsache, dass Wärmedämmung prinzipiell auch noch Wärme dämmt und damit die Heizkosten reduziert.
Bei Eurem Haus fallen ein paar Sachen auf, die nicht unbedingt mit der Frage zu tun haben...
- Die Fassadenbelüftung ist ungewöhnlich ausgeführt
- Die Montage der Fenster ist eigenartig
- Die Dachentwässerung ist nicht optimal

"Wohnt" das Haus in D-Land?

MfG,
sh



Innendämmung



Ich vermute das die Löcher mal die Gerüstriegel aufgenommen haben und offen geblieben sind. Bei gebundenen Stangengerüsten wurden die Riegel einfach auf die Wand gelegt und drumherum weiter nach oben gemauert. Bei Gerüstabbau wurden sie herausgezogen. Normalerweise wurden diese Löcher dann zugemauert.
Der Dachüberstand dieses vermutlichen Sparrendaches ist sehr gering; die Fassade kann also, je nach Bewitterung, schlagregenbelastet sein. Eine Innendämmung ist hier problematisch, ich halte deshalb einen Außenputz für sinnvoll. Ohne Putz ist die Gefahr von eindringendem Schlagregen über die Fugen nicht auszuschließen.
Die Ansicht dieses Hauses ist ohnehin nicht mehr orginal und von den Proportionen her nicht besonders gelungen. Die Fenster sehen scheußlich aus.
Das Minimum wäre ein Schweißputz, damit könnte man die Fugen schließen und die Struktur des Mauerwerkes durchscheinen lassen.



Lehm oder Kalk - Isolierung Trierer Bauernhaus?



Erst einmal lieben Dank für die Antworten!!
Das Haus steht in der Nähe von Trier. Es ist seit einem Jahr unbewohnt, davor wohnte ein älterer Herr dort, der lang nichts mehr am Haus gemacht hatte.
Dach lassen wir neu eindecken, auch das Regenwasser soll ordentlich weggeführt werden (läuft z.T. an der Hauswand runter). Das Haus hat 2 Gewölbekeller, diese sehen trotzdem noch gut aus (Wasser kann in Rinnen ablaufen, gibt kein Schimmel oder Salpeter dort).
Fenster sind 1992 reingekommen, 2-fach verglast. Passen nicht zum Haus, das stimmt wohl. Über ein Auswechseln denken wir nach, wäre aber eher wegen der Optik.
Die "Löcher" in der Fassade waren für das Gerüst, das denken wir auch.

Zur Dämmung:
Klar darf nicht nur das Bauchgefühl zählen!
Nur gibt es eben sehr unterschiedliche Meinungen der Fachleute. Und so versuche ich zu sondieren...
Dabei möchten wir soweit möglich Naturbaustoffe einsetzen, wie sie auch jetzt in dem Haus vorkommen (sind z.B. Lehmdecken da) - und der Baustoff Lehm sagt mir schon zu - angenehmes Raumklima, Aufnehmen von Feuchtigkeit, ...
Lehm ist kein Dämmstoff, ja. Aber vielleicht eine Dämmplatte davor?
Insgesamt gibt es zu Dämmung ja auch sehr unterschiedliche Aussagen. Bis hin zu gar nicht dämmen.
Aber wie du schon sagst, es soll natürlich ein Wohlfühlklima erreicht werden!
Wenn das Haus, die Wände beheizt werden, verlagert sich da nicht den Taupunkt ins Mauerwerk, da die Innenwand doch Wärme aufnimmt?
Danke für weitere Infos!
LG, Heidi



Leisten Sie sich ...



... doch einen wirklich geeigneten Gebäudeenergieberater, der gemeinsam mit Ihnen all diese Fragen im Detail und in Varianten besprechen kann.

Wenn Sie versuchen, diesen ganzen FRagenkomplex ausschließlich mit Internetinformationen und Forenbeiträgen zu klären, kommen Sie nicht wirklich weiter. Dazu ist die Materie, wie gesagt, zu komplex.

Die meisten dieser Fragen lassen sich eindeutig baukonstruktiv oder bauphysikalisch beantworten. Ob die Antwort akzeptiert wird, hängt natürlich auch vom jeweilige Weltbild des Fragestellers und dem "Realitätsfilter" ab.

Der GEB kann Sie auch zu eventuell gewünschten Fördermöglichkeiten beraten oder zur Frage der passenden Heizung.



Energieberater Altbau Wämedämmung



Ja, da haben Sie vollkommen recht.
Die Analyse und Beratung vor Ort ist maßgeblich und muss sein.
Das haben wir auch getan.
Nur ist das dann eben EINE Aussage, und ich möchte diese Aussage zumindest verstehen und nachvollziehen können.
Ein anderer meint wieder was anderes. Ist auch legitim. Sich auf EINE Beratung zu verlassen, könnte auch falsch sein.
Ist wie in der Chirurgie. Der eine Arzt operiert den Bandscheibenvorfall, der andere setzt Krankengymnastik ein.
Beides vielleicht o.k.
Und ich bin mir einfach unsicher und nehme gern die Hinweise in diesem Forum an.
Und bin mir immer noch nicht sicher, ob ich eine Wärmedämmung innen aufbringen soll, oder nicht...



Innendämmung und Lehmputz oder Kalkputz



Hallo nochmal.
Immernoch etwas Unschlüssigkeit...
Bin ja gegen eine Dämmung innen an den nach außen liegenden Wänden nicht abgeneigt, erscheint ja irgendwie sinnvoll.
Trotzdem sträube ich mich ein wenig, da irgendein Dämm-Material an die Wand zu kleben, und bin mir auch nicht sicher, welches.
Früher haben die Leut mit bestem Gewissen Styropor dran geklatscht, welchen wir heut wieder abnehmen und den Kleber runterspachteln.
Am liebsten würde ich nur Lehmputz (oder auch Kalkputz) an die nun endlich sauberen Wände packen. Ist kein Dämmstoff, ja.
Würde denn eine Mineralstoffplatte davor viel bringen, wäre das sinnvoll?
Wenn es echt was bringt, würde ich es gern machen, aber ich bin mir da nicht im Klaren.
Will ja auch keine kalte Bude haben.

Habe Ratschläge von Fachleuten -auch vor Ort, am Objekt- eingeholt. Aber die haben mir z.B. auch das trockenlegen des Kellers empfohlen, 2m tief ausbaggern. Und da bin ich jetzt schon weg von. Ist ein Gewölbekeller, der als Keller genutzt werden soll. Darf/soll also feucht sein. Haben mal den Ablauf der Dachrinne von der Hauswand weggelegt und die aufgeschüttete Erde am Haus weggenommen - Steine sind trocken. Zieht nichts nach oben.
Hat jemand Erfahrung in einem Sandsteinhaus (unverputzt), Bewohner oder Fachmann?

Vielen Dank für eure Ratschläge/Ideen !