Innendämmung Fachwerkhaus

25.06.2018



Hallo, ich bin neu hier und habe eine Frage zur Innendämmung unseres alten Fachwerkhauses.
Man hört von mehreren Leuten, tausend verschiedene Meinungen zur Innendämmung. Also das Haus ist über 100 Jahre alt, ist außen verkleidet mit Bretterschalung, Dachpappe und Schiefer. Innen ist ein 12er Fachwerk mit Lehm und z.t. Tonziegeln ausgemauert. Der alte bröckelige Putz kommt noch runter.
Ein Kumpel welcher ebenfalls baut, mauert 17,5er Gasbeton und hinterfüllt diesen, ein anderer macht Isover und Gipskarton davor....
Nun habe ich den Bauarbeiter meines Vertrauens gefragt und dieser hat das durchgerechnet mit Taupunkt usw und meinte das mir durch anfallendes Kondenswasser mein Fachwerk weg faulen könnte. Er empfiehlt mir eine Dämmung mit Holzfaserdämmplatten 120mm Stärke, weil diese diffussionsoffen sei und zusätzlich einen sehr guten Dämmwert hätte.

Und nun habe ich noch eine weitere Meinung und weiß nicht so recht worauf ich was halten soll...
Vielleicht kann ich mir von euch ein paar gute Ideen holen.

Gruß RK



Wieso eigentlich Innen?



Falls du vorhast, das Haus so instand zu setzen, dass es außen weiterhin verschalt ist (Holz oder wie auch immer), dann wäre es doch auch möglich eine Außendämmung anzubringen.

Soweit ich weis wird dadurch das Tauwasser-Problem auf der Wandinnenseite nebensächlich.
Innen dann vielleicht "nur" verputzen? (Frage an die echten Experten)



Warum so viel



KfW akzeptiert eine U-Wert von 0,8 bei energetischer Sanierung im Denkmal. Auch sonst geistert diese Zahl mit 4-6 cm Isolation durch die Publikationen. Dieses wurde auch schon in entsprechenden Studien evaluiert.

Das mit dem Tauwasseranfall konnte nicht bestätigt werden und liegt in der Natur des häufig angewendeten Glaser Verfahrens. Darauf wird auch besonders bei u-wert.net immer wieder hingewiesen. Ich habe mich für mein Bauvorhaben mit den entsprechenden Publikationen des Fraunhofer Instituts und der Fachhochschule Rosenheim auseinandergesetzt.

Vorwandinstallationen mit Gipsfaser und Mineralwolle benötigen eine einwandfreie Dampfbremse die im Fachwerkhaus nur sehr schwer realisierbar ist. Dasselbe dürfte auch für eine Vormauerung gelten, da im Hohlraum Wasserdampf kondensieren kann.

Ich jedenfalls habe mich an die vorgeschlagenen 4 cm Isolation gehalten. Teilweise habe ich darunter die unebenen Wände mit 2-6 cm Lehm ausgeglichen.

Übrigens war bei mir eine Wand in den 1970er Jahren mit alukaschierter Glaswolle und Gipsfaser von innen isoliert worden. Es konnten keine Probleme festgestellt werden. Das Fachwerk war trocken und ohne Schaden. Möglicherweise liegt dies aber daran, dass das System von innen und von außen austrocknen konnte und so über das Jahr hinweg keine Kondensfeuchtigkeit auftrat.



Antwort



Ok, vielen Dank für die Antworten.
Mit der Außendämmung wird es nicht werden. Das Haus ist 22m lang und die vordere Hälfte ist bereits saniert worden. Da es komplett verschiefert ist, möchte ich mir dann auch nicht die Ansicht verderben.
Ich werde jetzt noch einmal nachfragen, ob die 4 bis 6 cm ausreichen. Aber grundsätzlich ist das mit diesen Holzfaserdämmplatten wohl eine gute Sache?
Der Giebel des Hauses soll mit 36er Poroton hochgemauert werden, da ich große Fenster einbauen möchte. Kennt ihr da jemanden der Interesse an alten Fachwerk hat?



Fachregeln


Fachregeln

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Lieber RK
Vielleicht helfen dir die eindeutigen Fachregeln weiter. Im WTA Merkblatt 8-5-18/D werden die verschiedenen Formen der Innendämmungen mit Ihren Vor- und Nachteilen ausführlich dargestellt und die wichtigsten Grundregeln erläutert.

Bezug:
http://wta-international.org/fileadmin/Gesch%C3%A4ftsstelle/Schriften/Bestellformular_Merkbl%C3%A4tter_18-05-23.pdf

Gruß aus Franken

L. Parisek



Verein



ist beim Fussball gut, aber bei solchen Endscheidungen?
Das ist einer unter vielen.
Wenn ich lese, dass man für ein Papier, dessen Inhalt man nicht kennt und daher nicht beurteilen kann, bis zu 125€ hinblättern soll, denke ich ein Architekt / Energieberater kostet auch nicht mehr und den kann man fragen, wenn man etwas nicht verstanden hat.
btw: Quedlinburg, München und Pfaffenhofen, habe ich einen Ort vergessen? sind der Sitz des Vereins.
Mit der Suchmaschine deines Vertrauens wirst du andere Seiten finden, wo du dich informieren kannst, zum Beispiel hier. Einfach die Suche nutzen.

Klaus



Meinungen



Ja lieber Klaus, auch die DIN Normen werden von einem "Verein" erstellt, haben jedoch höchste nationale Bedeutung als Fachregeln und sind oft das Richtscheit bei juristischen Auseinandersetzungen.
Ähnlich ist es bei den WTA Merkblättern, die werden von der international tätigen "Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V." (kurz WTA) herausgegeben. Das sind keine dünnen, substanzarmen Merkblättchen mit Inhalten die irgendwelchen Herstellerinteressen dienen, sondern substantielle, mühsam erarbeitete Texte die für die Sanierungspraxis eine Orientierung geben sollen. Ich arbeite nunmehr unter erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand seit vielen Jahren an der Erstellung solcher Merkblätter mit, wobei sich eine Merkblatterstellung meist über Jahre hinzieht, viele Reisen und Hotelübernachtungen kostet, dann redigiert und schlussendlich für Einsprüche auch noch ein halbes Jahr ausgelegt wird.

Diese Merkblätter werden nunmehr seit 40 Jahren von langjährig tätigen Arbeitsgruppen erarbeitet. Die Arbeitsgruppenmitarbeiter arbeiten vollkommen unentgeltlich und kommen aus den Bereichen der Praxis, des Sachverständigenwesens, der Denkmalämter und der Forschung.
Die ca 80 Merkblätter aus den Themenbereichen Holzschutz, Oberflächentechnologie, Naturstein, Mauerwerk, Beton, Bauphysik, Statik und Fachwerk füllen inzwischen drei große pralle Ordner.
Jeden der sich mit der Sanierung von Gebäuden befasst, sollte diese Hilfe in Form geballten Fachwissens zur Hilfe nehmen. Statt einen ersten Berater mit einigen hundert Euro zu bezahlen, hat man hier ein riesiges Gremium hochkompetenter Fachleute aus dem Bereich der Gebäudesanierung. Das in meinem Beitrag erwähnte Merkblatt kostet 25 €, daher erscheint mir eine schriftliche Beratung zu dem angefragten Thema für 25 € doch recht günstig. Übrigens kostet kein Merkblatt 125 €, dies ist vielmehr ein Preis für ein Sammlung von Merkblättern zu einem Fachthema (hier Holzschutz). Wer sich wirklich ernsthaft und dauerhaft mit Gebäudesanierung befasst, kann sich die drei fetten Ordner auch gleich gesammelt für ein paar hundert Euro besorgen. Da hat er dann schon einmal für überschaubares Geld einen kompetenten Berater permanent im Regal

Ich habe in meiner beruflichen Praxis gelernt, dass es wichtig ist über den eigenen Tellerrand zu schauen. Dies heißt aber auch, teure Fachbücher kaufen, Fachartikeln hinterherjagen, finanz- und zeitzehrende Tagungen und Seminare besuchen, Fachkollegen aufsuchen, an Foren teilnehmen und auch sich mit konträren Ansichten anderer Kollegen auseinandersetzen.
Die Entscheidung was ich bei der Ernte dieses Wissens für wichtig und richtig halte bleibt natürlich immer bei mir, aber ohne diesen Prozess der Offenheit und Lernbereitschaft wären meine Entscheidungsmöglichkeiten wirklich spärlich.

Gruß aus Franken

Lutz Parisek



Verein



ist der TÜV.
Doch die sind haftbar wenn die etwas in den Sand setzen.
Bei diesem Verein kauft man ein Stück Papier, ohne zu wissen, ob es zu dem Problem bzw Aufgabenstellung passt und dann kommt dazu:
Wissen wir ob der TE das was da geschrieben steht auch versteht?
Daher der Hinweis, wenn er unsicher ist sich einen Fachmann hinzu zuziehen.

Regelmäßig bekomme ich die neuen / geänderten VDE Vorschriften und habe Probleme diese zu verstehen, obschon ich das Fach studiert habe und seit gefühlt tausende Jahre damit zu tun habe.
Seit ich hier instandsetze und renoviere habe ich mehr als 40t € in den Sand gesetzt, weil ich auch dachte man kann alles Wichtige sich anlesen und / oder mich auf die falschen Fachleute verlassen habe.

Dem TE wünsche ich viel Erfolg

Klaus