Innendämmung Fachwerk

03.02.2019 csordel



Hallo zusammen,

ich habe ein altes Fachwerkhaus dessen Baujahr ich auf ca. 1850 schätze.

Leider gibt es keinerlei Dokumentation, es ist nur bekannt, dass es ursprünglich wohl als Wohnhaus der Forst für Waldarbeiter gebaut wurde.
An Material wurde nicht gespart, es sind 20 cm starke Eichenbalken als Ständer verwendet worden.

Zuletzt wurden vermutlich 1962 Umbauarbeiten vorgenommen. Hier wurden Bretter innenseitig auf die Balken genagelt und Heraklithplatte (sog. Sauerkrautplatten) darauf angebracht.

Ich habe jetzt alles von den Wänden entfernt, so dass nur noch die Balken und die ausgemauerten Gefache zu sehen sind.

Ich möchte jetzt beim Wandaufbau inkl. Dämmung so wenig wie möglich falsch machen und verhindern, dass an dem Fachwerk Schäden in Form von Schimmel entstehen.

Ich habe mir vorgestellt auf den Fachwerkbalken eine Unterkonstruktion aus Dachlatten anzubringen, darauf dann 6 cm starke Holzfaserdämmplatten, darauf 1,8 cm OSB-Platten und schließlich als letzte Schicht 1,25 cm Rigips. Schließlich hat sich der vorherige Aufbau mit den Sauerkrautplatten auch über Jahre und Jahrzehnte bewährt.

Die Wände mit Ausrichtung Ost und Süd sind von außen so gut wie nie Schlagregen ausgesetzt und zwischen Mauer- und Fachwerk sind einige kleinere Setzrisse im mm-Bereich.

Ich hab das Scenario bei ubakus.de durchgespielt. Was mir wichtig ist, ist dass kein Tauwasser entsteht und die Dämmung recht passabel ist.

Hat jemand Bedenken bzgl. Schimmelbildung an der von mir angestrebten Herangehensweise?

Für Hinweise jeglicher Art wäre ich dankbar!



Innendämmung Fachwerk



Hallo!

Ja ich habe Bedenken! :-)

Die einzigen, denen dein Aufbau nutzen würde, wären die Hersteller deines Platten-Tetris.

Mein Ratschlag: such dir Leute, die Erfahrung mit Innendämmungen im Altbau haben. Jemanden, der alles plant, und jemanden, der die Ausführung übernimmt oder dich dabei betreut.

Ich selbst bin der Meinung: wenn überhaupt eine Innendämmung benötigt wird dann sollte sie so natürlich und einfach wie möglich gehalten werden. Außerdem denke ich, dass eine Dämmung entweder zu nahezu 100% perfekt ausgeführt werden sollte... oder garnicht. Irgendwas dazwischen ist eine Verschwendung von Zeit und Geld.

Viele Grüße

Lehmbauer Marc



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Ich melde auch Bedenken an.
Die Sauerkrautplatte funktioniert in der Regel gut, hat aber relativ schlechte Dämmwerte. Sie ist auch in keiner Weise zu vergleichen mit einer OSB-Platte & Gipskarton. Der Einsatz einer OSB-Platte im Wandaufbau ohne die Notwendigkeiten der Beachtung der Randbedingungen und die dringende Notwendigket die Anschlüsse fachgerecht auszuführen ist nicht ratsam.
Deswegen ist dies im DIY-Bereich nicht empfehlenswert weil ein großes Schadenspotential vorhanden ist.

Lieber mal hier suchen oder in die WTA-Merkblätter rein schauen und einen sinnvollen Wandaufbau wählen. Beste Grüße - M.Mattonet - Ingenieurbüro Bergisches Land




P.S.: Wenn man schon U-Wert.net/Ubakus arbeitet, was durchaus sinnvoll ist für Systeme die mit dem Glaserverfahren greifbar sind, sollte man auch das Kleingedruckte zum Fachwerk bei Ubakus lesen.



Homogen, kapillar, sorptionsfähig



Die Eigenschaften die eine Innendämmung aufweisen muss, nicht sollte, sind:
homogen, kapillar, sorptionsfähig.
Dies ist allgemein anerkannte Regel der Technik.
Schauen Sie sich die von Ihnen gewählte Konstruktion unter diesem Aspekt an und entscheiden selbst.
Wenn Ihnen dies nicht zweifelsfrei gelingt oder Sie dabei Fragen haben - tun Sie sich und Ihrem Fachwerkhaus den Gefallen und ziehen einen Fachberater hinzu der Ihnen bei der Planung hilft.
Immer unter dem Aspekt: homogen, kapillar, sorptionsfähig.
Gruß aus dem lippischen



Fachliteratur



Ich hatte das Problem auch und habe mich erst einmal eingelesen. Das sogenannte Glaser-Verfahren ist eine Vereinfachung zur Berechnung von Wärmedämmung. Herr Plag formuliert deutlich, dass dieses die Vorgänge in einem Fachwerkbau nicht abdecken kann.

Laut Ubakus müsste bei einer Dämmung mit kapillaraktivem Material wie Holzweichfaser, Mineralschaum oder Calciumsilikat das Wasser schon fast die Wand herunterlaufen. In der Praxis kommt so etwas nicht vor und dies ist auch die Vorgehensweise wie sie von der Fachliteratur vorgeschlagen wird und im Feldversuch mehrfach getestet wurde. Dagegen soll laut Ubakus mit einer vollständige Dampfbremse mit Folie oder OSB kein Tauwasser entstehen. In der Praxis zeigt sich aber, dass gerade im Fachwerk eine derartige Dampfbremse nur sehr schwer realisiert werden kann. Dagegen sind die bei ihnen geplanten Hohlräume hinter der den Holzfaserdämmplatten nur sehr schwer in Griff zu bekommen.

Es muss dabei nicht zu Schäden kommen, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Ich hatte bei mir so ein Konstrukt mit löchriger Dampfbremse und es war schadenfrei. Die Literatur zeigt aber andere Fälle und so würde ich in jedem Fall bei den bewährten Konstruktionen bleiben.

Ich habe bei mir die Wand eben mit Lehm verputzt, darauf Holzweichfaserplatten und darauf wieder Lehm. Der begleitende Bauphysiker war einverstanden. Dieses System wird als Grundlage in vielen Publikationen genannt. Entstehendes Tauwasser wird immer vollständig abgeführt und die Ausgleichsfeuchte von Lehmputz ist niedriger als die von Holz, womit (in der Regel) keine schädliche Feuchtigkeit an den Balken entsteht. Es muss darauf geachtet werden, dass von außen nicht zu viel Feuchtigkeit in den Aufbau kommt. Aber das ist etwas, was beim Ubakus so weit ich weiß, nicht in die Rechnung aufgenommen wird.

Entsprechende Aufbauten mit Kalkputz werden in der Literatur ebenso beschrieben.



Innendämmung



Ich habe auch Bedenken:
Zur Funktionsweise von Innendämmungen:

Aufgrund des Dampfdruckgefälles will die warme
gesättigte Luft immer auf die kalte Seite.
Der „Motor“ ist die Temperaturdifferenz.
Irgendwann trifft sie auf die „kalte Wand“ und es
kommt zur Wasserdampfkondensation.
Es entsteht Wasser in flüssiger „Tröpfchenform“ und
es entsteht WÄRME.
Dieser „Nebel“ wird von den diffussionsoffenen,
kapillaraktiven Dämmstoffen schadensfrei
eingelagert.
Das ist der erste Feuchtefluss. Siehe Kühlakku.
Der zweite Feuchtefluss beruht auf Kapillarität und
verläuft genau entgegengesetzt. Siehe Zuckerstein
berührt Kaffee.
Die Feuchtigkeit verdunstet nach innen und es
entsteht KÄLTE.
Da im Winter immer etwas Kondensat in der
Dämmung verbleibt, gibt es im Winter einen
„latenten“ Wärmegewinn.
viele Grüße
Robert Göbel