Dämmung und Heizung- gibt es einen gemeinsamen ( kleinsten?) Nenner hier unter den Fachleuten?

28.11.2012



War es immer schon so kompliziert ein Haus gut zu sanieren oder zu modernisieren?
Als unregelmäßiger Leser des Forums bietet sich hier eine Fülle an Informationen an, die es manchen schwer macht eine gute und kluge Entscheidung zu treffen, mir zum Beispiel.

Gerne wird darauf verwiesen, sich als Laie doch bitte einen Berater vor Ort zu holen.
Ist das die alleinige Lösung? Die Fachleute sind alle unterschiedlich in ihrem Wissen und Erfahrungen.

Daher meine Frage, gibt es Eckpunkte, bei denen ein Konsens über die Maßnahmen möglich ist?

Oder eine Art Rangfolge für die einzelnen Maßnahmen bei einer Sanierung?

Vielleicht kann jemand mit meiner Fragestellung etwas anfangen.

Gruß



Sanierung



Liebe Anja,
manche Sachen sind eben kompliziert weil sie über eine hohe Komplexität verfügen.
Den A 380 zu entwickeln war aus demselben Grund auch kompliziert.
Diese Komplexität die sich aus vielen äußeren Einflußgrößen, den Zielvorstellungen und den materiell- technischen, finanziellen und rechtlichen Beschränkungen ergibt ist eben nicht so einfach mit einer Art Kochrezept abzuarbeiten. Es ist ein zuweilen mühsamer Optimierungsprozess, der einen immer wieder zwingt im Laufe der Arbeit vorherige Entscheidungen zu überdenken und neu anzupassen.
Nur im Fernsehen geht so was leicht und einfach, wenn smarte junge Architekten mit dem Laptop durch die Bude wedeln und schlaue Bauleiter alles in ein paar Tagen von lustigen Handwerkern erledigen lassen. Zum Schluß liegen sich alle samt dem Bauherren schluchzend in den Armen.
Ein schöner Brauch.

Gibt es Eckpunkte:
Ja, die gibt es. Es sind die allgemein anerkannten Regeln der Technik und der Handwerkskunst, also die Summe der praktischen Erfahrungen im Bauwesen der letzten paar tausend Jahre.
Gibt es eine Art Rangfolge:
Ja, die gibt es.
Ich habe zum Beispiel so etwas mal aufgeschrieben. Auf meiner Homepage finden sie dazu Näheres.

Viele Grüße



Erklärungsbedarf



guten Morgen Herr Böttcher,

habe mal auf Ihrer Seite gelesen, sehr informativ. Zu einer Aussage habe ich eine Nachfrage.

"Innendämmung sind nicht so sehr Mittel zur Heizenergieeinsparung,sondern heben die Innentemperatur der Außenwandflächen. Das verhindert nasse Wände und Schimmelbildung."

Dazu meine Frage: Wird denn nicht durch eine Innendämmung gerade verhindert, dass die Außenwandinnenseite erwärmt wird?

Denn weiter oben in Ihrem Text schreiben Sie es anders.( ... die gesamte Hüllkonstruktion befindet sich jetzt im kalten Bereich....)

Beide Aussagen stehen unter dem Oberbegriff Innendämmung.

Vielen Dank im übrigen für Ihre Antwort.
Ich denke, dass es "früher" einfacher war ein Haus zu bauen.

Für mich stellt sich auch immer die Frage, was will ich damit erreichen und was brauche ich wirklich. Dazu gehört auch, das eigene Komfortdenken zu hinterfragen.
Muß ein Haus in der kalten Jahreszeit in allen Räumen so temperiert sein, dass ich barfuß und im T-Shirt herumlaufen kann?
Oder investiere ich in eine (hoffentlich funktionierende) Dämmung um meine zukünftigen Heizkosten zu minimieren und nicht so abhängig von der Preisentwicklung zu sein, oder spare ich mir die Dämmung um die zukünftigen Preissteigerungen tragen zu können?

einen schönen Tag wünsche ich Ihnen,
Gruß



Innendämmung



Mit der Innenseite der Außenwand meine ich die Fläche die NACH DEM AUFBRINGEN DER INNENDÄMMUNG vorhanden ist. Das ist die Fläche um die es geht. Durch eine Innendämmung wird die Temperatur der Fläche angehoben und so die Gefahr von Kondensatausfall verringert.
Innendämmung bedeutet das sich die Hüllkonstruktion, also genauer gesagt das was sich zwischen INNENDÄMMUNG und AUSSENLUFT befindet, im kalten Bereich liegt. Die Innendämmung, falls sie das macht was sie machen soll, beschränkt nämlich den Wärmetransport von innen in die Hüllkonstruktion. An der Grenzschicht zwischen vorhandener Gebäudehülle und der neuen Innendämmung vollzieht sich ein Temperatursprung, eine K- Ebene ist entstanden. Normalerweise würde hier Raumfeuchte, die von innen entweder durch Diffusion oder durch Konvektion (also mit Innenluft) auskondensieren. Damit das nicht passiert muß man spezielle konstruktive Maßnahmen ergreifen.
Natürlich können Sie auf Sanierung verzichten und so weiterleben wie bisher; also entweder frieren oder mehr Geld für Energieträger ausgeben.
Bauen oder Sanieren heißt immer einander manchmal entgegengesetzt wirkende Eigenschaften miteinander zu kombinieren. Das geht nur durch Kompromisse, durch Abwägungen jeder einzelner Komponente und deren Wechselwirkungen.
Sie können auch einen alten Benziner mit 8 oder 9 Litern Super/100 km Verbrauch weiterfahren, um das Geld für einen neuen Diesel zu sparen, der nur 5 Liter/100 km verbraucht.
Auch hier hängt die Entscheidung nicht nur allein von einer Einflußgröße ab, sondern von vielen, die es abzuwägen gilt.


Viele Grüße