Welche Innendämmung?

11.03.2012



Liebe Forumsmitglieder,

ich wende mich heute an euch, da ich gern ein paar Ratschläge bzgl. einer Innendämmung hätte. Es handelt sich um eine einfache Außenwand, welche aus Hohlblocksteinen und Vollziegeln gemauert ist, also kein Fachwerk. Innen wurde bei Erstellung der Wand in den 1950ern schon ein dünne - ca. 2-3 cm dicke - Heraklithplatte (´Sauerkrautplatte) angebracht. Diese ist dann verputzt.

Ich habe mir 2 Varianten überlegt:

1. Lehmziegeln vormauern - Ich habe noch viele 800er Vollsteine übrig, die ich hierfür nehmen könnte. Leichtzuschlag ist hier Stroh.

2. Ständerwand mit 100er Holzfaserdämmung.

Nun meine Frage: Da an einen Teil der Wand Küchenhängeschränke montiert werden sollen, bin ich mir über die Tragkraft nicht ganz schlüssig. Halten das die Lehmsteine aus? Wenn es Ständerwerk wird, was nimmt man als tragfähigen Wandabschluss. Eine OSB-Platte ist ja dann doch nicht so wirklich diffusionsoffen. Wenn ich eine Holzweichfaserplatte draufschraube ist die aber nicht tragfähig. Oder ist bei dieser Variante am besten die Sache mit der Tragfähigkeit über den Unterbau zu lösen? Also neben der Ständer in entsprechender Höhe Riegel anzubringen?

Generell beschäftigt mich noch die Frage(n) was sich generell besser für den Nutzungsraum Küche eigenet - Ständerwand oder Vormauern oder eine ganz andere Variante? Sollte auch eine Dampfbremse mit rein? Wenn ja, auch an die Decke. Wie ist es mit den Sauerkrautplatten: dran lassen oder runter damit? Generell sind die ja nicht schlecht.

Das waren nun doch wieder eine ganze Menge Fragen. Eventuell könnt ihr mir Helfen etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Besten Dank vorab!



noch ein Bild



zum genaueren Wandaufbau.



noch ein Bild



zum genaueren Wandaufbau.



Eine Innendämmung ...



... sollten Sie nur dann vorsehen, wenn es keine -baukonstruktive|planerische|gestalterische- Möglichkeit für eine Aussendämmung gibt.

Eine Innendämmung ist bauphysikalisch kompliziert auszuführen mit zahlreichen Möglichkeiten, Fehlstellen|Wärmebrücken|Kondensationspunkte einzubauen, die zur Feuchte- und Schimmelproblematik führen können.

Eine Innendämmung muss als Konzept lückenlos im gesamten Haus realisiert werden. Eine raumweise Innendämmung macht keinen Sinn.

Lehmsteine 800 sind kein Dämmmaterial, weil sie einen zu hohen Wärmeleitwert haben (l= 0,25 W/mK statt z.B. Holzfaserdämmplatte l=0,04 W/mK).

Die Herkalithplatten dienen in gewisser Weise als Innendämmung, obwohl ihr Wärmeleitwert mit l=0,075 W/mK im Grenzbereich dessen liegt, was man als Dämmung bezeichnen kann. Sie dienen in der Hauptsache als Putzuntergrund zur Rissvermeidung auf nicht homogenem Mischmauerwerk. Die Platten können an der Wand bleiben, obwohl sie nicht bzw. gering kapillaraktiv sind. Wenn´s am Übergang von der Platte zur Wand keinen Feuchtestau oder Schimmel gibt.

Generell gilt für Innendämmungen: sie müssen hohlraumfrei sein, kapillaraktiv, diffusionsoffen. Also keine vorgesetzten Hohlwandkonstruktionen. Holzfaserdämmplatten müssen hohlraumfrei in Lehm angesetzt werden und nicht einfach im Ständerwerk vor die Wand.

Folien in Form von Dampfbremsen oder -Sperren sind zu vermeiden. Ihre Funktion kann vom Hersteller meist nicht länger als 6 Jahre garaniert werden. Verarbeitungsfehler und BEschädigungen beim Einbau sind die Regel und führen nach 1-2 Heizperioden zu Kondensatbildung in der Konstruktion durch Konvektionsströme.



eine Innendämmung mit Ihren Leichtlehmsteinen



sowie ca 10cm TEX-BIS Leichtlehmschüttung (lambda-Wert 0,07 W/mK) ist eine bauphysikalisch sinnvolle Möglichkeit. Damit der gesamte Außenwand-Aufbau kapillaraktiv wird, müßten Sie noch die Sauerkrautplatten entfernen. Dann wäre noch eine LehmWandheizung zu empfehlen. Die Heizrohre können Sie gut in Lehmputz einbetten.



Nachtrag



Danke für die bisherigen Antworten!

Für diese Wand ist leider keine Außendämmung geplant. Da ich hier die gesamte Fassade dämmen müßte, wobei der genutzte Wohnraum jedoch nur einen kleinen Anteil an dieser Fassade besitzt. Der Nutzen im Vergleich zu den entstehenden Kosten ist hier gering oder gar nicht vorhanden. Man könnte die Wand dann auch belassen, wie sie bisher ist und die höheren Heizkosten in Kauf nehmen.

@ Herrn Schillberg: Weshalb sollte zwischen Außenwand und Vormauerwand noch die Leichtlehmschüttung? Nur für die Verbesserung der Dämmung oder gibt es noch einen anderen Grund?
Eine Wandheizung ist leider nicht vorgesehen, da der Großteil der Wand wieder mit Küchenmöbeln verdeckt werden wird. Daher auch die Frage nach der Tragfähigkeit der Materialien.



damit der Wandaufbau homogen



und vor allem kapillaraktiv bleibt wird die Leichtlehmfüllung eingebaut. So kann anfallende feuchte abgeleitet werden, es entsteht kein Feuchtestau (welcher im Taupunktbereich sehr problematisch werden könnte,und bauschäden verursacht.



noch 'ne Idee



Je mehr ich über dieses Thema nachdenke, desto mehr Ideen fallen mir ein. Da es sich hier ja nicht um Fachwerk handelt, sondern normales Mauerwerk aus Hohlblocksteinen, müßte es doch auch möglich sein mit Porenbetonsteinen vorzumauern. Diese könnten dann ebenfalls noch hinterschüttet werden oder eine dünne Holzfaserplatte dazwischen gestellt werden. Wie siend hierzu die Meinungen der Fachleute?

Danke!



Blähton-Steine



Wir haben ne Innenschale mit Blähton-Steinen vorgesetzt. Spalt zum Bestandsmauerwerk wurde mit gebundener Blähtonschüttung verfüllt.

Anschließend wirde innen mit Lehm verputzt.



Porenbetonsteine haben leider eine sehr hohe Gleichgewichtsfeuchte,



bieten auch keinen Schallschutz.Die Holzweichfaserplatte würde viel Tauwasser erhalten. Da wäre die Blähtonsteinvariante zusammen mit der Lehmvorsatzschale die bauphysikalisch bessere problemlösung.