Innendämmung - Bausubstanzbeanspruchung durch erhöhte Temperaturgradienten???

25.01.2011



Hallo liebe Leute,

Nach viel lesen, rechnen und abwägen hat sich eine neue Frage bei mir aufgetan.
Ich bin allen Unkenrufen zum Trotz der Ansicht, daß man mit guter Planung, diffusionsoffenem Wandaufbau, Schlagregenschutz, ordentlicher Lüftung und ggf. Wandtemperierung sich der Taupunktproblematik erwehren kann.

Was geschieht allerdings langsfristig mit den alten Balken? Die Innendämmung führt nach meinem physikalischen Verständnis zu extremeren Temperaturen im Balkenbereich, ob im Winter oder im Sommer. Die Temperaturdifferenz, die die Balken über das Jahr aushalten müssen wird folglich höher.
Wenn sich nun das Material stärker ausdehnt und wieder zusammenzieht, öffent man damit nicht strukturellen Schäden Tür und Tor? Oder ist der Effekt vernachlässigbar?

Wenn mir jemand etwas vorrechnen möchte, bitte her damit. Ich habe meine verschüttete Liebe zur Physik wiederentdeckt :-)

Beste Grüße aus dem Taunus

Jan





Das ausdehnen durch Temperaturdifferenzen können Sie vernachlässigen.
Wenn die Balken derart hoher Feuchtigkeit ausgesetzt sind das diese Schäden durch quellen und schwinden verursachen sollten Sie sich der Problematik der Holzzerstörenden Pilze annehmen.

Grüße aus Schönebeck





Danke für die beruhigende Antwort.
Ich würde nur zu ungern im Falle einer möglicherweise anstehenden Dämmaßnahme die Bausubstanz durch einen reinen Temperatureffekt zerstören. Jedenfalls solange die anderen Bedingungen in Ordnung sind.
Dann kann ich ja weiterplanen :-)

Nochmals danke



Solage die Konstruktion trochen



bleibt passiert nix. Problematisch wiord es bei einer dauerhaften Überfeuchtung.

Die Fachwerkonstruktionhat sich in diesem Zusammenhang seit Jahrunderten bewährt.

Wichtig ist das die verwendenten Baustoffe ein hohes Trocknungspotential haben, auch ein Wandtemperierung kann da sehr hilfreich wirken.

Grüße aus Koblenz Gerd



Wie früher!



Jan,

mach Dir mal klar, dass es in den Bauernhäusern früher im Winter auch kalt war. Die zentrale Feuerstelle in der Mitte hat das Haus innen ca. 6 Grad wärmer gemacht als außen.

Wenn die Balken das früher ausgehalten haben, dann sollten sie es jetzt auch können.

Gruß
Wolfgang



Holzdehung



Nach DN 1052 kann auf den Nachweis der Temperaturdehnung bei Holz verzichtet, bzw. mit der gegenläufigen Bewegung aus Feucheaufnahme oder Trocknung verrechnet werden. Diese wiederum kann beträchtlich sein, allerdings eher bei frischem Bauschnittholz, nicht bei langgetrocknetem Bauholz, speziell Eiche.



Rechnen oder ver-rechnen



Man kann sich auch vor lauter Zahlen und Formeln und technischen Werten gehörig verrechnen.
Dann nämlich, wenn man an das Zahlenwerk glaubt und die Realität vernachlässigt.
Dann, wenn Sie ein Rechen-Schenie sind, sollten Sie das mal übers Jahr rechnen und zwar im Sonnenverlauf an allen Seiten des Gebäudes.
Und nicht nur "Annahmen" annehmen!

Eine Anekdote zum Rechnen und Be-rechnen (bzw Ver-Rechnen).
Ich kannte mal ein Pärchen, bei dem beide einen Dr. med vor sich her trugen und Ihr Leben nach aller Möglichen Werten lebten. Kalorien, Sport, Blutdruck, Periode, Mondphasen, Bett gehen, aufstehen, schrieben Bücher und waren richtig gescheite Leute.
Sie waren von Ihrem Dasein und Lebenswandel so überzeugt, dass sie den Koitalen Zeitpunkt zum 2. Kind nach "wissenschaftlichen" Beweisen (oder Annahmen) so legten, dass es ein Bübchen werden musste, damals war das mit dem Ultraschall noch nicht so üblich (Gott sei dank) und die Überraschung war gross, als das Mädchen dann auf die Welt kam!
Verrechnet!

Lassen Sie das mit Ihrem Fabel für Physik und lassen Sie das mit der Innendämmung - ist immer ein Risiko, weil Sie Balken in der Konstruktion haben.
Bei Massivwänden können Sies machen - hilft Ihnen trotzdem nichts.

… die ich rief die Geister, werd ich nun nicht los …
heissts dann in naher oder ferner Zukunft

FK



Für den der sich mit der Innedämmung nicht auskennt und dazu keine Erfahrungen hat stellen



diese Konstruktionen ein Risiko dar.

Für den, der sich seit fast 20 Jahren mit leichten Innendämmung aus Naturdämmstoffen beschäftig und eine Fülle von schadensfreien Referenzgebäuden vorweisen kann eine Chance.

Grüße





Hallo Jan,

selbstverständlich ist ein diffusionsoffener Wandaufbau mit maßvoller Innendämmung möglich, die Ausdehnungseffekte sind zu vernachlässigen. Wandtemperierung, Schlagregenschutz etc. wurden schon angedacht. Das mit dem gewünschten Vorrechnen geht nicht ohne Wand-/Dachaufbauten oder Denkmalschutzproblematik zu kennen. Problempunkte lassen sich am Besten vor Ort erkennen.

Der Teufel steckt leider wie immer im Detail, an den Anschlusspunkten Schwelle, Dachanschluss, Deckendurchgänge etc. Alles keine Punkte zum basteln, aber auch keine zum Verzweifeln.

Ein Bauherr der sich mit der Materie und der Bauphysik beschäftigt und somit zum konstruktiven Austausch bereit steht, ist mir jedenfalls immer lieber, als aus undifferenzierten Betrachtungen resultierende, zeitweise überstürzte Entscheidungen, deren Auswirkungen oft nur schwierig zu beseitigen sind.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer





Hallo,

allen beruhigenden Stellungnahmen kann man unbedingt zustimmen:
Holz, das jahrzehntelang eingebaut ist, hat gezeigt, dass es schadlos Temperaturdifferenzen von mehr als 70 Grad C aushält (schwarze Eiche auf Südseite).
Und mit Innendämmungen,maßvoll ausgeführt, ggfs. auch beheizt, wächst allmählich auch die Erfahrung der Anwender.

Grüße vom Niederrhein



Die Gleichsetzung...



...der Berechnung koitaler Aktivitäten und bauphysikalischer Berechnungen zur Innendämmung wird Ihnen wohl ebenso lächerlich vorkommen wie mir.

Ich stimme Gerd zu, ein Selbstversuch ist risikobelastet, hier wäre die Firma mit Erfahrungen und Referenzobjekten vorzuziehen. Für Eigenleistungen gibt's sicher noch andere Spielwiesen am Haus.