Innendämmdrama im "Teilfachwerkhaus"

30.01.2016 danny



Hallo zusammen,

ich wohne in einem alten Fachwerkhaus, Baujahr war nicht zu ermitteln wird aber den Erzählungen nach mindesten 150 Jahre alt sein. In den 50/60er Jahren wurde im Erdgeschoss die Außenwand durch Porenbetonsteine ersetzt. Vor ca. 10 Jahren habe ich das Erdgeschoss komplett saniert und aufgrund der Gebäudehöhe (3 Stockwerke)nur das EG von Innen gedämmt, ein Stockwerk steht leer, das andere vermietet daher keine Maßnahmen angedacht. Aufbau heute von außen nach innen im EG:
Farbe, Mineralischer Putz, Gewebe, alter Putz, Porenbetonstein ca. 35cm tief, 10 cm Mineralwolle, Ständer, Dampfsperre, OSB, GK. Die Konstruktion hat bisher einwandfrei funktiioniert und wie sich heute bei der Erkundung von oben gezeigt hat ist alles dicht und keine Feuchtigkeit oder Schimmel in der Dämmung zu sehen.
Nun zum Problem... Die Sanierung im OG für einen einzelnen Raum gestaltet sich nun nicht so einfach, die Wände sind noch Fachwerk ca. 20-25cm stark, Putz ist innen komplett ab, da er sehr lose war und soll mit Leichtlehmputz eingeebnet werden vor der Dämmung. Der Plan war mit Innendämmung fortzufahren. Da die Beiden Außenwände sehr unterschiedliche Stärken haben stellt sich mir die Frage wie das mit der Dämmung im Gefach aussehen soll und wie ich die Luftdichtigkeit zwischen den beiden Innendämmungen herstellen soll, die Innendämmung vom EG würde die im OG um >10 cm überagen und wäre von der Ebene her dann "mitten" im Raum. Oben 20cm dämmen wird ja auch keinen Sinn machen...

Viele Grüße Daniel

PS: Eigentlich ist es nicht meine Art als ersten Beitrag in nem Forum gleich Hilfe zu erwarten, aber ich weiß an der Stelle trotz vielen Stunden Online Recherche und div. Gesprächen mit Fachleuten nicht recht was ich machen soll...



Anhang



Bild 1
zu sehen ist zwischen den Balken noch die Dämmung vom EG die sehr weit in den Raum ragt aufgrund des Außenwandstärkeunterschied



Anhang



Bild 2
und hier noch ne andere Perspektive



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Skizze... zugegeben, ne schlechte Zeichnung. Werd das die Tage mal noch im CAD maßstabsgerecht nachreichen



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oh... und hier noch ein Foto vor dem Dämmen im EG an der Stelle. da seh ich gerade auch, dass neben den Porenbetonsteinen auch Ziegel verwendet wurden beim Umbau in den 50ern



Wanddämmung



Zum Anschluß der Dampfbremse:
Zuerst das Deckenauflager unter den Deckenbalken etwas auskratzen, dann einen Streifen der Dampfbremse hineinschieben und den Schlitz von unten verschließen (alternativ oben mit der Wand verkleben oder verspachteln).
Danach die Dampfbremse nach vorne ziehen, anschließend das Deckenprofil der Ständerwand anschrauben.
Ständerwand aufstellen, OSB Platte aufschrauben, Dampfbremse von oben auf die OSB-Platte kleben, Stöße und Seitenränder der Platten verkleben.
Eine Zusätzliche Dampfbremse ist nicht notwendig.
Als Dämmung Zellulose, Holzfaser- oder Hanfplatten verwenden, da die kapillaraktiv sind- in engem Kontakt zur Außenwand verlegen.
Mineralwolle ist das nicht und gibt Feuchtigkeit nur schwer wieder ab.

Oben kann dann genauso gedämmt werden
Zuerst eine durchgehende Putzschichten auftragen falls außen nicht einwandfrei verputzt sein sollte.

Balken entweder durch seitliche Laschen reparieren oder komplett erneuern. Das sieht nach einer Sparversion von Dippelbaumdecke aus.

Andreas Teich



Warum?



Warum nur ein so schönes Fachwerk mit einer Dämmung, welche gleich null bringt verschandeln?

Ein Haus muss atmen können, und wenn du es in Watte und Folie einpackst kann es das nicht mehr.
Experten berichten, dass eine Fasadendämmung realistisch gesehen in der Theorie maximal 5-10% Energieersparnis bringt.
in der Praxis sieht es meistens anders aus, da das Haus keine Solarenergie mehr aufnhemen kann und die Fasaden schnell anfangen zu schimmeln.



Dämmung



@Herr Teich, danke so die richtung könnte ich mir das vorstellen. Was ich nur noch nich ganz verstehe ist die Geschichte mit den Balkenköpfen. Wenn ich z.B. das Material von Rigips anschaue heißt es man soll eine dünnere Thermoplatte in der Gefachebene einbauen um einen Dämmeffekt zu haben aber gleichzeitig genug Wärme an den Balkenkopf zu lassen um die Feuchtigkeit darin zu regulieren. Sollte ich den Balken nun in voller stärke in die Dämmlage mit einbinden ist es ja in Teilbereichen der kalten Temperatur voll ausgesetzt....

@Matthias, im Grunde richtig. Aber das Haus ist nicht überall so schön wie in der Ecke, der Holzwurm ist im Dachstuhl kräftig am Werk, viele Holzteile wurden über die Jahre hinweg entfernt was die Standsicherheit aus heutiger Sicht in Frage stellt und die Hausmitte ist um 30-40cm in Kaminnähe abgesackt, was eine Komplettsanierung in Zukunft sehr teuer werden lässt. Für mich geht es im Moment nur darum möglichst einfach aber trotzdem wirtschaftlich ein Zimmer als Büro für meine Selbständigkeit als übergangslösung auszubauen. Ich denke in 10-15 Jahren wird das Haus entweder trotz allen wiedrigkeiten saniert oder abgerissen.



Möglichkeiten



1. Udi Inreco. Verputzbare Holzweichfaser, Sandwich auf Holzflex und festerem Material, wird an die Wand geschraubt und sitzt dadurch satt an.

2. Kreuzrost, dazwischen Zellulose im Nassverfahren aufsprühen. Bitte Suche bemühen, das habe ich hier einmal mit Fotos beschrieben.



Fachwerkinnendämmung Gebäude `atmet' ???



Hallo danny,
Auch wenn sich Rigips zur Begründung der Dämmplatte zwischen den Sparren nicht äußert vermute ich eher,
dass die der Meinung sind, dampfbremsende Dämmungen sind hier besser-
die wollen natürlich als Hersteller auch ihr eigenes Material verkaufen.

Grundsätzlich aber Balkenköpfe auf Feuchtigkeit oder Schädigungen überprüfen, Konvektion muß vermieden werden, wobei kapillaraktive, diffusionsoffene Dämmstoffe den Vorteil haben, Feuchtigkeit schnell wieder abgeben zu können- bei teilweiser Südausrichtung der betreffenden Wände nach innen und außen.

Kälte selber ist den Balkenköpfen, wie jedem Holz, völlig egal- das gesamte Fachwerk ist den Außentemperaturen ausgesetzt.
Probleme tauchen auf, wenn das Gebäude 'atmet`, wie Matthias angeregt hat- sofern damit Undichtigkeiten in der Gebäudehülle gemeint sein sollten.

Diese sind auch nur dann problematisch, wenn innen und außen unterschiedliche Temperaturen mit unterschiedlichen Feuchtegehalten vorliegen-
früher wurden Häuser viel weniger beheizt, es gab keine Bäder und WC`s im Gebäude, Wäsche wurde draußen gewaschen, gekocht wurde über offenem Feuer oder im Holzherd mit reichlich Luftabzug, Fenster mit Glasscheiben hatten nur Reiche, bzw kamen erst in späteren Jahrhunderten auf.

Innentemperaturen und Feuchtegehalt der Luft waren wesentlich geringer und es gab reichlich Luftzug.

Für das Gebäude super- für die Bewohner weniger,
aber die hatten eh nur eine geringe Lebenserwartung.

Kurz gesagt: feuchte, warme Innenluft darf nicht bis an die im kalten Bereich liegenden Balkenköpfe vordringen wo sie kondensieren kann.
Deshalb sollen Luftdichtungen/Dampfbremsen in diesem Bereich sorgfältig angeschlossen werden.

Andreas Teich