Innenausbau Badezimmer

27.03.2016 TobiasMueller



Hallo zusammen,

wir wollen unser Bad renovieren und derzeit mache ich mir Gedanken um den richtigen Aufbau des Innenbereichs. Das Bad hat auf einer Zimmerseite die Dachschräge, in die ein großes Dachfenster eingebaute wird. Der Rest der Schräge wird gedämmt, bekommt eine entsprechende Dampfsperre und wird mit Rigips verkleidet. Die weiteren Innenwände sind Ständerbauweise und werden wieder mit Rigips verkleidet wie es jetzt auch schon der Fall ist. Daraus ergibt sich die erste Frage:
Die drei genannten Wände sollen nur verputzt werden. Habt ihr da einen Tip für eine vernünftige Herangehensweise auf di GK-Platten?

Die letzte Wand ist die Außenwand. Diese ist derzeit ebenfalls durch ein vorgebautes Ständerwerk inklusive Rigipsplatten verkleidet, auf die gefliest wurde. Hier soll die gesamte Wand wieder verfliest werden, allerdings stellt sich mir die Frage ob die bisherige Konstruktion mit der vorgebauten Rigipswand nicht eher schlecht für die (Fachwerk-)Außenwand ist.
Wie seht ihr das? Bzw. was muss man da beachten?

Danke schonmal und Gruß,
Tobias



Badausbau



Rigips braucht nicht verputzt werden ER IST DER PUTZ.
Nur Fugen verspachteln und schleifen, dann Streichen oder tapezieren oder fliesen.
Wenn Sie putzen wollen nehmen Sie statt GK Heraklith als Putzträger oder putzen gleich die Wand, ohne Vorsatzgedöns.
An der Außenwand KEINE Vorsatzschale stellen, wenn Innendämmung dann hohlraumfrei und dampfdicht. Das geht z.B. mit Wediplatten.



Foto fragliche Wand



Hallo und danke für die Antwort.
In der Zwischenzeit habe ich die Außenwand freigelegt, siehe angehängtes Bild. Unter den Rigipsplatten mit Styropor ist teilweise nur die Ladung, teilweise OSB-Platten auf die die GK-Platten verschraubt waren.
Die Balken und die Füllung sehen sehr trocken und gut aus, daher frage ich mich ob das wirklich die schlechteste Lösung war. In dem Bad ist in den letzten 20-30 Jahren nichts gemacht worden...
Der für den Innenausbau engagierte Handwerker hat auch ein neues Ständewerk, grüne Rigipsplatten mit Styropor + eine wasserdichte Folie vorgeschlagen, da an der Wand eine Dusche sein wird.
Ist der vorgeschlagene Aufbau wirklich so schlecht?



Trockenbau



Das sieht entsetzlich aus.
Ich habe noch nie so etwas gesehen und das will was heißen.
Ein Gutes gibt es:
Die GK- Beplankung war luftdicht und der Mann hat immer ordentlich gelüftet.
Erst mal:
Aller runter.
Das Fenster muß ordentlich eingedichtet werden, also die Laibung auch raus, wahrscheinlich kommt das Fenster hinterher.
Danach eine neue, ordentliche Laibung einbauen (z.B. Wediplatten oder Aquapaneel).
Dann das was vom Putz übrig ist ausbesser so das möglichst eine luftdichte Innenfläche entsteht. Am besten alles neu putzen.
Nach dem Trocknen dann Rigithermplatten GKI mit 40 mm Dämmdicke hohlraumfrei aufkleben und eindichten.
Noch besser halte ich den Einsatz von Wedi- Bauplatten Standard hohlraumfrei aufgeklebt und zusätzlich verdübelt.





Das Fenster kommt raus und der Hohlraum wird vermauert.

Ja, das Ganze sieht sehr zusammengestückelt aus, die Mauer scheint insgesamt recht schief zu sein, daher wurde da wohl mächtig ausgeglichen.
Mich würde noch interessieren, warum der Vorschlag unseres Handwerkers so nicht gut ist. Was sind die Gefahren bei dem vorgeschlagenen Aufbau?



Nachfrage an Herrn Böttcher



Guten Tag Herr Böttcher,

vielen Dank für ihre Antwort, der Fensterausschnitt ist inzwischen vermauert (mit Porenbeton, auch wenn es dazu wohl geteilte Meinungen gibt).

Nun steht der Aufbau der Innenwand an. Unser Zimmermann rät uns ebenfalls zum kompletten neu Verputzen (sollte man dann die kümmerliche Reste des alten Putzes entfernen oder kann man anschließen?), mir stellt sich die Frage ob man dann die komplette Wand inkl. Balken verputzt? Welchen Putz sollte man verwenden?

Danach muss eine Fläche für die Schutzfolie und die Fliesen geschaffen werden. Sie schlagen Rigitherm oder Wedi-Platten vor, soweit ich das richtig verstanden habe sollen diese dann ohne Ständewerk direkt auf den Putz angebracht werden. Könnten Sie mir vielleicht kurz erläutern, warum dieser luftdichte Aufbau besser ist, als eine Zirkulation hinter eine Ständewand zu ermöglichen?


Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.



Innendämmung



Neuverputz zweilagig mit Kalkzementputz, dabei eine Putzbewehrung mit einbetten.
Hohlräume müssen mit einer Dampfsperre vom warmen Innenraum abgetrennt werden. Theoretisch machbar, in der Praxis ist das fraglich da nur eine geringe Fehlertoleranz besteht.
WENN
Innenluft im Winter in diesen Hohlraum einringt dann kondensiert die überschüssige Raumluftfeuchte an der kalten Wand. Das Luftvolumen verringert sich durch die Abkühlung- Unterdruck- weitere warme Luft wird nachgesaugt- Kondensat...
Bei undichter Außenwand kann Unterdruck durch Windbelastung entstehen, auch hier wird Luft eingesaugt.
Kein Hohlraum-keine Luft- keine Luftdruckunterschiede- kein Feuchtetransport.
Was bleibt ist Transport von Feuchte durch Diffusion und der ist bei den vorgeschlagenen Materialien vernachlässigbar.
Die beliebte Heimwerkeridee solche Hohlräume zu belüften damit sie austrocknen können ergibt eine Wandbewässerungsanlage mit angeschlossener Schimmelzucht.



Einfluss Dämmung Putz der Außenwand



Guten Tag Herr Böttcher,

vielen Dank für die schnelle Antwort und die Erklärung.

Ich habe eben noch einmal mit meinem Zimmermann gesprochen, er meinte ein Problem könnte die verputzte Außenwand sein. Laut seiner Aussage sollte der Wandaufbau insgesamt so sein, dass der Sd-Wert nach außen hin abnimmt, also immer diffusionsoffener wird. Sollte nun (bisher ist das nicht genau bekannt) die Außenwand auch mit Kalk-Zementputz verputzt sein, was würden Sie in diesem Fall dann vorschlagen?

Ich denke für den Innenausbau bleibt uns ja nichts anderes als der vorgeschlagene Weg übrig, sollte mann dann in absehbarer Zeit dann eine Erneuerung/Entfernung des Außenputzes nachdenken?



Außenwand



Gar nichts.
Kalkzementputz (PII) ist der übliche Verputz von Außenfassaden. Wenn er in Ordnung ist dranlassen.
Ihr Zimmerer sollte besser bei seinem Holz bleiben. Sie können ihn ja mal fragen wie hoch der Dampfdiffusionswiderstand (diffusionsäquivalente Luftschichtdicke) eines Außenputzes PII ist.



Frage zum Putz



Guten Tag noch einmal,

ich habe mit meinem Vater (Gipser/Maurer im Ruhestand, aber kein Erfahrung mit Fachwerk) über die fragliche Außenwand gesprochen. Er meinte, auf die Wand sollte erst ein Streckmetallgitter um die Haftung zu gewährleisten , dann könne er den Kalk-Zement-Putz aufbringen.
Muss bei dem Aufbringen des Putzes noch etwas beachtet werden? Kann direkt auf die Holzbalken geputzt werden oder sollte man beim Anbringen des Streckmetalls noch eine "Schutzschicht" über das Holz legen? Dazu gibt es in der weiten Welt des Internets wieder unzählige Meinungen...



Innendämmung



So langsam werden diese paar m² eine unendliche Geschichte.
Zum Diffusionswiderstand:
Wenn der Zimmerer ein wenig nachdenken würde dann merkt er das die von mir vorgeschlagene Innendämmung den höchsten Diffusionswiderstand des Wandaufbaues hat. Der rechnet sich übrigens wie folgt: diffusionsäquivalente Luftschichtdicke des Materials in Metern x Schichtdicke.
Der Ruheständler irrt sich gewaltig, Streckmetall ist ein PUTZTRÄGER und keine PUTZBEWEHRUNG. Putzträger ist überflüssig. Man kann ein Putzgewebe als Bewehrung einbetten. Das ist bei solchen Untergründen üblich, deshalb habe ich es nicht erwähnt.
Ich habe auch nicht erwähnt das auf der Bestandswand Flächen mit Gips gespachtelt sind, ich hoffe der Maurer weiß dann was zu tun ist.

Zur Welt des Internets:
Wenn Sie bei Ihrem Friseur die Kundschaft danach befragen werden Sie auch "unzählige" Meinungen hören, denn es gibt "unzählige" Einzelfälle zu denen Leute Ihre Erfahrungen einbringen oder einfach nur altklug auf der Tastatur herumtrommeln.
Für Sie sollte Ihr konkreter Fall zählen und nicht die Fälle anderer ES SEI DENN JEMAND HATTE DIE GLEICHEN KONSTRUKTIVEN VORAUSSETZUNGEN wie Sie.
Das halte ich für sehr unwahrscheinlich.



Danke und Entschuldigung



Guten Tag Herr Böttcher,

viele Dank für ihre erneute Antwort und ihre Geduld.

Ich möchte bei der Ausführung der Geschichte auf Nummer sicher gehen, weshalb ich eben hier die nötige fachliche Unterstützung suche, da dies offensichtlich bei den bisher beteiligten Handwerkern nicht dementsprechend ausgeprägt ist. Nun könnte man sagen "such dir andere" aber das ist leichter gesagt als getan.

Daher meine obige Frage zur Vorbehandlung der Balken (oder eben keine Vorbehandlung), da ich meine vorhandene Substanz nicht unnötig schädigen möchte.
Die Aussage meines Ruheständlers beruhte auf der Annahme, das ohne Putzträger keine genügende Haftung auf dem bestehenden Untergrund ermöglicht wird, um den Ausgleich der Schräge der Wand zu schaffen.

Noch einmal Danke für ihre Hilfe,

und Gruß aus dem Kraichgau,
Tobias

P.S: Anbei noch ein Bild der derzeitigen Zustandes



Innenputz



Bei einem Putzträger haftet der Putz AUF DEM PUTZTRÄGER UND NICHT AUF DER WAND: deshalb heißt ein Putzträger auch Putzträger. Bei den Höhenunterschieden wären ein Leichtputz angebracht, mit dem kann man größere Schichtdicken erzielen. Leichtputz als Höhenausgleich, darauf die Putzbewehrung (das Gitter kann auf die Balken aufgetackert werden, dann frisch in frisch die zweite Lage Putz drauf.
Der Gips muß vorher runter.
Die Fensteröffnung mit Porenbeton ausmauern, die Steine mit ein paar Metallwinkeln im Feld fixieren.