Innen und Außenwände verkleiden, wie richtig?

21.07.2019 1985 ThoWie



Hallo Liebe Community.
Wir haben ein großes altes (ca. um 1900) Fachwerkhaus gekauft und sind nun dabei es zu sanieren. Wir haben überall die Wände von dem alten Putz befreit sodass man jetzt das Fachwerk mit dem Lehm Gefache sieht. Die Balken sind sehr stark und in einen sehr guten Zustand.

Die Lehm Steine bzw. der Lehmputz steht innen etwa 2-3cm über. Ich möchte später eine gerade und winklige Wand haben. Ich hatte schon mal einen guten Freund gefragt der Häuser baut, wie ich den Wandaufbau am besten mache. Er meint, Lattung drunter dann dünne Dämmung, Dampfbremsfolie und dann Gipskartonplatten drauf. (Bad und Küche mit grünen Platten)

Meine Frage: ist es schlimm wenn man einen kleinen Hohlraum lässt zwischen alter Lehmwand und Gipsplatten. Oder so wie mein Freund sagte lieber mit Dämmung und Dampfbremsfolie und Gipskartonplatten.

Oder ich hatte noch an Lattung ohne Dämmung und Folie und mit Lehmbauplatten verplankt gedacht.

Wie bekomme ich einfach und kostengünstig Innenwände und Aussenwände ordentlich gerade ohne Lehmputz? Die Außenwände werden später noch von außen gedämmt. Wahrscheinlich mit Holzfaserdämmplatten.

Danke schon mal
Thomas





Hallo Thomas,

das sind in der Tat tolle Wände! So was naturbelassenes als Arbeitsgrundlage würden sich viele Fachwerkhausbesitzer wünschen :=)

Wenn du schreibst "Alten Putz entfernt", meinst du damit den urspr. Lehmputz? Deine Frage nach "einfach und kostengünstig" wäre damit nämlich beantwortet - einfach wieder mit dem gleichen Material verputzen.

Allerdings sind dann "gerade und winklig" eher Wunschdenken.

Was den Vorschlag deines Freundes angeht, weise ich darauf hin dass so ein Aufbau leider oft Grund für Bauschäden an Fachwerkhäusern ist. Man darf so ein Haus nicht mit einem Massivbau oder ähnlichem modernen Konstrukt vergleichen und schon gar nicht genauso bearbeiten. Kann funktionieren, wenn die Rahmenbedingungen passen, aber in vielen Fällen wird so ein Aufbau nur verwendet weil es eben "schon immer so gemacht wurde", weil viele Generationen Lehm dreckig, hältsowiesonicht und altmodisch finden und es das passende Material für Gipskartonkonstruktionen überall (im Baumarkt) gibt.

Vielleicht ist es im Gesamten preislich sogar teurer als es mit Lehm zu verputzen. (Gut, bleibt die Frage an alle Forumsexperten, ob eine Dämmung nötig ist, wie man die Kabel Unterputz verlegt, etc.)

Hohlräume zwischen Außenwand und Wasauchimmer solltet ihr vermeiden, ebenso ist eine Dampfbremsfolie nicht in jedem Falle bedenkenlos einzusetzen.

Lattung ohne Folie mit Lehmbauplatten beplankt ist hier sicher eine bessere Lösung, wenn dann als Abschluss ebenfalls mit Lehm / Kalk o.Ä. verputzt wird.

Ich bin sicher du findest hier im Forum viele Diskussionen und einige hilfreiche Ratschläge, die dir einen Ansatz bieten um genau die passende Lösung zu finden!

Viele Grüße
Alexander



Warum ?



Zitat:
" Allerdings sind dann "gerade und winklig" eher Wunschdenken. "

Ich denke, wenn jemand eine Lattung winklig und lotgerecht an die Wand montieren kann, der sollte es auch schaffen Putzleisten zu setzten.
Das ganze dann mit Lehm oder Kalkputz vollenden, wäre kostengünstig und für einen handwerklich halbwegs begabten machbar.

Viele Grüße
Hanno



Na,



"Lattung ohne Folie" v. "hohlraumfrei"? Da ist ja echt noch alles drin :-)

Ich würde auf (Gips- oder Lehm)platten und Latten komplett verzichten. Sie können am Fachwerk Quelle vielerlei Bauschäden sein.

Vorschlag: Hohlraumfreies Ansetzen von Holzweichfaserplatten (5cm sollten reichen) mit Lehm, Befestigen der Platten zusätzlich mit Tellerdübeln. Das kann mit Lehm verputzt werden. Zu prüfen wäre in diesem Zusammenhang, ob Ihr gleich noch eine Wandheizung mit einputzt. Ein besseres Raumklima als das durch eine Wandheizung erzeugte werdet Ihr wohl nicht finden.

Grüße

Thomas



Hallo.



Also eine Wandheizung soll nicht rein. Da später noch ein schöner Küchenofen und noch ein Kamin in die Stube kommt.

Ich möchte nur wissen wie man jetzt die Wände am besten bearbeitet damit sie "zu" sind. Ist Gipskarton oder Lehmbauplatten OK? Und was ist mit den Kleinen Hohlraum dahinter?

Danke



Weder der Kaminofen,



...noch der Küchenofen werden wohl dauerhaft betrieben werden (können). Wie lange wir wohl noch Holz verfeuern dürfen? Und wenn, mit welchem Aufwand? Wenn irgendetwas dauerhaft Konjunktur haben wird, sind das ständig neue Verbote, Einschränkungen und Verteuerungen. Darüber hinaus finde ich es entspannend, wenn die Wärme grundsätzlich ohne mein tägliches Zutun entsteht und ich nur dann den Ofen anmache, wenn ich Lust darauf habe. Aber das ist ja möglicherweise Geschmackssache. Der Aufwand jedenfalls, zusätzliche WH - Rohre mit einzuputzen, ist gering.

Der vorgeschlagene Wandaufbau ist hohlraum- und sperrschichtfrei und sehr gut diffusionsoffen. Es entstehen Flächen, die auch die nivelliert werden können. Funktioniert auch ohne WH. Hohlräume vor Fachwerkwänden sind immer problematisch. Selbst im gedämmten Zustand.

Grüße

Thomas



Hohlraum



Platten und Dampfsperre sind nur nach dem gängigen Rechenmodell tauglich. Die Einschränkungen des Rechenmodells findet man bei Ubakus oder in wissenschaftlichen Publikationen. Die Unterstützung von Folien, Mineralwolle, Gipskarton finden man leicht verständlich und gut aufbereitet bei den Herstellern, die dann auch für die Handwerker die Gewährleistung übernehmen. Da ist es klar warum dieses System auch bei den Handwerkern so weit verbreitet ist.

Ich habe bei mir nach langer Literaturrecherche, Diskussion mit Landesdenkmalamt und Bauphysiker für Lehmausgleich, 4 cm Holzweichfaster und Lehmputz entschieden. Jetzt nach 4 Jahre sieht immer noch alles perfekt aus.

Das wichtige ist immer, dass das System über das Jahr immer wieder komplett austrocknen kann. Deshalb ist auch Hohlraum und Folie nicht übermäßig gut im Zusammenhang mit Fachwerk. Immer wieder hört man von Bauschäden, da die Folien nicht dicht sind und gerade im Zusammenhang mit Fachwerk und durchgehenden Balken ist ein absolute Dichtheit der Dampfbremse kaum zu erreichen. Ich habe nur im Dachbereich die geforderte Dampfbremse eingebaut und habe beim Innenausbau genügend Stellen gefunden wo eine Dichtheit nicht mit Sicherheit garantiert werden kann. Ich vertraue da eher auf mein kapillaraktive Dämmung im System mit Holzweichfaser und Lehm.



Noch ein Gedanke:



Der Fachwerkbau ist nicht so steif wie ein Bauwerk aus Stein oder Ziegel.

Jede Bewegung aber, ob durch Sturm, Schwingen der Balkendecken beim Betreten, oder nur das Arbeiten des Holzes passt nicht zu den relativ steifen Platten / Unterkonstruktionen. Auch da ist also ein gewisses Schadenpotential vorhanden.

Grüße

Thomas



Ok



Danke für euer Feedback.

Also wie nun am besten mit den Wänden umgehen damit sie wieder glatt sind und schön aussehen?
Also ist eine Lattung und Lehmbauplatten darüber auch nicht so das wahre?



Hallo Thomas



ich weiß nicht um Deine Handwerklichen Fähigkeiten, aber im Prinzip hast Du alle Informationen welche Du brauchst um kostengünstig die Wände funktional zu verschönern.

Traust Du dir zu eine Wand selbst zu verputzen?
Wenn ja, 1 Tonne Sand, 0-2 mm, aus der nächstgelegenen Sandgrube ( kostet bei uns in der Region ca.25.- Euro), dazu ca. 3-4 Sack Weißkalkhydrat CL 80/ CL 90 (kosten bei uns ca 30.- Euro) und schon hast Du 1 Tonne Fertigputz ( Trockenmischung, Mischungsverhältnis 1 Teil Kalk + 3 Teile Sand ).


Das ganze kann man auch mit Lehm machen.
1 Tonne Sand, 0-2 mm, Lehmsteine aus Abbruch ( bekommt man oft kostenlos ), das wiederum im Verhältnis 1: 3 gemischt ( evtl. noch Stroh zumischen ) gibt ebenfalls einen gut verwertbaren Putz.
(Wobei man da etwas experimentieren und Probeflächen anlegen sollte.)

Oder Lehm / Stroh-Gemisch ( was jetzt so auch auf Deinen Wänden verarbeitet ist ) aus Abbruch organisieren und damit die Wände bergradigen.

Wenn das im Vergleich zu Sackware nicht "kostengünstig" ist, weiß ich auch nicht weiter.

Viele Grüße
Hanno



Lehmbauplatten...



...haben ihre Berechtigung - aber nicht an dieser Stelle. Kein Material ist "gut" oder "schlecht". Auch das schönste Material kann falsch und bauschädigend verwendet werden.

Löse Dich von der 2-dimensionalen Sicht: Flächen produzieren, verkleiden, abdecken... Die Wand muss als Ganzes betrachtet werden und in diesem Sinne ist eine Latten/Platten - Kombination nicht dienlich auf Fachwerk (wie auch an anderen Außenwänden).

Bei der vorgeschlagenen moderaten Innendämmung würde die angedachte Außendämmung verzichtbar.

Grüße

Thomas

@ Hanno

Und dem Pamps schmiert der Bauherr dann auch über die 2-3cm zurückstehenden Balken? Viel Erfolg zu wünschen wäre da purer Zynismus.



Vielleicht



muss man über die Umtände sprechen; selbst verputzen mit Lehm / Kalk etc. und insbesondere eigene Putzmischungen herstellen und experimentieren ist total cool und spannend und nachhaltig, ist aber auch fehleranfälliger und zeitintensiver als die Beplankung mit Plattenmaterialien, wenn man damit keine Erfahrung hat. Aber wie Thomas #2 schon schrieb, eine Wand sollte man schon als Ganzes im Blick haben , die ist ja trotzdem da und arbeitet wenn sie hinter Platten versteckt ist.

Spielt denn der Zeitfaktor bei dir eine Rolle, Thomas #1 ?



Aha



Also wenn ich das mal hier so lese ist das beplanken mit Gipskartonplatten oder Lehmbauplatten nicht wirklich sinnvoll.
Lieber sollte man die Wände wieder mit Lehm verputzen.

Muss ich sehen wie ich zurecht komme mit meinen Putzfähigkeiten die nicht so doll sind. Mal kleine Spachtelarbeiten, kein Thema aber ganze Wände verputzen ist leider nicht meine Stärke.

Zeitlichen Druck hab ich zum Glück nicht.