Taupunktberechnung Software

24.01.2006



Hallo Zusammen,

bei der (üblichen) Frage, wie man am besten ein Fachwerkhaus von innen dämmt, habe ich hier einiges gelesen. Einiges war für mich jedoch schwer nachvollziehbar, so dass ich mich selber an die Taupunktberechnung gewagt habe, von Hand und der u.g. Software.(Tipp: hier findet man kostenlos eine brauchbare Software: http://www.kalksandstein.de/cox_ksi/fach/index.htm )

Ich bin nach viel Spielerei zu folgendem Ergebnis gekommen:
Da sowohl Wärme als auch Feuchte von innen nach aussen wandert, kommt es zwangsläufig (praktisch immer!) zu einem Taupunktproblem, wenn die Wand inhomogen und diffusionsoffen aufgebaut ist. Will man innen dämmen und bei erträglicher Wandstärke (d.h. kleiner 0,5 m!)ein gutes Wärmedämmergebnis erzielen, komme ich an einer Dampfsperre (DS) nicht vorbei! -> sogar Styropor + DS erscheint dann sinnvoller als z.B. Holzfaserdämmplatten oder Zellulosefaser, Hanf o.ä.!(Raumklima mal beiseite)

Das Problem aus meiner Sicht: kriegt man eine DS auch wirklich dicht?! (Holz arbeitet...)

Hat mal jemand mit Erfolg ein Fachwerkhaus von innen gedämmt, eine DS verwendet und damit einen der neuen Norm entsprechenden Wärmedämmwert erzielt?

Warum ist die DS so verpönt? Gilt das nur für "Ökos" oder gibt es auch handfeste Bauphysikalische Gründe? (Ich finde keine, wenn man die DS möglichst weit innen, z.B. direkt hinter einer 2cm Rigipsplatte oder 2cm Rigips+5cm Styropor verlegt.)

Uli

P.S.: Vieleicht keine wirklich neue Frage, aber eine die neue und klarere Antworten verlangt.



In vielen Fällen



erfüllt man den Glaser-Diffusionsnachweis mit einer einfachen Dampfbremse. Rechnen sie z.B. folgende Konstruktion:
- 12,5 mm Fermacell
- 15 mm OSB
- 100 mm Zellulose
- 11,5 cm Ziegel (Gefache)
- Putz
Es kommt zwar zu einem Kondensatanfall, der aber problemlos wieder austrocknen kann. Die Sicherheit hierfür nimmt der Öko aus den Materialeigenschaften. Naturdämmstoffe sind in der Lage Feuchtigkeit zu transportieren. Hierzu gibt es auch Materialkennwerte, mit deren Hilfe man diese Dinge über Simulationsprogramme nachweisen kann (allerdings bekommt man diese Programme nicht umsonst, ich würde sagen ganz im Gegenteil).
Aber das Problem der Innendämmung liegt viel mehr in den Details und Anschlüssen.
Desweiteren ist zu beachten, dass die EnEv für Einzelbauteile nur dann Grenzwerte festgelegt hat, wenn in einem Altbau einzelne Bauteile bearbeitet werden. Wenn ein gesamtes Gebäude nachgewiesen und bearbeitet wird, kommt man in aller Regel mit geringeren Dämmstoffstärken aus. Vorraussetzung hierfür ist lediglich eine gute zeitgemäße Gebäudetechnik.



Danke,



ich versuchs mal.
Noch ein Hinweis (an Alle)zu dem oben angegebenen Link:
Als "Bau-Laie" kann ich nicht für die Brauchbarkeit der Software garantieren, zumindest bekommt man aber eine ganz gute Vorstellung von der Problematik.

Uli



Diffusionsoffene Konstruktion und Tauwasser kapillar abführen



Die sicherste Methode: Lehmfachwerk mit Lehm dämmen.
Ich stelle ein zweites Fachwerk dahinter, um die neuen Lasten aus dem Dach abtragen zu können, und fache das mit Lehmsteinen aus. Je nach dem, wieviel Platz ist, fülle ich eine Leichtlehmschüttung dazwischen. Vorher alle Kalk/Zementputze, Dreck und Ungeziefer entfernen, die Altgefache und ihre Fugen sauber reparieren, befallene Hölzer bebeilen oder austauschen etc.
mit diesem Wandaufbau entsteht die Funktion Speichern-Dämmen-Speichern, dazu der wundervolle Raumluftausgleich durch lange Feuchtespeicherung. Der Taupunkt liegt irgendwo zwischen Schüttung und Altgefach. Das Tauwasser wird kapillar abgeführt und vedunstet an den inneren oder äußeren Wandoberflächen wieder, sofern die nicht versiegelt sind. Abgesehen davon kann Lehm sehr viel Wasser speichern, ohne dass was passiert.
Wichtig: Keine Hohlräume, keine Luft, keine Unterbrechung der Kapillarführung. Pilze, Schädlinge etc. habe ich immer dort gefunden, wo Holz nicht sauber von Lehm umschlossen ist, wo Stroh nicht lehmgeschützt ist, wo große Kondensationszonen entstehen und entweder organsiches Material ungeschütz oder zuwenig kapillar abführende Material vorhanden ist.
Ich plane und baue seit 1995 ohne Dampfsperren und -bremsen und habe noch keine Problem bekommen.
(weitere Fotos und Antworten zum Thema in meinem Profil)



Taupunktberechnung



Es mag sehr wohl sein daß die Taupunktberechnung richtig ist, jedoch, wie beschrieben kann anfallendes Tauwasser vom Lehm ausreichend abtransportiert werden. Was die Taupunktsoftware nicht berücksichtigt, ist eindringende Feuchtigkeit von außen, die man bei Fachwerk im gegensatz zum Neubau zwangsläufig hat, diese ist das Hauptproblem bei der Variante mit der Dampfbremse, denn diese Feuchtigkeit kann dann nicht nach innen weg und bleibt hinter der Dampfbremse somit saufen die Fachwerkbalken ganz langsam ab, was ich schon oft genug vor Ort gesehen habe.

Mit schönen Grüßen aus Unterfranken
Herbert



Eindringtiefe



Ich habe einmal einen Nachweis gelesen (weiss leider nicht mehr wo), nach dem die Feuchtigkeit von innen in massive Bauteile in der praktischen Wirklichkeit nur wenige mm eindringt, um bei trockener Raumluft entsprechend wieder heraus zu diffudieren. Die Taupuntberechnung wäre demnach rein theoretisch, und ein berechneter Feuchtedurchgang durch die Wand werde in der Wirklichkeit nie erreicht.

Mag stimmen, wenn man annimmt, dass die Feuchtbelastung von innen stark schwankt. Berichte von lehmgeputzen Badezimmern bestätigen dies.

Ich versuche immer, mit einem kapillar wirksamen Gesamtquerschnitt der Wand und speicherfähigen Materialien "auf der sicheren Seite" zu sein-ohne Berechnungen.

Eine Taupunkberechnung scheint mir daher lediglich bei nicht speicherfähigen und nicht kapillar wirksamen Konstruktionen (etwa Holzrahmenbauweise) sinnvoll, bei Massivbauweise aber überflüssig.

???



Vorschlag von Fred Heim



Hallo Herr Heim,

ich habe Ihren Vorschlag mit der Knauf EnEV Software durchgerechnet: Es sollte gehen, wenn auch die Menge Tauwasser nach dieser (statischen) Berechnung etwas groß ist aber erträglich erscheint.

Zudem: Ich glaube ich hab's jetzt langsam verstanden: Verwendet man innen zunächst Materialien mit einem größeren µ-Wert hat man sozusagen eine Dampfbremse "frei Haus" und man muss keine Plastikfolie als Dampfbremse oder gar eine Dampfsperre einbauen. Sicherer scheint diese Variante zu sein, da man nie ganz Tauwasser ausschließen kann (-25°C im Winter?) und die prinzipiell diffusionsoffene Lösung die Feuchte wieder rauslässt. Nochmals Vielen Dank!

Ulrich Hoeppe


P.S.: Für diejenigen, die selber mal "rumrechnen" wollen nochmals der direkte Link: www.enev-rechner.de
Auch nach Meinung meines Architekten ein nettes Programm, welches u.A. seine Erfahrungen prinzipiell bestätigt.
Ich empfehle aber aus eigener Erfahrung trotz Allem vor der endgültigen Entscheidung einen Fachmann hinzuzuziehen.