Außendämmung an dünner Fachwerkwand

27.10.2006



Wir renovieren derzeit ein ca. 250 Jahre altes kleines Fachwerkhaus. Nun stoße ich auf ein Problem bei der Außenwanddämmung. Unsere Fachwerkwände sind 14cm dick und überwiegend mit Lehmziegeln ausgemauert.
Wir wollen das Fachwerk innen sichtbar lassen und nur die Gefache mit Lehmputz verputzen. Außen soll ein
diffussionsofenes Dämmverbundsystem aufgebracht werden
(Gutex o.ä.). Durch die Art der Innenwandgestaltung wird es sich nicht vermeiden lassen, dass am Anschluß Holz-
Lehmputz Risse entstehen, was uns optisch auch nicht stört.
Die Folge wird aber sein. daß die Wasserdampfdurchdringung von innen nach außen sehr ungleichmäßig erfolgt und dies kann meiner Kenntis nach zu Feuchteschäden führen.
Da wir für das Dämmverbundsystem sowieso einen ebenen tragfähigen Untergrund brauchen, bietet es sich an, den vorhandenen Außenputz zu ergänzen und, wo z.B. Zementputz aufgebracht wurde, zu entfernen und neu zu verputzen.
Kann nun eine Putzschicht z.b. Trasskalkputz unter der Dämmung die Nachteile der Rissbildung in der Innenwand auffangen? Wenn Ja gibt es Empehlungen für einen geeigneten
Außenputz "von der Stange" Fabrikat, Artikel?
Wenn es so nicht geht, was würden mir die Fachwerkspezialisten alternativ empfehlen ?

Vielen Dank
Uli Beisswenger





Guten Morgen,
steht das FW-Haus denn nicht unter Denkmalschutz? Mit Sichtfachwerk, verputzt (seit wann? Zementputz lese ich) oder anders verkleidet?
Ca. 250 Jahre alt und sämtliche Gefache mit Lehmsteinen? Sind Sie sicher?
Wurde vielleicht nicht nur ein Teilbereich repariert?
Wollen Sie wirklich Sichtfachwerk an der Innenseite der Aussenwände herstellen?
Was wollen Sie sehen? Baumkanten und überstehende Ausfachungen, wenn sie
denn ausgemauert sind?
Entschuldigung, aber haben Sie vielleicht einen japanischen oder amerikanischen Migrations-
hintergrund? Verfälschen Sie das Gebäude nicht unnötig und planen Sie Wandaufbauten nicht
aus dem Bauch heraus, sondern lassen diesen von einem erfahrenen Bauphysiker rechnen.
Ansonsten gehen 250 Jahre Baukultur mal ganz schnell verloren.
Oder aber Sie greifen auf bewährte Innendämmungen zurück, aber auch hier gilt, Wandaufbau rechnen lassen! Mögliche Details siehe: http://www.claytec.com/
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies



Klärung Grundlagen



Hallo Bernd Kibies,
vielen Dank für Deine Antwort, auf meine eigentliche Frage bist Du nicht eingegangen und ganz so einfach wie Du denkst liegt die Sache nicht.
Es besteht kein Denkmalschutz, das Haus ist wirklich
ca. 250 Jahre alt und alle Original erhaltenen Innen- und Außenwände(die meisten Wände sind noch Original) sind
teilweise mit ungebrannten Volllehmziegeln, teilweise
mit Strohlehmziegeln ausgefacht.
Das Haus hatte vermutlich nie ein Sichtfachwerk, aber nach Abtragen der vielen Putzschichten, bis zum noch gut erkenn-baren Ursprungsputz, ist zu sehen, daß die Gefache mit
Lehm- oder Kalkputz verputzt waren und das Holzwerk innen sichtbar und nur mit Wandfarbe übersrichen war.
Nach meinen Recherchen war eine solche Wandgestaltung bei
"Arme Leute Häusern" durchaus üblich. Deswegen habe wir auch keine überstehenden Mauerkanten und ähnliches sondern
wollen, weil es einfach schön ist, den Urzustand weitgehend wiederherstellen.
Außen hat das Haus überwiegend einen, ganz sicher nicht so alten Kalkputz, der aber teilweise mit Zementputz ausgeflickt, und wie so oft irgendwanneinmal mit
Fassadenfarbe überstrichen wurde.
Daß wir über eine Dämmung nachdenken, muß man heute eigentlich nicht mehr begründen, behaglich war es in diesem Haus bei 14cm dicken Wänden im Winter nie und wir
sitzen eben heute nicht mehr, wie vor 200 jahren im einzig warmen Raum am offenen Herd (noch gut zu erkennen) und gehen abends mit einem Säckchen angewärmter Kirschkerne ins Bett. Abgesehen vom Raumverlust wäre, wie oben beschrieben, eine Innendämmung sicher eine größere Verfälschung als die von uns vorgesehene Vorgehensweise.

Viele Grüße
Uli Beisswenger

p.s. vielleicht findet sich noch jemand der auf meine Frage eingeht.



Sichtfachwerk innen



finde ich furchtbar problematisch, weil der "Arme-Leute-Charakter" wieder so richtig zum Vorschein kommt. Bauphysikalisch ist es aber nicht zu beanstanden, wenn denn die Luftdichtheit außen gewährleistet werden kann. M.E. geht das, auch durch Aufbringen eines "Grundputzes" außen.
Ich würde einen Lehmputz zum Ausgleich nehmen, weil ein Kalkputz Luft zum Abbinden über sehr lange Zeit braucht.
Dann können Sie Ihr WDVS montieren.

Grüße vom Niederrhein





Sehr geehrter Herr Beiswenger,
natürlich kann ich aufgrund der wenigen Hinweise, nicht eine umfassende Einordnung Ihres
FW-Hauses machen. Eine genauere Beschreibung des Bautyps und Fotos sind dabei z.B. manchmal dienlich.
Ihre Mutmaßungen, daß das Fachwerkhaus vermutlich schon immer außen verputzt war, halte ich für gewagt und wäre auch historisch nicht belegt. Außenputz an Fachwerkhäusern war erst ab ca. 1800, eher erst ab 1850, üblich. Früher wohl nur in einzelnen Fällen, wg. allzu großer Brände in einzelnen Städten.
Das Innere wurde sofort verputzt oder überschlämmt (Sie nennen es Wandfarbe). Ab dem 18 Jh. hatten FW-Häuser jene baulich klare Differenzierung zwischen außen und innen, die uns heute geläufig ist.
Ein reines Sichtfachwerk im Inneren halte ich daher für eine Wohnnutzung auch eher ungewöhnlich und es sollte geklärt werden, welche Räume wirklich einer Wohnnutzung dienten. Untergeordnete Räume wurden bzw. mußten aus wirtschaftlichen Gründen einfacher gehalten werden.
Aber wie schon gesagt, falls Sie Ihr Haus nicht in einigen Jahren neu bauen möchten bzw.
umfassende Instandsetzungsarbeiten einleiten möchten, sollte der gewählte Wandaufbau von
einem Bauphysiker gerechnet werden.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies





Ich glaube nicht, dass es zu Feuchteproblemen kommt, da sich der Taupunkt durch die Aussenwanddämmung nach aussen verlagert. Zudem macht es dem Lehm in den Gefachen kein Problem, mal feucht zu werden. Hauptsache, dass die Feuchtigkeit wieder weg fundieren kann. Ansonsten bieten die Holzweichfaserhersteller wie z.B. Pavatex eine Spachtelmasse an, mit der vor Befestigung der Platten Unregelmässigkeiten an der Aussenseite begradigt werden können.
Gruß Jörg Steinhäuser