Denkmalschutz innen




Hallo liebe Forums-Besucher!

Wir sind bereits bei den Verhandlungen ein denkmalgeschütztes Haus im Landhausstil (von einem Architekten namens von Heim) zu kaufen. Auch steht dieses Haus unter Ensemble-Schutz zusammen mit einer Kirche und einem Pfarrhaus. Alle drei Gebäude wurden 1968 erbaut und stehen seit 1990 unter Schutz. Wir möchten das Haus von außen auf jeden Fall so erhalten, d.h. nach Denkmal- und Ensembleschutzrichtlinien, weil wir gerade von dieser Architektur und der Optik so sehr begeistert sind.
Bei diesem Haus handelt es sich um ein ursprüngliches Doppelhaus. Bereits vor dem Denkmalschutz wurde jedoch im OG ein Durchbruch zur anderen Hälfte gemacht.
Das Haus v.a. im EG ist jedoch durch die sehr kleinen Räume und die Aufteilung sehr ungeschickt geschnitten. Auch liegen noch die originalen Boden und Badfliesen, die natürlich durch die Zeit gelitten haben und dementsprechend veraltet und abgenutzt aussehen.
Unsere Vorstellung wäre es 2 Wände (mitunter einen Durchbruch im EG zur anderen Hälfte) einzureissen und das Fachwerk in der Mehrzahl der Räume freizulegen, sodass die Architektur richtig zum Vorschein kommt.
Ich habe mit der Denkmalpflegerin bereits telefonisch Kontakt aufgenommen und wir haben einen Termin auf nächste Woche vereinbart.
Meine Frage jedoch bereits vorab. Kann es sein dass z.B. alte Fliesen und Bodenbeläge erhalten werden müssen auch wenn schon einiges daran kaput ist? Wie sieht es mit den Wänden aus? Von innen Isolieren und das Dach isolieren dürfte ja kein Problem sein, oder?
Hat jemand aus dem Stuttgarter Kreis eventuell mit hiesiger Denkmalschutzbehörde zu tun gehabt?
Für Antworten und Tipps wäre ich sehr dankbar!!!

LG Zuzana





Guten Abend,
ein Blick in die Unterschutzstellung ist dabei hilfreich.
Ist dabei nicht ausdrücklich nur die Fassade geschützt, gilt die Unterschutzstellung für das gesamte Gebäude, einschl. der Innenräume. Die Arbeiten sind dann erlaubnispflichtig, bitte dann für das Bundesland entsprechende Denkmalschutzgesetz beachten.
Inwieweit Bodenbeläge beschädigt sind, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen,halte ich jedoch zumeist für sehr subjektiv und dehnbar. Demnach hätten z.B. Restauratoren keine Existenzberechtigung.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies





Da in und um Stuttgart herum Traditonell kein grosses Denkmalverständnis herrscht, im Nachkriegs-Stuttgart wurden mehr Denkmäler und historische Bausubstanz vernichtet als die allierten Terrorbomber im Krieg zerstören konnten, kämpfen die Stuttgarter Denkmalbehörden eisern um alles erhaltenswerte und da sie von Seiten der Denkmalbesitzer hier in der Regel immer versucht werden, betrogen und angelogen zu werden ist die Toleranzschwelle hier deutlich niedriger als z.B in Nürnberg.
Das gleiche gilt für die Auswahl der zur Verfügung stehenden Handwerker, hier herrschen überwiegend Ignoranz, Geldgeilheit, Massendenken oder Billigausländer vor.

Stuttgart zählt heute vom denkmalpflegerischen Aspekt gesehen zu den hässlichsten, gesichtslosesten Städten in der BRD.



Denkmalschutz innen



Hallo,
ich denke, wenn die Fachfirma, die Ihr Haus Restaurieren soll, sei es in Putz, Stuck oder sonsige alte Techniken, zu der Sie das Vertrauen haben der örtlichen Denkmalpflege klar sagen kann, was zu erhalten ist und was nach dem Original nachgefertigt werden kann, sodass es den Geldbeutel nicht sprengt, gibt es immer eine Lösung.

Wir haben die Erfahrung jetzt in unserem Gewerk, dass beim Verputz oft keine grossen Vorschriften gelten, doch der Anstrich muss dann holzgebrannter Sumpfkalk (Marke Altmannstein) sein. Und das ist darum so, weil das alte Wissen beinahe in Vergessenheit geraten ist und die guten Handwerker fehlen. Oft wird auch eine zu schnelle Entscheidung getroffen und es wird gar nicht mehr auf das Gebäude eingegangen. So kann man vieles kaputt machen das nicht mehr oder sehr schlecht zu retten ist.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Mut.

Mit freundlichen Grüssen.

Veronika Klepac



Denkmal



Hallo!
bei unserem ersten Haus gab es auch die Vorgabe die im Eingangsbereich befindlichen 2,5m² Fliesen zu belassen. Bei dem Vorort-Termin (wie gut, dass der war!) hat sich das aber schnell als hinfällig betrachtet: sie waren komplett hin.
Wenn erhaltungswürdige Fliesen vorhanden sind, die aber nicht mehr den ganzen Raumboden ausfüllen, hätte ich folgende Gestaltungsidee (und hoffe, hier schimpft niemand mit mir):
Ich würde sie als gestalterisches Element in der Mitte des Raumes als Quadrat oder Sechseck (je nach Form) Verlegen und von außen mit einem Rahmen aus Holzdielen oder ganz neutralen Fliesen abschließen.
Lieben Gruß
Silke



Denkmalschutz innen



Hallo,

@Silke
ja man kann durchaus altes mit neuem kombinieren, gerade, weil bei vielen Dingen, die Originale gar nicht mehr zu bekommen sind.

Früher wurde ja erbaut und heute repariert. Bei Reparaturarbeiten ist halt darauf zu achten, inwiefern das alte beschädigt ist. Wir hatten schon ein paar Mal die Erfahrung bei Stuckdecken gemacht, dass der alte Stuck so stark beschädigt war, dass eine Reparatur den Geldbeutel absolut sprengen und wir dann nach dem Original die Profile fertigen und eine neue Stuckdecke nach der alten erstellen, gerade auch darum weil in späteren Zeiten oft das alte kaputtsaniert wurde.

Mit freundlichen Grüssen.

Veronika Klepac



Denkmalschutz innen



Hallo alle zusammen!
Der Termin mit der zuständigen Denkmalpflegerin war heute und wir sind possitiv überrascht. Unser Hauptanliegen wurde ihrerseits nicht so schwarz gesehen!
Wir dürfen ein paar Wanddurchbrüche machen unser Bad modernisieren...
Ich denke wir hatten Glück und sind an eine ganz Nette der Stadt Stuttgart geraten, die nicht nur die gesetzlichen Richtlinien stur beachtet, sondern diese auch im Zusammenhang mit Wohlfühlen in den eigenen vier Wänden sieht. Nachdem ich nun schon einiges negatives von Denkmalpflegern und -behörden gehört habe, bin ich nun wirklich positiv überrascht. Es sind auch nur Menschen und auch mit ihnen kann man reden.
Vielen Dank für die hilfreichen Tips und Antworten.



Denkmalschutz innen



Hallo Frau Kofron,
gratuliere für Ihr erfolgreiches Erlebnis. Viel Glück und frohes Schaffen weiterhin.

Mit freundlichen Grüssen.

Veronika Klepac





Sehr geehrte Frau Kofron,
das negative Meinungsbild über Denkmalbehörden resultiert wahrscheinlich daraus, daß in einem Internetforum natürlich die Mehrzahl der Beiträge über negative Erfahrungen berichten. Die Ursachen werden oftmals auch nicht hinterfragt.
Das sind gefühlte 90-100%, diese entsprechen aber nicht der Realität.
Ich arbeite in diesem Bereich nun seit 16 Jahren und kann mich nicht daran erinnern, jemals schlechte Erfahrungen mit Denkmalbehörden gemacht zu haben. Vielmehr war es ein munteres Miteinander. Glück war es nie, sondern Dialogbereitschaft mit realistischen Forderungen.
Weiterhin viel Erfolg und ein behutsames Händchen!
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies