Immobilienkauf mit Überraschungseffekt

Im vergangenen Jahr haben meine Frau und ich uns nach langem Abwägen dazu entschieden, ein altes Haus im Ortskern unserer Heimat zu kaufen. Nachdem wir große Angst vor den möglichen versteckten Schäden einer derart alten Immobilie hatten, kann ich aus heutiger Perspektive sagen, dass das Glück auf unserer Seite lag und wir ein wahres Schmuckstück erworben haben. Das Haus war alt, aber toll aufgeteilt und mit dem kleinen Hinterhof entsprach es genau unseren Vorstellungen. Da ich sehr gerne heimwerke und auch meine Frau gerne mit anpackt, waren wir uns von Anfang an einig, vieles in Eigenarbeit zu erledigen.

Nachdem wir alle Pläne mit Hilfe unseres Architekten abschließend erstellt und die nötigen Genehmigungen eingeholt hatten, konnten wir endlich starten. Die alten Bäder wurden rausgerissen und die ersten Mauern sollten folgen. Ziemlich schnell erkannten wir, dass wir es mit einem alten Fachwerkhaus zu tun hatten, was unsere anfänglichen Pläne etwas durcheinanderwirbelte, nachdem wir die Substanz des Holzes erfolgreich prüfen ließen. Natürlich wollten wir die Balken freilegen und als Designelemente im Haus verwenden, auch wenn die Wände dafür teils fallen mussten. Von außen war das Haus mit Bitumplatten verkleidet, wie wir heute wissen, weshalb für uns der Holzkern nicht auf Anhieb ersichtlich war. Nachdem wieder einige Zeit mit neuen Planungen ins Land ging, konnten wir dann aber doch irgendwann erfolgreich starten. Es folgten endlose Wochen mit unglaublicher mühseliger Arbeit. Was wir aber vollbracht haben, kann sich wirklich sehen lassen. Wir konnten das Fachwerk in der Außenfassade komplett freilegen und auch im Haus ist es vielerorts sichtbar. Entweder in den Mauern oder auch einfach freigelegt als Raumtrenner oder Designelement. Den Boden haben wir mit passenden Fliesen versehen, sodass man das Alter des Hauses gut erkennen kann, obwohl doch praktisch alles neu ist.

Ein besonderes Highlight stellte ein Fund im kleinen Erdkeller des Hauses während der Umbauphase dar. In einer Ecke unter ziemlich viel Gerümpel fand ich einen alten Schraubstock mit dicken Farb- und Rostschichten übersäht. Sehr zum Leidwesen meiner Frau wollte ich den unbedingt mit nach Hause nehmen, um ihn in der Hoffnung aufzubereiten, ihm später ein schönes Plätzchen in meiner Werkstatt zu vergeben. Dabei muss ich hinzufügen, dass ich ein absolutes Faible für Schraubstöcke habe. Ich erwähnte ja bereits meine Affinität zum Heimwerken, weshalb meine Werkstatt gut ausgestattet ist. Aber insbesondere verfüge ich über fünf Schraubstöcke, die ich regelmäßig im Einsatz habe. Ob Parallelschraubstock, höhenverstellbarer Schraubstock oder Minischraubstock - bei mir findet man alle. Das Schraubstock kaufen hat sich fast als ein Hobby etabliert. Aber so was wie dieses ranzige Exemplar hatte ich noch nicht in den Händen gehalten. Nachdem ich das gute Stück in mühsamer Kleinstarbeit demontiert und gereinigt hatte, stellte er sich als Heuer D.R.P. (deutsches Reichspatent) aus den 20 er Jahren heraus. Der Schlitten fährt nach hinten und die Backen sind etwa 125 mm breit. Der aufbereitete Schraubstock entpuppte sich also als richtiger Schatz und hat heute leider keinen Platz in meiner Werkstatt, sondern trohnt auf Wunsch meiner Frau im Wohnzimmer.


Insgesamt war der Kauf des Hauses aus dem Jahr 1922 in unserem Fall ein echter Erfolg. Einige kleinere Schäden konnten schnell behoben werden. Trotzdem muss man beim Kauf einer derartigen Immobilie bereit sein viel Eigenleistung zu investieren, da die Kosten sonst ins Bodenlose steigen. Aber dann sollte man es wagen! Es lohnt sich.