Ideales Spaltmaß zwischen Fachwerk und Fenster-Blendrahmen?




Hallo,

selten hat man rechtwinklige Fensteröffnungen im alten Fachwerk. Ist es dann doch mal der Fall, ist manch einer unbedarft geneigt die (hier Holz)-Fenster passgenau einzubauen und wundert sich das bei entsprechender Feuchteänderung die Fenster sich nicht sauber öffnen und schließen lassen.

Im konkreten Fall sind die größten Bauteilöffnungen B110 * 138cm. Vertikal sind die Öffnungen zwischen Eichenholzständern mit ca. 22*18cm (+/- 4cm) Querschnitt und horizontal zwischen Nadelholzrehm (ca. 8*20cm) und Eichenholzriegel (ca. 13*15cm)angeordnet.

Wie breit sollte umlaufend der minimale Spalt zwischen Fachwerk und Fenster sein?
Liege ich mit 7mm richtig?

Ich nehme an eine Holzfeuchteänderung übers Jahr von 7%
Das macht quer zur Faser bei 0,25%Querschnittsänderung x Änderung der Holzfeuchte von 7% , 1,75% Querschnittsänderung übers Jahr also 1,75% *22cm=3,85mm
zzgl. weitere 3mm Sicherheitsfaktor für weitere Bewegungen des Fachwerks macht ca. 7mm Spaltmaß umlaufend.

Gruß
Detlef



… grau … ist alle Theorie



Hallo

dieses Lehrbuchwissen wird sich bald als "Leer-Buch"-Wissen herausstellen, denn so ein altes Gebäude wird Ihnen nicht den Gefallen tun, sich so zu verhalten, wie es im Lehrbuch steht … 

Die relativ weichen Fachwerkkonstruktionen werden sich immer bewegen (Wind, Belastung, Schwund, … und gerade deshalb sollte man es VERSTEHEN was man wo und wie macht im und am Fachwerk.

Da werden Rechenexempel ebenso scheitern wie die oft zitierten Allerweltswerke: DIN, WTA, Taupunktrechner etc. …

Zum Thema:
Wenn Sie dann den "richtigen Wert" haben vergessen Sie nicht dass in der Fuge evtl sich noch ein "Dichtmaterial" befindet (Stopfhanf is ja zur Zeit der Renner hier) … und da brauchen Sie dann den Komprimierungsfaktor im trocknen wie im feuchten Zustand … um einen wissenschaftlich richtigen Wert hinzubekommen … und dann noch "genau arbeiten" … jede Seite "genau" 7 mm" und wie bekommt man dann noch die Befestigung hin? die ja "beweglich sein muss" … 

DAS wird eine Dr-Arbeit!

… und was dann , wenn in die Konstruktion evtl doch Wasser in mehreren Tropfen reinkommt?????

Gutes Gelingen!

P.S.
So ein Thema ist ein Beispiel für mein Thema: "Die Kette (das System) ist so stark, wie das schwächste Glied!"

Das System muss verstanden werden und auf einer gleichen Ebene sollten sich die Bauteile ergänzen und zusammenfügen . und das in der REALITÄT und nicht vom Hirn her!

Florian Kurz



Die Lücke



Die historischen Fenster hier waren aufgesetzt,die Nahfolger auch ,in der Traufwand wollte ich keine unterschiedliche Optik,deshalb habe ich die nach Sanierung so wieder eingebaut.

In der Giebelwand ist es aber nun möglich die Fenster einzusetzen,Ringsrum hab ich 10-15mm Luft .Warum?
Einfach nach Gefühl,wat jetz nich sehr fachlich ist.

Ich habe vor kurzem in einem Antiquariat ein Holzfensterbaubuch aus den fünfzigern entdeckt,wenn du bis Mittwoch Zeit hast ,schaue ich dort gerne mal nach.

Wenn die Fensterbauer,die es ja hier zu Hauf gibt,nicht schneller sind.

Grüße Martin



Martin sieh mal bitte nach



Hallo,

danke Martin,

kurz zur Vorgeschichte:

Der Fensterbauer hat vor ca. 2Jahren 14 Fenster zu passgenau eingebaut zwar mit Fuge, welche aber in der feuchteren Jahreszeit verschwunden ist. Mit dem Eregbnis dass die meisten Fenster mitunter extrem klemmen. Meine Überlegung ist jetzt die Blendrahmen etwas abzuhobeln um die nötige Ausdehnung in einer vergrößerten Fuge aufnehmen zu können. Villeicht ist es eine Alternative zum Fenstertausch.
Gewährleistung geltend zu machen ist in diesem Fall sinnlos. Es geht nur noch um Schadensbegrenzung. Die Fenster sind immer hin relativ "elastisch" im Gefach montiert, d.h. eine starre Verschraubung liegt nicht vor.

Gruß
Detlef



Hallo Detlef



Gestern hab ich s nicht geschafft,der Laden war ständig voll und ich kam nicht weg .
So war dann heut mal da ,der renoviert und besagtes Buch liegt irgendwo zwischen sechs Qubikmeter Büchern im Lager....

Sorry....

Frag doch mal gezielt den Jürgen Kube.

Beste Grüße Martin



Fensterluft



Also üblich sind ca 10 mm Luft zur Seite und nach oben.
Unten sollen die Fenster auf Klötzen aufstehen, sodaß hier keine Bewegungsfuge ist.

Ich habe aber auch schon Fenster im Wintergarten nur mit 2-3 mm Luft eingebaut- jedoch zwischen schmale Lärchenpfosten, die nicht zu sehr heruntergetrocknet wurden und als Rift/Halbrift geschnitten waren, sodaß die nur etwa halb so viel arbeiten wie bei normalem Einschnitt.

Vor dem Einsetzen Kompriband seitl. an den Rahmen und dann zügig eingesetzt ehe es sich ausdehnt.
Schmale Fugen mit Wolle oder Hanf ausgestopft.
Dann Innenfuge verschließen.

Das hängt aber immer vom Einzelfall ab-wie du das berechnet hast ist etwas praxisfern.

Allerdings ist mir nicht ganz klar, wie die Befestigung bei dir funktioniert wenn keine starre Verschraubung vorhanden ist.

Mach doch Bilder von den Fenstern-von innen und außen.

Andreas Teich



Hessenkrallen



Hallo Andreas,

die Befestigung war mit sog. "Hessenkrallen" ausgeführt. Diese waren Plan anliegend in den Blendrahmen vom Fenster geschraubt und auf der anderen Seite plan anliegend an das Fachwerk geschraubt. Im Gegensatz zu Fensterrahmenschrauben werden die Fenster nicht starr auf Abstand zu den Balken gehalten, wenn denn ein Spalt vorhanden gewesen wäre.
Die Fenster selbst sind bündig mit dem Fachwerk montiert.
Die gefundene Lösung ist, das die betroffenen Fenster ausgebaut werden und Fachwerk, wie auch Blendrahmen etwas abgehobelt werden um den nötigen Spalt zu schaffen.

Wie macht ihr das bei Montage im Fachwerk innenseitig nach den a.R.d.T. mit der geforderten Luftdichtigkeit?
Trioplex, Putzband, Klebeband für Bauanschlußfugen etc.?

Gruß
Detlef



Fensterabdichtung Fachwerk



Hallo Detlef
Hessenkrallen kenne ich, habe ich schon benutzt.
Früher wurden Fenster teilweise auch nur genagelt wie z.B. die Türzargen in meinem über 100 Jahre alten Haus.
Wenn die Fenster unten stabil aufsitzen brauchen sie ja nur in beiden vertikalen Richtungen gehalten zu werden.

Außen würde ich dann ein gutes 600 pa Kompriband zwischen Fachwerk und Fenster nehmen- die breiteste Variante die noch hineinpaßt.

Also außenbündig an den Rahmen kleben, sodaß es gerade noch einzusetzen ist- dann sofort zwischen die Balken schieben bevor es sich ausgedehnt hat.

Dann Befestigung mit Hessenkrallen, ist sicher ok.

Seitlich innen an den Rahmen ein wechselseitig klebendes Luftdichtungsband ankleben- ggf durch dünne Holzleiste oder 3 mm Sperrholzstreifen zusätzlich sichern.

Die Fuge voll mit Hanf ausstopfen.

Den überstehenden Streifen des Dichtungsbandes ans Fachwerk kleben, vorher evt Risse im Klebebereich verschließen.
Dabei das Klebeband mit Schlaufe versehen, sodaß es Bewegungen des Fachwerks aufnehmen kann ohne abzureißen.

Auf das Fachwerk-nicht auf den Fensterrahmen!!!- Holzleisten schrauben zur Abdeckung der Fugen und um später eine leichtere Kontrollmöglichkeit zu haben.
Die Breite der Leisten muß groß genug sein, um die größtmögliche Fuge abdecken zu können.

Es wäre sicher interessant, die tatsächlichen min und Max Fugenbreiten außen zu messen und hier mitzuteilen.

Andreas Teich