In welchem Jahr wurde das Haus erbaut?




Hallo an alle,

ich bin im begriff mir eine alte Hoffreite zu kaufen. Nun ist es so das die Verkäufer keine Ahnung haben wie alt das Gebäude tatsächlich ist und haben um 1900 angegeben.
Beim näheren betrachten hab ich eine Geschnitzte Inschrifft am Tor entdeckt. Siehe Bild.

Das Haus steht in der Nähe von Butzbach Hessen. Gehört zum Dorf Kern. Auf der einen Seite des Tors steht ANNO auf der anderen Seite sind die Symbole und Zahlen.
Mehr ist nicht zusehn da der rest des Baus noch verputzt ist.

Kann mir jemand helfen das herraus zu finden? bzw. wie kann ich sowas raus finden?



Zusatz



Entschuldigung, bin neu hier im Forum und bin noch nicht durch alles durchgestiegen, hier das Foto.



Sieht



für mich wie 1781 oder 1741 aus!



Recyclingholz ;)



Könnte aber auch Recyceltes Altholz vom alten Hof im Neubau um 1900 sein, da fehlt dann doch der Blick auf das ganze Haus, um zu sehen ob der Baustil passt.
Kataster, Bauarchiv, Heimatverein wären auch noch Adressen.
Das gute schwarze Zeugs zwischen den Balken auf dem Bild ist aber nicht zufälligerweise Kompriband - Heimwerkers Waffe gegen Holzspalten ??? Dann auch an anderen Stellen noch mal genau hinsehen. Zu Sanierungsfehlern am Fachwerk ist das Forum eine echte Fundgrube :)
anna





wenn das die Angabe des Baujahrs ist, ist dieser Balken sicher viel älter als 1900.
Um 1900 hat man die Schmuckschriften in einer Weise ausgeführt, die für uns heute einfach zu lesen ist.

Manchmal haben aber auch die Zimmerleute technische Beschriftungen und Abbundzeichen hinterlassen, die für uns heute schwer interpretierbar sind.

Ob der Balken überhaupt für dieses Haus geschaffen wurde, oder aber aus dem Abriss eines älteren Gebäudes stammt, kann man dem Foto nicht entnehmen.
Nun sieht das Balken aber auch nicht so aus, als ob er 230 Jahre als Torbalken der Witterung ausgesetzt war.

Gibts noch mehr Fotos?



Frage



doch mal in der Gemeinde oder beim Bauamt an, ob es noch alten Bauaktenunterlagen gibt. Bei uns ist ab etwa 1870 jeder Schornsteinumbau oder Schuppenanbau dokumentiert - wenn es denn kein Schwarzbau war.



Weiteres



Ja an Recyceltes Holz haben wir auch shcon gedacht, aber wie gesagt auf der anderen seite des Balkens steht ANNO.

Ich bin mir nicht hundertprozent sicher wie Fachwerkhäuser sich im laufe ihres Lebens wandeln, hier in dem fall ist das Tor Haus scheinbar abgesackt. es liegt 40cm tiefer wie der rest vom Haus. Allerdings hat das der Statik keinen Schaden zugefügt.
Nein ich glaube das sind nur ungünstig fallende Schatten. Ich übernehme das Haus aus einer laufenden Sanierung, hab auch, um mir ein Bild davon zu machen ob alles in Ordnung ist, vorher hier viel durchgelesen. Ich bin nicht vollkommen zu frieden damit, aber mir fehlt auch das geld um die bereits gemachten sanierungsarbeiten wieder auszubessern...:(
Er hat zumindestens nirgends eine Dampfsperre eingebaut...
Die Fassade wird im über nächsten Jahr freigelegt, evtl. kommt dann mehr noch zum vorschein.

Ich hab hier noch mal ein gesammt bild der forderen Ansicht rein geladen. Hab auch noch mehr Bilder.

Ah ok da smit dem Bauamt werd ich mal in angriff nehmen. Danke für die Info.



Varianten des Hüttenberger Hofs



Hallo Jörn

Eins vorweg: Bei der Inschrift könnt ich auch nur raten.

Hüttenberger Hof:
Gießener Raum,Traufständig mit überbautem Tor,trotzdem Dreiseithof,aber hinten offen(?),1700-1800 und früher oder später.

Dreiseithof Hüttenberger Art:
Haupthaus Giebelständig,Torhaus Traufständig aber wohl von Anfang an so geplant und gebaut.

Variante oder Hybridform:
Aus einem ursprünglichen Hakenhof mit Giebelständigen Haupthaus und Scheune hinten quer, wurde durch späteren Anbau eines Traufständigen Torhaus der Hüttenberger Hofstil nachempfunden,wobei die Bauabschnitte "weit" auseinanderliegen können.

Du siehst also, deren Möglichkeiten sind viele.

Wenn Du beim Freilegen des Fachwerks die Ornamentik des Torhausees an der Stockschwelle und womöglich auch an den Eckpfosten wiederfindest oder zumindest ihre Übergänge, ist die Inschrift auf dem Torbalken wohl repräsentativ für das gesamte Gebäude.

Aber so weit ist es ja noch lang nicht, wie mir gerade einfällt: Du stehst ja noch vor dem Kauf.

Also:
Denkmalschutzbehörde ist dafür eigentlich erste Anlaufstation. Ist es gar ein Einzeldenkmal, ist es mit Sicherheit recherchiert, fotographiert und katalogisiert und in einem der Bände "Denkmaltopographie BRD(mittlerweile vieleicht auch Deutschland,meine Ausgaben stammen noch aus grauer Vorzeit),Baudenkmale in Hessen" enthalten. Wenn nur Ensembleschutz vorliegt, wirds schon dünner.
Gemeinde,Bauamt und sogar die Kirche(falls Namen auftauchen sollten) sind ebenfalls Ansprechpartner.
Nicht zu vergessen sind auch die Dorfältesten oder die alteingesessene Zimmerei. Damit kommst Du zwar wahrscheinlich nicht ins 17te Jahrhundert, aber die kennen vieleicht noch alte Familiennamen von früheren Eigentümern, womit man wieder bei der Kirche ist....usw.

Hoffe, ich konnte ein bißchen Richtung geben.

Mit handwerklichen Grüßen
ollerich

PS: Es gibt noch ne Variante. Bei der wurde die Hofeinfahrt mit einem Tor und Tür verbaut, das ein kleines Satteldach hatte, aber nicht überbaut war, also kein OG hatte: Hakenhof mit Hüttenberger Tor.



Mehr merckmale



Aha, ok danke das ist sehr hilfreich. Es können tatsächlich alle drei Arten zutreffen.

Es gab mal ne Scheune hinten quer, das Fundament ist noch da.

Denkmalschutz gibt es in der ganzen Ortschaft nicht. Das war das erste wonach ich mich erkundigt hatte.

Aber nun hab ich anlaufstellen wo ich nachforschen kann. Da ich neu in dem Ort bin und noch keinen kenne, wirds noch ne weile dauern bis ich da dann zu nem ergebniss komme...ihr wisst ja wie das mit der alten Dorfbevölkerung so ist.

Vielen dank schon mal für die Tipps.



1900 ;-)



Hallo,

"1900" war auch bei uns die Standardantwort von Maklern als wir auf der Suche waren. Ein Anruf beim Stadtarchiv Butzbach brachte dann schnell "1756" heraus - das wusste der Eigentümer nicht, obwohl das Stadtarchiv nur ein paar Meter entfernt vom Haus liegt... Im Butzbacher Stadtarchiv / Stadtmuseum gibt es vielleicht auch Informationen zum Haus oder zumindest für das Dorf.

Auch die Aussage dass es im ganzen Dorf keine denkmalgeschützten Häuser gibt würde ich hinterfragen. Für viele Teile Hessens - und auch die Wetterau - kann man auf der Webseite des Landesamtes für Denkmalpflege nachsehen, welche Denkmäler es gibt: http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/

Wichtiger als das Alter des Hauses wäre mir, wie gut das Haus erhalten ist, welche versteckten Schäden vorliegen, ob bei früheren Sanierungen gepfuscht wurde. Daher würde ich so ein Haus nur nach gründlicher Besichtigung durch einen Experten kaufen.

Viele Grüße

Dirk (mit "Sanierungsprojekt" in Butzbach)



Alternative Lesart der Inschrift



Die Gesamtzahl der Zeichen (sieben Stück!?) legt folgende These nahe:
Die (insgesamt vier) einzelnen Ziffern der Jahreszahl wurden durch (insgesamt drei) zwischengesetzte Symbole [=Handwerker-/Zunft-Zeichen?] "gesperrt".
So lässt sich lesen: 1 * 8 * 7 * 1
also "achtzehnhunderteinundsiebzig", 1871.
Plausibel?